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Der Utilitarismus und seine Verbindungen zur Ökonomie

Seminararbeit 2002 17 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Kerngehalt des klassischen Utilitarismus

2.1 Der subjektive und der objektive Utilitarismus
2.2 Der positive und der negative Utilitarismus
2.3 Der Glücks- und der Präferenzutilitarismus
2.4 Der Nutzensummen- und der Durchschnittsnutzenutilitarismus
2.5 Der Handlungs- und der Regelutilitarismus

3. Die Gemeinsamkeiten von Utilitarismus und Ökonomie

Literaturverzeichnis

Der Utilitarismus und seine Verbindungen zur Ökonomie

Einleitung

Der Utilitarismus ist eine der wichtigsten grundsätzlichen Richtungen in der Ethik. Trotzdem -oder vielleicht besonders deshalb- sind ihm seit seiner Entwicklung durch Jeremy Bentham im 18.Jahrhundert aus völlig verschiedenen Richtungen immer wieder starke Vorwürfe gemacht worden.

Die Marxisten beispielsweise werfen ihm vor, er sei ein unbarmherziger Manchester-Liberalismus; viele Liberale hingegen beklagen, der Utilitarismus sei geradezu der Alptraum einer Wohlfartsdiktatur, die den Menschen zu einem Glück zwinge, das er eigentlich gar nicht haben wolle. Für Kant war der Utilitarismus gar völlig indiskutabel, da er jede eudämonistische Ethik grundsätzlich ablehnte1.

Die Folge derartiger Vorwürfe und Bewertungen ist, daß der Ausdruck ,Utilitarismus‘ auch in der heutigen, im weitesten Sinne ethischen Diskussion besonders in Deutschland noch vielfach negativ konnotiert ist und teilweise eine geradezu denunziatorische Funktion erfüllt.

Grund genug, sich im folgenden mit dem Uitilitarismus etwas näher zu be-

schäftigen, um herauszufinden, ob solche Beurteilungen tatsächlich zutreffen oder ob sie vielleicht doch auf einer zu oberflächlichen Beschäftigung mit dem Thema beruhen und also vorschnell getroffen wurden. Dabei soll aber nicht nur der grundsätzliche Kerngehalt dieser Lehre, also der klassische Utilitarismus, vergegenwärtigt werden; sondern es sollen auch die in der aktuellen Diskussion relevanten Unterpositionen kurz beschrieben und diskutiert werden. Denn im Laufe seiner Entwicklung ist der Utilitarismus keineswegs eine in sich homo- gene Theorie geblieben; er hat sich vielmehr in eine beinahe verwirrende Zahl von Positionen ausdifferenziert. So unterscheiden wir derzeit den subjektiven und objektiven, den positiven und negativen, den Glücks- und den Präferenz-, den Nutzensummen- und den Durchschnittsnutzen-, sowie besonders den Handlungs- und den Regel-Utilitarismus.

Überdies sollen die Verbindungen dieser ethischen Lehre zur Ökonomie diskutiert werden. Denn unter den Theorien der normativen Ethik hat der Utilitarismus unbestritten die größte Affinität zu ökonomischen Überlegungen.

Besonders was die sogenannte Wohlfahrtsökonomie betrifft, diente er in vielen Fällen – allerdings besonders im anglo-amerikanischen Raum - als eine wesentliche Entscheidungsgrundlage.

Im folgenden wollen wir uns also zunächst den Kerngehalt des klassischen Utilitarismus vergegenwärtigen. Dann folgt darauf basierend die Diskussion der sechs oben erwähnten und stärker differenzierten Unterpositionen, wobei in diesem Zusammenhang auch die spezifischen Probleme des Utilitarismus ansatzweise erkennbar werden sollen.

Da wir nun hoffentlich den Utilitarismus auf elementarer Ebene und zum Teil in seinen verschiedenen Facetten kennen, sollen dessen zum Schluß erläuterte Verbindungen zur Wohlfahrtsökonomie leicht einzusehen sein.

1. Der Kerngehalt des klassischen Utilitarismus

Besonders in einer pluralistischen Gesellschaft wie unserer, in der es große Freiräume für verschiedene Normen und Werte gibt, sind gewisse grundsätzliche und verbindliche Regeln unumgänglich, die eben diesen Freiraum für alle einzelnen Mitglieder und Gruppen der Gesellschaft gewährleisten. Diese elementaren Regeln bilden einen verbindlichen Rahmen für alle anderen Werte, die nur in Relation zu bestimmten Gruppen Geltung besitzen. Jede normative Ethik beschäftigt sich mit der Reflexion über diesen Rahmen moralisch richtigen Handelns.

Zu einem der seltenen Versuche, solche verbindlichen Normen mit wissenschaftlichen Mitteln zu entwickeln und zu belegen, gehört der Utilitarismus. Die durch das Postulat nach Wissenschaftlichkeit eingeführte Rationalität in der Begründung schließt eine Berufung auf politische und religiöse Autoritäten oder auf das von alters her Gewohnte, also die Tradition, aus. Das mag uns heute recht banal und eigentlich selbstverständlich erscheinen.

Aber Bentham, der Autor des ersten wegweisenden utilitaristischen Werks2, publizierte dies bereits 1780, also in einer Zeit, in der es noch nicht ungefährlich und noch durchaus ungewöhnlich war, Moral auf einem solchen

Wege zu begründen.

Neu am utilitaristischen Ansatz war auch, daß bei der Beurteilung einer Handlung ausschließlich deren Ziele von Relevanz waren. Daher wird der Utilitarismus auch als eine teleologische Ethik bezeichnet, was sich von griechisch ‚to telos‘ = das Ziel ableitet. Er steht damit im Gegensatz zu allen deontologischen Ethiken (,to deon‘ = die Pflicht) wie z.B. zu Kants kategorischem Imperativ3, für die bei der Beurteilung und Begründung einer Handlung nicht die Ziele derselben relevant sind, sondern die Maximen, die ihr zugrunde liegen.

Als Ausgangspunkt für alle moralischen Erwägungen dient die wohlvertraute Situation, daß wir verschiedene Handlungsmöglichkeiten sehen, nicht wissen, welche wir ergreifen sollen und dann ein Kriterium suchen, nach dem wir die richtige Wahl treffen können. Die moralisch richtige Handlung rekonstruiert der Utilitarismus als Resultat einer völlig rationalen Wahl.

Das Kriterium der weiter oben bereits erwähnten Rationalität besteht dabei wiederum aus vier Teilprinzipien, die zusammen den wesentlichen Kern des Utilitarismus bilden.

Im Gegensatz zu den ebenfalls bereits erwähnten deontologischen Ethiken, beurteilt der Utilitarismus Handlungen nicht für sich selbst oder aus ihren Eigenschaften heraus als richtig oder falsch; sondern ihre Richtigkeit ergibt sich vielmehr aus ihren Folgen.

Beurteilt wird dabei der Nutzen der Handlungen. Daher kommt auch die Bezeichnung ,Utilitarismus‘, von lateinisch ,utilitas‘ = Nutzen.

Wichtig ist aber nicht der Nutzen für beliebige Ziele, Werte oder Zwecke.

Es kommt vielmehr auf den Nutzen für das an, was in sich gut ist.

Was man als in sich gut definiert, hängt jedoch von eigenen philosophischen Überlegungen ab, nämlich von den ethischen Wertlehren.

Als höchsten Wert kann man hier etwa Vitalität, Anerkennung, Schönheit, Erkenntnis oder eine Verbindung dieser und anderer Wertbestimmungen

einsetzen. Die prinzipielle Offenheit an dieser Position ist auch der Grund, warum der Utilitarismus keine einheitlich Theorie geblieben ist und sich in eine Vielzahl verschiedener Positionen aufgespalten hat.

Bleiben wir zur Verdeutlichung des wesentlichen Gehalts der Lehre jedoch bei

ihren klassischen Vertretern Bentham4 und Mill5. Hier besitzt der Utilitarismus selbst eine Axiologie, also eine Wertlehre: Als höchster Wert gilt die Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse. Ziel ist die maximale Bedürfnisbefriedigung und damit korrelierend die minimale Frustration. Sittlich geboten ist daher, was am meisten Lust bereitet. Das ist die hedonistische Komponente des Utilitarismus. Der Ausdruck Hedonismus kommt von griechisch ,hedone‘ = Lust. Allerdings ist der Begriff ,Lust‘ für unseren heutigen Sprachgebrauch irreführend. Gemeint ist hier nämlich nicht nur die primitive Sinneslust;

es geht vielmehr auch um so etwas wie Genuß der höheren geistigen Fähigkeiten.

[...]


1 Vgl. Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart: Reclam 1961

2 Vgl. Bentham, Jeremy: An Introduction to the Principles of Morals and Legislation, London: Athlone Pr., 1970

3 Vgl. Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

4 Vgl. Bentham: An Introduction to the Principles of Morals and Legislation

5 Vgl. Mill, John Stuart: Utilitarianism, Indianapolis, Hackett, 1979

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638162739
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9618
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Philosophisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Utilitarismus Wirtschaftsethik Ethik

Autor

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