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Vom EWS zur EWWU - Lehren aus der Krise

Praktikumsbericht / -arbeit 1999 41 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

1. Einleitung

Dieser Projektbericht legt sein Hauptaugenmerk auf die detaillierte Betrachtung des Europäischen Währungssystems (EWS), seines Aufbaus und seiner Entwicklung bis hin zur Krise 1992/93 und die Lehren, die sich daraus für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) ableiten lassen. Des weiteren wird die Frage behandelt, ob und in welchem Ausmaß diese Lehren umgesetzt werden konnten.

Zu diesem Zweck sollen zunächst allgemeine Grundlagen zu verschiedenen Währungssystemen vermittelt werden, um das EWS in eines dieser Systeme einordnen zu können. Anschließend sollen allgemein Finanz- und Währungskrisen erläutert werden, um später die Entwicklung der EWS-Krise anhand dieses theoretischen Hintergrundes verdeutlichen zu können.

Im Kern dieser Arbeit steht eine Fallstudie über die EWS-Krise. Dazu wird zunächst eine historische Einordnung vorgenommen, um den Stellenwert des EWS im europäischen Integrationsprozess darzustellen. Im folgenden werden Konstruktion und Entwicklung des EWS technisch dargestellt.

Darauf aufbauend erfolgt eine Analyse, in der mögliche Ursachen und Auslöser der Krise erörtert werden sollen, und ob sie anhand der typischen Indikatoren vorzeitig zu erkennen oder gar vermeidbar gewesen wäre. Zum Ende des Fallbeispiels soll bewertet werden, inwiefern die angestrebten Ziele des EWS erreicht werden konnten und ob ein solches Währungssystem überhaupt dazu fähig ist. Auf die Kernfrage zurückgehend sollen dann die Lehren aus dem EWS gezogen werden. Im nächsten Abschnitt wird die Entwicklung der EWWU nach dem Scheitern des EWS genauer dargestellt und Unterschiede bzw. Parallelen zwischen beiden Systemen aufgezeigt, sowie eine kurze aktuelle Situationsbeschreibung der Europäischen Währungsunion vorgenommen.

2. Wechselkursregimes

Dieser erste Teil der Arbeit soll die grundsätzlich verschiedenen Arten von Wechselkursregimes zunächst beschreibend darstellen und anschließend versuchen, die jeweiligen Vor- und Nachteile der Systeme einander gegenüberzustellen. Sinn dieses Abschnitts ist, Grundlagen und Problemsensibilisierung für die später tiefergreifende Diskussion über das EWS, die den Hauptteil dieses Projektberichts darstellt, zu schaffen.

2.1. Fixe Wechselkurse

In einem System fixer Wechselkurse werden nominelle Wechselkurse im Rahmen eines internationalen Währungssystems oder auch über einseitige Wechselkurspolitik auf einem bestimmten Niveau fixiert. Durch Devisenmarktinterventionen der Zentralbanken oder aber durch politisch-administrative Maßnahmen werden die fixierten Kurse auf ihrem Niveau gehalten.

Eine Sonderform dieses Systems stellen die Warengeldregimes, so zum Beispiel der Goldstandard dar. Hier setzten die Regierungen jeweils einen bestimmten, unveränderlichen Kurs ihrer eigenen Währung bezogen auf die Ware Gold fest, und verpflichteten sich ferner, jede Einheit ihrer Währung bei Bedarf zu diesem festgelegten Kurs in eine sich aus dem Kurs ergebende Menge Gold einzutauschen. Über diesen Umweg entstanden durch die fixierte Bindung zum Gold unveränderliche Wechselkurse zwischen den Teilnehmern diese Währungsverbundes.

2.2. Flexible Wechselkurse

Dieses System wird auch als Marktregime bezeichnet, denn hier bilden sich die Wechselkurse frei nach Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten. Politisch motivierte Devisenmarktinterventionen sind nicht vorgesehen, die einzelnen Währungen können völlig frei „floaten“, die sich daraus ergebenden bilateralen Wechselkurse sind reine Marktpreise.

2.3. Vor- und Nachteile fixer und flexibler Wechselkurse

Zur Beurteilung der Vor- bzw. Nachteilhaftigkeit von flexiblen und fixen Wechselkursen werden zumeist drei Hauptkriterien betrachtet, nämlich das Wechselkursrisiko, die Folgen externer Schocks auf eine Volkswirtschaft und die Souveränität nationaler Geldpolitik.

In einem System flexibler Wechselkurse existiert naturgemäß immer ein gewisses Wechselkursrisiko für alle am Außenhandel beteiligten, vor allem bei Handelsgeschäften, bei denen Vereinbarung und Durchführung zeitlich auseinanderfallen. Gleiches gilt für alle Handelsgeschäfte und Investitionsvorhaben, die für einen zukünftigen Zeitpunkt geplant sind.

Diese Planungsunsicherheit wird allgemein als Hemmnis für die Außenhandelsentwicklung angesehen.

Das Wechselkursrisiko drängt die Handelnden dazu, ihre Geschäfte gegen Verluste aus negativen Wechselkursentwicklungen abzusichern, dies geschieht zumeist über den Terminmarkt. Aus dieser Notwendigkeit der Wechselkursabsicherung resultieren Kosten, die sich zusammensetzen aus dem Preis des Finanzinstruments, das zur Absicherung dienen soll, sowie den mit dem Kauf eines solchen Instruments verbundenen Transaktionskosten. In einem System fixer Wechselkurse fallen diese zusätzlichen Kosten nicht an, und auch das Problem der Planungsunsicherheit besteht nicht in diesem Umfang. Bezüglich des Wechselkursrisikos also haben Fixkurssysteme einen Vorteil gegenüber flexiblen Wechselkursen.

Systeme flexibler Wechselkurse haben dafür im Hinblick auf die Entstehung externer Schocks den Vorteil, dass sie eine Puffer- bzw. Anpassungsfunktion besitzen. Wenn z.B. in einem Land A und einem Land B das Gut X produziert wird und die Unternehmen beider Länder ihr Gut auf beiden Märkten anbieten, kann ein externer Schock wie folgt entstehen :

Ändern sich z.B. die Produktionsbedingungen in Land A dahingehend, dass die Produktionskosten abnehmen (das kann u.a. durch technischen Fortschritt in der Produktion oder sinkende Lohnkosten verursacht werden), können die Unternehmen aus Land A ihr Gut X auf beiden Märkten günstiger anbieten als die Unternehmen aus Land B. Die Folge ist, dass die Nachfrage nach Gut X aus Land A in beiden Ländern steigt, und gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach dem in Land B produzierten Gut X aufgrund des höheren Preises. Daraufhin kommt es zu einem Exportüberschuß in Land A und einem Importüberschuß in Land B. In einem System flexibler Wechselkurse treten nun Angleichungsprozesse in Kraft, denn durch den Exportüberschuß in Land A erhöht sich auch die Nachfrage nach der Währung aus Land A. Folglich wertet die Währung des Landes A auf, dadurch werden die Preisvorteile des in Land A produzierten Gutes X auf beiden Märkten wieder angeglichen und die Unternehmen des Landes B sind zunächst einmal wieder konkurrenzfähig. Der Exportüberschuß in Land A bzw. der Importüberschuß in Land B gehen wieder zurück.

In einem System fester Wechselkurse dagegen kann dieser Anpassungsmechanismus über den Wechselkurs nicht greifen. Die gesunkenen Produktionskosten in Land A schlagen über die veränderte Nachfrage direkt auf die Unternehmen und den Arbeitsmarkt in Land B durch. Die gesunkene Nachfrage nach dem in Land B produzierten Gut X bewirkt einen Absatz- und somit meist auch einen Produktionsrückgang. Das wiederum verursacht negative Effekte für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung in Land B. Die einzige Chance für die Unternehmen in Land B bei dieser Konstellation wieder konkurrenzfähig zu werden, sind Produktivitätssteigerungen bzw. Lohnsenkungen, wie zuvor in Land A bereits geschehen, um ebenfalls die Preise senken zu können. Das dauert allerdings im allgemeinen deutlich länger als eine Anpassung über die Wechselkurse. Diese starke Anfälligkeit gegenüber externen Schocks in Fixkurssystemen macht somit auch eine national souveräne Beschäftigungs- und Stabilitätspolitik praktisch unmöglich.

Desweiteren bedeutet ein System fixer Wechselkurse für fast alle teilnehmenden Länder auch eine Beschränkung der geldpolitischen Souveränität, da sich fast alle Länder eines solchen Währungsverbundes an der Geldpolitik eines Ankerwährungslandes orientieren müssen. Ein solches Ankerwährungsland kann entweder offiziell festgelegt werden (USA/$ im Bretton Woods System) oder nur faktisch bestehen (Deutschland/DM im EWS).

Der Verlust geldpolitischer Souveränität muss aber nicht gezwungenermaßen als Nachteil von Fixkurssystemen angesehen werden. Länder, die zugunsten eines erhofften Imports von Preisstabilität auf ihre geldpolitische Souveränität verzichten wollen, werden eine Wechselkursfixierung anstreben. Das Gegenteil gilt natürlich für diejenigen Länder, die einen Inflationsimport auf Grund einer Wechselkursbindung befürchten.

Auch die Fachleute sind sich in der Diskussion über fixe oder flexible Wechselkurse nicht einig darüber, welche der beiden Alternativen die letztlich Vorteilhaftere ist. So argumentiert z.B. Heiner Flassbeck1 vehement gegen flexible Wechselkurse, da sie in seinen Augen den technischen Fortschritt in der Produktion und die für ihn entscheidend wichtige Flexibilität der Nominallöhne verlangsamen. Er geht dabei von der oben geschilderten Reaktionskette eines externen Schocks aus. Technischer Fortschritt und flexiblere Nominallöhne sind seiner Meinung nach die beiden wichtigsten Parameter für eine Senkung der Produktionskosten, die wiederum einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft. In einem System flexibler Wechselkurse nun wird dieser Vorteil mittelfristig einfach wie beschrieben durch eine Anpassung der Wechselkurse wieder egalisiert bzw. angeglichen. Genau hier setzt Flassbecks Kritik an, denn bei dieser Konstellation muss das in Wettbewerbsrückstand geratene Land „einfach nur“ abwarten, bis es durch die Wechselkursmechanismen „fast automatisch“ wieder wettbewerbsfähig wird. In einem Fixkurssystem dagegen wären die Unternehmen dieses Land gezwungen, ebenfalls ihre Produktion weiterzuentwickeln und flexiblere Nominallöhne zu forcieren, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Schaffen sie das nicht, werden sie auch auf lange Sicht nicht mehr wettbewerbsfähig und laufen sogar Gefahr, ihre Geschäftstätigkeit früher oder später einstellen zu müssen.

Wolf Schäfer2 dagegen votiert eher für flexible Wechselkurse. Seine Argumentation basiert ebenfalls hauptsächlich auf den Folgen externer Schocks. Er behandelt diese Folgekette im Rahmen einer Art Kosten-Nutzen-Analyse, kommt aber zu einem anderen Schluß als Flassbeck. Für Schäfer ist der Anpassungszwang des in Wettbewerbsrückstand geratenen Landes bezüglich der Flexibilisierung Nominallöhnen und Preisen negativ zu bewerten, denn er bezieht ein mögliches Problem mit ein, dass in Flassbecks Argumentation außen vor bleibt. Während in Flassbecks Augen die Flexibilisierung der Löhne und Preise in dem in Wettbewerbsrückstand geratenen Land genauso notwendig wie jederzeit theoretisch möglich sind, hegt Schäfer Zweifel an dieser These : „Sind Preise und Löhne aber zu unflexibel nach unten, entsteht Arbeitslosigkeit. Diese Inflexibilität aufzubrechen, ist - wenn es überhaupt adäquat gelingt - in der Regel mit hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten verbunden, die bei einer impliziten Flexibilisierung der Außenhandelspreise über Wechselkursanpassungen geringer wären.“3

Desweiteren sieht Schäfer in einem System flexibler Wechselkurse den Vorteil, dass die Regierungen der einzelnen Länder einem höheren Maß an Disziplin bezüglich der Wechselkurspolitik unterliegen. Diese Meinung basiert darauf, dass flexible Wechselkurse relativ schnell und unmittelbar anzeigen, „wie die Märkte das politischökonomische Management in den einzelnen Ländern, auch und insbesondere das der nationalen Regierungen, einschätzen“4. Da der Erfolg einer Regierung häufig u.a. am Außenwert der eigenen Währung gemessen wird, sorgen so die Märkte für den notwendigen Druck. „Deshalb liegt der Wert eines Regimes flexibler Wechselkurse in der notwendigen Selbstverantwortung aller Beteiligten.“5

Zusammenfassend kann man sagen, dass sowohl die sehr markttheoretische Argumentation Flassbecks als auch die etwas umfassenderen Betrachtungen Schäfers logisch durchaus nachvollziehbar sind und auch uns zu dem Schluß führen, dass eine generelle Aussage über die Überlegenheit von fixen oder flexiblen Wechselkursen kaum zu treffen ist. Es kann an dieser Stelle nur auf die Vor- und Nachteile der Wechselkursflexibilisierung hingewiesen werden, deren relative Gewichtung letztlich von den besonderen Umständen des Einzelfalls abhängt.

2.4. Hybride Systeme

In diese Kategorie lassen sich viele real existierende Währungssysteme einordnen. Hybride Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie sowohl Elemente eines Fixkurssystems als auch eines Systems flexibler Wechselkurse miteinander verbinden. Es wird so versucht, die Vorteile beider Systeme miteinander zu kombinieren und auszunutzen. Wie im letzten Absatz beschrieben zählen hierzu zum einen die Reduktion des Wechselkursrisikos gegenüber einem System völlig flexibler Wechselkurse, und zum anderen die bessere Abfederung externer Schocks und die Erhaltung der monetären Unabhängigkeit gegenüber einem Fixkurssystem.

Auch das EWS ist eindeutig den hybriden Systemen zuzuordnen, denn es arbeitet mit festgesetzten Leitkursen, die aber innerhalb bestimmter Bandbreiten schwanken dürfen. Ob es im EWS tatsächlich gelungen ist, die Vorzüge von flexiblen und fixen Wechselkursen problemlos zu vereinen, soll im weiteren Verlauf dieser Abhandlung erörtert werden.

3. Finanzkrisen

Dieser Abschnitt des Projektberichts beinhaltet die Darstellung von Finanzkrisen allgemein. In Punkt 3.1 werden Finanzkrisen charakterisiert und deren Auswirkungen z.B. auf Ökonomien erläutert. Des Weiteren werden in diesem Zusammenhang die Währungskrisen angesprochen, wobei keine exakte Trennung von Finanz- und Währungskrisen erfolgt.

Im Punkt 3.2 hingegen werden die typischen Verlaufsformen und mögliche Problemfelder wie die Spekulation und die kreditfinanzierte Finanztätigkeit erläutert.

3.1. Finanzkrisen und Währungskrisen

Finanzkrisen sind allgemein zu definieren als Zusammenbruch der nationalen Ökonomie infolge einer Veränderung im Geld- und/oder Kreditwesen mit der Möglichkeit des Übergreifens auf andere Ökonomien. Hierbei kommt es zu einer „Abfolge von Boom, spekulativen Käufen (Manien), Verlangsamung, Umkippen, Panik und Zusammenbruch mit nationaler und/oder internationaler Ansteckung.“6 Man unterscheidet zyklische, also konjunkturbedingte Krisen und azyklische Krisen, dementsprechend nicht-konjunkturbedingte Krisen, die Gegenstand der weiteren Darstellung sein sollen.

Die Gefahr von Finanzkrisen bzw. der Instabilität der Finanzmärkte liegt in den Ursachen für die zu starke Expansion der internationalen Finanzmärkte seit dem Ende der 60er Jahre.

Abb. 1: Entwicklung der Finanzmärkte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Referat: Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen: Börsen

Die Finanzmärkte haben sich seitdem immer weiter von den Realwirtschaften abgekoppelt und über Kredite finanziert.

Als Auslöser für Finanzkrisen sind einerseits politische Veränderungen zu nennen und andererseits Zusammenbrüche von kapitalstarken Bereichen, wie z.B. dem Banken- und Immobiliensektor oder dem Versicherungssektor.

Das vermehrt in diese Sektoren geflossene Kapital wird im Krisenfall möglichst schnell wieder abgezogen, so dass ein Mangel an Liquidität entsteht und außerdem die Kreditvergabe des Bankensektors bzw. der Ökonomie stark eingeschränkt wird (Bsp. Asienkrise 1997). Diese Gefahr der Illiquidität resultiert u.a. aus dem systemischen Risiko des Bankensystems.

Ein weiterer Krisenauslöser liegt unter Umständen aber auch bei den Währungen. Das bedeutet, dass im Krisenfall die Preise in einem Weichwährungsland, dessen Wechselkurs an eine Hartwährung gebunden ist, stärker steigen, als die im Hartwährungsland. Es kommt zu einer Verschiebung der Kaufkraftparitäten zu Ungunsten des Weichwährungslandes mit der Folge, dass die Exporte sich verteuern und die Importe zunehmen. Daraus resultiert ein Handels- und Leistungsbilanzdefizit. Das Gegenbeispiel wäre umgekehrt, dass das Hartwährungsland aufwertet, so dass es auch zu einem Handel- und Leistungsbilanzdefizit kommt. Wenn das Weichwährungsland aufwertet, spricht man von interner Krise und wenn das Hartwährungsland aufwertet von einer externen Krise.

Leistungsbilanzdefizite bewirken in der Regel einen Kapitalentzug durch die Kapitalgeber, die ihre Finanztätigkeit in andere Ökonomien verlagern, meist ins Ausland. Hier spricht man von der Exit-Option der Kapitalgeber. Ähnliches erfolgt auch, wenn das Zinsniveau im Ausland steigt und das Inland nicht parallel reagiert. Dadurch entsteht ein vermehrter Druck auf die nationale Volkswirtschaft und die nationalen Finanzmärkte, mit der Folge, dass auch der Druck auf die nationale Währung zunimmt. Festhalten muss man also, dass infolge der Mobilität des kurzfristigen Kapitals also eine Finanz- bzw. Währungskrise entstehen kann.

Der Druck auf die nationale Währung löst eine Spekulationswelle aus, denn es finden sich immer mehr risikobereite Investoren, die auf den weiteren Verfall der nationalen Währung spekulieren. Hierbei unterscheidet man zwei Arten von Spekulation: Erstens die Aufnahme von Krediten in Weichwährungen und dem sofortigen Umtausch in Hartwährung mit der Erwartung eines Kursverfalls der Weichwährung bis zur Rückzahlung des Kredits und zweitens den Verkauf der Landeswährung auf Termin zu einem bestimmten Kurs in Hartwährung mit der Erwartung, dass bei Fälligkeit ein geringerer Betrag in Hartwährung gekauft werden muss, um das Termingeschäft zu erfüllen.

Bei diesen Formen der Spekulation knüpft der Spekulant seine Erwartungen an die Erwartungen anderer Investoren, nicht aber an die realwirtschaftliche Entwicklung der Ökonomie. Diese Art von Spekulation führt zu einem Verfall der Währung, da die Wechselkurse freigegeben werden müssen, so dass man von einer Währungskrise sprechen kann. Die Folge ist, dass die Importpreise steigen und die nationalen Produktionsstätten zusammenbrechen.

Dieses Phänomen hat seit den 60er Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, so dass man heutzutage schon fast von einer „virtuellen Finanzökonomie mit eigenständigen Spekulationsströmen“7 sprechen kann. Virtuell deshalb, weil sich die Finanzmärkte immer mehr von den Realwirtschaften gelöst haben. Weiterhin lassen sich Finanzkrisen aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen und der Abhängigkeit der Nationen voneinander nur selten national begrenzen! Durch die Finanzkrisen kommt es zu Konkurrenzdruck und verstärkten Importen in den Nachbarstaaten, da das abwertende Land seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit entscheidend verbessert.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass es drei wesentliche Gründe für Finanzkrisen bzw. die zu starke Expansion der internationalen Finanzmärkte gibt: die internationale Mobilität des kurzfristigen Kapitals, die Spekulation im Zusammenhang mit der Abkopplung von der realwirtschaftlichen Tätigkeit und die Interaktion von Ökonomien !

3.2. Typische Muster für Finanzkrisen

Für kapitalistische Finanzkrisen gibt es gemäß der Theoretiker Charles Kindleberger8 und Hyman Minsky9 ein typisches Ablaufschema von Finanzkrisen. Man unterscheidet dabei vier Phasen:

In der ersten Phase erfolgt eine unerwartete Veränderung der Erwartungen an die wirtschaftspolitische Entwicklung, die meist durch äußere Faktoren hervorgerufen wird. Dazu zählen z.B. Veränderungen des Klimas, der (Wirtschafts-) Politik oder durch Kriege. Dadurch entsteht eine neue Erwartungshaltung gegenüber des Preises eines Vermögensgegenstandes, also dem Aktienkurs. Jedoch zielt diese Erwartungsänderung nicht auf die Veränderung des Ertrages, sondern nur auf den Preis ab.

Nun wird die zweite Phase eingeläutet. Diese Erwartungen werden in dem Maße erfüllt, wie infolge der Käufe die Preise steigen. Hierdurch werden immer mehr Käufer animiert, Profit zu erzielen. Das hat zur Folge, dass immer mehr Vermögensgegenstände auf Kredit gekauft werden, der nach dem Verkauf der Anlageobjekte wieder getilgt wird. Der Investor spekuliert dabei also mit Kapital, dass ihm real gar nicht gehört. Diese Theorie des minimalen Kapitaleinsatzes und der hohen Erträge (Hebelwirkung) treibt die Spekulation immer weiter voran. Dieser erhöhte Geldumlauf und die erhöhten Renditen führen zu steigenden Preisen, zu immer größer werdender Spekulation und zu einer Intensivierung der kreditfinanzierten Käufe von Vermögensgegenständen. So etwas bezeichnet man schon als Manie.

In der dritten Phase ist zu beobachten, dass einige Spekulanten langsam misstrauisch gegenüber der Entwicklung werden. Statt weiter zu kaufen, beginnen die ersten Verkäufe der Vermögensgegenstände. Infolge dieser Gewinnmitnahme kommt es zu einer allgemeinen Verlangsamung der Kaufbewegung und zu stagnierenden Preisen.

Ein Umkippen der Bewegung ist zur Folge, was als vierte Phase bezeichnet werden kann. Die vorherige Aufwärtsbewegung wird nun unwillkürlich zur Abwärtsbewegung, die letztlich in einem Crash mündet. Das Problem ist eindeutig: die Investoren, die auf Kredit gekauft haben, müssen ihre Schulden durch Wertpapierverkäufe tilgen. Der Verkauf führt zur Preissenkung. Da alle möglichst wenig Verlust machen wollen, kommt es zu einer panikartigen Verkaufswelle von Vermögensgegenständen, wodurch ein drastischer Kursverfall ausgelöst wird. Diesen Vorgang bezeichnet man als Flucht in die Liquidität.

Diejenigen, die Kredite laufen haben, geraten in die Bredouille, da ihre Wertpapiere nicht ausreichen, um die Kredite bei Fälligkeit zu bedienen, so dass Nachforderungen gegenüber den Kreditnehmern entstehen oder die Kredite seitens der Kreditgeber gekündigt werden. Dieser Kreditausfall der Kreditgeber bewirkt, dass auch anderen Kreditnehmern die Kredite aufgekündigt werden und diese zusammenbrechen. Dieser Zusammenbruch der Kreditwirtschaft bewirkt, dass die Funktionsfähigkeit der Ökonomie stark in Frage gestellt ist. Somit ist eine unter Umständen globale Finanzkrise unausweichlich.

Dieses typische Ablaufschema für Finanzkrisen lässt sich bei den meisten der größeren Finanzkrisen in den 90er Jahren wiederfinden. Zu diesen Krisen gehören insbesondere:

- 1992/93 EWS-Krise
- 1994/95 Mexiko-Krise
- 1997/98 Asienkrise

3.3. Die Rolle der Spekulation, der kreditfinanzierten Finanztätigkeit und der Derivate

Die Spekulation und die kreditfinanzierte Finanztätigkeit gehören zweifelsfrei zu den Hauptproblemfeldern der Finanzkrisen. Sie tragen beide stark zu einer Intensivierung der Finanzkrisen bei und bedürfen daher einer speziellen Betrachtung. Wie die Spekulation im Krisenfall aussieht, wurde schon in Punkt 3.1 erläutert. Jedoch soll hier noch mal die Spekulation generell dargestellt werden. Spekulanten wollen unabhängig vom Ort der Finanztätigkeit ihr Kapital vermehren. Daher suchen sie sich eine Ökonomie, in der sich ihnen die Möglichkeit bietet, dieses am besten umzusetzen. Das so in die Volkswirtschaft fließende Kapital wird in alle mögliche Formen von Anlageobjekten investiert. Interessant sind dabei vor allem die, die kurzfristig eine sehr hohe Rendite versprechen. Dadurch kommt es zu häufigen internationalen Kapitalbewegungen der Spekulanten, da diese hohen Renditen weit gestreut, und in der Regel sehr variabel sind. Im Krisenfall kommt es durch den Kapitalabzug zu einer Verstärkung der Krise und die ohnehin schon wankende Ökonomie wird noch mehr in den Abgrund gestürzt. Nun wird das Kapital auch genutzt, um gegen die Währung des Krisenlandes, also auf eine Abwertung zu spekulieren. So insbesondere in der EWS-Krise durch George Soros geschehen, der 1992 gegen das britische Pfund spekulierte, knapp 1 Milliarde Dollar damit gewann und gleichzeitig das britische Pfund um 20 % abwerten ließ. An diesem Beispiel sieht man, welchen Einfluss Spekulanten unter Umständen auf Ökonomien haben können. Neben der Spekulation spielt auch die Kreditfinanzierung eine entscheidende Rolle bei Finanzkrisen. Generell ist „Geld im Kapitalismus im wesentlichen Kredit (Buch-, Giral-) Geld, das durch die Geschäftsbanken geschaffen wird“10. Nur etwa 8-10 % der umlaufenden Geldmenge ist Bargeld, der Rest eben Kredite.

Diese Kredite führen dazu, dass Finanztransaktion stattfinden, hinter denen in Wirklichkeit gar kein Kapital steht bzw. nur ein sehr geringer Bruchteil. Stattdessen wird versucht, über die Rendite die Kosten für die Kredittilgung wieder auszugleichen. Das Kreditgeld wird dagegen zum Kauf von Spekulationsobjekten verwendet (siehe oben). Der Kredit wirkt nun als Hebel, denn je mehr Geld investiert werden kann, desto höher ist auch der Gewinn oder Verlust. Im Verlustfall kommen neben dem Verlust des eingesetzten Eigenkapitals auch die Schulden hinzu. Bei Krediten handelt es sich also um Krisenverstärker.

Ein weiterer Krisenverstärker ist der Derivathandel. Diese Options- und Termingeschäfte beinhalten die o.g. Hebelwirkung, so dass auf wenig eingesetztes Kapital durch das Termingeschäft das Kapital stark vermehrt werden kann, sofern die Entwicklung entsprechend den Erwartungen verläuft. Die entstehende Differenz zwischen Kassa- und Terminkurs führt zu einer Erhöhung des Anpassungsdrucks der Wechselkurse.

Das größte Problem stellt hierbei die Kombination dieser Maßnahmen dar, indem kreditfinanziertes Kapital als Derivat zu Spekulationszwecken verwendet wird. Als spektakuläres Beispiel ist hier der LTCM (Long-Term-Capital-Management) - Fonds zu sehen, der 1998 beinahe zum Zusammenbruch gekommen wäre, wenn nicht diverse Großbanken auf Druck der Federal Reserve Bank Kapital zur Rettung bereitgestellt hätten.

4. Fallbeispiel EWS

Erste Gedanken zu einem europäischen Währungssystem fanden sich bereits 1951 in der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Konkretisiert wurden diese Überlegungen in den Römischen Verträgen von 1957, als in dem Gründungsabkommen über die EWG und EURATOM eine Annäherung der Wirtschaftspolitik vertraglich festgesetzt wurde. Dieses Prinzip der Konvergenz legte als gemeinsame Ziele eine harmonische Entwicklung des Wirtschaftslebens sowie ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum, stabile Preise und einen hohen Beschäftigungsgrad fest. Es folgten der Werner-Plan und die Gründung des EWS im Jahre 1979. Dieses System hatte fast 14 Jahre bestand, ehe eine schwere Krise, die in diesem Schwerpunkt des Projektberichtes detailliert abgehandelt werden soll, 1993 zu einer faktischen Auflösung des Währungsverbundes geführt hat. Es sollen in den folgenden Punkten der technische Aufbau des Systems sowie eine Aufschlüsselung der Ereignisse, die zum faktischen Zusammenbruch geführt haben, vorgenommen werden. Im Anschluss soll interpretiert werden, inwieweit ein solches System sinnvoll war und ist und welche Lehren aus dem EWS im Bezug auf die Europäische Währungsunion zu ziehen sind.

4.1. Historische Einordnung des EWS

Wie einleitend erwähnt, einigten sich die Teilnehmer der EWG und der Euratom bereits 1957 über eine erste gemeinsame wirtschaftspolitische Zusammenarbeit. Der sog. Werner-Plan sah schon 1970 während des Bestehens des Bretton-Woods- Systems ein einheitliches europäisches Notenbanksystem und eine einheitliche Währung vor. Am 10. April 1970 schlossen die Zentralbanken der EG-Staaten das Baseler Abkommen über einen Europäischen Währungsverbund. Dieser Währungsverbund sah bereits eine Festigung der Wechselkurse innerhalb gewisser Bandbreiten vor. Dieses Vorhaben lief jedoch im Sog der Auflösung des Bretton- Woods-Systems und der ersten Ölpreiskrise ins Leere. Ein weiteres Problem stellte die Uneinigkeit über die Integration eines solchen Systems dar. Während u.a.

Deutschland eine Strategie präferierte, die zunächst wirtschaftliche Konvergenz und im Anschluss eine einheitliche Währung vorsah, zogen die Regierungen und Zentralbanken Frankreichs und Belgiens eine differente Strategie vor. Diese basierte auf dem Konzept zunächst eine einheitliche Währung zu schaffen und durch diese größere Konvergenz in den volkswirtschaftlichen Entwicklungen zu erreichen. Neue Impulse für die Europäische Integration ergaben sich im Jahre 1979 mit der Gründung des EWS, welches auf Initiative des französischen Staatspräsidenten Giscard d’Estaing und des deutschen Bundeskanzlers Schmidt zustande kam.

4.2. Aufbau, Ziele und Funktionsweise des EWS

Die rechtlichen Grundlagen des EWS ergeben sich aus der „Entschließung des Europäischen Rates vom 5. Dezember 1978 über die Errichtung des Europäischen Währungssystems und damit zusammenhängende Fragen“, dem „Abkommen zwischen den Zentralbanken der Mitgliedsstaaten der Europäischen

Wirtschaftsgemeinschaft über die Funktionsweise des Europäischen Währungssystems“ vom 13. März 1979 und dem Beschluss Nr. 12/79 des Verwaltungsrates des Europäischen Fonds für Währungspolitische Zusammenarbeit (EFWZ) vom gleichen Tage.

Das EWS soll in Europa zu „einer stabilen Währungszone“11 führen und durch eine engere währungspolitische Zusammenarbeit eine auf größere innere und äußere Stabilität gerichtete Politik sowohl für Defizitländer als auch für Überschussländer gewährleisten. Durch diese Zielsetzung soll die Konvergenz der wirtschaftlichen Entwicklung erleichtert werden und der Prozess der Europäischen Integration neue Impulse erhalten. Mit der Ratifizierung des Vertrages vom Maastricht über die Errichtung einer europäischen Union wurde die Bedeutung des EWS für die monetäre Integration gestärkt. Der Übergang zur Endstufe der Europäischen Währungsunion (EWU) hat die Grundvoraussetzung eines funktionierenden EWS. Art. 109j Abs.1 des Maastrichter Vertrages verlangt, das jedes Land, welches an der EWU teilnehmen möchte, seine Währung in den letzten zwei Jahren vor der Prüfung über den Eintritt in die Endstufe der EWU ohne starke Spannungen innerhalb der normalen Bandbreiten des EWS gehalten hat.

Der zentrale Baustein des EWS ist die Europäische Währungseinheit ECU. Der ECU ist eine sogenannte Korbwährung die sich aus den 12 am EWS teilnehmenden Währungen in verschiedenen Gewichtungen zusammensetzt. Die Beteiligung am ECU ist gespalten in relative und absolute Anteile der Währungen. Der absolute Korbanteil einer Währung wird auf Grundlage des nationalen Handelsvolumens, des Bruttosozialproduktes sowie der Quote im kurzfristigen Währungsbeistand im europäischen Vergleich durch den Europäischen Rat festgelegt. Die relativen Anteile stellen die Gewichtung der teilnehmenden Währungen nach wirtschaftlicher Bedeutung der jeweiligen Nationen dar. So hatte die D-Mark zum 11.08. 1993 einen absoluten Anteil von 0,6242 und einen relativen Anteil am ECU von genau 32,00%. Im Vergleich hatte die Dänenkrone einen absoluten Anteil von 0,1976 und einen relativen Anteil von 2,60%. Über 50% der absoluten und relativen Anteile am ECU hatten der Franc und die D-Mark inne und bildeten damit den Hauptkern der Europäischen Währungseinheit (ECU). Für jede Teilnehmerwährung des EWS wird ein ECU-bezogener Leitkurs vom Europäischen Rat festgelegt. Dieser Leitkurs dient zur Erstellung des Paritätengitters, in dem alle bilateralen Leitkurse der betreffenden Währungen abgebildet werden. Die nominalen Wechselkurse, eine genauere Definition erfolgt in Punkt 4.4.1., können dann in einem semi-festen Wechselkurssystem wie dem EWS in festgesetzten Bandbreiten schwanken. Diese Bandbreiten lagen im EWS bei den Kernwährungen bei +/- 2,25 %, in Ausnahmen bei +/- 6% um den Leitkurs. Die oberen und unteren Kurse geben den sogenannten Interventionspunkt jeder Währung an. Stößt der bilaterale Wechselkurs an eine dieser Grenzen, so sind die betroffenen Notenbanken zur Intervention verpflichtet gewesen.

Die Interventionen lassen sich in zwei Typen unterteilen: Die obligatorische Intervention erfolgt durch die Notenbank des Schwachwährungslandes indem es mit der Starkwährung seine Währung vom Markt nimmt und im Gegenzug die Notenbank des Starkwährungslandes die eigene Währung gegen die des Schwachwährungslandes verkauft. Diese Art von Intervention ist nach den EWSStatuten in unbeschränktem Umfang vorzunehmen.

Eine zweite, eher präventive Art der Intervention stellt die intramarginale Intervention dar, die bereits dann vorgenommen werden kann, wenn sich eine vom Leitkurs abweichende Kursentwicklung abzeichnet. Diese Art von Intervention ist jedoch nur nach Absprache der betroffenen Notenbanken zulässig. Sollte diese Spannung jedoch von Dauer sein, so sieht das System eine Anpassung der Leitkurse (Realignment) vor. Solche Realignments setzen die Zustimmung aller am System teilnehmenden Nationen voraus, da wie bereits erwähnt jede Veränderung eines bilateralen Leitkurses eine Änderung der ECU-Leitkurse aller am System beteiligten Währungen mit sich bringt.

Ein weiterer Frühwarnindikator ist der sogenannte Abweichungsindikator, der je nach Korbanteil der Währung verschieden groß ist und der bei Erreichen der Abweichungsschwelle von Regierung und Zentralbank durch vom Rat festgelegte Maßnahmen korrigiert werden muss.

Die Entschließung des Europäischen Rates12 sieht solche Maßnahmen in:

- diversifizierenden Maßnahmen
- internen währungspolitischen Maßnahmen
- Änderungen der Leitkurse
- anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen.

Um sicherzustellen, dass die Zentralbanken ihren unbegrenzten Interventionsverpflichtungen im Falle obligatorischer Interventionen nachkommen können, eröffneten sich die Zentralbanken gegenseitig „sehr kurzfristige Kreditfazilitäten in unbegrenzter Höhe.“13

Für diese Art der kreditfinanzierten Intervention galt das Prinzip der „sehr kurzfristigen Finanzierung“, welches nach dem sogenannten Abkommen von Basel / Nyborg 1987 festgelegt wurde. Es sagt aus, dass die erhaltenen Interventionskredite spätestens innerhalb von dreieinhalb Monaten fällig werden. Nur in besonderen Fällen kann die Fälligkeit um weitere drei Monate verlängert werden. Ob all diese Mechanismen funktioniert haben, soll zunächst im folgenden Abschnitt für den Zeitraum von 1979 bis 1992 dargestellt werden, um dann in Punkt 4.4. den Verlauf der Krise in den Jahren 1992 und 1993 genau zu analysieren.

4.3. Ablauf und Entwicklung des EWS bis 1992

Die ersten Jahre des Bestehens des EWS werden in der Literatur als Anlaufphase tituliert. „Die Anlaufphase des Systems ist durch eine Reihe von Leitkursanpassungen (Realignments) charakterisiert.“14 Dies zeigt sich insbesondere dadurch, dass infolge unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Präferenzen in den Mitgliedsländern die Leitkurse zwischen 1979 und 1983 immerhin siebenmal neu festgesetzt werden mussten. Ungerer beschreibt diese Phase des EWS treffend „as a period of trial and orientation“.15 Die erste Währung, die unter starkem Druck im EWS stand war der Franc, da die regierenden Sozialisten 1981/82 eine expansive Fiskal- und Geldpolitik in Frankreich zum Beleben der Konjunktur einführten. Die erwarteten Erfolge traten jedoch nicht ein, so dass Frankreich diesen Alleingang in Europa und insbesondere im EWS mit einem herben Verlust der Devisenreserven und drei starken Abwertungen gegenüber der D-Mark bezahlen musste. Im Oktober 1981 erfolgte die erste Abwertung um 8,8 %, im Juni 1982 die Zweite in Höhe von 10,6 % und im März 1983 die letzte in der Größenordnung von 8,2 %. Dies sei an dieser Stelle nur als Beispiel für die geringe Koordination der einzelnen Nationen und der sich daraus ergebenden häufigen Realignments in der ersten Phase des EWS genannt. Natürlich wertete nicht nur der Franc in dieser Periode von 1979 bis 1983 gegenüber der D-Mark ab.

Die folgende Tabelle soll dies verdeutlichen :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Aufwertungen der D-Mark gegenüber anderen EWS-Währungen 1979-1983

Diese Tabelle verdeutlicht, dass in den ersten Jahren kaum eine Konvergenz gegeben war und diese Phase tatsächlich eine Phase des Testens und Probierens war. Dies wird auch dann weiter deutlich, wenn man die Entwicklung der EWS- Volkswirtschaften gegenüberstellt. Dies soll in der folgenden Tabelle geschehen :

Abb. 3: Ökonomische Divergenzen in der Anlaufphase des EWS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die großen Unterschiede in den Entwicklungen der Ökonomien müssen in einem System semi-fester Wechselkurse langfristig zu einer Anpassung der selbigen führen.

Nach dieser Anlaufphase des EWS ging es in der zweiten Phase, die sich auf den Zeitraum von 1983 bis 1987 begrenzen lässt, hauptsächlich um eine Konsolidierung und Erhöhung der Glaubwürdigkeit in das System. Nach den diversen Abwertungen in der Anlaufphase besannen sich die Teilnehmer auf den Grundgedanken eines solchen Systems. So änderte Belgien seine Wirtschaftspolitik derart, das die durch reale Aufwertung verschlechterte Wettbewerbsposition auf internationalen Märkten durch binnenwirtschaftliche Maßnahmen ausgeglichen werden sollte. Frankreich ging im Frühjahr 1983 zu einer Hartwährungsstrategie für den Franc über. Es signalisierte damit seine Entschlossenheit auch in Zukunft am EWS teilzunehmen und die notwendigen Maßnahmen vorzunehmen.

Dieser Ruck ging durch das gesamte EWS welches somit dem Ziel näher kam, in Europa eine Zone innerer und äußerer Stabilität zu schaffen. Als ein deutliches Signal sind hier die Inflationsraten zu betrachten. Zum einen ging die durchschnittliche Inflation im EWS auf etwa 4% (1981/1982) zurück und zum zweiten vergrößerte sich die Konvergenz erheblich: Die Standardabweichung ging von 5,7% (1980) auf 2,5% (1987) zurück. Diese Neuausrichtung der Teilnehmer führte zu einer Reduktion der erforderlichen Realignments. Waren in der vier Jahre umfassenden Anlaufphase noch 25 Wechselkursanpassungen erforderlich, so sind es in den folgenden vier Jahren derer nur noch 12 gewesen. Dies ist insbesondere auf einen Wechsel in der Geld- und Wirtschaftspolitik zurückzuführen.

Allgemein vollzog sich innerhalb des EWS ein Systemwechsel von einer Inflations- zu einer Disinflationspolitik. Diese Änderung brachte eine zunehmende Konvergenz der volkswirtschaftlichen Entwicklung der Teilnehmerstaaten mit sich. Allerdings war dieser Umschwung nicht nur in Europa zu beobachten, vielmehr vollzog sich dieser Wechsel in den meisten OECD-Staaten. Es bleibt aber zu bemerken, dass ein Wechselkurssystem wie das des EWS den institutionellen Rahmen dafür bietet, um einen solchen Wandel ohne größere Wohlfahrtsverluste zu vollziehen. Ein solcher Politikwechsel kann nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn die Märkte diese Neuausrichtung für glaubwürdig halten und nicht vermuten, dass durch eine „Überraschungsinflation“ ein Beschäftigungseffekt erzielt werden soll. Ist dies nicht der Fall, so werden rationale Marktteilnehmer ihre Erwartungen nicht korrigieren und der gewollte Systemwechsel wird ex ante auf Kosten temporärer Produktions- und Beschäftigungseffekte erfolgen. Dieses Problem lässt sich in einem System quasi fester Wechselkurse einfacher umgehen. Fixiert man seinen Wechselkurs gegenüber einer stabilen Währung, die eine hinreichend große Reputation auf den Märkten genießt, so kann durch die Überzeugung der Dauerhaftigkeit dieser Anbindung die Glaubwürdigkeit in die Stabilität von der starken Währung auf die eigene übertragen werden.

Gegenüber der Anlaufphase änderte sich in der Konsolidierungsphase nicht nur die währungspolitische Strategie, sondern auch die Praxis der Währungspolitik. So wurden die erforderlichen Interventionen immer seltener obligatorisch, sondern häufiger intramarginal vorgenommen. Diese Art von Interventionspolitik, die anfangs mit Dollarreserven, später mehr mit D-Mark abgewickelt wurden, war lange erfolgreich, führte aber insbesondere in der dritten Phase nach 1987 zu beachtlichen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten.

Die dritte Phase, in der Fachliteratur Stabilitätsphase genannt, lässt sich auf den Zeitraum von 1987 - 1992 begrenzen. In dieser fünfjährigen Phase andauernder Stabilität der nominalen Wechselkurse bildete sich das sogenannte Kern-EWS. Dieser Kern bestehend aus den Beneluxländern, Dänemark, Frankreich, Irland und Deutschland entwickelte einen hohen Grad an Preis- und Nominalzinskonvergenz. Die übrigen Länder verharrten dagegen auf einem deutlich höheren Niveau.

Dieses Konvergenzphänomen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklung der Leistungsbilanzsalden, Lohnstückkosten und der staatlichen Defizitquoten immer noch sehr unterschiedlich waren. Lagen die Verbraucherpreissteigerungen im Kern-EWS 1987 noch zwischen 0,2% (NL) und 5,7% (E), korrelierten sie bis zum Jahre 1993 deutlich mehr mit Werten zwischen 1,4% (DK) und 4,7% (E). Betrachtet man jetzt die Defizitquoten, ergibt sich ein völlig anderes Bild:

Lag die Defizitquote Irlands 1987 noch bei -8,5% gelang eine Rückführung des Defizit auf 3,0% des BIPs. Anders sieht es in diesem Zeitraum in Frankreich aus: Die Defizitquote der Grande Nation verweilte 1987 bei knapp 2%, jedoch stieg das Defizit auf 5,9% des BIPs im Jahre 1993 an. Dies sei nur eines von vielen möglichen Beispielen, welches deutlich macht, dass die Konvergenzentwicklung selbst im KernEWS nicht auf allen Ebenen stattfand.

Allerdings rückten diese Divergenzen im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs der achtziger Jahre und der Boomphase zu Beginn der Neunziger fast vollständig in den Hintergrund. Einigen Ländern gelang, es ihre notwendigen Wechselkursanpassungen durch hohe Nominalzinsen aufrecht zu erhalten. Somit kam es immer mehr zu einer Verstetigung der Wechselkurse und das Vertrauen in das System nahm zu. Vorrübergehend entstand in Europa eine de facto Währungsunion.

4.4. Die EWS-Krise

Im Sommer 1992 gab es nach der Zeit der Stabilität, in der man bereits von einer de facto Währungsunion ausging, die ersten Turbulenzen. Zunächst wertete das britische Pfund und die italienische Lira stark ab. Als Folge des starken Kursverfalls mussten beide Währungen am 17. September 1992 aus dem Wechselkurs- Mechanismus des EWS austreten. Zur gleichen Zeit werteten auch die spanische Peseta und der portugiesische Escudo ab, jedoch konnten sie aufgrund ihrer größeren Bandbreiten im EWS verbleiben. Aus dem Bereich der Kernwährungen werteten der französische Franc und das irische Pfund leicht gegenüber der D-Mark ab. Die dänische Krone, der holländische Gulden und der belgische Franc blieben dagegen stabil.

Mit dem Ausscheiden von Lira und britischem Pfund war die Glaubwürdigkeit des Systems gestört. Nach Heinrich Mathes16 witterten Spekulanten offenbar die Möglichkeit, weitere Währungen aus dem System herausbrechen zu können. Auf diese Weise wurde die Stabilität der Leitkurse fast aller Währungen getestet. Durch die eng gefassten Bandbreiten eröffnete sich die Möglichkeit zu einer Art „Einbahnstraßen-Spekulation“ (One-Way-Bets).

Im Zuge der weiter anhaltenden Spekulationswellen geriet der französische Franc zunehmend unter Druck. Diese Attacke konnte allerdings durch gebündelte Sicherungsmaßnahmen abgewehrt werden. Dazu gehörten z.B. massive Interventionen, kräftige Zinssatzanhebungen und ein politischer Schulterschluss der deutschen und französischen Zentralbank.

Die Peseta und der Escudo hingegen mussten am 23. November 1992 erneut jeweils um sechs Prozent abgewertet werden. Im November und Dezember 1992 gerieten auch die skandinavischen Währungen in den Abwärtssog. Am 1. Februar 1993 musste das irische Pfund wegen seiner starken Bindung an das britische Pfund nachgeben und wertete um zehn Prozent ab.

Bis zum Frühsommer 1993 glätteten sich die Wogen vorläufig bis auf eine weitere Abwertung von Peseta und Escudo um acht bzw. 6,5 Prozent. Aufgrund der schwachen konjunkturellen Situation in Europa nutzten fast alle europäischen Zentralbanken die Entspannungsphase zu wachstumsstimulierenden Zinssenkungen. In allen Ländern fielen diese Zinssenkungen deutlich stärker aus, als in Deutschland. Im Zuge des Wettstreits um die Rolle der Ankerwährung zwischen Deutschland und Frankreich kam es im Juni 1993 erneut zu Irritationen im Währungsverbund.

Am 21. Juni 1993 kam es zu allgemeinen Leitzinssenkungen mehrerer europäischen Notenbanken, ohne dass die deutsche Bundesbank nachzog. Die sehr stark unterschiedlich ausgefallenen Zinssenkungen nahmen die Spekulanten offensichtlich zum Anlass, die Tragbarkeit der neuen Zins-Wechselkurs-Kombinationen zu testen. Im Rahmen der erneuten Spekulationswelle geriet der französische Franc und mit ihm bis auf den Gulden und die D-Mark alle anderen europäischen Währungen stärker unter Druck als jemals zuvor. Auch massivste Interventionen konnten das System nicht mehr stabilisieren, wodurch auf Initiative des deutschen Finanzministers Theo Waigel der EG-Währungsausschuss einberufen wurde.

Es bildeten sich zwei Vorschläge der deutschen und französischen Vertreter heraus. Einerseits den Franc als Ankerwährung einzusetzen und die D-Mark und ggf. den Gulden frei floaten zu lassen und andererseits die Bandbreiten von +/- 2,25 % auf +/- 15 % heraufzusetzen. Angenommen wurde der zweite Vorschlag und die Bandbreiten wurden heraufgesetzt. Daraufhin kam es zu starken Abwertungen des französischen und belgischen Francs sowie der dänischen Krone. Trotzdem entstand kein Abwertungswettlauf und im Herbst 1993 kehrte Ruhe in die Währungsbeziehungen ein.

4.4.1. Ursachen der EWS-Krise

In einem Quasi-Fixkurssystem wie dem EWS wurden Bandbreiten vorgegeben, innerhalb derer die nominalen Wechselkurse um die festgesetzten Leitkurse schwanken durften. Nach der Logik der Kaufkraftparitätentheorie kann ein solches System nur dauerhaft funktionieren, sofern die realen Wechselkurse ungefähr parallel zu den nominalen Wechselkursen verlaufen. Permanent auftretende Differenzen zwischen den nominalen und realen Wechselkursen, die durch unterschiedliche Preissteigerungsraten entstehen können, erfordern rechtzeitige Neufestsetzungen (Realignments) der Leitkurse im Umfang der entstandenen Abweichungen. Im hier vorliegenden Fallbeispiel des Europäischen Währungssystems haben sich im Vorfeld der Krise im Herbst 1992 zweifelsfrei die realen von den nominalen Wechselkursen abgekoppelt, ohne dass es zu dementsprechenden Neuanpassungen der bilateralen Leitkurse gekommen ist. Die Gründe hierfür sollen im Zwischenfazit dieses Abschnitts erläutert werden.

Die entstandenen Ungleichgewichte in den Preissteigerungsraten lassen sich u.a. zurückführen auf die unterschiedlichen nationalen Entwicklungen bezüglich der Leistungsbilanzsalden, Defizitquoten und realen Lohnstückkosten. Wie in der folgenden Tabelle ersichtlich, sind diesbezüglich im Vorfeld der EWS-Krise zum Teil erhebliche Divergenzen zwischen den Teilnehmerländern des EWS entstanden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Konvergenzentwicklung 1987-1993

Ein weiterer entscheidender Einflussfaktor für die aufgelaufenen Preisniveaudifferenzen waren die verschiedenen nationalen Geldpolitiken. Ausschlaggebend für die Zinsdifferenzen war u.a. die Vorreiterrolle der Deutschen Bundesbank gegenüber den anderen EWS-Teilnehmerländern. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung kam es in Deutschland zu einem nachfrageinduzierten Konjunkturaufschwung, während sich in den meisten anderen EWS-Ländern der Beginn einer Konjunkturflaute andeutete. Dies hatte eine Inkonsistenz der geldpolitischen Zielsetzung zwischen Deutschland und den weiteren am EWS teilnehmenden Nationen zur Folge (zur Rolle der dt. Geldpolitik vgl. Punkt 4.7., Die Lehren aus dem EWS), was sich in den unterschiedlichen Realzinssätzen niederschlug. Hierdurch hervorgerufene Kapitalbewegungen verstärkten die Divergenz der Preisniveaus.

Abb. 5: Kurzfristige Realzinsdifferenzen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass Abweichungen der realen Wechselkurse zwischen den EWS-Währungen im Vorfeld der Krise ersichtlich waren, ohne dass erforderliche Realignments vereinbart wurden. Es bleibt zu klären, warum die Anpassungen der Leitkurse nicht erfolgten.

Zum einen galt es in den einzelnen Mitgliedsstaaten als politisch nicht populär, die eigene Währung abwerten zu lassen, da der Erfolg einer Regierung auch am Außenwert der Währung gemessen wird.

Zweitens wurde „während des Disinflationsprozesses [...] die Ankerrolle der D-Mark von den Partnerländern im EWS als ein probates Mittel zur Steigerung ihrer geldpolitischen Glaubwürdigkeit angesehen“17. So versuchten die anderen Teilnehmerländer die Stabilität der D-Mark auf ihre Währungen zu übertragen, was nur bei konstanten Währungsparitäten möglich erschien.

In dritter Instanz galt ein stabiles EWS als Basis für den fortlaufenden europäischen Integrationsprozess, der zu dieser Zeit absolute politische Priorität genoss. Ständige Realignments hätten die Glaubwürdigkeit des Systems negativ beeinflusst. Da trotz der Differenz zwischen realen und nominalen Wechselkursen aus o.g. Gründen keine Realignments stattgefunden haben, begannen die risikobereiten Investoren auf die überfälligen Neufestsetzungen bzw. gegen bestimmte Währungen zu spekulieren. Dies geschah zum einen durch Leerverkäufe (Short Sales) von Währungen am Terminmarkt, bei denen Abwertungspotential vermutet wurde. Zum anderen verschuldeten sich Spekulanten in eben solchen Währungen am Kassamarkt, um sie anschließend auf dem Geldmarkt eines Hartwährungslandes gewinnbringend anzulegen. Nach der erhofften Abwertung der Weichwährung erfolgt ein Rücktausch in selbige. „Ein Gewinn entsteht, wenn die attackierte Währung so stark abwertet, dass die in der Regel positive Zinsdifferenz aus der Mittelaufnahme in Schwachwährung und der Mittelverwendung in Starkwährung überkompensiert wird.“18

Forciert wurden die Spekulationen durch die Liberalisierung der Finanzmärkte, infolge derer beinahe alle Kapitalverkehrskontrollen abgebaut wurden und somit eine wesentlich risikolosere und globalere Spekulation ermöglicht wurde.

4.4.2. Auslöser der EWS-Krise

Im letzten Abschnitt wurden ausführlich die Ursachen der EWS-Krise erläutert, die sinnbildlich die entstandenen Rahmenbedingungen bzw. den Nährboden darstellen, der eine solche Krise überhaupt erst möglich machen kann. Wenn nun auf solch einem Nährboden auch tatsächlich eine Krise entsteht, gibt es im allgemeinen zusätzlich zu den entstandenen Rahmenbedingungen punktuelle Ereignisse, welche die Krise letztlich auslösen. In diesem Fall werden vielfach die jeweils im Spätsommer 1992 und 1993 losgetretenen Spekulationswellen als Auslöser für die Krise betrachtet. Dies aber ist bei näherer Betrachtung eine nur oberflächlich richtige Feststellung, denn unserer Meinung nach sind eben diese Spekulationswellen auch nur Reaktionen auf bestimmte politische Entscheidungen gewesen, welche somit als die eigentlichen Auslöser der Krise gelten müssen.

Einleitend ist zu sagen, dass all diese politischen Auslöser eines gemeinsam hatten, nämlich dass die Glaubwürdigkeit der festgesetzten Paritäten und des ganzen Systems anschließend von den Märkten in Frage gestellt wurde, woraufhin jeweils die bereits erwähnten Spekulationswellen einsetzten.

Die ersten Risse im System wurden durch das negativ ausgefallene dänische Referendum am 2. Juni 1992 und die Unsicherheit über den Ausgang des französischen Referendums im September 1992 (die Umfragen lagen bis eine Woche vor dem Votum bei 50:50, das Endergebnis war dann 50,5 % für den Maastrichter Vertrag) ausgelöst. Nach der Unterzeichnung des Maastrichter Vertrages am 7. Februar 1992 war die generelle Erwartungshaltung, dass Leitkursanpassungen zukünftig, auch aufgrund des politischen Drucks, eher die Ausnahme sein würden. Durch die entstandenen Unsicherheiten wurde diese Wechselkursillusion vieler Marktteilnehmer zerstört. Es folgten umfangreiche Absicherungen der Engagements in mutmaßlichen Schwachwährungen. Offene Positionen in diesen Währungen wurden über den Terminmarkt glattgestellt, was dann auf die Kassamärkte zurückwirkte. Besonders betroffen davon waren zunächst die italienische Lira und das britische Pfund (s.o.).

Das nächste markante Datum war der 16. Juli 1992, an dem die deutsche Bundesbank ihren Diskontsatz aufgrund binnenwirtschaftlicher Argumente (dazu mehr in Abschnitt 4.7. - Lehren aus dem EWS) von 8 auf 8,75 % anhob. Dieser Schritt löste große Spannungen aus, da einige der anderen Mitgliedsstaaten zu diesem Zeitpunkt mit niedrigen Inflationsraten und rückläufigem Wirtschaftswachstum konfrontiert waren. Für diese Länder war eine restriktive Geldpolitik somit konjunkturpolitisch untragbar. „Da eine autonome, binnenwirtschaftlich ausgerichtete Geldpolitik bei fixen Wechselkursen und freiem Kapitalverkehr nicht möglich war, verstärkte sich auf den Märkten die Unsicherheit über die künftige Wechselkursentwicklung.“19 Diese Unsicherheiten stiegen in den Folgewochen weiter an und hatten ihren vorläufigen Höhepunkt im Spätherbst 1992, als, wie bereits dargestellt, die ersten wirklich gravierenden Währungsturbulenzen innerhalb des EWS einsetzten.

Im Zuge des Wettstreits um die Ankerrolle im EWS zwischen Frankreich und Deutschland kam es im Verlauf des Jahres 1993 zu Unstimmigkeiten bezüglich der Geldpolitik in den verschiedenen Mitgliedsländern. Wie bereits in 4.4. beschrieben, schien die Vorreiterrolle der deutsche Bundesbank zu wackeln, als am 21. Juni 1993 die Notenbanken Belgiens, Österreichs, Portugals und der Niederlande einer Leitzinssenkung der Banque de France folgten, ohne dass die Bundesbank ihre Leitzinsen zurücknahm. Am 1. Juli 1993 gab es dann doch eine Zinssenkung der Bundesbank, der auch einige andere Notenbanken folgten, allerdings nicht in vollem Umfang. Dadurch blieben auch weiterhin Zweifel am Weiterbestehen der Zinshoheit der Bundesbank im EWS bestehen. Offenkundig war diese Zinsrunde nun ein Signal für die Spekulanten, die Festigkeit der neuen Zins-Wechselkurs-Konstellation erneut auf die Probe zu stellen, und die nächste große Spekulationswelle setzte ein.

In dieser neuerlichen Krise verzichtete die Bundesbank auf eine weitere Senkung des Diskontsatzes. Am 29. Juli 1993, der als eigentlicher „Todestag“ für das EWS genannt wird, senkte die Bundesbank zwar die Zinsen, überraschenderweise aber nur den Lombard- und nicht den Diskontsatz, und das konnte die Märkte überhaupt nicht beruhigen. In den folgenden Tagen ließen sich einige Währungen auch durch Interventionen nicht mehr innerhalb ihrer Bandbreiten halten. Der EG- Währungsausschuß wurde einberufen und die Bandbreiten wurden, wie bereits erwähnt, von +/- 2,25 % auf +/-15 % heraufgesetzt. Mit diesem Schritt wurde das EWS faktisch aufgelöst.

Nach Meinung vieler war diese unterlassene Diskontsatzsenkung der Bundesbank am 29. Juli.1993 letztlich der Auslöser für den Zusammenbruch des EWS.

4.5. Einordnung der EWS-Krise in typische Muster von Finanzkrisen

Anhand des Punktes 3.2. wurden bereits die typischen Muster für kapitalistische Finanzkrisen dargestellt. Im Verlauf dieses Abschnitts der Fallstudie soll ein Vergleich gezogen werden zwischen diesen theoretischen Mustern und dem Ablauf der EWS-Krise. Um analysieren zu können, ob eine Übereinstimmung vorliegt, muss versucht werden, die EWS-Krise in die vier bekannten Phasen zu untergliedern.

Die erste Phase besteht darin, dass im Zuge der Abwertung und des Ausstiegs der italienischen Lira und des britischen Pfundes aus dem EWS die Phase der Stabilität bzw. der de facto Währungsunion eine Veränderung der Ausgangssituation stattfindet.

Aufgrund dieser Änderung des Ist-Zustandes kommt es vermehrt zu kreditfinanzierten Spekulationen gegenüber den meisten anderen EWS-Währungen. Es wird immer mehr Kapital für spekulative Finanztätigkeiten aufgewendet und auf die Devisenmärkte gebracht, so dass ein wahrer Boom von Spekulation entsteht. Diese Entstehung von Manien entspricht der zweiten Phase von kapitalistischen Finanzkrisen.

Das Übergreifen der Spekulationswelle auf andere Währungen führte dazu, dass die meisten Währungen abwerteten und somit die Spekulanten ihre Gewinne mitnehmen konnten. Die Gewinnmitnahme bewirkte im Zeitablauf, dass die Intensität der Spekulation langsam abnahm und der Umfang dieser Kassageschäfte reduziert wurde. Gemäß der Theorie von kapitalistischen Finanzkrisen liegt hier die dritte Phase vor.

Nun setzte die vierte Phase der EWS-Krise ein. Genau wie in der Theorie waren nun diejenigen Spekulanten, die sich verschuldet hatten, in einer prekären Situation. Sie mussten ihre Schulden tilgen, was zu einem zusätzlichen Druck auf die Währungen führte, so dass weitere Abwertungen folgten. Hinzu kam noch die unausgewogene Zinspolitik in Europa. Das Zusammenwirken dieser Faktoren bewirkte, dass eine Einhaltung der Paritäten nicht mehr möglich war. Es kam also zum Zusammenbruch des EWS, der sich in der Ausweitung der Bandbreiten auf +/- 15 % vom Leitkurs widerspiegelte.

Bei der Analyse der EWS-Krise wird also deutlich, dass es sich prinzipiell um eine typische kapitalistische Finanzkrise handelt, bei der man die vier Phasen des Ablaufschemas wiederfinden kann !

4.6. Zielverwirklichungsgrad

Das Europäische Währungssystem ist seinem Anspruch in Europa eine nach innen und außen stabile Wirtschafts- und Währungszone zu schaffen bis zum Jahre 1992 in vielerlei Hinsicht gerecht geworden. Einige wirtschaftliche Eckdaten näherten sich auf einem sinnvollen Niveau an, als Beispiel seien hier die Inflationsraten zu nennen.

Die Politiken der Teilnehmerländer haben sich ebenso anpasst, wie ihre Volkswirtschaften. Die Handelsverflechtungen innerhalb Europas haben sich weiter vergrößert, wenn auch nicht in dem erhofften Maße. Allerdings ist es fraglich, ob diese Entwicklungen direkt dem EWS zuzuordnen sind. Vergleicht man die restlichen OECD-Nationen, so zeigt sich eine sehr ähnliche Entwicklung, teilweise in noch größerem Umfang.

Betrachtet man die genannten unterschiedlichen Phasen des EWS, so bestand bis 1987 ein System fester aber jederzeit anpassungsfähiger Wechselkurse. In dieser Zeit folgte nahezu jeder dauerhaften Fehlentwicklung ein Realignment. In den Jahren nach 1987 entfaltete sich das EWS jedoch zu einer Quasi- Währungsunion. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hatte eine zunehmende Politisierung der Wechselkurse und der Geldpolitik. Realignments waren in dieser Zeit nicht mehr opportun, da diese offengelegt hätten, dass eine dauerhafte Verstetigung der Wechselkurse nicht durchgehalten werden könnte. Über diesen Prestigeverlust hinaus wäre die Strategie gescheitert, dass die Glaubwürdigkeit der deutschen Zentralbank und der D-Mark als Ankerwährung zu importieren gewesen wäre.

Das Funktionieren des EWS brachte besonders den gewollten Integrationsruck mit sich, welcher sich in den Verträgen von Maastricht und den Beschlüssen zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) niederschlug. Es hat sich allerdings auch gezeigt, dass das zwanghafte Festhalten an den festgesetzten, aber längst neu zu bestimmenden Wechselkursen klar kontraproduktiv für das EWS und die europäische Integration war. Die Fehlentwicklungen in den Jahren nach 1987 haben dann die Krise und den faktischen Zusammenbruch des EWS heraufbeschworen.

Trotz all dieser Probleme und der faktischen Auflösung des EWS im Jahre 1993 ist das EWS aber mit Sicherheit einer der entscheidenden Einflussfaktoren für die fortgeschrittene Integration in Europa gewesen.

All diese Entwicklungen haben jedoch auch gezeigt, wo die Probleme bei der Fixierung der Wechselkurse liegen, und dass eine stabile Währungsunion weit schwerer zu errichten ist, als zunächst angenommen.

Ob und welche Lehren aus dem EWS gezogen wurden konnten soll im jetzt folgenden Punkt deutlich gemacht werden.

4.7. Lehren aus dem EWS

Der folgende Abschnitt bezieht sich thematisch zum großen Teil auf den Abschnitt 4.4.1, der die Ursachen der EWS zum Inhalt hat. Es soll versucht werden, die Lehren bzw. Erkenntnisse, die aus den Fehlentwicklungen und der großen Krise 1992/93 im EWS zu ziehen sind, zusammenzufassen. Dazugehörig werden Änderungs- bzw. Verbesserungsvorschläge eingebracht, die eine solche Krise eventuell hätten verhindern können. Im anschließenden Kapitel 5 soll dann untersucht werden, ob, und wenn in welchem Umfang, die aus dem EWS gewonnenen Erkenntnisse im Nachfolgeverbund, der EWWU, umgesetzt worden sind, bzw. umgesetzt werden konnten.

Der folgende Abschnitt bezieht sich thematisch zum großen Teil auf den Abschnitt 4.4.1, der die Ursachen der EWS zum Inhalt hat. Es soll versucht werden, die Lehren bzw. Erkenntnisse, die aus den Fehlentwicklungen und der großen Krise 1992/93 im EWS zu ziehen sind, zusammenzufassen. Dazugehörig werden Änderungs- bzw. Verbesserungsvorschläge eingebracht, die eine solche Krise eventuell hätten verhindern können. Im anschließenden Kapitel 5 soll dann untersucht werden, ob, und wenn in welchem Umfang, die aus dem EWS gewonnenen Erkenntnisse im Nachfolgeverbund, der EWWU, umgesetzt worden sind, bzw. umgesetzt werden konnten.

Es ist eine unter Fachleuten wenig umstrittene Ansicht, dass ein Festkurs- oder auch ein Quasifestkurssystem wie das EWS nur funktionieren kann, wenn die festgelegte oder faktisch entstandene Ankerwährung absolut stabil ist. Als seinerzeit das Bretton- Woods-System zusammenbrach, geschah dies unter anderem auch, weil der US-$ erste Schwächen zeigte. Ähnliches war im Zusammenhang mit der EWS-Krise zu beobachten, denn in den letzten Wochen und Monaten vor dem endgültigen Zusammenbruch im Sommer 1993 begann auch das Vertrauen in die DM, die de facto die Ankerwährung im EWS bildete, abzubröckeln. Es entstand damals ein zunehmender Wettstreit zwischen DM und französischem Franc um die Ankerrolle im europäischen Währungssystem. Es wirft sich also retrospektiv die Frage auf, ob die DM die richtige Ankerwährung für das EWS war, oder ob der Franc eventuell besser gewesen wäre. Ein Argument für den Franc wäre gewesen, dass die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten Frankreichs nicht ganz so stark zu denen der anderen Teilnehmerländer divergierten, wie die Deutschlands. Denn diese große Kluft erwies sich immer wieder als problematisch. Letztlich aber ist diese Diskussion nicht sehr fruchtbar, denn die DM wurde nicht als Ankerwährung von vornherein festgelegt, sondern hat sich als solche herausgebildet. Nach den marktmäßigen Gesetzmäßigkeiten wird sich normalerweise die stärkste Währung innerhalb eines Verbundes als Leit- oder Ankerwährung herausbilden, dies geschah auch.

An und für sich ist die DM wohl die einzig richtige Ankerwährung für das EWS gewesen, allerdings spielt der Sonderfaktor „deutsche Wiedervereinigung“ hier eine große Rolle, denn durch diesen politischen Umstand entstandenen in Deutschland im Laufe der Zeit große geldpolitische Probleme. Diese erschwerten es der Bundesbank, eine Politik zu betreiben, die der Rolle eines Ankerwährungslandes auch im Interesse der anderen Mitgliedsländer gerecht werden konnte. Ein gutes Beispiel dafür liefert Stefan Collignon20, der sich ausgiebig mit dem diesbezüglich besonders problematischen anormal hohen Zinsniveau in Deutschland im Vorfeld der Krise 1992 befasst hat :

Nach der Wiedervereinigung entstand in Ostdeutschland aufgrund des starken wirtschaftlichen Rückstandes eine Investitionswelle, die zu einer außerordentlichen Ausweitung des Kreditvolumens führte. Diese Kredite wurden durch den Bund im Zuge des „Aufbau Ost“ zum großen Teil zu besonderen Vorzugsbedingungen gewährt, somit wurden diese Kredite ziemlich unempfindlich gegenüber normalen Zinserwägungen. Der in Deutschland entstehende, nachfrageinduzierte Boom steigerte nicht nur die Importe aus den europäischen Nachbarländern, sondern trieb auch die Löhne in West- und Ostdeutschland nach oben, wodurch die Inflation sich verstärkte. Die Folge hieraus war, dass die Geldmengenziele der Bundesbank außer Kontrolle gerieten, und die deutsche Inflationsrate zum Teil deutlich über die anderer EWS-Länder anstieg. Um dies zu verhindern, musste die Bundesbank nach traditioneller Logik einfach nur die Zinsen erhöhen. Da aber die starke Ausweitung der Geld- und Kreditmenge weitestgehend aufgrund der höheren Nachfrage in den neuen Bundesländern entstand, deren Wirtschaft aus oben genannten Gründen praktisch von Zinseffekten abgeschottet war, erwies sich die traditionelle Zinspolitik weit weniger wirkungsvoll als früher. Aufgrund der zinsunelastischen Kreditnachfrage in Ostdeutschland mussten daher die Zinsen in Westdeutschland auf ein weitaus höheres Niveau ansteigen, als unter „normalen“ Umständen. Damit ist die zu dieser zeit anormal große Zinsdifferenz zwischen Deutschland und den anderen EWS- Ländern zu erklären. Und dies ist nur ein Beispiel „anormaler“ Entwicklungen der volkswirtschaftlichen Parameter in Deutschland nach der Wiedervereinigung. Man könnte also vermuten, dass die großen Probleme der DM mit der Rolle der Ankerwährung im EWS ohne die deutsche Wiedervereinigung nicht in dem Maße aufgetreten wären, allerdings lässt sich diese These auch nicht mit letzter Sicherheit beweisen.

Neben der Diskussion um die Ankerwährung im EWS gibt es aber auch noch andere Lehren, die aus dem Scheitern des EWS gezogen werden können. Im Verlauf dieses Punktes sollen Lehren der Auswirkung von Spekulationen gegen das EWS gezogen und Möglichkeiten zur Eindämmung eben dieser beleuchtet werden. Das in Punkt 4.5.2. angesprochene dänische und französische Referendum über den Vertrag von Maastricht zeigt, dass die Bevölkerung einem europäischen Binnenmarkt eher skeptisch gegenüber stand. Das hatte zur Folge, dass auch der politische Rückhalt innerhalb der Mitgliedsstaaten für ein einheitliches Europa nicht ausreichte, um an der inneren Glaubwürdigkeit dieses Systems festzuhalten. Durch diesen Mangel ist es für die Zentralbanken sehr schwierig, über eine entsprechende Geldpolitik (s.u.) diese Fehlentwicklung wieder auszugleichen. Das führt dazu, dass spekulative Attacken gegen die Währungen entstehen. Diesen Spekulationen kann nur entgegengewirkt werden, wenn die attackierte Zentralbank in der Lage ist, den Märkten glaubhaft zu machen, dass sie an einer strikt stabilitätsorientierten Geldpolitik festhalten wird21. Die Stabilität eines Systems wie dem des EWS hängt also entscheidend von der Glaubwürdigkeit der Zentralbanken ab. Ist diese nicht gegeben, bietet sich eine enorm große Angriffsfläche für Spekulationen. Neben dieser fehlenden inneren Glaubwürdigkeit des EWS führt aber auch die totale Liberalisierung der Kapitalmärkte bzw. des Kapitalverkehrs zu Spekulationen. Seit dem 01.07.1990 gilt in der EU die vollständige Kapitalverkehrsfreiheit. Das bedeutet, dass der europäische Raum von jeglichen Beschränkungen zwischen den Mitgliedsstaaten und zwischen dem Gebiet der EU und Drittstaaten mit wenigen Ausnahmen freizuhalten ist.

Diese Liberalisierung führte aber dazu, dass die grenzüberschreitenden Finanztätigkeiten immer weiter zunahmen und gemeinsam mit der Kurzfristigkeit des Kapitals die Rendite erhöhten. So entstanden immer mehr Spekulationsmöglichkeiten auf kurzfristige Gewinne. Die risikobereiten Investoren fanden immer neue Alternativen, um ihr Kapital zu mehren. Als im Sommer 1992 das EWS zu bröckeln begann, wurden auch hier die Spekulationen verstärkt. Da es keinerlei Beschränkungen des Kapitalverkehrs mehr gab, konnte das Kapital aus allen Richtungen in das EWS einströmen und gegen dieses spekulieren. So gewann George Soros nach eigenen Angaben für seine Fonds innerhalb kürzester Zeit 1 Milliarde Dollar, als er gegen das britische Pfund spekulierte.

Diese immensen Gewinne infolge der kreditfinanzierten Spekulation hätten aber durch Kapitalverkehrsbeschränkungen eingedämmt werden können. Durch eine Tobinsteuer oder durch Kapitalverkehrskontrollen wäre eine Kontrolle über das Spekulationskapital eventuell möglich gewesen, und das EWS wäre nicht unbedingt durch spekulative Attacken weiter in die Krise geraten. Solche Spekulationswellen lassen sich natürlich nur bedingt unterbinden. Dazu müssen verstärkt Maßnahmen getroffen werden, um dies frühzeitig zu verhindern. Wenn erst einmal soviel spekulatives Kapital das System angegriffen hat, ist es schwierig, dieses System noch stabil zu halten. Da reichen die Interventionen, sei es nun obligatorisch oder intramarginal, nicht aus, um die Stabilität zu gewährleisten. Daher müssen anderen Mechanismen und Frühwarnindikatoren gefunden werden, um diese Instabilität zu verhindern. Gemeinsam mit einer ausreichenden Kontrolle des Kapitalverkehrs könnte so der Spekulation Einhalt geboten werden, zumindest solange, bis wir ein einheitliches Europa haben und es keine unterschiedlichen Kapitalmarktbedingungen mehr gibt, sondern einen einheitlichen Kapitalmarkt. Demnach stellt sich die Frage, ob eine Währungsunion ohne vollständige politische Anpassungen überhaupt sinnvoll ist.

Eines der größten Probleme im EWS waren die Unterschiede in den Zentralbankpolitiken, insbesondere der Deutschen Zentralbankpolitik im Vergleich zum Rest der Teilnehmer. Der Kurs der deutschen Zinspolitik wich im Zuge der Wiedervereinigung erheblich vom Kurs der europäischen Nachbarn ab, was wie im Vorfeld bereits gezeigt, einer der Hauptfaktoren für die faktische Auflösung des EWS gewesen ist. Fakt ist also, dass die Geldpolitik ein sehr wesentlicher Gesichtspunkt für den Bestand eines Wechselkurssystems ist. Die wahrscheinlich praktikabelste Lösung scheint hier, wie Anfang der siebziger Jahre bereits im Werner-Plan angeregt, eine einheitliche Geldpolitik oder im Endstadium eine gemeinsame Zentralbank einzuführen. Die Krise des Wechselkurssystems war nach Meinung vieler Experten lediglich die überfällige Anpassungsreaktion der Märkte an die veränderten ökonomischen Parameter.

Es stellt sich erneut die Frage, ob die Einführung einer gemeinsamen Währung, wie zum Beispiel die Europäische Währungseinheit (ECU), überhaupt die Fähigkeit besitzt die wirtschaftliche Konvergenz verschiedener Volkswirtschaften zu forcieren.

Unserer Meinung nach ist es nur dann möglich ein strukturell gefestigtes Festkurssystem aufzubauen, wenn:

- ein hohes Maß an ökonomischer Konvergenz
- eine einheitliche Geldpolitik
- und eine ausreichende Kontrolle über die Finanzmärkte in den teilnehmenden Volkswirtschaften besteht.

Der Versuch über eine gemeinsame Währung die Entwicklung der Ökonomien zu anzugleichen und einen Integrationsprozess in gang zu setzen scheint nicht zu funktionieren, wie die Probleme im EWS deutlich zeigen. Der Umkehrschluss wirft die Frage auf, ob die „Krönungstheorie“, die nach der erfolgten Konvergenzzunahme die Einführung einer gemeinsamen Währung vorsieht, den Problemen des EWS aus dem Weg gehen kann. Da dieses Konzept den Grundstein der EWWU bildet, sollen im nächsten Kapitel die Konstruktion und die Unterschiede zum EWS sowie der aktuelle Status der Währungsunion dezidiert betrachtet werden.

5. Weiterentwicklung des EWS - die EWWU

Dieser letzte Teil des Projektberichts behandelt die Auswirkungen des EWS auf die EWWU. Dazu wird zunächst die Umsetzung der Lehren aus dem EWS in der EWWU dargestellt. Im weiteren beinhaltet dieser Abschnitt aber auch die Unterschiede bzw. die Parallelen zwischen diesen beiden Systemen und gibt in 5.3. noch eine kurze Situationsbeschreibung der EWWU, wie sie sich seit dem 01.01.1999 entwickelt hat.

5.1. Umsetzung der Lehren aus dem EWS in der EWWU

Die vielleicht wichtigste Änderung bei der Schaffung der EWWU war wohl, dass hier im Rahmen der Maastricht-Kriterien bereits im Vorfeld der Einführung ein gewisses Maß an finanzwirtschaftlicher Konvergenz zwischen den Mitgliedsländern hergestellt wurde. Im EWS dagegen wurde der Währungsverbund ohne solche Vorbereitungsmaßnahmen eingeführt, in der Hoffnung die ökonomischen Parameter der Mitgliedsländer würden sich im Laufe der Zeit nach der Einführung von selbst ausreichend annähern, was sich im Nachhinein als Irrglaube erwies. Dies ist wohl uch ein Hauptgrund dafür, dass es in der EWWU insgesamt einen größeren politischen Rückhalt für die Währungsunion gibt, als dies, zumindest zeitweilig, im EWS der Fall war. Und dieser weniger starke politische Rückhalt war seinerzeit sicherlich auch ein Grund für die Krisenanfälligkeit des EWS. Auch wenn nach Meinung vieler Experten die Einführung des EURO, sprich die letzte Phase der Währungsunion, zum 1. Januar 1999 zu früh geschehen ist, sind doch im Vorfeld wichtige Konvergenzkriterien festgelegt worden, die von jedem Land erfüllt werden mussten, das Mitglied der EWWU werden wollte. Somit waren die Divergenzen speziell bezüglich Staatsschuldenquote und Neuverschuldung zwischen den Teilnehmerstaaten zum Start der EWWU geringer als zwischen denjenigen, die damals als Startteilnehmer des EWS feststanden.

Die beiden Hauptkonvergenzkriterien besagen, dass die jährliche Neuverschuldung eines Staates maximal 3 %, und die gesamte Schuldenlast maximal 60 % des BIP betragen dürfen. Außerdem gibt es noch das Inflations-, das Zins- und das Wechselkurskriterium, die an dieser Stelle aber nicht weiter behandelt werden. Sowohl der Starttermin für die Währungsunion als auch die Konvergenzkriterien wurden im Vorfeld der EWWU sehr kontrovers diskutiert. Vielfach wurde gefordert, den Starttermin zu verschieben und die Kriterien etwas flexibler zu handhaben. Auch an der ökonomischen Präzisierung der Grenzwerte wurde Kritik geübt, Zitat Roland Döhrn, Europaexperte des deutschen Wirtschaftsinstituts RWI in Essen : „Da hat in Maastricht irgend jemand in den Himmel geschaut, und dabei sind ihm die Zahlen 3 und 60 eingefallen.“ Letztlich aber wurde die EWWU planmäßig am 1. Januar 1999 ohne eine „Aufweichung“ der Konvergenzkriterien eingeführt. Eine wichtige und viel diskutierte Frage für ein erfolgreiches Fortbestehen der EWWU ist nun, inwieweit die Konvergenz in der Folgezeit nach dem Einführungstermin Bestand haben wird. Eine berechtigte Frage, denn der Sanktionskatalog für Länder, die in Zukunft die Kriterien verletzen könnten, enthält als höchstes Strafmaß Geldbußen in „angemessener Höhe“. Ob das ausreichen wird, um eine unbedingte Haushaltsdisziplin der einzelnen Teilnehmerländer zu gewährleisten, muss die Zukunft zeigen.

Das Problem der stark unterschiedlichen Geldpolitiken der einzelnen Länder, bzw. eine unzureichende Koordinierung der jeweiligen Zentralbanken wird es in der EWWU nicht mehr geben, denn mit der Einführung der europäischen Zentralbank ist nunmehr für eine einheitliche Geldpolitik gesorgt.

Aus den Problemen bezüglich der immer stärkeren Liberalisierung des Kapitalverkehrs, der den Spekulanten während der EWS-Krise Tür und Tor öffnete, sind soweit keine Lehren gezogen worden. Dem Grundgedanken des europäischen Binnenmarkts entsprechend, sind die Handelshemmnisse auf diesem Sektor noch weiter abgebaut worden. Allerdings besteht das Problem der Spekulation gegen bestimmte Währungen innerhalb der EWWU nicht mehr, da es nur noch eine Währung gibt. Interessant ist dieser Punkt eigentlich in diesem Zusammenhang nur noch für die Länder, die zwar der EU angehören, aber momentan freiwillig oder unfreiwillig nicht zur EWWU gehören. Diese Länder (Großbritannien, Finnland, Dänemark und Griechenland) sind noch im sogenannten EWS II verbunden, das den EURO als Ankerwährung hat, und eigentlich nur eine Übergangslösung darstellen soll, solange bis diese Länder auch der EWWU beitreten können bzw. wollen.

Offiziell wird es als Assoziationssystem zur Heranführung der sogenannten „Outs“ (EU-Staaten, die nicht von Anfang an der EWWU beigetreten sind) an die europäische Wirtschafts- und Währungsunion tituliert. Das System soll größere durch wirtschaftliche Grundlagen nicht gerechtfertigte Kursausschläge zwischen dem EURO und den noch selbständigen nationalen Währungen verhindern, und dafür sorgen, dass die „Nachzügler“ sich nicht durch übermäßige Abwertungen Exportvorteile zu Lasten der Euro-Länder verschaffen.

Einige der anderen in 4.7 aufgezeigten Lehren aus dem EWS lassen sich hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in der EWWU nicht näher beurteilen, da die beiden Währungsverbände auf unterschiedlichen Systemen basieren, was sie in einigen Punkten nur schwer vergleichbar macht.

5.2. Unterschiede / Parallelen EWS - EWWU

Betrachtet man die EWWU und das EWS genauer, so stellt man schnell fest, dass die Vergleichbarkeit der Systeme nur bedingt gegeben ist. War das EWS noch ein System semi-fester Wechselkurse ist die EWWU eine vollständige Währungsunion. In einem solchen System sind die Währungsparitäten exakt festgeschrieben und auch nicht nachträglich anpassbar. Ein weiterer augenscheinlicher Unterschied ist, dass die teilnehmenden europäischen Zentralbanken ihre geldpolitische Souveränität an die Europäische Zentralbank (EZB) übertragen haben, somit zinspolitische Alleingänge einzelner Nationen nicht mehr möglich sind. Die Zahl der an der EWWU beteiligten Nationen ist mit 11 Ländern deutlich geringer als beim EWS, welches noch aus 15 Teilnehmern bestand. Diese geringere Teilnehmerzahl resultiert zum einen daraus, dass nicht alle Kandidaten die Aufnahmenkriterien erfüllen konnten, und zum anderen einige Nationen wie England nicht teilnehmen wollten. Grundsätzlich different ist die Kontrolle der Teilnehmerländer innerhalb der EWWU zum EWS. Galt das Hauptaugenmerk im EWS den Wechselkursen und deren Stabilisierung, so werden in der EWWU die Fundamentaldaten der Volkswirtschaften hoheitlich kontrolliert und im Falle eines Verstoßes Strafen erlassen. Abschließend bleibt noch einmal festzuhalten, dass innerhalb der EWWU absolut keine Realignments möglich sind.

5.3. Situationsbeschreibung EWWU

Seit dem 1.1.1999 gilt innerhalb der EWWU der EURO als offizielles Zahlungsmittel, wobei die Einführung des Euro als Bargeld erst am 1.1.2002 vorgenommen werden soll. Bestand am Anfang des Jahres noch Skepsis bei vielen Marktteilnehmern bezüglich der Stabilität des Euros und der Politik der EZB, so hat sich der Außenwert des Euros inzwischen stabilisiert. Dies lässt sich zum einen auf die Politik der EZB, als auch auf zunehmendes Vertrauen der Weltmärkte in den Euro zurückführen. Ein Flow-Chart des Eurokursverlaufes soll dies nochmals verdeutlichen:

Abb. 6: Flow-Chart Euro/US-$

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

So schwankte der Euro seit dem 1.1. 1999 zwischen 1,0108 USD und 1,1865 USD in der Spitze. Der Kurs scheint sich jedoch zur Zeit bei etwa 1,06 USD zu festigen. Dies deutet darauf hin, dass sich die EWWU zur Zeit in einer recht stabilen Phase befindet.

Ein weiterer Stabilitätshinweis scheint zu sein, dass bis zum heutigen Zeitpunkt keine Verstöße gegen die Stabilitätskriterien publik geworden sind.

6. Fazit

Dieser Projektbericht hatte sich zur Aufgabe gemacht, das EWS tiefgreifend zu durchleuchten und im besonderen die Ursachen und Lehren der EWS-Krise von 1992/93 herauszuarbeiten. Dafür wurden die theoretischen Hintergründe zum Verständnis dieser Krise dargestellt und der Zusammenbruch des EWS analysiert.

Kurz resümierend können als Ursachen die Ratifizierungsprobleme des Maastrichter Vertrages, die unterschiedlichen volkswirtschaftlichen Entwicklungen, die spekulativen Attacken gegen das EWS und eine dezentrale Geldpolitik festgehalten werden.

Die Lehren der Krise setzen an den genannten potentiellen Krisenfaktoren an. Hierzu gehört zunächst, dass eine relativ starke Konvergenz zwischen den einzelnen Volkswirtschaften als Voraussetzung zu sehen ist, um ein einheitliches Währungssystem wie das der EWWU überhaupt durchsetzen zu können. Durch die Maastricht-Konvergenzkriterien ist hier ein hohes Maß an finanzwirtschaftlicher Konvergenz zwischen den Mitgliedsländern erreicht worden, ob sich allerdings auch eine wirkliche realwirtschaftliche Konvergenz einstellen wird, bleibt abzuwarten.

Des weiteren müssen solche spekulative Attacken gegen unter Umständen auch mit gesunden Fundamentaldaten ausgestattete Ökonomien verhindert werden, damit die Stabilität eines solchen Systems auch gewährleistet werden kann. Drittens ist eine zentrale Steuerung der Geldpolitik innerhalb der EU unabdingbar für die EWWU. Die Umsetzung der Lehren zeigt, dass durchaus eine Verbesserung der Voraussetzungen für ein solches System geschaffen wurde und dadurch das Krisenpotential deutlich geringer ist, als im EWS.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Europäische Währungssystem bis zu seiner Krise ein zwar oberflächlich funktionierendes System war, welches aber aufgrund der unzureichenden wirtschaftlichen Konvergenz und der fehlenden Vereinheitlichung der Geldpolitik sowie der zu gering fortgeschrittenen europäischen Integration zum Scheitern verurteilt war. Aus deshalb unausweichlichen Krise konnten jedoch die in dieser Arbeit herausgearbeiteten Lehren gezogen werden, damit das eigentliche Folgegebilde, die EWWU, nicht ein ähnliches Konfliktpotential von vornherein beinhaltet, wie das EWS.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung der Finanzmärkte

Abb. 2: Aufwertungen der D-Mark gegenüber anderen EWS-Währungen 1979-1983

Abb. 3: Ökonomische Divergenzen in der Anlaufphase des EWS

Abb. 4: Konvergenzentwicklung 1987-1993

Abb. 5: Kurzfristige Realzinsdifferenzen

Abb. 6: Flow-Chart Euro/US-$

Literaturverzeichnis

- Deutsche Bundesbank, „Das Europäische Währungssystem“, Monatsberichte, 31. Jahrgang (1979), Nr. 3, S. 15f

- Stefan Collignon, „Krise im EWS oder: wie gewinnt die EWU ihr Vertrauen zurück?“, in: Das Europäische Währungssystem im Übergang: Erfahrungen mit dem EWS und politische Optionen, Wiesbaden 1994

- Committee of Governors, „Ratsentschließung vom 05.Dezember 1978”, in: Hagen Lesch: Europa auf dem Weg zur Währungsunion: Ursachen und Lehren der EWS-Krise; Institut Finanzen und Steuern e.V., 1. Auflage, Bonn 1994

- Herbert Flassbeck, „Die Alternativen zu Maastricht: EWS, flexiblen Wechselkurse oder eine andere Währungsunion !“, in: „Das Europäische Währungssystem im Übergang: Erfahrungen mit dem EWS und politische Optionen, Wiesbaden 1994

- C. Johnson/S. Collignon, „The Monetary Economics of Europe: Causes of the EMS Crisis”, 1. Auflage, Rutherford usw. 1994

- Charles Kindleberger, „Manias, Panics and Crashes, A History of Financial Crisis“, 3. Auflage, New York (Wiley) 1996

- Hagen Lesch: „Europa auf dem Weg zur Währungsunion: Ursachen und Lehren der EWS-Krise“, Institut Finanzen und Steuern e.V., Bonn 1994

- Heinrich Mathes, „Sind die Turbulenzen im EWS beherrschbar ?“, in: Orientierung zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, Nr. 56, S. 26-27, 1993

- Hyman Minsky, “The Financial Instability Hypothesis Capitalist Processes and the Behaviour of the Economy”, in: C. Kindleberger, J.-P. Laffargue: Financial Crisis, Theory, history and policy, Cambridge-Paris 1982

- Maurice Obstfeld, “Rational and Self-Fulling Balance-of-Payments Crisis”, in: The American Economic Review, Vol. 76, No.1, S. 72-81

- W. Schäfer, “EWS oder flexible Wechselkurse ?“, in: Hagen Lesch: Europa auf dem Weg zur Währungsunion: Ursachen und Lehren der EWS-Krise; Institut Finanzen und Steuern e.V., 1. Auflage, Bonn 1994

- Horst Ungerer, “The EMS, 1979-1990, Policies - Evolution - Outlook”, in:Konjunkturpolitik, 36. Jahrgang, Nr. 6, S. 334

[...]


1 H. Flassbeck, Die Alternativen zu Maastricht : -EWS, flexible Wechselkurse oder eine andere Währungsunion

2 W. Schäfer, EWS oder flexible Wechselkurse ?

3 W. Schäfer, EWS oder flexible Wechselkurse ?

4 W. Schäfer, EWS oder flexible Wechselkurse ?

5 W. Schäfer, EWS oder flexible Wechselkurse ?

6 Vgl. Huffschmid-Thesenpapier 13.04.1999

7 Vgl. AV Godoy: Finanzkrisen vom 14.10.1998

8 Charles Kindleberger: Manias, Panics and Crashes, A History of Financial Crisis (1996)

9 Hyman Minsky: The Financial Instability Hypothesis Capitalist Processes and the Behaviour of the Economy, in: C. Kindleberger, J.-P. Laffargue: Financial Crisis, Theory, history and policy, Cambridge-Paris 1982

10 Vgl.: Huffschmid-Thesenpapier vom 13.04.1999

11 Vgl. die Ratsentschließung vom 5. Dezember 1978, in: Committee of Governors (1985), S.13 14

12 Vg. Ziffer 3.6 der Entschließung des Rates vom 5. Dezember 1978, in: Committee of Governors (1985), S. 15f

13 Vgl. Deutsche Bundesbank, Das Europäische Währungssystem, Monatsberichte, 31. Jahrgang(1979),Nr.3, S. 15f.

14 Vgl. Hagen Lesch: Europa auf dem Weg zur Währungsunion: Ursachen und Lehren der EWS-Krise, Bonn 1994, Institut Finanzen und Steuern e.V., S. 27

15 Vgl. Ungerer, Horst, The EMS, 1979-1990, Policies - Evolution - Outlook, Konjukturpolitik, 36. Jhrg.,Nr.6, S.334

16 Mathes, H.: 1993, Sind die Turbulenzen im EWS beherrschbar ? in: Orientierung zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, Nummer 56, Seite 26-27

17 Vgl. Hagen Lesch: Europa auf dem Weg zur Währungsunion: Ursachen und Lehren der EWS-Krise, Bonn 1994, Institut Finanzen und Steuern e.V.

18 Vgl. Hagen Lesch: Europa auf dem Weg zur Währungsunion: Ursachen und Lehren der EWS-Krise, Bonn 1994, Institut Finanzen und Steuern e.V.

19 Vgl. Hagen Lesch: Europa auf dem Weg zur Währungsunion: Ursachen und Lehren der EWS-Krise, Bonn 1994, Institut Finanzen und Steuern e.V.

20 Stefan Collignon, Krise im EWS oder: Wie gewinnt die EWU ihr Vertrauen zurück ?, in: Das europäische Währungssystem im Übergang: Erfahrungen mit dem EWS und politische Optionen, Wiesbaden 1994

21 Vgl. Maurice Obstfeld, Rational and Self-Fulling Balance-of-Payments Crisis, in: The American Economic Review, Vol. 76, No.1, S. 72-81

Details

Seiten
41
Jahr
1999
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97116
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Schlagworte
EWWU Lehren Krise

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Titel: Vom EWS zur EWWU - Lehren aus der Krise