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Das diagnostische Interview bei psychischen Störungen. Durchführungs- und Auswertungsrichtlinien sowie Gütekriterien

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Psychologie - Diagnostik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Diagnostik psychischer Störungen anhand strukturierter Verfahren

3. Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen (DIPS)
3.1 Therapiebezogene Diagnostik anhand des DIPS
3.2 Entwicklung der amerikanischen Originalform (ADIS)
3.3 Entwicklung des DIPS
3.4 Aufbau des DIPS
3.5 Durchführungsrichtlinien des DIPS
3.6 Auswertungsrichtlinien des DIPS
3.7 Gütekriterien des DIPS für DSM-IV und DSM-IV-TR
3.8 Weitere DIPS-Versionen

4. Diskussion

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Die Diagnostik psychischer Störungen ist sowohl in der Klinik als auch in der Forschung von immenser Bedeutung. Bei der Umsetzung der Diagnostik anhand der zunehmend komplizierten Klassifikationssysteme, die immer weiter differenziert und operationalisiert werden, sind strukturierte Verfahren eine erhebliche Erleichterung für Kliniker und Forscher. Neben den unterschiedlichen Verfahrensgruppen werden im Rahmen dieser Arbeit vor allem die strukturierten Interviews, die sich als besonders vorteilhafte Instrumente zur Diagnosestellung herausgestellt haben, herausgegriffen und näher beleuchtet. Als besonderes Beispiel für strukturierte Interviews wird das „Diagnostische Interview bei psychischen Störungen (DIPS für DSM-IV-TR)“ in seiner neuesten Auflage im Detail vorgestellt, das neben einer Diagnosestellung auch die Erhebung therapiebezogener Daten umfasst und somit die Planung therapeutischer Interventionen erleichtert, weshalb es auch im Gegensatz zu vielen anderen strukturierten Verfahren auf eine hohe Akzeptanz im klinischen Alltag stößt. Zusätzlich zu der Erläuterung des Verfahrens, das aus dem „Anxiety Disorders Interview Schedule (ADIS)“ entwickelt wurde werden die als gut bewerteten Gütekriterien hervorgehoben und die weiteren Versionen des Diagnostischen Interviews bei psychischen Störungen (Mini-DIPS, F-DIPS, Kinder-DIPS) dargestellt.

Schlagwörter: Diagnostik – Strukturierte Interviews – DIPS – therapiebezogene Diagnostik

1. Einleitung

Ohne die Diagnostik psychischer Störungen ist die Arbeit sowohl in der Klinik als auch in der Forschung nicht mehr vorstellbar. Eine besondere Rolle spielt hierbei die Diagnostik nach den gängigen Klassifikationssystemen, der „Internationalen Klassifikation psychischer Störungen“ in der 10. Revision der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10; Dilling, Mombour & Schmidt, 2008; Dilling, Mombour, Schmidt & Schulte-Markwort, 2008; Dilling & Freyberger, 2008), und dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (APA), dem „Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen“ in der vierten Version und Textrevision (DSM-IV-TR; Saß, Wittchen & Zaudig, 2003). Beide Systeme sind operational und deskriptiv angelegt, verzichten also zumindest weitgehend auf ätiologisch und nosologisch orientierte Kriterien (Fydrich, 2006). Während das ICD-10 für das Gesundheitswesen in Deutschland ausschlaggebend ist und für einen klinischen Psychologen spätestens dann unumgänglich ist, wenn es um Auswahl von Therapieansätzen oder auch um die Kostenübernahme durch die Krankenkassen geht, wird das DSM-IV-TR hierzulande eher in der Forschung eingesetzt und erleichtert die Definition einheitlicher Untersuchungsgegenstände sowie die Kommunikation darüber.

Als problematisch bei der Diagnostik anhand der zunehmend differenzierten und operationalisierten Klassifikationssysteme, bei denen Reliabilität und Validität der Diagnostik immer größer werden, zeigt sich der hohe zeitliche Aufwand, der damit verbunden ist. Bei der Umsetzung einer nicht nur gesicherten, sondern auch zeitlich und damit auch finanziell ökonomischen Diagnostik können jedoch strukturierte Verfahren herangezogen werden, die dieses Unterfangen erheblich vereinfachen. Zusätzlich zur Beseitigung der mangelhaften Durchführungsobjektivität (und damit der Stärkung der Reliabilität) erleichtern sie auch die Auswertung anhand der komplexen Algorithmen (Schneider & Margraf, 2006).

In dieser Arbeit sollen daher die unterschiedlichen Gruppen strukturierter Verfahren – Checklisten, strukturierte Interviews und standardisierte Interviews – aufgegriffen und näher betrachtet werden. Insbesondere soll dabei das „Diagnostische Interview bei psychischen Störungen (DIPS) “ für das DSM-IV-TR von Schneider und Margraf (2006) im Blickpunkt stehen und samt theoretischen Grundlagen, Aufbau, Durchführungs- und Auswertungsrichtlinien sowie der Gütekriterien diskutiert werden. Zuletzt werden noch kurz die weiteren Versionen – Mini-DIPS, F-DIPS, Kinder-DIPS – erläutert.

2. Diagnostik psychischer Störungen anhand strukturierter Verfahren

Gerade in der Verhaltenstherapie gibt es verschiedene, störungsspezifische Interventionsansätze, die als sehr wirksam gelten und nach Margraf und Schneider (2000) wesentlich zur größeren Effektivität der Verhaltenstherapie beitragen. Um diese einsetzen zu können, muss zuvor eine zuverlässige Störungsdiagnostik erfolgt sein. Diese besteht in aller Regel nicht nur aus der klassifikatorischen oder kategorialen Diagnose selbst, sondern ist in einen Kontext eingebettet, im Rahmen dessen zunächst eine therapeutische Beziehung zu dem Patienten aufgebaut oder zumindest ein allgemeiner Eindruck vom Patienten geschaffen wird, bevor eine Diagnose gestellt wird. Auch müssen organische Ursachen abgeklärt und mögliche Komplikationen der festgestellten psychischen Störung bedacht, das Problemverhalten analysiert und weitere diagnostische Maßnahmen zur Abklärung wichtiger Punkte, z.B. den Therapiezielen, ergriffen werden (Margraf & Schneider, 2000).

Bei der Störungsdiagnostik ist zu beachten, dass diese kaum auf objektive Fakten zurückgreifen kann, wie es die somatische Medizin tut, und sich deshalb vor allem auf die subjektiven Darstellungen des Patienten und die ebenfalls subjektiven Entscheidungen der Diagnostiker berufen muss. Diese unterliegen jedoch unterschiedlichen Störfaktoren, die eine Diagnose eventuell verzerren können. Zur Ausschaltung der Fehlerquellen hat sich die standardisierte Befunderhebung etabliert, die objektive, reliable und valide Diagnosen ermöglicht und zudem dem Kliniker die Anwendung der zunehmend komplizierten klassifikatorischen Diagnostik erleichtert. Hierbei lassen sich mindestens drei Gruppen von strukturierten Verfahren unterscheiden, die durch ein unterschiedliches Ausmaß der Standardisierung gekennzeichnet sind: Checklisten, strukturierte Interviews sowie standardisierte Interviews (Margraf & Schneider, 2000).

Checklisten wie das „AMDP-System“ (Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie, 1997; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 4) oder die „Internationalen Diagnose-Checklisten für ICD-10 (ICDL)“ (Hiller et al. 1995; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 4) bestehen lediglich aus Auflistungen der Diagnosekriterien und Entscheidungsbäumen mit Hinweisen für die Diagnose, enthalten jedoch keinerlei Angaben zu dem konkreten diagnostischen Vorgehen (z.B. Fragenformulierung, Reihenfolge der Fragen). Somit bieten sie zwar eine hohe Flexibilität, bergen jedoch die Gefahr der „Bestätigungsdiagnostik“, wenn der Kliniker schon bestimmte Erwartungen hat, und weisen – je nach Training der Kliniker und Homogenität der Patientengruppen – Schwächen bei Reliabilität und Validität auf (Wittchen & Unland, 1991; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 4).

Strukturierte Interviews hingegen bieten einen Leitfaden, anhand dessen die für die Diagnosestellung wichtigen Informationen erhoben werden können und der systematisch alle Diagnosebereiche erfasst. Im Leitfaden sind Wortlaut der Fragen, deren Reihenfolge, Sprungregeln zum Auslassen von nicht mehr relevanten Fragen und auch die Antwortkategorien vorgegeben, wobei dem Kliniker trotzdem ein Variationsspielraum bleibt, in den er seine Erfahrung und sein klinisches Urteil einbringen kann. So können bei Verständnisproblemen die Fragen umformuliert, erklärt oder ergänzt werden und der Kliniker selbst entscheidet, ob ein Diagnosekriterium erfüllt ist oder nicht, wobei er sich über die Angaben des Patienten hinwegsetzen kann, wenn seine Beobachtung z.B. im Widerspruch zu den Antworten steht. Als konkrete Beispiele sind hier das „Strukturierte Klinische Interview für DSM-IV, Achse I (SKID-I)“ (Wittchen et al., 1997; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 5) oder auch das „Strukturierte Klinische Interview für DSM-IV, Achse II (SKID-II)“ (Fydrich et al., 1997; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 5) zu nennen.

Noch viel stärker vorgezeichnet als strukturierte Interviews sind standardisierte Interviews, bei denen dem Diagnostiker kein Beurteilungsspielraum bleibt, da alle Schritte der Datenerhebung und -auswertung vorgegeben sind. Dadurch werden zwar Objektivität sowie Reliabilität maximiert, jedoch wird solchen Verfahren im klinischen Alltag – im Gegensatz zu strukturierten Interviews – wenig Akzeptanz entgegengebracht und Antworttendenzen sowie Widersprüchlichkeiten des Patienten können bei der Auswertung nicht berücksichtigt werden, was die Gefahr einer Validitätsminderung birgt (Margraf & Schneider, 2000). Zu den standardisierten Interviews gehören z.B. das „Expertensystem zur Diagnostik psychischer Störungen (DIA-X)“ (Wittchen & Pfister, 1997; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 6) sowie die deutsche Übersetzung des „Composite International Diagnostic Interview (CIDI)“ nach DSM-III (Wittchen & Semmler, 1990; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 6).

3. Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen (DIPS)

3.1 Therapiebezogene Diagnostik anhand des DIPS

Obwohl strukturierte Interviews ökonomische und anwenderfreundliche Verfahren für eine reliable und valide Diagnostik darstellen, werden sie häufig kritisiert, weil sie für die Therapie selbst keinerlei weitere Informationen liefern. Daher ist das Diagnostische Interview bei psychischen Störungen (DIPS) besonders hervorzuheben, da es neben der Diagnose – die im Gegensatz zu vielen anderen Verfahren das gesamte Störungsspektrum abdeckt – auch die Erhebung therapiebezogener Daten ermöglicht und somit sowohl das Verständnis der Störungen fördert als auch die Planung therapeutischer Interventionen erheblich erleichtert. So werden z.B. Entstehung und Verlauf der Symptome sowie situative und kognitive Einflussfaktoren festgehalten und detaillierte Skalen zur Bewertung des Schweregrades der Symptomatik herangezogen (Margraf & Schneider, 2000). Bei den Angststörungen werden darüber hinaus z.B. Hierarchien phobogener Stimuli (z.B. phobische Situationen im Zusammenhang der Agoraphobie) und Listen angstmodulierender Faktoren erstellt, die im weiteren Verlauf der Verhaltenstherapie im Rahmen der In-vivo-Konfrontation aufgegriffen werden können (Schneider & Margraf, 2006).

3.2 Entwicklung der amerikanischen Originalform (ADIS)

Die amerikanische Originalversion des DIPS, das „Anxiety Disorders Interview Schedule (ADIS)“, wurde von Barlow und Mitarbeitern 1981 am „Center for Stress and Anxiety Disorders“ der State University of New York entwickelt und 1983 veröffentlicht (DiNardo et al.; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 7). Die Zielsetzung umfasste dabei nicht nur die Differentialdiagnose von Angststörungen nach dem DSM-III (APA, 1980; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 7), sondern auch die Erhebung therapierelevanter Informationen. Zusätzlich zu Angststörungen wurden aufgrund möglicher Komorbiditäten auch affektive und somatoforme Störungen sowie Psychosen und Substanzmissbrauch aufgenommen (Schneider & Margraf, 2006).

Aufgrund sich beständig ändernder Kenntnisse und zunehmender Erfahrungen wurde das ADIS mehrfach überarbeitet. Die aktuelle Version von 1994 (ADIS IV-L; DiNardo, Brown & Barlow; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 7) ist voll kompatibel mit dem DSM-IV, beinhaltet ein breiteres Störungsspektrum und die Diagnose von Komorbiditäten, erfasst Lebenszeitdiagnosen und ermöglicht dank einer geringen Anzahl von Vorentscheidungsfragen die Sammlung von möglichst vielen detaillierten Informationen für spätere deskriptive Studien (Schneider & Margraf, 2006).

Zahlreiche Studien der Autoren sowie ihrer Mitarbeiter (DiNardo et al., 1983; DiNardo et al., 1988; DiNardo et al., 1993; Barlow, 2002; Brown et al., 2001; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 9) sprechen dafür, dass das ADIS als ein effektives, reliables und valides diagnostisches Instrument angesehen werden kann. Sowohl die Test-Retest-Reliabilität als auch die Validität, die z.B. anhand von Zusammenhängen mit psychometrischen klinischen Fragebögen untersucht wurde, waren durchweg befriedigend bis sehr gut (Schneider & Margraf, 2006).

3.3 Entwicklung des DIPS

Das „Diagnostische Interview bei psychischen Störungen (DIPS)“ wurde 1988 an der Phillips-Universität in Marburg in Anlehnung an das ADIS-R unter Einbezug von Modifikationen entwickelt. So wurden zum Beispiel Fragen so umformuliert und umgruppiert, dass ein möglichst flüssiger, einem Gespräch ähnelnder Verlauf des Interviews möglich wurde, die Fragen aber näher an den DSM-III-Kriterien waren. Auch wurden diagnostisch unnötige Fragen zur Forschung gestrichen und weitere Störungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa) sowie die Achse IV des DSM-III-R hinzugefügt. Anders als in der amerikanischen Version wurden beim DIPS zudem am Ende jeder Störungssektion die diagnoserelevanten Kriterien und die dazugehörigen Fragen in so genannten „Kriterienkästen“ explizit aufgeführt sowie ein Protokollbogen für die Antworten des Patienten, entwickelt (Schneider & Margraf, 2006). Die Gütekriterien des DIPS für DSM-III-R erwiesen sich in Studien der Autoren als sehr befriedigend (Margraf et al., 1991; Schneider et al., 1992; zitiert nach Schneider & Margraf, 2006, S. 11).

Die Neuauflagen des „Diagnostischen und Statistischen Manuals“ und der „Internationalen Klassifikation psychischer Störungen“ sowie die Erfahrungen im Umgang mit dem DIPS machten eine Überarbeitung desselben unabdingbar. So wurden die Fragen an die veränderten diagnostischen Kriterien angepasst, neue Störungsbilder mit hoher Relevanz für die therapeutische Arbeit aufgenommen sowie Interviewfragen modifiziert und um therapie- und ätiologierelevante Fragen ergänzt (Schneider & Margraf, 2006).

Die aktuelle Version des DIPS für DSM-IV-TR (Schneider & Margraf, 2006), deren Durchführung im Durchschnitt 90- 120 Minuten in Anspruch nimmt, umfasst nun die wichtigsten Störungen im Bereich der Verhaltenstherapie:

- Angststörungen (Panikstörung, Agoraphobie mit und ohne Panikattacken, soziale Phobie, spezifische Phobie, generalisierte Angststörung, Zwangsstörung, posttraumatische Belastungsstörung, akute Belastungsstörung)
- Affektive Störungen (Major Depression, dysthyme Störung mit und ohne Major Depression, manische Episode, bipolare Störungen)
- Somatisierungsstörungen (Hypochondrie, Somatisierungsstörung, undifferenzierte somatoforme Störung, Konversionsstörung, Schmerzstörung)
- Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung)
- Schlafstörungen (primäre Insomnie, primäre Hypersomnie)
- Substanzmissbrauch und -abhängigkeit (Alkoholmissbrauch, -abhängigkeit und -entzug, Substanzmissbrauch, -abhängigkeit und -entzug, Medikamentenmissbrauch, -abhängigkeit und -entzug)
- Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Diagnosen werden dabei nach den Kriterien des DSM-IV-TR vergeben, können aber mittels einer Tabelle im Anhang des Handbuchs in ICD-10-Diagnosen überführt werden. Außerdem gibt es einen allgemein klinisch-demographischen Teil sowie Screenings für körperliche Krankheiten, nichtorganische Psychosen, Tabakkonsum, sexuelle Funktionsstörungen, Medikamentengebrauch und sexuelle Funktionsstörungen. Neben einer psychiatrischen Anamnese und der Familienanamnese ist auch die Erfassung der Achsen IV und V des DSM-IV-TR („Psychosoziale und umgebungsbedingte Störungen“ sowie „Globale Erfassung des Funktionsniveaus“) sowie die Gewinnung von klinisch relevanten Informationen zur Therapieplanung inbegriffen.

3.4 Aufbau des DIPS

Das DIPS für DSM-IV-TR besteht aus einem Handbuch, dem Interviewleitfaden, den Kriterienkästen sowie dem Protokollbogen.

In dem Handbuch sind die Diagnostik psychischer Störungen mit strukturierten Interviews, die Entwicklung und Gütekriterien des ADIS, die Entwicklung und Gütekriterien des DIPS, Hinweise zur Durchführung und Auswertung des DIPS, ein Glossar der wichtigsten mit dem DIPS diagnostizierbaren Störungen, beispielhafte Therapieindikationen aus den DIPS-Diagnosen sowie Übungsfälle zum DIPS enthalten.

Der Interviewleitfaden beginnt mit einem Überblick über die allgemeinen klinischen und soziodemographischen Daten, die im Vordergrund stehende Symptomatik und jüngste Veränderungen derselben, danach werden die einzelnen Störungskategorien durchgegangen. Im Anschluss werden die oben angeführten Screenings durchgeführt sowie die allgemeine persönliche und familiäre Anamnese, Medikation und körperliche Krankheiten erhoben.

Im Protokollbogen werden die Antworten des Patienten schriftlich festgehalten und später zur Diagnosestellung genutzt, zu der auch eine erzählende Zusammenfassung des Diagnostikers und die multiaxiale Beurteilung nach dem DSM-IV-TR herangezogen werden. Am Ende steht die klinische Einschätzung der eigentlichen Diagnosen, wobei eine Primärdiagnose samt Schweregrad und zusätzliche sowie frühere Diagnosen gestellt werden.

3.5 Durchführungsrichtlinien des DIPS

Um eine reliable und valide Diagnose anhand des DIPS zu ermöglichen, müssen bei der Durchführung einige Voraussetzungen erfüllt sein: Der Interviewer muss vorbereitet und geschult sein, der Patient muss auf das Interview vorbereitet werden und das Interview muss von Fachleuten wie klinischen Psychologen, Psychiatern oder diagnostisch geschulten ärztlichen Psychotherapeuten durchgeführt werden (Margraf & Schneider, 2000).

Vor der Anwendung des DIPS sollte man sich zunächst mit dem Material vertraut machen, von den DIPS-Autoren ist sogar ein standardisiertes Training mit anschließender Zertifizierung vorgesehen (Schneider & Margraf, 2006). Dieses besteht einerseits aus einer theoretischen Einarbeitung, im Rahmen welcher ein sorgfältiges Durchlesen der Durchführungsanweisungen sowie des Interviewleitfadens erfolgen und nach Möglichkeit ein Probeinterview mit einem Bekannten durchgeführt werden sollte. Darüber hinaus umfasst das Training auch eine praktische Phase, die sich in eine Beobachtungsphase, eine Übungsphase und eine Zertizifierungsphase gliedert. In der Beobachtungsphase werden mindestens zwei Interviews eines geschulten Trainers beobachtet, in der Übungsphase werden drei Interviews unter Supervision durchgeführt und in der Zertizifierungsphase werden fünf Interviews durchgeführt, von denen mindestens drei mit übereinstimmenden Diagnosen zu denen eines geschulten Interviewers abgeschlossen werden müssen und keine administrativen Fehler (z.B. zu starkes Abweichen vom Interviewleitfaden) bei der Durchführung begangen werden dürfen (Schneider & Margraf, 2006).

Des Weiteren sollte auch die Vorbereitung des Patienten auf das Interview den DIPS-Autoren nach nicht vernachlässigt werden, da sie oft entscheidend für den problemlosen Ablauf des Interviews ist. Daher sollte man vor dem Interview den Zweck der Befragung und mögliche Störfaktoren ansprechen, die bedeutend sein könnten. So sollte man zum Beispiel darlegen, dass das Interview einem Überblick über die Probleme des Patienten dient und verschiedene Bereiche angesprochen werden, die nicht alle auf den Patienten zutreffen werden, aber für eine sichere Diagnose trotzdem abgeklärt werden müssen. Auch sollte die Dauer von 90-120 Minuten erwähnt werden, mit dem Hinweis, dass eventuell starke Abweichungen auftreten können. Der Patient sollte zudem wissen, dass der Diagnostiker sich an einem vorgegebenen Leitfaden orientiert (und deshalb unter Umständen ablesen muss) und dass er die Antworten schriftlich fest hält, um alle wichtigen Informationen zu erfassen. Ebenfalls sollte dem Patienten vermittelt werden, dass bei zu weitreichenden Antworten seinerseits der Diagnostiker zum Thema zurückleiten wird, um das Interview zeitlich nicht auszudehnen. Fragen des Patienten sollten ebenfalls vorab geklärt werden (Schneider & Margraf, 2006).

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Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783346309396
ISBN (Buch)
9783346309402
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v961566
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Diagnostik Strukturiertes Interview DIPS therapiebezogene Diagnostik
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Titel: Das diagnostische Interview bei psychischen Störungen. Durchführungs- und Auswertungsrichtlinien sowie Gütekriterien