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Kartennutzer-Gruppe Skifahrer

Hausarbeit (Hauptseminar) 1999 19 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Kartographie, Geodäsie, Geoinformationswissenschaften

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Unterteilung der Kartennutzer-Gruppe
2.1. Nordisch
2.2. Alpin

3. Informationsbedarf der Kartennutzer-Gruppe
3.1 Allgemeine Hinweise
3.2. Gefahrenhinweise
3.3. Orientierungshilfen

4. Vorhandene Orientierungshilfen
4.1. Vogelschaubilder
4.2. Karten
4.3. Skiführer
4.4. Software

5. Bewertung des vorhandenen Materials

6. Kontaktaufnahme mit Kartenherstellern

7. Vorüberlegungen zu einer empirischen Untersuchung

8. Fazit

9. Literatur

Anhang: Fragebogenkonzept

1. Einleitung

Das Skilaufen entstand sehr wahrscheinlich in Skandinavien; aus der Notwendigkeit, sich auch im Schnee fortbewegen zu können, wurde erkannt, daß das Körpergewicht auf eine größere Auflagefläche verteilt werden muß. Auf den zuerst entwickelten Schneeschuhen waren die Menschen dem Wild mit seinen meist schlanken Füßen an Schnelligkeit überlegen und konnten es auch mit primitiven Waffen erlegen. Später wurde das Gleiten auf Holzlatten, welche an die Schuhe gebunden wurden, als weitere Möglichkeit der schnelleren Fortbewegung auf Schnee und Eis erkannt. Etwa 1850 erschienen die ersten Skipioniere mit Ihren ,,Brettern" in den Alpen und führten dort die aus Norwegen stammende Abfahrtstechnik Telemark ein. Im Alpenbereich wurde das Skilaufen von Anfang an aber fast nur als Freizeitbetätigung angesehen und führte zur Jahrhundertwende zum ersten Boom dieser damals noch jungen Sportart. Die ersten Skiliftanlagen in einfacher Technik wurden erstellt und vor allem das Skitourengehen war sehr beliebt.Besonders in der Zeit seit dem 2.Weltkrieg entstanden immer mehr Liftanlagen im Alpenraum und führte zum heutigen, beträchtlichen Anteil am Wirtschaftsteilbereich Tourismus.

Diese, im Rahmen des Oberseminars ,,Theoretische Probleme der Kartographie:

Kartennutzergruppen" entstandene Arbeit soll die spezielle Thematik der Skifahrer als Nutzer von Karten darlegen.

2. Unterteilung und Definitionen der Kartennutzer-Gruppe

Skisport

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Unterteilung Skisport

Der Skisport läßt sich in zwei große Teilbereiche untergliedern: In die Nordischen und die Alpinen Disziplinen (Abb. 1).

2.1. Nordisch

Unter den Nordischen Disziplinen versteht man diejenigen Techniken, die entweder aus den einzelnen Sparten des Skilanglaufs (Sprint, Langstrecke, Biathlon etc.) oder des Skisprungs (Normalschanze, Skiflug etc.) oder aber Beiden (Nordische Kombination) besteht.

2.2. Alpin

Alpine Disziplinen unterscheiden sich von den Nordischen Disziplinen darin, daß sie vor allem im Gebirge betrieben werden, und vor allem von der Abfahrt von einem Berge ,,leben". Die alpinen Disziplinen werden bezüglich meines Themas unterteilt in Skisport an Liftanlagen und in Skitourengänger, da, wie im folgenden Teil der Arbeit ersichtlich wird, die Skitourenfahrer/-gänger die weitaus höchsten Ansprüche an die Kartographie besitzen. Skisport an Liftanlagen und Skitourensport unterscheidet sich vor allem in der Art des Aufstieges, der im Falle der Tourengänger aus eigener Muskelkraft geschieht. Die Skier werden beim Aufstieg entweder mit einem Fell (meist synthetisch) unterlegt, oder aber die Lauffläche ist mit Schuppen bestückt, um ein Zurückrutschen der Skier zu vermeiden. Beim klassischen Tourengehen wird ein Berg in der beschriebenen Art bestiegen, die Abfahrt erfolgt auf unpräparierten Hängen. Unabdingbar für das Durchführen einer Skitour sind eine genaue Planung, die Benutzung von Orientierungshilfen, als auch das Beachten der Gefahren im alpinen Bereich. Oftmals wird ein erfahrener Bergführer engagiert, der diese Aufgaben übernimmt.

An dieser Stelle sei auch kurz auf die diversen anderen alpinen Fortbewegungsmöglichkeiten eingegangen: Skibob, Monoski, als auch die in den letzten Jahren sehr verbreiteten Snowboards werden hauptsächlich an Liftanlagen eingesetzt. Jedoch wird in letzter Zeit vermehrt mit Snowboards experimentiert, die skitourentauglich sind. Dabei handelt es sich entweder um Snowboards, die teilbar sind, um den Aufstieg quasi mit Kurzski zu bewältigen, oder aber es werden spezielle Kurzskier zum Aufstieg verwendet, wobei das Snowboard im Rucksack mitgeführt werden muß.

Allen Alternativen zum Ski ist eigen, daß sie sich in Ansprüchen bezüglich Orientierungshilfen im jeweiligen Gelände dem entsprechenden Skisport ähneln. Wo dies nicht zutrifft, wird im entsprechenden Teil dieser Arbeit darauf eingegangen.

3. Informationsbedarf der Kartennutzer-Gruppe

Informationsbedarf an kartographische Darstellungen und deren Umsetzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Informationsbedarf an kartographische Darstellungen und deren Umsetzung

Abbildung 2 verdeutlicht den unterschiedlichen Informationsbedarf der unterteilten Kartennutzergruppe und deren Umsetzung in kartographischen Materialien.

Offensichtlich ist das fehlende Bedürfnis eines Skispringers, sich großräumig anhand von Karten zu orientieren. Nicht unterschlagen werden soll allerdings, daß Skisprungschanzen in nahezu allen Skikarten eingezeichnet sind.

Skilanglauf wird fast ausschließlich auf präparierten Loipen, meist Rundkursen betrieben. Die erforderlichen Informationen, die ein Langlaufsportler benötigt, beziehen sich neben einer Art Groborientierung im Gelände vor allem auf allgemeine Hinweise, wie etwa Länge, Schwierigkeitsgrad, Steigungen, Start- und Zielpunkt. Dies wird meist durch Schautafeln an der Loipe gewährleistet. Darüber hinaus findet man Loipenrouten oftmals auf Wintersport- ausgaben der Landesvermessungsämter oder auf speziellen Loipenkarten aus dem Tourismus- bereich wieder.

Der kartographische Informationsbedarf von Alpinskisportlern an Liftanlagen bezieht sich auf Orientierung im Skigebiet, als auch auf die einzelnen, zur Verfügung stehenden Pisten und deren Schwierigkeitsgrad.

Deren Umsetzung geschieht meist in sogenannten Vogelschaubildern, auf die im Laufe der Arbeit (Punkt 4.2.) noch eingegangen wird. Liftanlagen werden allerdings auch in Skikarten mit topographischer Basis eingezeichnet.

Den weitaus höchsten Informationsbedarf besitzen die Skitourengänger, die meist im hochalpinen Gelände agieren. Dieses Gelände birgt spezifische Gefahren in sich. Neben allgemeinen Hinweisen zur Tour (Länge, Schwierigkeitsgrad) benötigt ein Skitourenfahrer Angaben zur Wetterlage, Lawinengefahr und vor allem zur Orientierung.

Aus diesem erhöhten Informationsbedarf heraus, wird im Folgenden auf diese Kartennutzergruppe hauptsächlich Bezug genommen.

Abbildung 3 greift noch einmal separat den Informationsbedarf von Skitourengängern auf. Danach lassen sich deren Ansprüche unterteilen in Allgemeine Hinweise, Gefahrenhinweise und Orientierungshilfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Informationsbedarf von Skitourenfahrern

3.1. Allgemeine Hinweise

Allgemeine Hinweise beziehen sich auf Länge und Dauer, Schwierigkeitsgrad der Tour als auch auf (Not)-Übernachtungsmöglichkeiten. Ebenso wird, wie unter Punkt 4 beschrieben, teilweise eine Beschreibung der Anreise, meist auch eine Einordnung des zu begehenden Gebirges in bezug auf Geologie und Zugehörigkeit zu Gebirgszügen in textlichen Beschreibungen mitgeliefert.

3.2. Gefahrenhinweise

Wie bereits erwähnt, erfordert das alpine Gelände spezielle Vorsichtsmaßnahmen. Kenntnisse über aktuelle Wetterlage, Windrichtung, Schneehöhe und Lawinengefahr sind unbedingt erforderlich.

Gerade diese Gefahrenhinweise sind vor allem aus Gründen der Aktualität in kartographischen Darstellungen äußerst problematisch, wie unter Punkt 5. noch einmal diskutiert werden wird.

3.3. Orientierungshilfen

Gerade das Tourengehen findet sehr oft unter Bedingungen statt, unter denen Orientierungshilfen unentbehrlich sind. So ist zum Beispiel bei Neuschnee kein eventuell vorhandener Weg oder Wegmarkierungen ersichtlich. Oft werden Skitouren in dem dem jeweiligen Tourengänger unbekannten Gebiet durchgeführt, was das Mitführen von Karten ebenso erforderlich macht. Bedingt durch oftmals schlechte Sichtbedingungen bei Schneefall, Schlechtwetter, oder aber Dämmerung, ist ein Navigieren mit Karte und Kompaß/GPS nicht selten erforderlich.

4. Vorhandene Orientierungshilfen

4.1. Vogelschaubilder

Vogelschaubilder gehören zu den kartenverwandten Darstellungen und bieten eine Perspektive von einem hohen Berg bzw. einem fiktiven Punkt in der Luft, mit einer Zentralprojektion auf eine schräge Ebene. Bei Vogelschaubildern liegt der inhaltliche Schwerpunkt meist auf der künstlerischen Landschaftsdarstellung.

Wie bereits erwähnt, finden Vogelschaubilder im Bereich des Alpinskisports an Liftanlagen Verwendung. Meist werden diese als Teil eines Prospektes des jeweiligen Skigebietes kostenlos verteilt. Die Anforderungen , die von der Kartennutzergruppe gestellt werden (Orientierung im Skigebiet, Pisten, Schwierigkeitsgrad etc.), können durch diese anschaulichen Darstellungen in Verbindung mit Tafeln an der Strecke relativ gut erfüllt werden (Abb. 4).

Vogelschaubilder zum Thema Skisport entbehren jedoch fast immer einer exakten geodätischen Grundlage und können, bedingt durch die Schrägbildperspektive natürlich immer nur eine Seite eines Berges darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Vogelschaubild vom Skigebiet Nebelhorn

Quelle: Prospekt der Nebelhorn AG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Skitourenkarte des Deutschen Alpenvereins, 1974

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Photo mit markierter Skiroute

Quelle: Alpenvereinsskiführer, Ostalpen Bd. 3, Bergverlag Rudolf Rother

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Kartenausschnitt mit Skiroute

Quelle: Alpenvereinsskiführer, Ostalpen Bd. 3, Bergverlag Rudolf Rother

4.2. Skiführer

Skiführer sind meist kleinformatige Bücher, Hefte oder Broschüren, welche Skitourenbeschreibungen mit dazugehörigen Kartenausschnitten, ergänzt durch ein Photo, in welchem die Route markiert ist (Abb.6 und Abb.7), beinhalten.

Die Texte umfassen Angaben zum Schwierigkeitsgrad und zur Dauer der Tour, Lawinengefährlichkeit des betreffenden Gebietes, eine Wegbeschreibung, als auch Anreiseund Übernachtungsmöglichkeiten.

4.3. Karten

Karten für Skitourenfahrer werden von den einzelnen Alpenvereinen (Abb.5), von den Landesvermessungsämtern, als auch von privaten Verlagen herausgegeben.

Alle Skitourenkarten sind auf der Basis von topographischen Karten, entweder der amtlichen Ausgaben oder als Ergebnis eigener Erhebungen (Alpenvereine).

Allen Karten ist eine Einzeichnung der Skitouren, Liftanlagen und Sprungschanzen, meist auch der Loipen gemeinsam.

Es bestehen nur kleinere Unterschiede im Maßstab (meist 1 : 25 000 bis 1 : 40 000), in der Wahl der Farben (Skirouten in rot oder magenta) als in der Darstellung von lawinengefährdeten Gebieten. Privatfirmen drucken fast immer Tourenbeschreibungen auf die Rückseite und kommen damit im praktischen Gebrauch den Skiführern nahe.

4.4. Software

Nur zögerlich finden im Bereich der Computertechnik Entwicklungen von Softwareanwendungen für den Ski(touren)fahrer statt. Im Laufe meiner Recherche stieß ich auf folgende Programme:

-AIDA: Multmedialer Alpentourenführer Italien Deutschland Austria
-TourenDisk vom Bergverlag Rudolf Rother
-GIS-Prototyp LAWIPROG des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF)

Von keinem der oben genannten Programme waren Demoversionen erhältlich. AIDA, als auch die GIS-Applikation des SLF sind noch in der Prototyp-Phase, die TourenDisk des Bergverlag Rudolf Rother wird ausführlich auf deren Homepage erläutert. Aus diesen Gründen war eine persönliche Inspektion dieser Programme nicht möglich.

In den nun folgenden Kurzbeschreibungen mußte ich mich deshalb auf die Angaben der Hersteller verlassen.

Das im Rahmen des Projektes Info 2000 von der Europäischen Union geförderte Programm AIDA bietet dem Benutzer bei seiner Freizeitplanung in den Alpen verschiedene Möglichkeiten an:

-Abrufen festgelegter Touren (Wandern, Radeln, Mountainbike, Skitouren)
-Zusammenstellung eigener individueller Touren durch Routingfunktionalität
-Eingabe persönlicher Zusatzinformationen
-Aktivieren der Anzeige berechneter Höhenprofile
-Erstellen von eigenen Tourenbüchern
-Ausdruck von Tourenstrecken
-Datentransfer zu GPS-Empfängern

AIDA soll nach Herstellerangaben 1999 als CD-Version mit Internetanbindung auf dem Markt erscheinen. Für die Realisierung des Projektes ist ein Konsortium folgender Partner verantwortlich:

Huber Kartographie (München), Koordinator

Arbeitsgruppe GIS der Universität der Bundeswehr (München)

Mapgraphic edition (Italien)

Kartographie Sparrer (München)

Die vom Bergverlag Rudolf Rother vertriebene Software namens ,,TourenDisk" hat ähnliche Vorsätze wie das bereits beschriebene Programm AIDA, ist aber auf einem anderen Niveau anzusiedeln, als das GIS-verwandte AIDA. Die TourenDisk vom Bergverlag Rudolf Rother erscheint als recht einfaches, für den Laien schnell zu begreifendes Programm, und stellt laut Herstellerangabe eine Art ,,Outdoor-Bibliothek" dar.

Kurz vor Fertigstellung dieser Arbeit erreichte mich noch eine Beschreibung einer GISApplikation namens LAWIPROG des Eidgenössischen Institutes für Schnee- und Lawinenforschung zur Visualisierung von Lawinengefahren. Dieser Prototyp setzt alle lawinenrelevanten Daten in eine Karte im Maßstab 1: 25 000 um, und stellt somit eine Möglichkeit für Skitourenfahrer dar, sich explizit über die aktuelle Lawinengefahr einer eventuell geplanten Skitour zu informieren.

Allgemein liegen die Vorteile gegenüber Printprodukten in der ständigen Fortführung der Daten, dem Zugriff über Hyperlinks zu Informationsdiensten (Wetterbericht, Lawinengefahr), dem schnellen Aufruf spezifischer Daten und der individuellen Planung eigener Freizeitaktivitäten.

5. Bewertung des vorhandenen Materials

Angaben über Ansprüche und Bedürfnisse von Skitourenfahrern an kartographische Darstellungen, als auch die Bewertung des vorhandenen Materials wurden hauptsächlich Gesprächen und Briefwechseln mit erfahrenen Skitourenfahrern, dem Skitourenwart der Berliner Sektion des Deutschen Alpenvereins, als auch mit einzelnen Mitarbeitern des SLF entnommen. Für deren freundliche und kompetente Mithilfe möchte mich ich an dieser Stelle recht herzlich bedanken.

Ausgehend von der Tatsache, daß Skikarten bereits seit ca. 100 Jahren zur Durchführung von Skitouren verwendet werden, ist auf Seiten der zu untersuchenden Kartennutzergruppe deutlich die Bereitschaft des Arrangierens mit vorhandenen Kartendarstellungen entstanden. Die fast ausschließlich verwendeten Skikarten auf Grundlage von topographischen Karten unterscheiden sich kaum. Genauigkeit, Äquidistanzen, als auch Maßstäbe variieren wenig und sind den Kartennutzern weitestgehend bekannt.

Trotzdem sind in den letzten Jahren, sei es aufgrund der Entwicklung neuer Techniken zur Einschätzung von Lawinengefahren, als auch durch die rasant zunehmenden Möglichkeiten im Bereich der Neuen Medien, Ansprüche entstanden, welche das vorhandene Kartenmaterial bisher nicht erfüllt :

-Wurden in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg Skikarten meist mit einer Kennzeichnung lawinengefährdeter Hänge versehen, so wird diese Zusatzinformation in keiner aktuellen Karte berücksichtigt. Aufbauend auf der Entwicklung einer neuen Methode zur Einschätzung der Lawinengefahr (Reduktionsmethode nach W. Munter), welche in der Neigung eines Hanges (und dessen Exposition) einer der wesentlichen Faktoren einer etwaigen Lawinengefahr sieht, wird deshalb seit geraumer Zeit die Einführung von Skitourenkarten mit flächig eingefärbten Böschungswinkeln gefordert, um steile, und somit lawinengefährderte Hänge deutlich hervorzuheben, selbst unter dem eventuell nötigen Weglassen von Schummerungen.
-Werden bei Karten, die von privaten Firmen hergestellt werden, meist kurze Beschreibungen der auf dem Kartenblatt vorgeschlagenen Touren auf der Rückseite aufgedruckt, beschränkt sich bei Karten des Deutschen Alpenvereins und der amtlichen Landesvermessungsämter die Themadarstellung auf das Einzeichnen der Route. Diese Karten von gewerblichen Herstellern, als auch die unter 4.2. beschriebenen Skiführer, mit Kartenausschnitt, Photo und einer textlichen Beschreibung der Tour, sind den amtlichen und den Alpenvereins-Skikarten im Informationsangebot deutlich überlegen.
-Wie bereits erwähnt, finden Skitourenfahrer (meist unfreiwillig, z. B. durch Wetterum- schwünge) mitunter schwierige Sichtbedingungen vor. Durch den vermehrten Einsatz von GPS-Empfängern, aber auch beim Einsatz der älteren Hilfsmittel wie Kompaß und Höhenmesser, ist die Forderung aufgetaucht, Gitternetzhilfslinien auf Skikarten aufzudrucken.
-Die Gebirgszugverläufe auf dem Kartenmaterial zu erkennen, ist eine der wichtigsten Anforderungen, die Skitourenfahrer an Karten stellen. Bisher wurde dies nur mittelbar durch die Schummerung und/oder die Höhenlinien erreicht, beinhaltet jedoch einige Ungenauig- keiten, und ist zudem unter schwierigen Bedingungen nur mühevoll zu erkennen. Hier wurde als Verbesserungsmöglichkeit das Fettmarkieren von Bergkammverläufen gefordert.

Allgemein bleibt festzuhalten, daß Skikarten in ihren topographischen Grundlagen auf einem sehr hohen Niveau anzusiedeln sind. Dies ist hauptsächlich auf die kompetente Arbeit der einzelnen Alpenvereine und Landesvermessungsämter zurückzuführen. Diese Institutionen besitzen zum Teil über hundert Jahre Erfahrung in der Aufnahme und Darstellung der Topologie.

Getrennt davon, hat sich jedoch die eigentliche Themadarstellung entwickelt. Der Status Quo der momentan erhältlichen Skikarten läßt sich am ehesten als das Einigen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beschreiben. Speziell auf das Thema der Skitouren bezogen, werden eigentlich nur noch die Routen dargestellt. Berghütten und Liftanlagen sind schließlich auch auf den Normalausgaben der Topographischen Kartenwerke verzeichnet. Skiführer werden häufig genutzt; die relativ hohen Auflagen (bis zu 10 000) sprechen hierbei für sich.

Im Bereich der EDV-Anwendungen konnte eine Bewertung aufgrund der Nichtverfügbarkeit nicht stattfinden, jedoch erscheint dieser Ansatz, begründet durch die vielfältigen Möglichkeiten an Informationsgewinnung sehr vielversprechend.

6. Kontaktaufnahme mit Kartenherstellern

Ausgehend von den Ergebnissen der Bewertung des vorhandenen Materials, konfrontierte ich diverse Hersteller mit den daraus entstandenen Forderungen. Hierbei kontaktierte ich die Abteilung Kartographie des Deutschen Alpenvereins in München, den Bergverlag Rudolf Rother, die Firma Kartographie Huber, als auch die Arbeitsgruppe GIS der Universität der Bundeswehr in München. Auch hier sei den beteiligten Personen Dank ausgesprochen für die freundliche und kompetente Unterstützung.

Abbildung 6 zeigt in einer Tabellenform die angesprochenen Forderungen, als auch die Möglichkeit der Umsetzung.

Auswertung der Expertengespräche in Bezug auf neue Karten für Skitourengänger

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Auswertung der Expertengespräche in Bezug auf neue Karten für Skitourengänger

-Kammverlaufsdarstellungen werden als sinnvoll angesehen. Ob dies allerdings tatsächlich realisiert werden wird, blieb unklar. Vom deutschen Alpenverein gibt es sogenannte Kammverlaufskartenskizzen in kleinen Maßstäben.
-Die flächige Darstellung von Hangneigungen wird zur Zeit kontrovers diskutiert. Die eidgenössischen Vermessungsstellen fertigten bereits diverse Exemplare an, welche leider nicht frei erhältlich sind. Beim Deutschen Alpenverein wird gerade auf eine digitale Kartenbasis umgestellt, Vektordaten sind deshalb zur Zeit noch nicht vorhanden. Wenn diese Umstellung beendet ist, wird über eine flächige Darstellung der Böschungswinkel nachgedacht werden.
-Die Kennzeichnung allgemein bekannter lawinengefährdeter Hänge wird nicht angestrebt. Dies würde den Nutzer in den übrigen Gebieten in einer trügerischen Sicherheit wiegen, lautete das Argument.
-Ein Weglassen der Schummerung wurde übereinstimmend als nicht sinnvoll angesehen, und wird deshalb auch nicht angestrebt.
-Beim Deutschen Alpenverein werden neu herausgegebene Skikarten ab sofort mit einem aufgedrucktem UTM-Gitter versehen.

7. Vorüberlegungen zu einer empirischen Untersuchung

Ausgehend von dem Umstand, daß empirische Untersuchungen über Ansprüche und Bedürfnisse von Skitourenfahrern in Bezug auf Orientierungshilfen und Kartenmaterial entweder nicht vorhanden sind, oder aber nicht öffentlich zugänglich sind, wäre es sicherlich wünschenswert, ein solches Forschungsprojekt durchzuführen.

Die bereits ansatzweise geführten Expertengespräche mit erfahrenen bzw. beruflichen Nutzern sollten hierbei vertieft werden, als auch durch eine empirische Untersuchung mit Normalnutzern untermauert werden.

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich Vorüberlegungen zu einer solchen Studie anstellen und ein mögliches Konzept für ein standardisiertes Interview herausarbeiten.

Neben der Wahl des qualitativen Interviews mit Experten sollte die Wahl des Erhebungsinstrumentes für eine repräsentative Untersuchung der Normalskitourenfahrer der Komplexität des Themas angepaßt sein. D. h. auf Grund der zu bestimmenden Ansprüche der Kartennutzer-Gruppe werden detaillierte Fragestellungen notwendig sein. Um eine gewisse Führung zu bieten, um eventuell notwendige Verständnisfragen der zu befragenden Person zu beantworten, aber gleichzeitig eine möglichst einfache Auswertung zu gewährleisten, ist ein vollstandardisiertes, mündliches Interview durchzuführen.

Erfaßt werden sollte:

-Bewertung von vorhandenem Material (Karten, Skiführer)
-Ansprüche und Wünsche an neu zu erstellendes Material
-Bereitschaft zur Benutzung von Computer und Internet

Der letzte Teil der eigentlichen Befragung sollte sich mit der sozio-demographischen Stellung der zu befragenden Person befassen. Angaben über Alter, Beruf, Familienstand, Schulbildung und evtl. des Einkommens sollten hier aufgenommen werden.

An dieser Stelle sei auf den skizzenhaften Entwurf eines Fragebogens im Anhang verwiesen. Die Kartennutzergruppe wäre vor allem über die verschiedenen Alpenvereine bzw. auf deren Versammlungen, oder aber direkt auf Skitouren anzusprechen. Ausgehend von der Tatsache, daß sich z.B. der Deutsche Alpenverein sehr interessiert am Thema zeigte, wäre es also sicherlich kein Problem, die Kartennutzergruppe anzusprechen.

8. Fazit

Analog zu anderen Kartennutzergruppen, die im Seminar behandelt wurden, (Bergsteiger, Wasserwanderer etc.) konnte diese Arbeit ebenfalls nicht auf vorhandene empirische Untersuchungen aufbauen.

Im Rahmen meiner Arbeit wurde aus Zeitgründen in erster Linie durch Expertengespräche mit Skitourenfahrern als auch mit Kartenherstellern die Besonderheiten dieser Kartennutzer erfaßt und dargestellt. Um wirklich gesicherte Ergebnisse zu erzielen, müßte jedoch eine Befragung stattfinden, um Hypothesen zu verifizieren oder zu verwerfen. Dabei wäre natürlich auf eine genügend hohe Probandenzahl zu achten.

Abschließend lassen sich im Rahmen meiner Untersuchungen folgende vorläufige Ergebnisse festhalten:

-Skitourenfahrer sind in der Mehrheit relativ geübt im Umgang mit Kartenmaterial. Ist dies nicht der Fall (z.B. Anfänger), wird entweder mit einem Führer oder mit erfahrenen Skitourenfahrern gegangen. Dies ist dem Umstand der bekannten Gefahren im alpinen Bereich (Lawinen, Wetterumschwünge etc.), und somit der speziellen Kartennutzungssituation der Skitourenfahrer zuzuschreiben.
-Aufgrund der langen Zeit, in der Skikarten auf dem Markt sind (ca. 100 Jahre), ist ein Trend zu erkennen, sich mit dem vorhandenen Material zu arrangieren.
-Die eigentliche Themadarstellung in der Karte stagniert bezüglich der enthaltenen Informationen seit Jahrzehnten. Es wird nur noch die Route eingezeichnet.
-Ausgehend von der Neuentwicklung einer Methode zur Einschätzung von Lawinengefahren sind Forderungen zur flächigen Darstellung von Böschungsneigungen entstanden, über die von den Kartenherstellern intensiv nachgedacht wird.
-Im Bereich der EDV-Anwendungen sind sicherlich die größten Entwicklungschancen gegeben. Die Bereitschaft zum Einsatz dieser Technik ist in der Gesellschaft rapide gestiegen, die Möglichkeiten an Informationsgewinn ist auch für die Skitourenfahrer enorm.

Zum Schluß der Arbeit möchte ich mich bei folgenden Personen für deren Unterstützung zur Erstellung dieser Arbeit bedanken:

Herr Heino Grunert, Skitourenwart des Deutschen Alpenvereins Sektion Berlin Stephan Harvey, Mitarbeiter des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung, Davos Frau Hörmann, Bergverlag Rudolf Rother Herr Mautz, Kartograph des Deutschen Alpenvereins, München Monika Mösbauer, Mitarbeiterin des Arbeitskreises GIS Frau Margret Prietzsch, Kartographie Huber, München Friedbert Sigel, erfahrener Skitourengänger Frank Tschirky, Mitarbeiter des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung, Davos

9. Literatur

Arnberger, E., 1977: Thematische Kartographie, Braunschweig

Arnberger, E., 1970: Die Kartographie im Alpenverein, In: Wissenschaftliche Alpenvereinshefte Heft 22, München und Innsbruck

Finsterwalder, R., 1984: Die Alpenvereinskarte und ihr Gebrauch, München

Karlschmidt;1973: Wandern und Bergsteigen mit Karte und Kompaß, 4. Aufl., München

Zacharias, E., 1998: Kartennutzergruppen - Möglichkeiten und Probleme ihrer Definition, Unveröffentlichte Diplomarbeit, Freie Universität Berlin

Internet:

Deutscher Alpenverein:http://www.ski-online.de

Institut für Schnee- und Lawinenforschung: http://www.slf.ch/slf.html

Bergverlag Rudolf Rother:http://www.rother.de

Kartographie Huber:http://www.kartographie.de

Anhang: Fragebogenkonzept

Fragebogenkonzept für die Kartennutzergruppe Skitourenfahrer

1. Welche Hilfsmittel benutzen Sie zur Orientierung bei Skitouren?

Karte Kompaß GPS Buch

Bergführer keine Hilfsmittel Sonstiges:

2. Welchen Informationen möchten Sie einer Skitouren-Karte entnehmen?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Bewertung des vorhandenen Materials

Welche Karte würden Sie für eine Skitour am ehesten verwenden?

Karte Nr.:

4. Bereitschaft zur Verwendung von Neuen Medien Besitzen Sie einen Computer?

ja nein

Haben Sie Zugang zum Internet?

ja nein

Falls Nein, planen Sie die Anschaffung eines Rechners, bzw. den Zugang zum Internet?

ja nein

Besteht die Bereitschaft, ein Skitouren-Computerprogramm zu verwenden?

ja nein

Welche Informationen sollte diese Software beinhalten?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5. Geschlecht: weiblich männlich

6. Alter: Jahre

7. Tätigkeit:

Schüler / Student Arbeiter(in)/Facharbeiter(in)

Angestellte(r) Selbständige(r)

Beamter / Beamtin Arbeitslos

Auszubildende(r) Sonstiges

Details

Seiten
19
Jahr
1999
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v96241
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
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Schlagworte
Kartennutzer-Gruppe Skifahrer Problemeder Theoretischen Kartographie Kartennutzer-Gruppen Leitung Prof Scharfe

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Titel: Kartennutzer-Gruppe Skifahrer