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Die Gestaltung von Demokratiebildung für Erwachsene. Der Einfluss von politischem Engagement

Hausarbeit 2020 16 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klärung relevanter Begrifflichkeiten
2.1 Zum Begriff der Demokratie
2.2 Zum Begriff der Erwachsenenbildung

3. Ausgestaltung demokratischer Bildung für Erwachsene
3.1 Grundsätze und Ziele demokratischer Bildung
3.2 Grundprinzipien der Erwachsenenbildung
3.3 Demokratische Bildung für Erwachsene

4. Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Laut Werner Patzelt engagieren sich nur sieben Prozent der Bevölkerung in Deutschland politisch. Er stellt zudem fest, dass die politische Teilhabe der Mitte teilweise sehr defizitär ist und so die extremen linken sowie rechten politischen Positionen mit ihren kurzfristigen Protesten mehr Macht bekommen. Dies ist hinderlich für das Fortbestehen demokratischer Institutionen, die auf langfristiges Engagement angewiesen sind. Dies gibt bereits einen Hinweis auf ein Ziel, das mit demokratischer Bildung erreicht werden kann und unterstreicht die Wichtigkeit politischer Bildung für die Demokratie (vgl. Patzelt 2002, S. 34-36).

Wenn nur die politisch aktiven Eliten wählen und somit die für sie günstigere politische Alternative gewinnt, reproduziert sich das System ständig und es wird nicht die Meinungen der gesamten Bevölkerung vertreten. Dies führt dann zum Zerfall der bürgerzentrierten Demokratie eines Staates (vgl. Greven 2005, S. 18). Politische Bildung ist hierbei relevant, denn sie kann die Bereitschaft zur demokratischen Partizipation stärken (vgl. Juchler 2005, S. 108).

Immer wieder wird betont, wie wichtig die Demokratie nicht nur als Staats- sondern auch Lebensform ist. Demokratisches Lernen sollte schon im frühen Alter beginnen (vgl. Schiele 2002, S. 8-9). Für die Überzeugung, dass jeder einzelne wichtig ist in einer Demokratie, ist es relevant schon von klein auf den Kindern eine demokratische Lebensweise vorzuleben (vgl. Beutel, Fauser 2007, S. 7). Es kann konstatiert werden, dass die Literatur zur politischen Bildung meistens den Bereich der politischen Bildung in der Schule umfasst. Wolfgang Edelstein spricht allerdings auch von einem geringen politischen Interesse junger Erwachsener (vgl. Edelstein 2005, S. 210). Dadurch wird deutlich, dass die politische Bildung für Erwachsene ebenso wichtig ist wie für Schüler. Da Erwachsene aber bereits mündige Personen sind, die aufgrund ihres Alters eine gewisse Sozialisation erfahren und Reife haben, muss bei der Ausgestaltung ihrer Bildung auf mehrere Aspekte geachtet werden. Diese Hausarbeit geht deshalb folgender Fragestellung nach: Wie sollte Demokratiebildung für Erwachsene gestaltet werden?

Hierzu werden zunächst die relevanten Begrifflichkeiten der Demokratie und der Erwachsenenbildung geklärt. Um der Leitfrage weiter nachzugehen, geht es zuerst um Grundvorstellungen und Ziele der demokratischen Bildung im Allgemeinen. Dann werden wichtige Grundprinzipien dargestellt, auf die bei der Erwachsenenbildung geachtet werden sollte. Daraufhin wird die Ausgestaltung einer demokratischen Bildung für Erwachsene, auf Basis der vorherigen Kapitel, herausgearbeitet. Die Hausarbeit wird mit einem Ausblick abgeschlossen. Forschungstechnisch wird hermeneutisch vorgegangen.

2. Klärung relevanter Begrifflichkeiten

Um Missverständnisse zu vermeiden sollen nun die für diese Hausarbeit relevanten Begrifflichkeiten der Demokratie und der Erwachsenenbildung geklärt werden.

2.1 Zum Begriff der Demokratie

Wird der Begriff der Demokratie wörtlich übersetzt, so bedeutet er „Volksherrschaft“. Dies ist laut Manfred Hättich aber nicht sinnvoll, da das Volk seiner Meinung nach nicht über sich selbst herrschen kann. Auch wenn das Mehrheitsprinzip bei Entscheidungen angewandt wird, stellt jeder politische Beschluss die Macht der Mehrheit gegenüber einer Minderheit dar (vgl. Hättich 1982, S. 195).

Für diese Hausarbeit wird der Demokratiebegriff nach einer Definition von Edmund Stoiber definiert, der Demokratie auf folgende Weise versteht „Politik im Dienst der Menschen bemüht sich, dadurch zu Lösungen zu finden, daß sie dem Willen und dem wirklichen Streben der Bürger entspricht und für diese unterschiedlichen Strebungen, Ansprüche und Bedürfnisse eine ‚gemeinschaftsverträgliche‘ Form zu schaffen versucht“ (Stoiber 1982, S. 102).

Um genauer über demokratische Bildung zu berichten, ist es zunächst sinnvoll noch ein paar weitere Informationen über das Wesen der Demokratie anzuführen. Hierzu nennt Bernhard Sutor einige Stichpunkte, die laut ihm den Kern der Demokratie ausmachen. Zunächst gilt in einer Demokratie grundsätzlich die politische Gleichheit aller, die an der Politik beteiligt sind. Da eine Volkssouveränität besteht, werden zum Beispiel politische Organe aus dem Volkswillen, in Form von Wahlen, legitimiert (vgl. Sutor 2002, S. 43-44).

Die Begriffe „demokratische Bildung“, „Demokratiebildung“, „Demokratielernen“ sowie „politische Bildung“ werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

2.2 Zum Begriff der Erwachsenenbildung

Der Begriff der Erwachsenenbildung wird hier folgendermaßen definiert:

„Erwachsenenbildung als Prozess bezieht sich auf institutionalisierte und nicht-institutionalisierte Wege der Erweiterung oder Erhaltung von Wissen und Kompetenzen, der Verbesserung der Lebensführung und der Entwicklung der Persönlichkeit während des gesamten Lebenslaufs des erwachsenen Menschen. Strukturell ist die Erwachsenenbildung mit vielfältigen Gebieten verbunden: mit Politik, Beruf, Kultur, Kunst, Religion. In der politischen, beruflichen, kulturellen, künstlerischen, religiösen Erwachsenenbildung werden Aufgaben sichtbar, deren Bewältigung sowohl für die Gesellschaft als auch für das Individuum von elementarer Bedeutung sind“ (Körrenz, Meilhammer, Schneider 2007, S. XV).

Es geht hier also um das ganze Leben eines Erwachsenen, das mit Hilfe der Erwachsenenbildung auf verschiedenen Gebieten weiterentwickelt werden kann.

3. Ausgestaltung demokratischer Bildung für Erwachsene

Im Hauptteil dieser Hausarbeit soll nun herausgearbeitet werden, wie gute demokratische Bildung für Erwachsene gestaltet werden sollte. Hierfür werden zunächst Ziele und Grundsätze demokratischer Bildung beschrieben. Da es jedoch aus Gründen des Umfangs dieser Arbeit nicht möglich ist sämtliche Ziele und Grundsätze zu nennen, wird sich hier auf einige wichtige beschränkt. Daraufhin werden ausgewählte Grundprinzipien vorgestellt, die allgemein für die Erwachsenenbildung beachtet werden sollten. Darauf aufbauend werden Kriterien guter demokratischer Erwachsenenbildung herausgearbeitet.

3.1 Grundsätze und Ziele demokratischer Bildung

Zunächst sollen hier einige relevante Grundsätze demokratischer Bildung genannt werden und dann eine kleine Auswahl der Ziele gegeben werden. Zudem soll hier auf wichtige Inhalte des Demokratielernens eingegangen werden.

Wird der Suche nach den Grundsätzen demokratischer Bildung nachgegangen, so kann zuerst auch die Frage gestellt werden, was denn eine Demokratie zusammenhält. Gerhard Himmelmann formulierte diese Fragestellung folgendermaßen: „What are the ties that hold democracies together?“ (Himmelmann 2005, S. 197). Grundlagen einer Demokratie sind ihre Werte, die von allen ihren Mitgliedern getragen werden sollten. Zu nennen sind dazu beispielsweise die Menschenwürde, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität, Frieden und Freiheit. Diese Grundsätze sollten auch beim Demokratielernen als Norm gelten (vgl. Haarmann, Kenner, Lange 2020, S. 1, vgl. Scherb 2005, S. 282). Auch wenn die Freiheit gewahrt werden sollte, kann eine Demokratie nur dauerhaft stabil bleiben, wenn es eine starke politische Mitte gibt und die rechts- sowie linksradikalen Bewegungen sich in begrenztem Maß halten (vgl. Patzelt 2005, S. 35). Das sollte im Demokratieunterricht bewusst gemacht werden.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz ist das Erreichen aller Bürger mit demokratischer Bildung. Demokratie funktioniert nur gut, wenn politische Gleichberechtigung unter den Menschen herrscht. Darum darf niemandem der Zugang zu politischer Bildung verwehrt werden. Ebenso wichtig ist die Einstellung der Fähigkeit zum Lernen aller (vgl. Juchler 2005, S. 102, S. 106).

Ein relevanter inhaltlicher Punkt ist der dringende Ratschlag, dass die Lernenden sich nicht über jedes beliebige Medium über politische Ereignisse informieren sollten. Es soll ihnen beigebracht werden, wie sie verantwortungsvoll und rational damit umgehen können. Das ist besonders wichtig, da politische Informationsquellen die Wahlentscheidung des Individuums, wenn auch unterbewusst, entscheidend prägen können. Auch für diese impliziten Beeinflussungen sollen die Lernenden sensibilisiert werden, da die Wahl laut Werner Patzelt die häufigste Partizipationsart der Bürger an der Politik ist. Deshalb sollte weise damit umgegangen werden (vgl. Patzelt 2005, S. 33).

Als Lernmethode hat sich laut Gerd Meyer besonders das Arbeiten in Gruppen bewährt. Dadurch kann gelernt werden, wie Ziele und Wünsche gegenüber anderen Menschen erläutert und vertreten werden können. Dabei kann den Teilnehmern klar werden, welche verschiedenen Positionen sie in der Gruppe einnehmen können und sie können den Umgang mit Konflikten trainieren. Als konkrete Gestaltungsform ist laut Meyer das Rollenspiel erfolgreich (vgl. Meyer 2005, S. 61-62).

Ein nächstes Grundprinzip ist die Struktur der Institutionen, in denen politische Bildung stattfindet. Diese sollte es den Lernenden ermöglichen, zum Beispiel bei Entscheidungen der Schule mitbestimmen zu können und somit ihr Verständnis von der aktiven Teilnahme an einer Demokratie zu festigen. Das trägt auch zur Authentizität des demokratischen Unterrichts bei. Ebenso ist es relevant, auch beim Unterrichten demokratische Werte wie Toleranz, Fairness und Gerechtigkeit vorzuleben (vgl. Edelstein 2005, S. 211, vgl. Schiele 2002, S. 10).

Dirk Lange stellt dar, dass beim Demokratielernen auch die eigene Leistung des Individuums wichtig ist. Lernangebote sollten deshalb eine individuelle Lernleistung ermöglichen. Politisches Lernen ist ein Vorgang, bei dem die Lernenden sich selbst über den Lerngegenstand Gedanken machen sollen und nicht einfach nur das Gehörte unreflektiert aufnehmen sollen. Unterrichtsgegenstände können so beispielsweise durch das kreative, individuelle Anwenden von Problemlösestrategien erfasst werden. So können Lernende zum Beispiel ihre eigene angewandte Strategie als für die Demokratie relevant erleben (vgl. Lange 2005, S. 264, vgl. Scherb 2005, S. 283).

Siegfried Schiele nennt vier Grundkompetenzbereiche, auf die im Politikunterricht Rücksicht genommen werden sollte: „Die Kategorien von Konflikt, Macht, Interesse, Mitbestimmung müssen vertraut sein, wenn demokratisch gehandelt werden soll“ (Schiele 2002, S. 11).

Ein weiteres Grundprinzip ist die Wissenschaftlichkeit politischer Bildung. Diese sollte gegeben sein, um nach ihren Kriterien die Inhalte demokratischer Bildungsarbeit zu bestimmen. Zudem gilt es, im Unterricht Inhalte zu behandeln, die für die Teilnehmenden persönlich relevant sind. In der Regel behalten sie nur die für sie wichtigen Themen im Gedächtnis (vgl. Reeder 1982, S. 43-45).

Peter Massing betont die Wichtigkeit der Sach- und Methodenkompetenz im Politikunterricht und beschreibt, dass ein systematischer, analysierender Umgang mit Politik sehr relevant ist. Er fasst darüber hinaus zusammen worum es bei der demokratischen Bildung im Kern geht. Sie muss es laut ihm ermöglichen, die Demokratie in ihrer Entstehungsgeschichte und ihren Herausforderungen zu verstehen, sie sollte die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten durchschauen und zur Teilnahme ermutigen (vgl. Massing 2002, S. 183-184). Auch Juchler beschreibt, dass die Grundlage des demokratischen Unterrichts elementare politische Kenntnisse sein sollten (vgl. Juchler 2005, S. 108). Um später einmal an politischen Prozessen lösungsorientiert teilnehmen zu können, ist es wichtig die Funktionsweise der Demokratie auch zu verstehen (vgl. Patzelt 2005, S. 29-30).

Daraus kann konstatiert werden, dass die Teilhabe am politischen Geschehen auch oft ein Ziel demokratischer Bildung ist. Eine Auswahl möglicher Zielsetzungen soll im Folgenden dargestellt werden.

Ein häufig genanntes Ziel politischer Bildung ist ein reflektierter, zum Urteilen fähiger und handlungsbereiter Bürger, der sich an den Menschenrechten orientiert (vgl. Haarmann, Kenner, Lange 2020, S. 1). Auch Juchler betont die Fähigkeit zur Urteilsbildung als Ziel demokratischer Bildung (vgl. Juchler 2005, S. 77). Konkreter sollte diese kognitive Urteilsbildung auf soziale und politische Sachverhalte ausgerichtet sein. Der Mensch soll erkennen können, welche Handlungsdimensionen er im politischen Raum hat (vgl. Grosser, Hättich, Oberreuter, Sutor 1990, S. 77). Handlungsfähigkeit setzt aber ebenfalls voraus, dass die Fähigkeit zum rationalen Urteilen besteht (vgl. Reeder 1982, S. 43).

Werner Patzelt sieht eine weitere Aufgabe demokratischen Lernens darin, den Lernenden eine erste Annäherung zur Übernahme politischer Ämter nahezubringen, da nur so deren Besetzung auf Dauer gewährleistet werden kann (vgl. Patzelt 2005, S. 35).

Ein übergeordnetes Ziel, das durch politische Bildung erreicht werden kann, ist das Finden der eigenen Bürgerrolle. Dies können im Laufe des Lebens auch mehrere sein (vgl. Massing 2002, S. 183).

3.2 Grundprinzipien der Erwachsenenbildung

Nun werden einige Grundlagen vorgestellt, die bei der Bildung von Erwachsenen beachtet werden sollten. Besonders sollen die Prinzipien der Pluralität und Teilnehmerorientierung fokussiert werden, da sie direkte Auswirkungen auf die Gestaltung des erwachsenenbildnerischen Unterrichts haben. Pluralität beschreibt die Vielfalt der Träger und Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Auch die Strukturen und Organisationen dieser Bildung sind hier plural. Somit sind auch verschiedenste Weltanschauungen, didaktischen Konzepte und Meinungen vertreten (vgl. Knoll 1999, S. 131, vgl. Schrader 2010a, S. 239).

Ein weiteres wichtiges Prinzip in der Erwachsenenbildung ist die Teilnehmerorientierung. Diese impliziert eine Orientierung an den Zielgruppen bei der Planung von Bildungsangeboten und eine Ausrichtung auf die Lebenswelt der Teilnehmenden bei der Durchführung. Auch die Vorerfahrung der Lernenden muss bei der Bildung Erwachsener berücksichtigt werden. Lernangebote sollen für und mit den Teilnehmenden gestaltet werden, um ein bestmögliches Angebot für alle Interessen zu schaffen. Dabei sollte den Erwartungen und Lernarten der jeweiligen Erwachsenen laut Josef Schrader mehr Beachtung geschenkt werden, als den zu behandelnden Sachthemen (vgl. Schrader 2010b, S. 284). Auch Jürgen Wittpoth betont die Relevanz der Orientierung an den Interessen der Teilnehmenden. Des Weiteren spricht er von einer Lebensweltorientierung, mit der in den Kursen versucht wird, an die Lebenspraxis der Erwachsenen anzuknüpfen. Ziel dieser teilnehmerorientierten Kursplanung ist es, dass aus vielen potenziellen Kursteilnehmenden tatsächlich Teilnehmende werden. Hierbei ist die inhaltliche sowie didaktische Ausrichtung an den Erwachsenen wichtig. Voraussetzung hierfür ist ein ausreichendes Wissen über die Zielgruppe, die mit dem jeweiligen Kurs erreicht werden soll (vgl. Wittpoth 2006, S. 53-54). Die Weitergabe von Wissen in der Erwachsenenbildung sollte laut Jürgen Wittpoth in einer Aneignungsperspektive geschehen. Das bedeutet, dass die Teilnehmenden selbst wählen können, was sie für sich aus der Lernveranstaltung mitnehmen und behalten und nicht die Lehrpersonen diese Entscheidung fällen. Wie der Lernstoff also angeeignet und verarbeitet wird, soll vom Erwachsenen selbst bestimmt werden (vgl. Wittpoth 2006, S. 60).

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Details

Seiten
16
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346324122
ISBN (Buch)
9783346324139
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v974762
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Schlagworte
Erwachsenenbildung Politik Demokratie

Autor

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