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Ritualisierung bei Mary Douglas

Hausarbeit 2002 14 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einleitung in den Ritualbegriff

2. Hauptteil
2.1. Die Ritualtheorie von Mary Douglas
2.2. Das Symbolverständnis bei Mary Douglas
2.3. Reinheitsvorschriften
2.4. Antiritualismus

3. Schlussteil
3.1. Fazit

Anhang: Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Einführung in den Ritualbegriff

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich damit beschäftigen, welchen Beitrag die Sozialanthropologin Mary Douglas zu den Ritualtheorien geleistet hat. Ich werde im Hauptteil der Frage nachgehen, wie sie den Ritualbegriff in ihrer Theorie ansetzt und zentrale Begriffe zu klären versuchen. Darüber hinaus möchte ich meinen Schwerpunkt vor allem auf ihr Verständnis von bzw. zu Symbolen, ihre Interpretation der Reinheitsvorschriften sowie ihre geschilderte Sicht auf den Antiritualismus und seine Auswirkungen setzen. Abschließend werde versuchen, den Beitrag der Autorin durch andere Autoren aus der Ritualtheorie zu ergänzen.

Einleitend möchte ich kurz in die allgemeine Ritualtheorie und ihre Entwicklung einführen und den Ritualbegriff definieren.

Der Begriff des Rituals ist definiert als ein „Brauchtum“, das heißt als eine „expressiv betonte Handlung mit großer Regelmäßigkeit des Auftretens in gleicher Situation und in immer gleichem Ablauf. Rituale sind zumeist traditional „festgefahren“ und beim Auftreten oder bei einer Annäherung entsprechender Situationen tendieren die Verhaltenspartner spontan bzw. ohne besondere Entscheidung und ohne Nachdenken über Funktion und damit „Sinn“ ihres Tuns zum Ritual.“[1]

Eine andere Definition beschreibt Rituale wie folgt: „Religiöse Handlungen, die zu bestimmten Gelegenheiten in gleicher Weise vollzogen werden, die in ihrem Ablauf durch Tradition und Vorschrift festgelegt sind. Verwendet werden dazu körperliche Ausdrucksformen wie Gesten und Tanz, Worte, Musik, Gesang, sowie eigens für den Anlass angefertigte oder bereitgestellte Gegenstände.“[2]

In einer weiteren Definition nach Jan Platvoet heißt es: „Ein Ritual ist eine Reihenfolge stilisierten sozialen Verhaltens, das von normaler Interaktion durch seine besonderen Fähigkeiten unterschieden werden kann, die es ermöglichen, die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer auf sich zu ziehen. ...“[3]

Der Begriff „Ritual“ bedeutet ursprünglich „Gottesdienst“, wird aber seit der Jahrhundertwende allgemein auf symbolische Handlungen angewendet. Wenn man die heutigen Ritualtheorien mit den Anfängen der Ritualforschung vergleicht, sieht man, wie wenig die jetzigen Theorien über das Ritual noch ausdrücklich mit der Religion zu tun haben. Eine genaue Definition erweist sich darüber hinaus als problematisch, da verschiedene wissenschaftliche Disziplinen wie die Ethnologie, die Anthropologie, die Psychologie und die Soziologie aus verschiedenen Blickwinkeln menschliches Verhalten als „rituell“ beschrieben haben und es zu keiner einheitlichen interdisziplinären Definition gekommen ist. Dabei besteht die Gefahr, dass nichts als zu belanglos gesehen wird, um es nicht doch noch als Ritual zu begreifen . Oft wird vergessen, dass nicht jede Gewohnheit ein Ritual ist; Sitte und Brauch zum Beispiel fehlt der formelle Beschluss.

Aus den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem Bereich der Kulturwissenschaften hat sich vor einiger Zeit der eigenständige Bereich der „ritual studies“ herausgebildet. Auslöser war die Feststellung, dass Rituale nicht nur im religiösen Bereich vorhanden waren, sondern auch in gesellschaftlichen, sportlichen oder kulturellen Kontexten. In diesem Forschungszweig wurden dann allgemein relevante Ritualtheorien entwickelt; einige von ihnen sind in dem Handbuch von Belliger/Krieger[4] veröffentlicht. Seit den 70-er Jahren trat die gemeinschaftsstiftende und identitätsbildende Funktion des Rituals immer mehr in den Vordergrund.

Es gibt Autoren wie Emile Durkheim, die der Überzeugung sind, dass Menschen eine „natürliche Tendenz“ haben, ihre Handlungen aufeinander abzustimmen und zu koordinieren, da das gemeinsame Handeln eine Gefühl der „Teilnahme an etwas Überindividuellen“ hervorruft. Das Ritual ist demnach auch ein Mittel zur Gemeinschaftsbildung. Heutzutage wird das Ritual als ein eigenständiges Phänomen betrachtet, das eine eigene theoretische Klärung und eigene methodologische Zugänge benötigt. Das Ritual ist kein bestimmter Handlungstypus, sondern Ritualisierung ist eine Ebene des kommunikativen Handelns. Deshalb wäre es vielleicht verständlicher, nicht von Ritualen, sondern von „Ritualisierungen“ oder „ritualisiertem Handeln“ zu sprechen.

2. Hauptteil

2.1. Die Ritualtheorie von Mary Douglas

Die grundlegenden Arbeiten von Mary Douglas gehören zu den „Klassikern“ der Ritualforschung und gehen in die symboltheoretische Richtung der Ritualtheorie.

Dabei muss man aber bedenken, dass die Anthropologie den Ritualbegriff anders definiert als die Soziologie[5]. Nach Mary Douglas spricht man hier von Ritualen, wenn es um „bestimmte Arten von Handlungen und den Ausdruck des Glaubens an bestimmte symbolische Ordnungen geht, ohne weiter zu fragen, ob der Handelnde sich dem, was er tut, innerlich verpflichtet fühlt“. Dies erscheint logisch, da sich die Anthropologie meistens mit kleinen, so genannten „Face-to-Face“ Gesellschaften beschäftigt.

In ihrem Buch „Ritual, Tabu und Körpersymbolik“ entwickelt sie ein Erklärungsschema für das Vorkommen von stärker oder weniger stark ausgeprägten Ritualisierungsgraden verschiedener Gesellschaften. Sie bezeichnet ihr Buch als einen Ansatz der vergleichenden Untersuchung über „Weltauffassungstypen für die Art und Weise, wie wir unser eigenes Verhalten rechtfertigen“[6]. Das Erklärungsschema beinhaltet die Determinanten der Gruppenidentität und des Ordnungsgrades. Der Ritualisierungsgrad einer Gesellschaft wird dabei von der Stärke der Gruppenidentität, aber auch vom Grad der sozialen Ordnung bestimmt. Dabei ergeben sich vier Grundtypen von Gesellschaft: auswechselbar mit starker/schwacher Identität und starkem/schwachen Ordnungstyp.

Bei einer Gesellschaft mit starker Gruppenidentität und einem hohen Ordnungsgrad gibt es zum Beispiel stark ausgeprägte Reinheitsrituale und die Gesellschaft ist stark ritualisiert. Es herrscht ein Glaube an die Wirksamkeit symbolischen Handelns vor, und das einzelne Individuum ist der Gruppe unterworfen. Eine Verletzung formaler Regeln wird als Sünde angesehen.

Dagegen herrscht bei einer Gesellschaft mit schwacher Gruppenidentität und hohem Ordnungsgrad eine eher

pragmatische Haltung vor. Es gibt keine symbolische Begrenzung der Realität, die persönliche Identität ist anpassungsfähig und vom Pragmatismus geprägt.

Beim Typus mit starker Gruppenidentität und geringem Ordnungsgrad ist der Reinheitsaspekt wieder wichtig, wobei aber die „innere Reinheit“ im Mittelpunkt des Interesses steht. Das Ritual hat hier etwas mit der Gruppenidentität zu tun und Magie gilt als gefährlich und unrein. Die persönliche Identität basiert auf der Gruppenzugehörigkeit und der soziale und individuelle Körper wird einer starken Kontrolle unterworfen.

[...]


[1] Hillmann, Karl-Heinz: „Wörterbuch der Soziologie“. Stuttgart 1994, S. 741

[2] nach: Lang, Bernhard / HGH

[3] in: Platvoet, Jan: “Das Ritual in pluralistischen Gesellschaften”

[4] Belliger, Andréa/Krieger, David J. (Hg.): „Ritualtheorien“. Opladen/Wiesbaden 1998

[5] Douglas, Mary: „Ritual, Tabu und Körpersymbolik”. Frankfurt am Main 1986, S.12-13

[6] Douglas, Mary: „Ritual, Tabu und Körpersymbolik” Frankfurt a.M. 1986, S. IX

Details

Seiten
14
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638163699
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9751
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Soziologie
Note
2,3
Schlagworte
Ritualisierung Mary Douglas Mittelseminar

Autor

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