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Bienenprodukte in der Medizin

Hausarbeit 2020 14 Seiten

Biologie - Sonstige Themen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Honig
2.1. Inhaltsstoffe
2.2. Wirkungsweise
2.3. Anwendungsgebiete

3. Propolis
3.1. Inhaltsstoffe
3.2. Wirkungsweise
3.3. Anwendungsgebiete

4. Bienengift
4.1. Inhaltsstoffe
4.2. Wirkungsweise und Anwendungsgebiete

5. Pollen
5.1. Inhaltsstoffe
5.2. Anwendungsgebiete

6. Gelée Royale
6.1. Inhaltsstoffe
6.2. Wirkungsweise
6.3. Anwendungsgebiete

7. Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Honigbienen produzieren während ihres Lebens verschiedene Stoffe, die das Überleben des Bienenstaates sichern und zur Aufzucht der Nachkommen dienen.

Bienenprodukte erlangten bereits im antiken Ägypten und Griechenland eine medizinische Bedeutung. Seit den 1950-iger Jahren wird der Einsatz dieser Produkte unter dem Begriff Apitherapie zusammengefasst.

Stoffe wie Honig, Propolis, Bienengift, Pollen und Gelée Royale haben in der Volksmedizin bereits einen hohen Stellenwert und werden vielfältig eingesetzt (Nowottnick K. 2011).

Zunehmend erfolgt die genauere Untersuchung der komplexen Zusammensetzung der verschiedenen Substanzen und deren Wirkungsmechanismen. Der aktuelle Wissensstand über die Wirkungsweise und die Anwendungsgebiete der Produkte wird in der vorliegenden Arbeit aufgezeigt.

2. Honig

Als Honig wird der Stoff bezeichnet, den die Honigbiene gewinnt, indem sie Nektar von Pflanzen, bestimmte Sekrete lebender Pflanzenteile oder Exkrete von pflanzensaugenden Insekten aufnimmt. Anschließend reichert sie die Substanz mit eigenen spezifischen Stoffen an und lagert sie in den Waben des Bienenstocks ein (HonigV Anlage 1 [zu den §§ 1, 3 und 4]).

2.1. Inhaltsstoffe

Die Zusammensetzung von Honig ist komplex und variiert je nach Standort, Jahreszeit und botanischer Herkunft stark. Dies äußert sich unter anderem in den Unterschieden in Geschmack, Aroma und Farbe (HonigV Anlage 1 [zu den §§ 1, 3 und 4]).

Im Wesentlichen bestehen alle Honigsorten aus 70 Prozent Fructose und Glucose, 15 bis 21 Prozent Wasser und ca. 10 Prozent anderer Zuckerarten. Außerdem beinhaltet Honig verschiedene Flavonoide, Aminosäuren und Proteine, zum Beispiel Invertasen, Diastasen, Katalasen, Phosphotasen und Inhibine. Zudem enthält Honig diverse Mineralstoffe und organische Säuren wie Gluconsäure, Zitronensäure, Apfelsäure, Bernsteinsäure, Essigsäure und Ameisensäure (Bogandanov et al. 2008).

2.2. Wirkungsweise

Dem Honig werden antibakterielle und antivirale Eigenschaften zugesprochen. Die antibakterielle Wirkung wird durch mehrere Inhaltsstoffe des Honigs hervorgerufen. Zum einen durch Wasserstoffperoxid, das im Honig enthalten ist. Zum anderen weist Honig durch seine hohen Zuckergehalte eine osmotische Wirkung auf. Dies bewirkt, dass den Bakterien lebenswichtiges Wasser entzogen wird, wenn Honig auf einer Wunde aufgetragen wird (Bogdanov et al. 2008). Das enthaltende Methylglyoxal bindet bei der Wundbehandlung an die DNS der Bakterien und beeinträchtigt somit deren Stoffwechselprozesse (Ferguson et al. 1998). Hierbei ist anzumerken, dass insbesondere Manukahonig aus Neuseeland einen hohen Methylglyoxal-Gehalt besitzt und daher als Basis der meisten kommerziellen Honigprodukte zum Beispiel von Medihonig® oder InfectoHoney® dient (Majtan/Majtan 2010). Weiterhin sind die enthaltenden Lysozyme und das Flavonoid Ponicembrin bekannt für ihre antimikrobielle Wirkung (Bogdanov et al. 2008). Einige Bakterien zeigen aufgrund des niedrigen pH-Wertes des Honigs (pH-Wert 3­4) ein erschwertes Wachstum (Blumer/Bogdanov 2001). Ferner unterstützen Defensine die Abwehr von Bakterien und Viren, indem sie die Bakterienmembran zerstören oder deren Eiweißsynthese behindern (Jenssen et al. 2006).

Neben der antibakteriellen Wirkung besitzt Honig aufgrund gewisser Flavonoide wie Quercetin, Rutin, Apigenin und Campherol eine antivirale Aktivität. So inhibieren beispielsweise Quercetin und Rutin die virale Polymerase, die Bindung der viralen DNS oder die viralen Capsin-Proteine (Selway J. W. 1986). Weitergehend erhöht sich die antivirale Aktivität durch synergetische Effekte der Flavonoide Apigenin und Campherol (Cushnie/Lamb 2005).

2.3. Anwendungsgebiete

Honig wird in der Medizin vielfältig eingesetzt. Fundierte Studien gibt es unter anderem über den Einsatz von Honig bei Brandwunden, um diese keimfrei zu halten und eine Sepsis zu verhindern (Malik et al. 2010). Bei einem diabetischen Fuß wird die Größe der Geschwüre durch die Behandlung mit Honig verringert, sodass es teilweise zur vollständigen Abheilung kommt (Makhdoom et al. 2009).

Bei Strahlentherapien im Kopf-Hals-Bereich verringert Honig die Schwere der Schleimhautentzündung (Khanal et al. 2010; Rashad et al. 2009). Des Weiteren kann die Reizung der Mundschleimhäute beim Einsatz von Honig während einer Chemotherapie gelindert werden. Grund dafür ist, dass sich der Honig wie ein Schutzfilm über die Schleimhäute legt (Abdulrhman et al. 2012).

Zur Behandlung von Heuschnupfen dient die Verabreichung von Honig der langsamen Desensibilisierung. Dazu soll Honig aus der unmittelbaren Umgebung sofort nach der Blütezeit der jeweiligen Pflanze eingenommen werden (Stangaciu/Hartenstein 2004).

Honig kann bei verschiedenen Viruserkrankungen erfolgreich eingesetzt werden. Beispielsweise kommt es zu einer schnelleren Abheilung bei Lippen- und Genitalherpes, wenn die Infektion mit Honig behandelt wird, verglichen mit der Standardtherapie mit einer Aciclovir-Salbe (Al-Waili NS. 2004).

In der Volksmedizin hat Honig außerdem einen hohen Stellenwert bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten. Die zugeschriebenen Effekte bedürfen jedoch weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen.

3. Propolis

Propolis bedeutet aus dem Griechischen übersetzt ,,vor der Stadt”. Hinter dem Namen verbirgt sich eine harzartige Substanz, die die Bienen dazu nutzen, den Stock sauber zu halten, zu desinfizieren und um Ritzen und Spalten zu verschließen. Die Sammlerbienen sammeln die Substanz von Bäumen und reichern sie mit spezifischen eigenen Stoffen an. Propolis wirkt wasserabweisend, fäulnisverhindernd und wärmeisolierend (Bogdanov S. 1999).

3.1. Inhaltsstoffe

Chemisch gesehen ist Propolis ein Vielstoffgemisch aus mehr als 400 Substanzen, wovon die Hälfte noch nicht identifiziert wurde. Wichtige bekannte Inhaltsstoffe sind die Hydrochinone, Kaffeesäure und seine Ester, Quercetin, bestimmte Flavonoide und Liane. Außerdem besteht Propolis zu 5 bis 40 Prozent aus Wachs, hochmolekularen Estern, Äthern, Ketonen, höheren Fettsäuren und Steroiden, die schwer alkohollöslich sind. Zudem enthält Propolis alkohollösliche Polyphenolen (Chalkone, Dihydroxychalkone, Flavonone,

Flavone, Flavole), aromatischen Säuren, wasserlösliche Aminosäuren, Zucker, Vitamine und Mineralstoffe (Bognadov S. 1999).

Das Ausgangsprodukt kann sich je nach Jahreszeit und Herkunftspflanze stark unterscheiden, wodurch der medizinische Einsatz erschwert wird (Bogdanov S. 1999).

3.2. Wirkungsweise

Ähnlich wie bei Honig besitzt Propolis aufgrund bestimmter enthaltender Flavonoide antibakterielle Eigenschaften, insbesondere gegen Eitererreger, Erreger des Rotlaufs, Typhus und zahlreichen Darmkrankheiten (Nowottnick K. 2010). Ebenso haben die Flavonoide Chrysin und Acacetin sowie andere Substanzen die Fähigkeit, die Übertragung von Viren zu minimieren. Zudem wird Propolis eine antitumorale Wirkung aufgrund von Flavonoiden zugeschrieben (Viuda-Martos et al. 2008). Durch die Einnahme von Propolis wird das nichtspezifische Immunsystem beeinflusst, sodass es beispielsweise zu einer erhöhten Cytokin-Produktion, gesteigerter Interleukin- und Tumornekrosefaktor­Produktion kommt. Des Weiteren werden rekrutierte Leukozyten für die Immunantwort sensibilisiert (Sforcin J. M. 2007).

3.3. Anwendungsgebiete

Experimente im Labor und an Tieren bestätigen die direkte Wirkung gegen Bakterien und Pilze, sodass Propolis bei chronischen Scheidenentzündungen (Imhof et al. 2005) und bei Harnwegsinfektionen, insbesondere zur Verstärkung der Wirkung von Cranberries (Lavigne et al. 2011), eingesetzt wird.

Durch die antiviralen Eigenschaften kann Propolis gegen humane Papillomaviren, die zum einen für Warzen und Herpesinfektionen verantwortlich sind und zum anderen zu Gebärmutterhalskrebs führen können, eingesetzt werden (Zedan et al. 2009).

Außerdem hat Propolis eine zellschützende Wirkung. Studien zeigen, dass Propolis Leberzellen vor giftigen Substanzen zum Beispiel Alkohol, Tetrachlorkohlenstoff, Galaktosamin und Allyalkohol schützt (Gonzalez et al. 1995; Lin et al. 1999; Moreno et al. 2000).

Untersuchungen an Tieren verdeutlichen, dass die in Propolis enthaltenden Stoffe Artepillin C, Clerodan-Diterpen, Kaffeesäure-Phenylestern und Benzofuranen die Krebsentstehung verhindern können (Jena et al 2000; Banskota et al. 2000). Bei diesen 4 Tierversuchen haben die genannten Substanzen bösartige Tumore von Brust, Haut, Nieren und Darm unterdrückt, ohne gutartiges Gewebe anzugreifen (Kimoto et al. 2000 und Kawabe et al. 2000).

Studien an Menschen zeigen, dass Propolis die Empfindlichkeit der Zähne deutlich verringert (Mahmoud et al. 1999). So reduziert eine propolishaltige Mundspülung Zahnfleischentzündungen und Zahnbeläge (Pereira et al. 2011).

Neben der konventionellen Behandlung von Bronchialasthma, kann die Propoliseinnahme zusätzlich dazu führen, dass nächtliche Hustenanfälle reduziert werden und der Spiegel verschiedener Entzündungsparameter im Blut gesenkt wird. Zudem lassen sich Verbesserungen bei einem Lungenfunktionstest erkennen (Khayyal et al. 2003).

4. Bienengift

Bienengift wird von Arbeiterbienen erzeugt. Diese produzieren das Gift in ihren Giftdrüsen, um sich zu verteidigen. Es kann über den Stachel der Biene dem Feind injiziert werden (Nowottnick K. 2011).

4.1. Inhaltsstoffe

Das Bienengift besteht aus einer komplexen Mischung verschiedener Proteine und kleiner Moleküle. Der Hauptbestandteil (etwa 50 Prozent) ist Melittin. Ebenfalls einen großen Anteil macht die Phospholipase A2 aus. Weitere Inhaltsstoffe sind Apamin, Hyaluronidase, Mastzellen-degranulierendes-Pepita, Tertiapin, Secamin, Histamin, Dopamin, Noradrenalin und Alarmpheromone (Krämer-Eis I. 2012).

4.2. Wirkungsweise und Anwendungsgebiete

Die Allergene Phospholipase A2, Mellitin und Hyaluronidase sind für die allergische Reaktion nach einem Bienenstich verantwortlich. Bei einer Bienenstichallergie kann durch das Spritzen geringer Mengen des Bienengifts eine Hyposensibilisierung erreicht werden (Watanabe et al. 2010).

Eine Studie hat ergeben, dass die gezielte Behandlung mit Bienengift bei rheumatischen Erkrankungen gesundheitliche Verbesserungen hervorbringen kann (Feraboli F. 1997).

In der traditionellen chinesischen Medizin (TMC) wird Akupunktur und Bienengiftapplikation gegen Erkrankungen wie Schlaflosigkeit, Wehenschmerzen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen nach Operationen angewendet. Dabei spielen mehrere Wirkungsmechanismen eine Rolle. Durch den Stich wird die Durchblutung im entsprechenden Körperteil gesteigert, wodurch die Hirnanhangsdrüse stimuliert wird und körpereigenes Cortisol freigesetzt wird. Der Stich in den Akupunkturpunkt übt einen Stimulus über die lokale Reizung aus. Dabei ist der lokale Effekt in Gelenken und Muskeln am größten (Cherbuliez T. 1997 und Lee at al. 2005). Eine Studie an 100 Patienten bestätigt die Wirksamkeit der Bienengiftakupunktur bei Gelenkentzündungen, Schmerzen und rheumatoider Arthritis (Liu et al. 2008).

5. Pollen

Die Pollen der Pflanzen werden von den Honigbienen gesammelt, mit Speichel und Nektar angereichert und in ihrem Pollenhöschen bis in den Stock getragen. Dort werden diese vor allem zur Aufzucht der Larven und für ihre eigene Ernährung genutzt, da die Pollen Haupteiweißquelle und Fettlieferant sind (Stangaciu/Hartenstein 2004).

5.1. Inhaltsstoffe

Hauptbestandteile der Pollen sind Proteine und Fette, deren Zusammensetzung abhängig von ihrem pflanzlichen Ursprung ist. Alle grundlegenden Aminosäuren, Glutamin- und Asparaginsäure, Prolin, Histidin, Serin, Valin und Lysin sowie wertvolle Vitamine und Provitamine, Nikotin- und Folinsäure (Stangaciu/Hartenstein 2004).

5.2. Anwendungsgebiete

Meist werden im Handel Pollenextrakte angeboten, bei denen besondere Wirkstoffe mit bestimmten Verfahren extrahiert werden. Zum Einsatz kommen Pollen oder die Pollenextrakte bei Erkrankungen der Prostata, beispielsweise chronischer Prostatitis (Murakami et al. 2008).

Mischungen aus Blütenpollen, Gelée Royale und Propolis (unter dem Namen ,,Melbrosia” im Handel) werden bei Beschwerden in den Wechseljahren eingesetzt. Durch das Gemisch wird der Fettstoffwechsel verbessert, was sich positiv auf die Beschwerden äußert (Georgiev et al. 2004).

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Details

Seiten
14
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346309068
ISBN (Buch)
9783346309075
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v960752
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,0
Schlagworte
Medizin. Biene Honig Propolis

Autor

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