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Casemanagement

Seminararbeit 1998 16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Case Management als Methode der Sozialen Arbeit
1.1. Allgemeine Begriffsbestimmungen
1.1.1. Methode
1.1.2. Case
1.1.3. Management
1.1.4. Case Management
1.2. Sozialarbeit als handlungsorientierte Wissenschaft
1.3. Sozialarbeit als Prozeßder Problemlösung
1.4. Case Management-eine Möglichkeit zur Lösung von Problemen durch gezielte Handlungen
1.4.1. Geschichte und Entstehung dieser Methode
1.4.2. Case Management aus ökonomischer Sicht
1.4.3. Aufgaben des Case Managers
1.5. Literaturangaben

1.1. Allgemeine Begriffsbestimmungen

1.1.1. Methode

Eine Methode ist laut Lexikon ein folgerichtiges Denk-, Forschungs- und Lehrverfahren. Man unterscheidet Methoden in der Wissenschaft, welche der Erkenntnisgewinnung dienen, von Methoden in Praxis und Beruf, deren Ziel vorallem praktische Problemlösungen sind.

Berufliches Handeln beinhaltet eine methodische Lösung anstehender Probleme. Im Gegensatz dazu werden Hürden des Alltags eher unvorbereitet und planlos genommen. Dies führt allerdings nicht selten dazu, daß Probleme nicht oder nur unzureichend gelöst werden. Eine Unterstützung im Rahmen beruflichen Handelns durch eine kompetente Person (hier Sozialarbeiter) ist dann notwendig.

Der Methodenbegriff hat regional eine unterschiedliche Bedeutung. Im deutschsprachigen Raum ist er eingegrenzt auf erlernbare Fertigkeiten und Techniken, während der amerikanische Methodenbegriff neben den Behandlungstechniken auch Werte, leitende Prinzipien und Grundbegriffe einschließt.

In der Sozialarbeit werden Methoden zur konkreten Bearbeitung und (idealerweise) Lösung von Klientenproblemen durch den geschulten Sozialarbeiter angewandt.

1.1.2. Case

"Case (Fall) ist ein abgrenzbarer Sachverhalt. In ihm liegt vor, "was der Fall ist". Damit läßt sich im System der Dienste und Einrichtungen etwas anfangen. Was vorliegt, ist ein Fall von Hilfebedürftigkeit, der in der rechtlich geregelten Form mit einer "Hilfe in besonderen Lebenslagen" oder einer "Hilfe zur Erziehung" beantwortet werden kann, und es ist ein Fall für den Experten, der sich auf ihn mit seinem klinischen Blick und mit seinen Methoden versteht. Vielleicht ist es ein Pflegefall, ein medizinischer Notfall oder ein Fall für die Justiz."

( Wendt, Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen, 1997).

Im Bereich der Sozialen Arbeit ist, objektiv und konzeptionell gesehen, mit einem Fall immer die Einheit "Person in ihrer persönlichen Umgebung" gemeint. Die Situation, in der sie sich befindet, ist dann ihre persönliche Situation. Weniger wird der Betreffende selbst als "Fall" bezeichnet.

1.1.3. Management

Der Ausdruck "Management" wird oft unbedacht angewandt, weshalb hier eine genauere Begriffsbestimmung vor geschichtlichen Hintergrund erfolgen soll.

Zuerst wurde "Management" in Italien angewandt. Wenn wilde Pferde einzureiten und dabei zu zügeln waren, sprach man in der Renaissance von "Maneggiare". Im englischen Sprachgebrauch meinte "managen" seither: etwas im Griff haben und geschickt fertigbringen; "die Sache deichseln". Das englische Verb hat außerdem eine französische Wurzel: Zu Zeiten des Absolutismus war am Hofe von Versailles das Küchenregiment derart komplex geworden, daß dieser Haushalt und Betrieb eine eigene Leitung brauchte. Einen Haushalt führen, haushalten, etwas mit Sorgfalt gebrauchen, heißt französisch "ménager".

Management wurde in diesem Sinne Synonym für Betriebsführung. Gegenstand sind Sachverhalte, Veranstaltungen, Vorgänge.

In Unternehmen, welche Dienstleistungen für Menschen leisten, wird in Abstimmung mit ihnen die Leistungserbringung gesteuert. Nicht die Menschen werden gemanagt, sondern die zur Verfügung stehenden Dienste und Leistungen, um sie den Hilfebedürftigen in ausreichendem Maß zukommen zu lassen.

Die direkte Beeinflussung von Menschen ist die Aufgabe von Erziehern, Trainern und Leitern charismatischer Kurse.

1.1.4. Case Management

Nach Julius R. Ballew und George Mink ist "Case Management ein Prozeß der Hilfestellung für Menschen, deren Leben unbefriedigt verläuft oder nicht gelingt, weil viele Probleme vorhanden sind, welche die Unterstützung zugleich von mehreren Helfern erforderlich machen."

Case Management konzentriert sich dabei auf die Organisation und Ausschöpfung vorhandener Ressourcen. Diese bestehen vorerst aus finanziellen Mitteln, Personen sowie Dienstleistungen, welche organisiert und dem Klienten in seiner speziellen Lage zugänglich gemacht werden müssen.

Auf der anderen Seite ist das Unterstützungsmanagement darauf gerichtet, den Klienten zu befähigen, die vorhanden Ressourcen zu nutzen. Diese Befähigung umfaßt das Wissen, die persönliche Einstellung und die Fertigkeiten des Klienten.

Case Management ist im Sozial- und Gesundheitsdienst angesiedelt und sorgt für die notwendige Unterstützung im Einzelfall. Dabei geht es immer um langfristige Hilfen und nicht um kurzfristige Eingriffe in akuten Notsituationen. In einem zielgerichteten System der Zusammenarbeit mehrerer Beteiligter, die zu einem Netzwerk verknüpft sind, verwirklicht sich die Methode Case Management. Ihr Ausgang ist die Einzelfallhilfe (Case Work). Jedoch ist Case Management mehr als nur die Gewährung einzelner Hilfen, wie zum Beispiel materielle Unterstützung oder ein klärendes Gespräch. Bei einem Unterstützungsmanagement sind, wie schon erwähnt, mehrere Hilfen zu einem professionellen System verknüpft.

Dies stellt den erforderlichen Handlungsrahmen für personenbezogene Leistungen dar.

1.2. Sozialarbeit als handlungsorientierte Wissenschaft

Sozialarbeit zählt nicht zu den Grundlagenwissenschaften wie Soziologie oder Psychologie, sondern zu den Technologien wie Psychotherapie, Betriebswirtschaft oder Maschinenbau.

Dies ist die Betrachtung aus wissenschaftstheoretischer Sicht. Tatsächlich werden im Bereich der Sozialen Arbeit sehr oft Entscheidungen getroffen und Handlungen ausgeführt, weshalb eine Zuordnung dieses Arbeitsfeldes zu den Handlungs- und entscheidungsorientierten Berufen logisch erscheint.

Indirekt oder direkt wird Sozialarbeit häufig als Handlungswissenschaft definiert. Konzepte handlungstheoretischer Grundlagenforschung unter den Bezeichnungen wie "Entscheidungstheorie", "Handlungstheorie", "Problemlösungsforschung" und "Streßforschung" müssen auf die Tauglichkeit hinsichtlich der Handlungstheorie der Sozialarbeit hin geprüft werden.

1.3. Sozialarbeit als Prozeßder Problemlösung

Ist von Problemlösungsforschung bezogen auf den Bereich der Sozialarbeit die Rede, geschieht das häufig unter dem Stichwort "problemlösender Ansatz". Dieser Begriff ist häufig in sozialarbeitsspezifischer Fachliteratur zu finden, wird aber auch von der Psychotherapie und Beratungsprozeßforschung verwendet.

In der Sozialarbeit wird der "problemlösende Ansatz" als Methode verstanden, die den Klienten befähigt, das anstehende Problem zu bewältigen, aber auch darüber hinaus seine Problemlösefähigkeiten zu verbessern. Sozialarbeit ist immer auf die Bewältigung von sozialen Problemen verschiedenster Art und Intensität gerichtet. Der problemlösende Ansatz ist eine Methode und beinhaltet selbst noch Methoden, die individuell Anwendung finden, wie zum Beispiel das Case Management.

1.4. Case Management - eine Möglichkeit zur Lösung von Problemen durch gezielte Handlungen

1.4.1. Geschichte und Entstehung dieser Methode

Den Hintergrund für die Einführung von Case Management bilden vorallem die sozioökonomischen Umgestaltungen im Gesundheits- und Sozialwesen seit Mitte der siebziger Jahre. Dadurch wurde eine veränderte Arbeitsweise notwendig, die den vorhandenen bzw. für soziale und/oder medizinischen Zwecke bereitgestellten Mittel entsprechen. Die Qualität der Leistungen in den Bereichen Pflegen Heilen und Helfen muß trotz Rationalisierung gewährleistet sein.

Aber nicht nur von ökonomischer Seite, auf die ich im folgenden Abschnitt noch eingehe, wurde Case Management notwendig. Man stellte fest, daß ein langer Krankenhaus- und Heimaufenthalt bei chronisch psychisch kranken, geistig behinderten und pflegebedürftigen Menschen einen weniger guten Einfluß auf deren Zustand bewirkte. Sie wurden lebensuntüchtig, da sie nur wenig Bezug zur Außenwelt und zu ihrer gewohnten persönlichen Umgebung hatten. Zudem waren die hilfebedürftigen Personen zu wenig gefordert, da es in Krankenhäusern und Heimen einfacher ist, zu bedienen als individuell auf jeden Patienten einzugehen und dem Stand seiner noch vorhandenen Fertigkeiten zu entsprechen.

Auch entspricht es nicht den Rechten der Bürger, sie über längere Zeit in Heimen und Anstalten festzuhalten. Ein Großteil der Menschen bevorzugt trotz Krankheit seine häusliche Umgebung, in der er idealerweise noch betreut wird. In vielen Ländern wurden nun Menschen nach Beendigung des akuten Krankheitszustandes entlassen, wobei nicht wenige unter ihnen wieder auf der Straße leben mußten.

Die Rückfallquote war dementsprechend hoch, deshalb wurde eine ambulante soziale und medizinische Betreuung notwendig.

Die Kampagne der sogenannten "Deinstitutionalisierung" verbreitete sich sehr schnell, wodurch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten in Krankenhäusern stark verringert wurden. Es fand allgemein eine Umorientierung von stationärer zu ambulanter Hilfe statt. Vorerst bestand ein unkoordiniertes Nebeneinander von Hilfeangebote im ambulanten Bereich. In den siebziger Jahren gab es in der USA mehrere Versuche zur Integration dieser Angebote in ein einheitliches System, welche den Bürgern zugänglich gemacht werden kann. Im amerikanischen "Developmental Disabilities Act" von 1975 wurde eine verbindliche Hilfeplanung für Behinderte gesetzlich verankert. Sie sollten mit dem Case Management einen Dienst erhalten, der ihnen die notwendige medizinische, soziale und erzieherische Unterstützung verschafft. Der Personenkreis deinstitutionalisierter Menschen und deren Notlagen übten einen großen Druck aus und so wurden weitere Programme ergänzt.

Dem Case Management schrieb man nun die eindeutige Funktion zu, Hilfe in personenbezogenen Problemlagen zu geben. Diese entscheidende Rolle, die dem Case Management zugedacht wurde, war verankert im "Community Support Programm" von 1977. Dieses Programm hatte die Aufgabe, unterstützende Dienste für psychisch Kranke im Gemeinwesen zu erschließen. Es war vorgesehen, daß eine Fachkraft oder ein Team Kontakt zu den Kranken herstellt und sie weiterhin betreut, egal wie viele Dienste notwendig werden.

Es gab nun verschiedene Modelle nach dieser Arbeitsweise. Von Charlees Rapp und seinen Kollegen wurde ein Modell entwickelt, welches von den Stärken der Persönlichkeit ausgeht, welche an die individuelle Lebensführung anknüpfen sollte (strength model). Dies ist gerade bei psychisch Kranken sehr von Vorteil, damit diese in der sie umgebenden Realität besser zurechtkommen.

In den achtziger Jahren entwickelten sich weitere Ansätze des Case Managements für verschiedene Anwendungsbereiche. In Großbritannien war die Entstehung des Case Managements eher Ausdruck politischer Willensbildung und Entscheidung auf nationaler Ebene. Nach 1980 kam auf die Sozial- und Pflegedienste die Forderung nach einer effizienteren Arbeitsweise zu. Die Regierung strebte eine an der freien Wirtschaft orientierte Reform des öffentlichen Dienstes an, wozu in Großbritannien auch das staatliche Gesundheitssystem gehört. Mängel an einer klaren Verteilung von Funktionen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Versorgungssystem wurden festgestellt, weshalb man den kommunalen Sozialbehörden die Methode des Case Management empfahl. Die Kostenwirksamkeit des Case Managements erwies sich mit der Maßnahme, daß nun zwei Drittel der Kosten eines Heimaufenthaltes zur ambulanten und teilstationären Versorgung als Budget zur Verfügung standen. In diesem finanziellen Rahmen war es den Sozialarbeitern möglich, entsprechende Dienste für die Patienten bzw. Klienten zu mobilisieren. Viele Heimaufenthalte konnten so eingespart werden.

1988 legte die britische Regierung in einem "White Paper" ihr Konzept vor und bat um das richtige Maß an Unterstützung und Intervention, welches die Menschen befähigt, Unabhängigkeit und Kontrolle über ihr Leben zu erreichen. Das Parlament beschloß 1990 den "National Health Service and Community Care Act".

In den achtziger Jahren blieb Case Management in den USA und Großbritannien vorwiegend den Sozialdiensten bzw. in Theorie und Praxis der beruflichen Sozialarbeit überlassen. Durch die Reformen im Gesundheitswesen und den zunehmenden Wettbewerb im Gesundheitsmarkt breitete sich Case Management auch in diesem Bereich sehr stark aus. Die professionelle Krankenpflege in den USA entdeckte diese Methode und wandte sie für sich an. Es begann im Krankenhaus mit dem "internen Case

Management" bei der akuten Versorgung und setzte sich mit dem "externen Case Management", d.h. nachfolgende Pflege, Rehabilitation und Nachsorge, fort.

Zwei Krankenhäuser gingen ab 1985 mit der Entwicklung von "Nursing Case Management" voran.

Die parallele Anwendung von Case Management in verschiedenen Bereichen führte jedoch in den USA nicht zu einem einheitlichen Verständnis dieser Methode. Modelle werden nicht verglichen und die Vertreter einzelner Berufsgruppen streben keinen Austausch ihrer Erfahrungen an.

Case Management hat inzwischen in mehreren Ländern (zum Beispiel Holland, Schweden und Frankreich) Fuß gefaßt und strebt international eine Annäherung von Gesundheits- und Sozialdiensten an.

1.4.2. Case Management aus ökonomischer Sicht

Case Management ist entstanden, damit trotz Einsparungen finanzieller Mittel im Gesundheitsund Sozialwesen eine Versorgung hilfsbedürftiger Menschen gesichert bleibt.

Das Grundanliegen, welches mit Case Management durchgesetzt werden soll ist, die Gesundheits- und Sozialdienste leistungsfähiger und kostengünstiger zu gestalten. Werden Leistungen und Hilfen auf einen oder mehrere Fälle bezogen in Anspruch genommen, so wie es notwendig wird, d.h. in einem systematisch gegliederten Verfahren, lassen sich Kosten und Nutzen besser zuordnen. Außerdem wird Qualität und Rechenschaftslegung optimiert. Die Verwahrung chronisch kranker Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg in Anstalten und Heimen war nicht nur sehr teuer, sondern auch uneffektiv. Wurde doch festgestellt, daß lange Abwesenheit von der gewohnten häuslichen Umgebung zum körperlichen und geistigen Abbau der Patienten führt.

Einen weiteren Aufschwung von Case Management wurde durch die Einführung von Managed Care (gelenkte Versorgung) erreicht. Die Verbreitung dieser ökonomischen Optimierung begann in den USA zu Beginn der neunziger Jahre. Manged Care bezeichnet Systeme der gesundheitlichen Versorgung, in denen die Finanzierung der Leistungen mit ihrer effizienten Erstellung verbunden wird. Damit soll der Zugang zu den Gesundheits- und Sozialdiensten kontrolliert werden, ein günstiges Kosten - Nutzen - Niveau erreicht , die Effizienz erhöht und die Qualität der Leistungen verbessert werden.

Das Gesundheitswesen ist in Europa anders strukturiert als in den USA, jedoch wird die Reformdebatte auch hier längst von Managed Care sowie die Einführung von Case Management in deren Dienstleistungssystem beeinflußt.

Ziel der Krankenkassen ist es, die Ärzte in die wirtschaftliche Verantwortung bei der medizinischen Versorgung einzubeziehen. Durch das "Hausarztsystem", welches in vielen Ländern eingeführt wurde, sollen Mehrfachuntersuchungen bei verschiedenen Ärzten vermieden werden. Der Hausarzt, bei dem der Patient zuerst vorstellig wird, entscheidet, welche Untersuchungen bei Fachärzten notwendig werden und überweist dementsprechend. Dies legt ein Case Management nahe.

Das Hausarztsystem wurde in Deutschland seit geraumer Zeit auch eingeführt, aber eine Übertragung amerikanischer Konzepte ist nur nach sorgfältiger Prüfung sinnvoll, meint Michael Ewers 1996 in einer Studie zur Anwendbarkeit von Case Management im Rahmen der bundesdeutschen Krankenversorgung.

1.4.3. Aufgaben des Case Managers

Case Management bezieht sich immer auf einen Zusammenhang von Handlungen, die notwendig werden, um einem hilfebedürftigen Menschen aus seiner speziellen Notlage zu befreien. Es geht nicht um eine einzelne Beratung oder die Veranlassung medizinischer Akutversorgung, sondern um ein Hilfesystem, welches organisiert werden muß.

Langfristige Hilfen, individuell auf den "Einzelfall" zugeschnitten. Aus diesem Grundsatz ergeben sich auch die Aufgaben des Case Managers. Trotzdem das Anliegen, welches mit Case Management verwirklicht werden soll, relativ klar festgelegt ist, ergibt eine empirische Betrachtung der Zuordnung und Position von Case Managern ein eher verwirrendes Bild. Es gibt zahlreiche Einsatzgebiete, verschiedene gesetzliche Grundlagen, und nicht zuletzt führen die landestypischen Strukturen im Sozial- und Gesundheitswesen zu diversen personalpolitischen Lösungen in den verschiedenen Ländern. Die Schwerpunkte, welche im Case Management gesetzt werden, hängen außerdem eng mit den aktuellen sozialpolitischen Bedingungen zusammen, sind also stark zeitabhängig. Dies beeinflußt nicht unwesentlich die Position derer, die Aufgaben des Case Managements übernehmen.

In Deutschland kommen Case Manager vorallem in der Pflege, der Rehabilitation und der Familien- und Jugendhilfe zum Einsatz. Sie treten vorerst als Schlüsselperson in Erscheinung, welcher für den Nutzer von Sozial- und Gesundheitsdiensten Ansprechpartner ist. Der Case Manager informiert, bahnt den weiteren Weg, überweist und begleitet den hilfebedürftigen Menschen.

Das Unterstützungsmanagement läuft in mehreren Phasen ab. Die Einteilung ist an Schemen des Managements von Produktionsvorgängen angelehnt. In der Unternehmensführung werden meist die funktionellen Stadien Zielsetzung, Aktionsplanung, Durchführung, Kontrolle und Bewertung unterschieden. Dieses Schema kann in gewisser Weise auf den Gesundheits- und Sozialbereich übertragen werden, da in beiden Fällen mehrere Personen daran interessiert sind, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Zu diesem Zweck müssen hier wie da genaue Ziele gesteckt und Aktivitäten vereinbart werden.

Im Unterstützungsmanagement existieren, auf die Hauptfunktionen Einstieg - Einschätzung - Planung - Ausführung - Kontrolle und Evalution ( Lowy 1988: 32ff.) gestützt, verschiedene Formulierungen dieser Begriffe. Bei Dawid Moxley (1989) heißen die Funktionen zum Beispiel: "assessment" (Einschätzung, Abschätzung), "planning" (Planung), "intervention" oder "Durchführung", "monitoring" (Kontrolle, Überwachung) und "evalution" (Bewertung, Auswertung). Moxley hat diese Funktionen in einer graphischen Darstellung zirkulär angeordnet.

Das soziale Assessement ist die Einschätzung der Lage im Einzelfall und die damit verbundene Abschätzung der den Umständen nach angebrachten Hilfemöglichkeiten. Anders als bei der ärztlichen Diagnose, welche eine bestimmte Krankheit benennt, werden beim Assessment besonders Stärken und Schwächen eines Menschen sondiert. Dabei ist die aktive Mitarbeit des Klienten gefragt. Gemeinsam soll das Problem erfaßt und Möglichkeiten zur Milderung oder Beseitigung gefunden werden. Ziel ist ein Übereinkommen zwischen Klient und Case Manager, was zu tun ist und wie es erreicht werden kann.

Die zweite Phase (Planung) beschäftigt sich mit dem Nebeneinander und Nacheinander von Bewältigungs- und Unterstützungsaktivitäten. Sie lehnt sich an die individuelle Lebensplanung des Klienten an und beinhaltet Überlegungen hinsichtlich einer strategischen Vorgehensweise. Planung ist in der Sozialen Arbeit ein Prozeß und gleichzeitig ein Produkt, wenn es um Festlegungen und die Erstellung des eigentlichen Plans geht.

Die Durchführung (dritte Phase) richtet sich unmittelbar nach der individuellen Lebensgestaltung des Klienten, der relevanten Umwelt und den administrativen Strukturen.

Welche Aufgaben ein Case Manager im Einzelnen übernimmt, hängt vom Fall ab. Dabei muß eingeschätzt werden, inwieweit er sich mit in die unmittelbare Dienstleistung einbringt oder besser heraushält. Eine Therapeutenfunktion ist prinzipiell nicht vorgesehen. Die Eigenständigkeit des Klienten und seine vorhandenen Stärken sollten genutzt werden, auch damit ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Klient und Case Manager vermieden wird. Hauptaufgaben sind hier: das Herausbegleiten aus der Krise, die Entwicklung von Fähigkeiten zur Lebensbewältigung, technische Assistenz bei Inanspruchnahme der vereinbarten Hilfeleistungen, Informationen über das Sozialleistungssystem und Beratung über weitere Ressourcen, welche genutzt werden könnten.

Die Kontrolle beginnt parallel mit der Durchführung. Während dieser überwacht der Case Manager alle Vorgänge, den Klienten selbst und die beteiligten Dienste. Die Frage ist hier, ob die Planung ausreichend und präzise genug erstellt wurde, der Klient im erforderlichen Maß beteiligt ist und ob eine Krisenbewältigung bzw. eine Lösung des Problems zu erwarten ist. Die vierte Phase schließt Prüfung, Revision, Informationsverarbeitung und Berichterstattung ein.

"Im Begriff der Evalution wird ein Prozeß der Beurteilung der Wirkung von Handeln oder des Wertes erfaßt, der durch dieses Handeln zustandekommt." (Wendt, Unterstützung fallweise / Case Management in der Sozialarbeit, 1991).

Im Unterstützungsmanagement wird bewertet, in welchem Verhältnis der Aufwand zum Nutzen steht und welche Qualität erreicht wird. Erfaßt wird die qualitative und quantitative Differenz zwischen dem Zustand vor der Hilfeleistung und dem bereits Erreichtem Ergebnis mit bzw. nach Durchführung des Hilfeplans. Hier zeigt sich auch, wie das Management der Unterstützung zu bewerten ist, der Klient selbst nimmt Stellung zur aktuellen Situation und die beteiligten Dienste werden zu Rate gezogen. Eventuell ergeben sich neue Perspektiven, sollten Chancen besser genutzt oder der erstellte Plan neu überdacht werden.

Wenn der Ablauf dieser Phasen erfolgreich war, beginnt der Ablösungsprozeß zwischen Klient und Case Manager. Dies geschieht nicht plötzlich, sondern ist ein Stadium für sich. Der Abschluß einer "Arbeitsbeziehung" nach erfolgreichem Zusammenwirken sollte von Anfang an ins Auge gefaßt werden.

Literaturverzeichnis:

- Wolf Rainer Wendt: Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen, Freiburg im Breisgau: Lambertus, 1997
- Wolf Rainer Wendt (Hrsg.): Unterstützung fallweise: Case Management in der Sozialarbeit, Freiburg im Breisgau: Lambertus, 1991
- Kurt Possehl, Methoden der Sozialarbeit, Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main 1993
- Gehrmann, Gerd: Management in sozialen Organisationen, Berlin, Bonn, Regensburg: Walhalla, 1993

Details

Seiten
16
Jahr
1998
DOI
10.3239/9783638090933
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
Erscheinungsdatum
2000 (Mai)
Schlagworte
Casemanagement HTWK Leipzig Semester

Autor

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Titel: Casemanagement