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Ausgewählte Anwenungen der PEN - Theorie von Eysenck

Ausarbeitung 2000 9 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Kennzeichnung der PEN - Theorie
1.1. Psychotizismus
1.2. Introversion / Extraversion
1.3. Neurotizismus

2. Genetische Faktoren

3. Über die Persönlichkeit der Tiere

4. Interkulturelle Vergleiche

5. Längsschnittuntersuchungen

6. Würdigung und Kritik

7. Literatur

1. Allgemeine Kennzeichnung

Eysenck stellt die Faktorenanalyse - ähnlich wie Arbeitskreise um Guilford und Catell - als ein wichtiges Instrument zum Auffinden der Beschreibungsdimension für die Persönlichkeit dar. Zur Überprüfung der aufgefundenen Regeln stellte Eysenck zahlreiche experimentelle Versuchsanordnungen auf. Dabei verband er in einzigartiger Weise Erkenntnisse der Allgemeinen Psychologie mit denen der Differentiellen Psychologie. In seinen Forschungen suchte er nicht nur nach Beschreibungsdimensionen, sondern ebenso nach den Ursachen. Wesentlich für seine Theorie der Persönlichkeit ist die Unterscheidung in drei orthogonale, das heißt voneinander unabhängige, „Types“, dem Psychotizismus, Introversion / Extraversion und dem Neurotizismus, abgekürzt also PEN. Alle Arbeiten Eysencks dienen der näheren Abklärung dieser Dimensionen. Im Folgenden möchte ich sie kurz beschreiben.

1.1. Psychotizismus

Der Psychotizismus bildet eine gemeinsame Dimension zur Abbildung von Normalen und Psychotikern. Eysenck beschreibt als Eigenschaften für den Begriff des Psychotizismus:

aggressiv, kalt, egozentrisch, unpersönlich, impulsiv, antisozial, uneinfühlsam, kreativ und hartherzig.

Zur Psychotizismus - Dimension wurde keine spezielle Theorie von ihm formuliert. Bei den Untersuchungen zu den Ursachen, warum bestimmte P - Werte auftreten, stieß Eysenck auf eine scheinbare Beziehungen zu Antigen - Systemen, Enzymen und Neurotransmittern. Außerdem wurde bei seinen Forschungen festgestellt, daß eine wesentliche genetische Determination in der Beziehung zum männlichen Geschlecht und zu sozial abweichenden Verhalten festzustellen sei.

1.2. Introversion/Extraversion

Die Merkmale für Extraversion / Introversion sind leicht im sozialen Verhalten zu erkennen, und durch Fremde sowie durch sich selbst gut einschätzbar. Als Eigenschaften für den typisch Extravergierten hält Eysenck Folgendes fest:

- er ist gesellig, mag Veranstaltungen, hat viele Freunde, braucht Menschen, mit denen er sprechen kann, ist nur ungern allein
- sehnt sich nach Anregung, agiert oft spontan, wagt viel
- ist allgemein impulsiv
- liebt Veränderungen, hat immer eine schnelle Antwort
- ist sorglos, leichtmütig, optimistisch, lacht gern und ist gern fröhlich
- er neigt dazu, sich andauernd zu bewegen und Dinge zu tun und seine Geduld schnell zu verlieren
- seine Gefühle sind nicht unter enger Kontrolle, und er kann nicht immer als zuverlässige Person bezeichnet werden.

Über die Eigenschaften für den typisch Introvertierten sagt Eysenck aus:

- er ist eher ruhig und zurückhaltend, liebt Bücher mehr als Menschen, er ist reserviert und distanziert, außer bei sehr engen Freunden
- macht Pläne im voraus, ist behutsam und mißtraut den Impulsen des Moments
- mag keine Erregung, nimmt Dinge des Alltags mit gewisser Ernsthaftigkeit, schätzt den geordneten Lebensstil
- er hält seine Gefühle unter enger Kontrolle, verhält sich selten aggressiv und verliert seine Geduld nicht leicht
- er ist zuverlässig, eher pessimistisch und als typisch Introvertierter legt man großen Wert auf ethische Normen.

1.3. Neurotizismus

Die letzte zu beschreibende Dimension der Eysenckschen Persönlichkeitstheorie ist nicht leicht im sozialen Verhalten zu erkennen und schwerer einschätzbar. Als Eigenschaften für den Begriff des Neurotizismus beschreibt Eysenck:

- hohe N - Werte sind ein Zeichen von emotionaler Labilität und abnormer Reaktionsbereitschaft
- Personen reagieren emotional überempfindlich
- sie haben häufig Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen etc.
- berichten viel über Sorgen, Ängste und unangenehme Gefühle und
- sie sind zur Entwicklung neurotischer Krankheiten unter Streß disponiert.

2. Genetische Faktoren

Als erstes Anwendungsgebiet der PEN - Theorie möchte ich nun näher auf den Einfluß der genetischen Faktoren eingehen. Als Teile der physischen Konstitution stellt sich Eysenck die Frage nach dem Einfluß genetischer Faktoren auf die Dimension P, E und N.

Dabei legt er besonderes Augenmerk auf die Zwillingsforschung, und dort speziell auf die Beobachtung von getrennt aufgewachsenen Einzelligen (EZ) und Zweizelligen Zwillingspaaren (ZZ).

Als überzeugende Untersuchung führt Eysenck die von Newman, Freeman & Holzinger. In dieser Studie wurde festgestellt, daß ein starkes Indiz für die Bedeutung der Erbanlagen der Trend im Neurotizismus - Fragebogen ist, daß EZ in bezug auf die Gemeinsamkeit den ZZ weit überlegen waren, und EZ, die getrennt erzogen wurden, zeigten noch mehr Ähnlichkeit als gemeinsam aufwachsende. Weitere angeführte Studien von Shields (1962), Lykken (1982) und Loehlin & Nichols (1976) bestätigen Ergebnis. Buss & Plomin (1975) stellten bei einer Längsschnittuntersuchung und Abhandlung über „Temperamenstheorie der Persönlichkeitsentwicklung“ fest, daß selbst bei Neugeborenen es möglich ist, Voraussagen über spätere Persönlichkeitszüge anzustellen.

Als weitere Beiträge, die den Einfluß genetischer Faktoren bestätigen sollen, nennt Eysenck außerdem Fulker (1981), Floderus - Myrhed, Pedersen & Rasmusson (1980).

Festzustellen ist letztendlich, daß für alle Eigenschaften bzw. Dimensionen der Persönlichkeit sich ein erheblicher Grad an genetischer Determination herausgestellt hat. Und Eysenck behauptet, daß genetische Faktoren für mindestens die Hälfte der phänotypischen Varianz verantwortlich seien.

Aber auch die Umweltvariabeln spielten bei der Entwicklung der Persönlichkeit eine große Rolle.

Abschließend formuliert Eysenck, daß P, E und N Grundvariablen sind, und demgemäß gibt es Unterschiede in der Position einzelner Individuen auf diesen Dimensionen die großenteils auf genetische Ursachen zurückgehen.

3. Über die Persönlichkeit der Tiere

Hierbei beschäftigt sich Eysenck mit der Frage, ob, wenn sich P, E und N auf biologisch begründete konstitutionelle Faktoren zurückführen lassen, sie auch im Verhalten der Tiere, insbesondere der Säuger, anzutreffen sind. Denn die drei Hauptdimensionen haben sich in Abhängigkeit auf niederer Entwicklungstufe stehender Tiere entwickelt, und entsprechen somit den logischen Handlungsalternativen der Lebewesen:

a) ein Lebewesen zeigt einem anderen gegenüber Mißtrauen, Feindschaft und Aggression (P)
b) ein Lebewesen reagiert auf ein anderes mit Schreck, Angst und Rückzug (N)
c) ein Lebewesen tritt einem andern lustbetont und friedfertig gegenüber (E).

Bei einer Untersuchung von Chamove, Eysenck & Harlow (1972) beschäftigte man sich mit Rhesusaffen. 168 Rhesusaffen, die bei der Geburt von ihren Müttern getrennt worden waren und in individuellen Maschenkäfigen aufwuchsen, wurden im Alter von 15 bis 19 Tagen verschiedenen sozialen Erfahrungen ausgesetzt, ihr gezeigtes Verhalten wurde beobachtet. Dabei stellte man drei Hauptfaktoren, aus denen das gezeigte Verhalten bestand, fest: anschlußbedürftig, feindselig und furchtsam.

Weitere umfangreiche Arbeiten mit Ratten und Schimpansen bei denen Beobachtungen von Kotausscheiden, umherwandern etc. als Verhaltensindizien dienten, folgten.

Allerdings konnten in den Forschungen keine analogen Aussagen über Psychotizismus getroffen werden, und bisher gibt es nur recht lückenhafte Indizien für Ähnlichkeiten zu menschlichen Prsönlichkeitsmustern. Aber Eysenck vermutet eher eine affirmative als negative Tendenz.

4. Interkulturelle Vergleiche

Bei der Beschäftigung mit der Frage nach der Universalität der drei Superfaktoren stößt Eysenck auf die Möglichkeit der interkulturellen Vergleiche. Denn P, E und N - dürfen nicht auf eine Kultur beschränkt sein, sondern sie müssen in den unterschiedlichsten Kulturräumen auftreten.

Dabei treten drei große Problem auf:

a) Das deskriptive oder strukturelle Problem: Reichen ein und dieselben Dimensionen aus, um bestimmte Persönlichkeitsaspekte in zwei zum Vergleich anstehenden Kulturen angemessen zu beschreiben?
b) Das Problem der vergleichbaren Messung: Selbst wenn Faktoren identisch sind, können sie in den Kulturen unterschiedlich gewichtet sein, deswegen hält Eysenck die Konstruktion von Bewertungschlüsseln notwendig.
c) Der Vergleich zwischen zwei Kulturen: Wenn verschiedene Gewichtsmatrixen notwendig sind, lassen sich die Meßwerte strenggenommen nicht vergleichen.

Die Unterschiede in Kulturen liegen auch in den verschiedenen Umwelteinflüssen, z. B. Klima oder Beschaffenheit des Landes, zufällige historische Entwicklung sowie genetische Unterschiede zwischen Völkern und Populationen.

Dennoch stellt Eysenck in seinen Forschungen zusammengefaßt fest, daß unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen in den einzelnen Ländern bzw. Kulturren zu einem gewissen Teil genetisch bedingt sind.

5. Längsschnittuntersuchungen

Dabei ist die entscheidende Frage, ob P, E und N über Jahre hinweg stabil sind und ob zukünftige Positionen auf den Dimensionen aufgrund früherer Messungen prognostizierbar sind. Hier interessiert das Ausmaß, in dem die in verschiedenem Alter erfaßten Verhaltensmerkmale als wesentlich betrachtet werden können sowie das Ausmaß, in dem die Individuen ihren relativen Status hinsichtlich der in Frage stehenden Variablen über Jahre hinweg aufrechterhalten.

Bei der Untersuchung der Beständigkeit bzw. des Wandels werden Variablen eingesetzt, die von Altersstufe zu Altersstufe eine hohen Grad an Kontinuität aufweisen. Smith (1974) weitete eine Persönlichkeitstest von Eysenck aus, so daß er auf 5-6 Jährige anwendbar wurde, und die Auswertung zeigte, daß „Neurotizismus“, „Extraversion - Introversion“ und das Schwindeln beim Beantworten der Fragen als Gruppen zusammengefaßt werden konnten. Auch die Arbeit von Hindley und Giuganino (1982) erklärt, daß einmal identifizierte Faktoren (N, E-I) in späteren Jahren unverändert blieben. Eine Artikelserie von Costa & McCrae bestätigen solche Art von Aussagen.

Eine Ausnahme stellt der Prozeß der Neurosenheilung dar, denn dabei wurde eine Abnahme der N - Werte mit gleichzeitiger Zunahme der E - Werte festgestellt. Zusammenfassend ist eine Voraussage des erwachsenen Temperaments in der Kindheit hinsichtlich der „Neurotizismus - Stabilität“ recht erfolgreich, weniger erfolgreich im Hinblick auf die „Extraversion - Introversion“ und im Hinblick auf „Psychotizismus“. Allerdings lassen sich die Persönlichkeitsdimensionen N und E schon bei Kindern ab dem Alter von 7 bis 8 Jahren messen.

6. Würdigung und Kritik

Die PEN - Theorie Eysencks stellt eine Bereicherung der Persönlichkeitsforschung durch seine theoretischen Vorstellungen und experimentellen Untersuchungen dar.

Außerdem ist die Theorie mit vielen Studien über Jahre hinweg belegt worden und ist wohl eine der am besten fundiertesten Studien der Persönlichkeitspsychologie. In Amelang und Bartussek: „Differentielle Psychologie und

Persönlichkeitsforschung“ wird kritisiert, daß Eysenck zu viele Einzelstudien gemacht hat, die nebeneinander stehen, aber schwer zu verbinden sind. Außerdem behandle Eysenck komplexe Probleme, die in Fragebögen und in Aufgaben nur schwer zu differenzieren sind

Außerdem wird angemerkt, daß viele Untersuchungsbefunde aus singulären Studien stammen und ohne Replikationen als unumstößliches Faktum gelten.

7. Literatur

Eysenck, H. J. & Eysenck, M. W.: Persönlichkeit und Individualität. Ein naturwissenschaftliches Paradigem. München. 1987. S. 91 - 122.

Amelang, M. & Bartussek, D.: Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung (4. überarb. u. erw. Aufl.). Stuttgart. 1997. S. 324 - 359.

Details

Seiten
9
Jahr
2000
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97164
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
Schlagworte
PEN Eysenck Persönlichkeitspsychologie

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