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Betriebliches Gesundheitsmanagement. Erstellung eines Interventionskonzeptes für ein Musterunternehmen

Einsendeaufgabe 2020 23 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung der Analyseergebnisse
1.1 Betriebliche und gesundheitliche Ausgangssituation
1.2 Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung
1.3 Gefährdungsbeurteilung nach Nohl
1.4 Fazit

2 Ableitung von Handlungsschwerpunkten
2.1 Interventionsmaßnahme „Gesundes Führen“
2.2 Stärkung der Gesundheitskompetenz der Beschäftigten
2.3 Gesundheitsfördernde Gestaltung des Arbeitsplatzes

3 Erstellung einer Interventionsplanung zur Vorlage bei der Geschäftsleitung
3.1 Initiale Interventionsmaßnahmen
3.1.1 Interventionsmaßnahme „Gesundes Führen“
3.1.2 Interventionsmaßnahme „Stärkung der Gesundheitskompetenz der Beschäftigten“
3.2 Projekt- und Ressourcenplanung
3.2.1 Zuständigkeiten
3.2.2 Budget
3.2.3 Gliederung des Projektes

4 Diskussion und Probleme der Evaluation
4.1 Möglichkeiten zur Evaluation
4.2 Probleme im Zusammenhang mit der Evaluation

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
6.1 Abbildungsverzeichnis

1 Zusammenfassung der Analyseergebnisse

1.1 Betriebliche und gesundheitliche Ausgangssituation

Die Stadtverwaltung Wubberberg liegt in der Region Oberfranken und zählt insgesamt 4.928 Beschäftigte, die sich auf die Kernverwaltung mit 3.601 Mitarbeitern und die vier Eigenbetriebe mit 1.327 Mitarbeitern aufteilen. Insgesamt gliedert sich die Verwaltung in sechs Dezernate:

- Dezernat Bürgermeister
- Dezernat 1 Inneres/ Finanzen
- Dezernat 2 Schule/ Bürger/ Kultur
- Dezernat 3 Umwelt/ Klimaschutz
- Dezernat 4 Wirtschaft/ Stadtentwicklung/ Mobilität
- Dezernat 5 Soziales

Das Durchschnittsalter der Stadtverwaltung beträgt 46,9 Jahre und gliedert sich wie folgt auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Durchschnittsalter der Dezernate in Jahren (eigene Darstellung)

Wie in der Tabelle zu erkennen ist, liegt besonders im Dezernat 1 und 2 eine Überalterung vor, mit einem Durchschnittsalter von jeweils 51 und 48 Jahren. In diesen beiden Dezernaten sind darüber hinaus auch die Krankenstände (Dezernat 1: 11,8%, Dezernat 2: 14,1%) und BEM-Fälle besonders hoch. Insgesamt liegt der Krankenstand für die Stadtverwaltung Wubberberg im letzten Jahr bei 9,7% und im vorletzten Jahr bei 9,4%. Im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt, der im Jahr 2018 bei 3,2% lag, ist der Krankenstand für die Stadtverwaltung Wubberberg als hoch einzuschätzen (Techniker Krankenkasse, 2019). Die BEM-Fälle sind im letzten Jahr auf 365 gestiegen und damit 24 Fälle mehr als im Vorjahr (341 Fälle). Auch die Unfälle je 1.000 Beschäftigte sind im Vergleich zum vorherigen Jahr von 10,5 auf 13,7 gestiegen. Die Fluktuationsquote mit 3,1% ist im Vergleich zu der Fluktuation in der öffentlichen Verwaltung (13%) sehr gering (Haufe, 2018). Aufgrund der Überalterung, der hohen Krankenstände und BEM-Fälle sowie gleichzeitig aufgrund des Fachkräftemangels vor allem in Dezernat 4, prüft die Kernverwaltung die Einführung eines BGM. Darüber hinaus klagen die Beschäftigten hinsichtlich zunehmender Aufgabenbereiche über verstärkt psychische Belastungen. Auch die Gebäudebereiche der Stadtverwaltung sind sehr marode, weshalb Teile der Belegschaft in Ersatzgebäude verlegt wurden. Dort gibt es leider eine hohe Lärmbelastung sowie fehlende ergonomische Lösungen.

1.2 Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung

Die Mitarbeiterbefragung wurde in der gesamten Stadtverwaltung (in der Kernverwaltung sowie in allen Dezernaten) durchgeführt, woraus folgende Ergebnissen resultieren:

Allgemeines Gesundheitsbefinden:

Die meisten der Befragten beurteilen ihren Gesundheitszustand als „zufriedenstellend“ (31%) sowie als „weniger gut“ (28%). 19% schätzen ihren Gesundheitszustand als „gut“ ein. Die Beurteilung „sehr gut“ sowie „schlecht“ gaben jeweils 10% der Beschäftigten an. Somit beurteilen 38% der Beschäftigten ihren Gesundheitszustand als „weniger gut“ oder sogar „schlecht“, während nur 29% ihren Gesundheitszustand als „gut“ oder „sehr gut“ einschätzen.

Allgemeine Zufriedenheit: 28% der Befragten wählten „teils-teils“ bei der Frage „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit allgemein?“ aus. 37% gaben an ziemlich unzufrieden, sehr unzufrieden oder außerordentlich unzufrieden zu sein. Demgegenüber gaben 35% an, ziemlich zufrieden, sehr zufrieden oder außerordentlich zufrieden zu sein. Auch hier überwiegt der Anteil der Befragten, die mit ihrer Arbeit unzufrieden sind. Allgemein sind nur 45% der Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden. Das Dezernat 4 hat mit 61% die höchste Zufriedenheitsquote, gefolgt von Dezernat 3 mit 52% und Dezernat 5 mit 47%. In den Dezernaten 1 und 2 wird die allgemeine Zufriedenheit mit nur jeweils 31% und 27% angegeben. Die Hans-Böckler-Stiftung hat in einem Arbeitspapier aus dem Jahr 2013 einen Überblick zum Forschungsstand und Forschungsbedarf zu den Arbeitsbedingungen und Belastungen im öffentlichen Dienst veröffentlicht: Auch hier wurde eine erhebliche Unzufriedenheiten der Beschäftigten mit ihren Arbeitsbedingungen festgestellt. Unzufriedenheit ist eine wesentliche Belastungsquelle und führt zur Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (Hans-Böckler-Stiftung, 2013, S. 90-93).

Belastungen:

Die meisten Belastungen am Arbeitsplatz entstehen durch zu große Arbeitsmengen, gefolgt von ständigem Sitzen. Auch Umgebungsbelastungen wie Lärm oder unzureichende Beleuchtung sowie eine schlechte Zusammenarbeit zwischen den Dezernaten haben einen negativen Einfluss auf die Arbeitsqualität.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Belastungen am Arbeitsplatz: Skala von 0 (überhaupt nicht) bis 4 (stark) (eigene Darstellung)

Arbeitsfähigkeit:

Der WAI-Index der Mitarbeiterbefragung beträgt 31, dies bedeutet, dass die Arbeitsfähigkeit allgemein als mäßig einzustufen ist. Das Ziel aller Maßnahmen sollte dementsprechend sein, die Arbeitsfähigkeit zu verbessern.

Unterstützung von Kollegen oder Vorgesetzten:

Allgemein lässt sich sagen, dass die Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten im Dezernat 4 mit Abstand am höchsten ist. Danach folgt Dezernat 5 und Dezernat 3. Die Dezernate 1 und 2 haben ein hohes Optimierungspotential, was die Unterstützung von Vorgesetzten anbelangt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Unterstützung von Vorgesetzten oder Kollegen: Skala von 0 (keine) bis 4 (sehr viel) (eigene Darstellung)

1.3 Gefährdungsbeurteilung nach Nohl

Neben der Mitarbeiterbefragung wurde auch eine Gefährdungsbeurteilung nach Nohl in der Stadtverwaltung Wubberberg durchgeführt. Anhand der Arbeitsplatzanalyse wurde diese präventiv ausgerichtete Gefährdungsbeurteilung vollzogen. Der durchschnittliche Nohl-Wert der Stadtverwaltung Wubberberg beträgt 2,6 was bedeutet, dass das Risiko von Verletzungen am Arbeitsplatz signifikant ist und somit unbedingt eine Reduzierung des Risikos erforderlich ist. Mit einem Nohl-Wert von 3,1 und 2,9 haben die Dezernate 2 und 3 das höchste Sicherheits- und Gesundheitsrisiko der Stadt Wubberberg. Beide Dezernate haben mit denselben Problemen wie Lärm, Zugluft, Beleuchtung sowie physische Belastungen durch Zwangshaltung zu kämpfen. Anschließend folgt das Dezernat 1 mit einem Nohl-Wert von 2,4 welches neben der Lärmbelästigung und der unzureichenden Beleutung zusätzlich mit fehlenden ergonomischen Lösungen (keine höhenverstellbare Schreibtische und unzureichende Raumgrößen) zu kämpfen hat. Abschließend folgt das Dezernat 4 mit einem Nohl-Wert von 2,1 und das Dezernat 5 mit einem Nohl-Wert von 1,9. Bei diesen beiden Dezernaten ist das Sicherheits- und Gesundheitsrisiko gering und damit akzeptabel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Arbeitsplatzanalyse im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Nohl

1.4 Fazit

Die unterschiedlichen Analysen zeigen die Problematiken in der Stadtverwaltung Wubberberg sowie deren Folgen auf. Der hohe Altersdurchschnitt vorallem in Dezernat 1 und 2 resultiert in hohe Krankenfälle, BEM-Fälle sowie einen Anstieg des Unfallgeschehens. Die BEM-Fälle sind im Vergleich zum Vorjahr auf 365 gestiegen, was bedeutet, dass es sogar einen BEM-Fall pro Tag gegeben hat. Darüber hinaus klagen die Beschäftigten hinsichtlich zunehmender Aufgabenbereiche weiterhin über verstärkt psychische Belastungen. Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung haben gezeigt, dass 69% ihren Gesundheitszustand allgemein als zufriedenstellend bis schlecht empfinden, während nur 29% ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut empfinden. Darüber hinaus sind nur 45% der Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden. In den Dezernaten 1 und 2 wird die allgemeine Zufriedenheit sogar mit nur jeweils 31% und 27% angegeben. Zu den Top Belastungsquellen zählen eine zu große Arbeitsmenge, ständiges Sitzen sowie Umgebungsbelastungen wie Lärm oder unzureichende Beleuchtung und eine schlechte Zusammenarbeit zwischen den Dezernaten. Die Arbeitsfähigkeit ist allgemein als mäßig einzustufen. Ziel aller Maßnahmen sollte dementsprechend sein, die Arbeitsfähigkeit zu verbessern. Die Unterstützung von Vorgesetzten ist mit einem Gesamtwert von 2,7 von maximal 4 Punkten relativ gering, etwas besser fällt die Unterstützung von Kollegen mit einem Wert von 3,1 aus. Hier ist auf jedenfall Handlungsbedarf notwendig, um die Führungskompetenz zu stärken. Die Gefährdungsbeurteilung nach Nohl hat ein signifikantes Risiko von Verletzungen am Arbeitsplatz ergeben, daher ist eine Reduzierung des Risikos unbedingt erforderlich. Mit einem Nohl-Wert von 3,1 und 2,9 haben die Dezernate 2 und 3 das höchste Sicherheits- und Gesundheitsrisiko der Stadtverwaltung Wubberberg.

2 Ableitung von Handlungsschwerpunkten

2.1 Interventionsmaßnahme „Gesundes Führen“

Führungskräfte haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Beschäftigten. Sie sind dafür verantwortlich, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter gesundheitsfördernd zu gestalten und nehmen eine Vorbildfunktion ein. Darüber hinaus ist es für Mitarbeiter besonders wichtig, ein gewisses Maß an Unterstützung von Ihren Vorgesetzten zu erhalten. Führungskräfte sollten ansprechbar sein, ein offenes Ohr für Probleme haben und diese gemeinsam mit den Beschäftigten erörtern können. Diese Art von Führung ist entscheidend dafür, ob Mitarbeiter veränderte Anforderungen entweder als Herausforderung sehen oder als Überforderung erleben und diesen Belastungen nicht gerecht werden können. Dauerhafte Belastungen können gesundheitliche Folgen haben. Daher sollte jede Führungskraft die Gesundheit der Mitarbeiter im Alltag berücksichtigen. Hierfür muss die Gesundheitskompetenz der Führungskräfte gestärkt werden und sie sollten durch professionelle Qualifizierung und Unterstützung befähigt werden (Techniker Krankenkasse, 2020). Die Unterstützung der Beschäftigten von Vorgesetzten in der Stadtverwaltung Wubberberg ist leider relativ gering und somit ist hier unbedingt Handlungsbedarf notwendig. Da die Führungskräfte ein unmittelbares Vorbild für die Mitarbeiter sind und einen direkten Einfluss auf deren Gesundheit haben, hat die Stärkung der Gesundheitskompetenz der Führungskräfte die höchste Priorität.

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