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Die Rolle von Rassismus bei der Legitimation des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges

Über die Ursprünge der anti-mexikanischen Ressentiments in den USA

Seminararbeit 2020 12 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Der historische Kontext
1.1. Der Konflikt bis zum Krieg
1.2. Rassendenken in Amerika vor dem Konflikt mit Mexiko

2. Rassendenken in Amerika vor dem Konflikt mit Mexiko

II. Rassifizierung derMexikaner 1845

III. ,,Der Mexikaner“ als Feindbild während des Krieges

Schlussbetrachtung

Einleitung:

Heutzutage ist der Rassismus gegen über Mexikanern und Hispanics ein allgegenwärtiges Problem in Amerika. Mit Donald Trump regiert ein Präsident, der sich gegenüber diesen Menschen offen rassistisch äußert und eine Mauer an der US-mexikanischen Grenze errichten will. Ein neues Phänomen ist dieser Rassismus allerdings nicht. Er begann vor rund 200 Jahren, als Amerika eine gemeinsame Grenze zu Mexiko bekam, und war 1848 nach dem Krieg gegen Mexiko tief in den Köpfen der Amerikaner verankert.

Das Thema war lange Zeit in der Forschung nicht präsent und es lag im Schatten des Amerikanischen Bürgerkriegs. Deshalb ist Forschungsliteratur zum Thema spärlich und die Aufarbeitung des Konflikts hat erst in den letzten Jahren wieder Beachtung gefunden. Das gilt auch für die Frage nach der Schuld am Krieg. Die Meinung, dass die Amerikaner als Hauptaggressor agierten und der Krieg nicht gerechtfertigt war, hat sich erst in jüngeren wissenschaftlichen Publikationen durchgesetzt.1 In der Amerikanischen Geschichtsschreibung gilt die texanische Revolution und der Krieg von 1846 immer noch als legitimierter Krieg und nationaler Stolz.

Ich werde in meiner Arbeit vornehmlich auf historische Quellen, wie Reden, offizielle Dokumente und Zeitungsartikel, zurückgreifen. Um die Umstände aber genauer zu erklären, werde ich auch Sekundärliteratur zur Verdeutlichung und Analyse mit einbeziehen.

Meine Arbeit orientiert sich an den historischen Ereignissen, und ich werde die Entwicklung des Rassismus von der Besiedlung Amerikas bis zum Amerikanischen Krieg gegen Mexiko an die Chronologie der Ereignisse anknüpfen. Zuerst gehe ich in meiner Arbeit auf die historischen Ereignisse rund um den Krieg ein und werde vor allem die politischen Ursachen darlegen, um ein Überblick über die Lage zu vermitteln. Daraufhin gebe ich einen Exkurs, welche essenzielle Rolle Rassendenken und Rassenbilder bei der Besiedlung und Gründung des amerikanischen Staates einnahmen. Darauf folgend werde ich die Entstehung des anti-mexikanischen Rassismus infolge der texanischen Revolution erläutern. Das alles soll Grundlage sein, um schließlich eine Analyse und Darstellung des Rassismus, der während des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges existierte, vorzunehmen. Abschließend fasse ich die Arbeit im Fazit zusammen und werde meine Erkenntnisse präsentieren.

I. Der historische Kontext

Um den Rassismus gegenüber Mexikanern im 19. Jahrhundert zu verstehen, muss ein Blick auf den Verlauf des Konflikts und das Menschenbild und Rassendenken in Amerika geworfen werden.

1. Der Konflikt bis zum Krieg

Amerika war im 19. Jahrhundert eine junge Nation. Nach der Unabhängigkeit und der Gründung des Staates 1776 begann eine Phase der Expansion, in welcher die Vereinigten Staaten große Landmassen erwarben und annektierten. In wenigen Jahren vergrößerte sich die Landesfläche um ein Vielfaches. So kam es dazu, dass die Vereinigten Staaten ab 1821 eine gemeinsame Grenze mit Mexiko besaßen. Im selben Jahr erlangte auch Mexiko seine Unabhängigkeit nach einem 11 Jahre währenden Krieg gegen die Kolonialmacht der Spanischen Krone. Ein paar Jahre zuvor begannen amerikanische Siedler unter Duldung der Spanier ins mexikanische Texas einzuwandern und bekamen dort Land zugeteilt. Die Zahl der Siedler übertraf sehr bald die der Mexikaner im spärlich besiedelten Texas. Die Siedler brachten zwei Dinge mit, die Konfliktpotenzial besaßen: Die Sklaverei und den Protestantismus. Ersteres war in Mexiko zwar verboten, trotzdem wurden im ganzen Land Sklaven gehalten. Protestantismus war insofern ein Problem, dass Mexiko ein katholisches Land war und die Siedler zwang, zu dieser Konfession zu konvertieren. Da die meisten Siedler sich aber als Amerikaner im Ausland sahen und sich nie als Mexikaner begriffen sorgte sich die mexikanische Regierung um die Kontrolle der Region.2

Nach einer Verschärfung der innenpolitischen Lage Mexikos, rebellierten die Texaner 1835. Weil die USA die Rebellen finanziell und mit Freiwilligen unterstützten, war der Krieg gegen die mexikanische Armee bereits ein Jahr später gewonnen. Daraufhin erklärte Texas seine Unabhängigkeit und blieb 10 Jahre lang eine eigenständige Republik bis zum Amerikanisch­Mexikanischen Krieg 1846. Mexiko erkannte die Unabhängigkeit zwar an, doch sie drohten den Amerikanern mit Krieg, falls sie Texas annektieren. Mit der Wahl von Präsident James K. Polk 1844 kam ein bekennender Expansionist ins Amt. Er glaubte an die ,Manifest Destiny‘, eine politische Vorstellung, welche besagt, dass die Expansion nach Westen von Gott vorherbestimmt sei. 1845 votierte der amerikanische Kongress für die Annektion Texas. Auch die texanische Bevölkerung stimmte dafür. Daraufhin unterbreiteten die Vereinigten Staaten Mexiko ein Angebot Texas zu kaufen. Kurz zuvor hatte Polk eine Armee am Rio Grande positioniert und war bereit Texas mit militärischer Gewalt einzunehmen. Die Mexikaner begriffen dies als Akt der Aggression, lehnten den Kauf und wiesen den amerikanischen Konsul Slidell zurück nach Amerika. Als am 25.

April 1846 Mexikaner seine Truppen im umstrittenen Territorium angriffen und dabei elf Amerikaner getötet wurden, kam es zur Kriegserklärung der USA an Mexiko3 Der Krieg endete nach zwei Jahren, nachdem die Amerikaner große Teile Mexikos besetzt hatten. Mexiko war besiegt und musste sich den Forderungen der Amerikaner hingeben. Der Vertrag von Guadalupe Hidalgo sprach den Vereinigten Staaten die Gebiete Texas, Nueva Mexico und Alta California zu. Damit hatten Polk und seine Anhänger ihr Ziel erreicht die Vereinigten Staaten bis zum Pazifik auszudehnen.

2. Rassendenken in Amerika vor dem Konflikt mit Mexiko

Rassentheorie spielte auf dem amerikanischen Kontinent seit seiner Kolonisation eine entscheidende Bedeutung. Auch die Vorstellung das Menschen in verschiedene Rassen einzuteilen sind, stammt aus der Zeit als die Kolonialmächte Europas das erste Mal mit Menschen in Kontakt, kamen die ihnen fremd waren. Zuvor gab es im Mittelalter zwar schon die Unterscheidung in nationale Charaktereigenschaften, zum Beispiel, dass Deutsche als brutal aber mutig galten, doch von Unterteilung der Menschen in „Rassen“ war noch nicht die Rede4 Zuerst diente der Rassismus der Vertreibung und Unterdrückung der Native Americans, was schon mit Kolumbus begann. Die Spanier glaubten, so schreibt es Anthony Padgen, „sie hätten ein Recht, welches auch zur Pflicht werden kann, über die amerikanische Ureinwohner zu herrschen.“5 Dieses Denken diente in der gesamten folgenden Besiedlung Nordamerikas, als Grundlage um die Bekämpfung und Vertreibung der Indianerstämme zu legitimieren. In den Augen der europäischen Siedler waren Indianer minderwertige Menschen. Selbst in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten ist das wiederzufinden. Dort werden Indianer als „merciless Indian savages“6 Nach der Gründung der USA wurden der Rassismus und die ,Überlegenheit der weißen Rasse‘ offiziell durch Dokumente institutionalisiert. Im Naturalization Act von 1790 heißt es: „any alien being a free white person [...] may be admitted to become a citizen“7. Mit diesem Gesetz wurde die weiße Hautfarbe als Bedingung für die vollwertige Staatsbürgerschaft vorausgesetzt.

Im 19. Jahrhundert begann die Phase der sogenannten „Jacksonian Democracy“ mit der Präsidentschaft von Andrew Jackson. Diese politische Philosophie führte dazu, dass weiße Männer aller Gesellschaftsklassen das Recht zu wählen bekamen. Die Gleichberechtigung galt aber nur für weiße Männer und schloss nahezu alle anderen aus. Damit verschlechterte sich auch die Situation der freien Schwarzen Bevölkerung und die der Native Americans.8

Neben dieser Idee fand auch die Idee der „Manifest Destiny“, der Glaube an ein gottgegebenes Recht auf territoriale Expansion, zunehmenden Anklang in der amerikanischen Politik und etablierte sich nach der Annektion Texas 1845 als politische Ideologie. Die Idee entstand in den 1830er Jahren. Der Term wurde 1845 vom Journalisten John L. Sullivan in einem Zeitungsartikel ins Leben gerufen. Mit dieser Idee legitimierten Politiker die aggressive Expansion, der es eigentlich an jeglicher Legitimation mangelte. Die große Rolle spielte hier das Überlegenheitsdenken gegenüber Nicht-Weißen, besonders auch die Vorstellung, dass der Protestantismus die „beste“ Religion sei und Amerikaner bestimmt seien ihre Vorstellungen von Staat und Gesellschaft dem gesamten amerikanischen Kontinent aufzuerlegen.9

II. Rassifizierung der Mexikaner bis 1845

Als amerikanische Siedler nach Mexiko einwanderten erhoffte sich die mexikanische Regierung, dass man aus ihnen loyale Mexikaner machen kann. Die Forderungen, wie das Lernen der spanischen Sprache und die Konvertierung zum Katholizismus, wurden von den Siedler weitestgehend ignoriert. So entwickelte sich ein Konflikt zwischen der mexikanischen Regierung und den amerikanischen Siedler, der schließlich in der texanischen Unabhängigkeit mündete.

Die Amerikaner kamen mit der Vorstellung einer Rassenordnung in das Land. Der „Vater von Texas“ Stephen F. Austin war zwar kein ideologischer Verfechter von Sklaverei, verteidigte sie aber aus dem wirtschaftlichen Hintergrund, fürchtete sich auch vor einer „Überbevölkerung“ durch die schwarzen Sklaven und hatte eine rassifizierte Vorstellung von ihnen. Er ging davon aus, dass diese im Falle einer Rebellion die nordamerikanischen Frauen „vergewaltigen und schlachten“10 würden. Ab den 1820er begann sich die mexikanische Presse für die Behandlung der Amerikaner mit schwarzen Sklaven und Native Americans zu interessieren und begann die Handhabungen zu kritisieren.11 Mexikaner fürchteten, dass diese Diskriminierungen auch ihnen widerfahren würden, auch weil die expansionistische Rhetorik der Amerikaner dies implizierte. Als Ende 1828 der erste ,first minister to mexico‘ Joel Poinsett nach gescheiterten Verhandlungen mit der mexikanischen Regierung zurück in die USA kam, berichtete er vom schlechten Charakter der Mexikaner. Das führte zu einer zunehmenden Verachtung gegenüber Mexikanern in Washington.12 Dem Gesandten der mexikanischen Regierung in Washington fiel diese Stimmung bereits 1822 auf und er warnte seine Regierung vor dem Überlegenheitsdenken der Amerikaner gegenüber seinen Landsleuten.13 Erst aber im Zuge und nach der texanischen Revolution verbreite sich das Denken, das Mexikaner weniger eine Nationalität, sondern eine minderwertige Rasse seien und zum ersten Mal differenzierten Amerikaner die angelsächsische und die mexikanische Rasse‘. Die Berichte von der mexikanischen Brutalität im Krieg um Texas waren dabei ein wichtiger Faktor. Die Massaker von Alamo und Goliad, bei denen hunderte Amerikaner getötet wurden, machten den Mexikaner zu einem brutalen, hinterlistigen Wilden. Der Präsident von Texas, Sam Houston, beschreibt 1836 in seiner Amtseinführungsrede die Kriegsführung der Mexikaner so: „bad faith, inhumanity, and devastation marked their path of invasion“.14 Da dieses Thema große Beachtung in den Zeitungen in der USA bekam, verstärkte sich Verachtung und Hass auf Mexiko. Davon berichtete auch die diplomatische Vertretung von Mexiko in den USA und kritisierte die Amerikaner für diese Einstellung.15

Der Theologe Horace Bushnell schrieb 1837 über die Mexikaner, von einem „fundamentalen Nachteil in ihrem Charakter“ und sagte, dass die Angelsachsen die „prächtigste aus dem [Menschen]Bestand“ seien und bestimmt seien, das nordamerikanische Land zu besiedeln.16 Hier lässt sich auch die mit dem zunehmenden Anti-Mexikanischen Rassismus auch der wachsende Drang zum Expansionismus bei den Amerikaner erkennen, welches sich wechselwirkend immer weiter verstärkte.

[...]


1 Joy, Mark S.: American Expansionism 1783-1860: A Manifest Destiny?, Routledge 2014, S. 65.

2 Joy: American Expansionism 1783-1860: A Manifest Destiny?, S. 56.

3 Schroeder, John H.: Mr. Polks War. American Opposition and Dissent, 1846-48, Madison 1973,S. 3.

4 Eliav-Feldon, Miriam u.a.: The Origins of Racism in the West, Cambridge 2009, S. 292-294.

5 Eliav-Feldon: The Origins of Racism in the West, S. 301.

6 Declaration of Independence: A Transscription, online in: https://www.archives.gov/founding-docs/declaration- transcript, 2019, (Stand: 03.03.2019).

7 Chavez, Ernesto: The U.S. War with Mexico. A Brief History with Documents, St. Martin's 2008, S. 37.

8 Guardino, Peter: The Dead March. A History of the Mexican-American War, Cambridge 2018, S. 24-25.

9 Horsman, Reginald: Race and Manifest Destiny. The origins of American racial anglo-saxonism, Cambridge 1981.

10 Barker, Eugene-Campbell: The Life of Stephen F. Austin, Founder of Texas, 1793-1836: A Chapter in the Westward Movement of the Anglo-American People, Austin 1969, S. 201.

11 Brack, Gene M.: Mexican Opinion, American Racism, and the War of 1846, in: Western Historical Quarterly 2 (1970), S. 161-174,hierS. 168.

12 Clary, David A.: Eagles and Empire. The United States, Mexico and the struggle for a continent, New York 2009, S. 33.

13 Brack: Mexican Opinion, American Racism, and the War of 1846, S. 169.

14 Sam Houston's Inaugural Adress as President of the Republic of Texas (1836), online in: https://multimedialeamingllc.files.wordpress.com/2010/04/sam-houston s-inaugural-address-as-president-of-the- republic-of-texas.pdf, 2010, (Stand: 03.03.2020).

15 Brack: Mexican Opinion, American Racism, and the War of 1846, S. 170.

16 Bushnell, Horace: Horace Bushnell, An Oration, Pronounced before the Society of Phi Beta Kappa, at New Haven, on the Principles of National Greatness, zit. nach: Horsman: Race and Manifest Destiny, S. 209.

Details

Seiten
12
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346308351
ISBN (Buch)
9783346308368
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v961046
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Schlagworte
rolle rassismus legitimation amerikanisch-mexikanischen krieges über ursprünge ressentiments

Autor

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Titel: Die Rolle von Rassismus bei der Legitimation des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges