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Eine kritische Analyse der Bindungstheorie und des Modells der psychosozialen Entwicklung

Hausarbeit 2020 10 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bindungstheorie

3. KritischeAnalyse derBindungstheorie

4. Das Modell derpsychosozialen Entwicklung nach Erikson

5. Kritische Analyse derPsychosozialen Entwicklung

6. Vergleich derTheorien

7. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Daseins ist die Entwicklung. Von der Geburt bis hin zum Tod sind wir Erfahrungen und Prägungen ausgesetzt, welche uns als Individuum ausmachen. Gerade deshalb ist es wichtig sich mit den Grundlagen der Entwicklungspsychologie auseinanderzusetzen. Zwei grundlegende Entwicklungstheorien sind die Bindungstheorie und die der psychosozialen Entwicklung. Die Hauptbetrachtung der Bindungstheorie liegt in der Erforschung der Mutter-Kind-Beziehung, beziehungsweise der primären Bezugsperson. Es wird von der Grundannahme ausgegangen, dass Menschen ein Grundbedürfnis nach Nähe und Beziehungen haben (vgl. Ahnert,2014: 405). Die psychosoziale Entwicklung nach Erikson ist ein Stufenmodell welche das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft darstellt. In der folgenden Arbeit werde ich beide Theorien kurz vorstellen, kritische Anmerkungen aufzeigen und die Theorien vergleichen. Die Auswahl der Theorien lässt sich dahingehend begründen, dass beide einen hohen psychoanalytischen Einfluss haben, doch in ihrer Form auch sehr unterschiedlich sind. Auch können beide Theorien fundiertes Hintergrundwissen bieten für die spätere Arbeit in der Praxis.

2. Die Bindungstheorie

Die Grundlage der Bindungstheorie setzte John Bowlby ein britischer Kinderpsychiater, diese wurde dann von Mary Ainsworth einer Psychologin aus Kanada konkretisiert (vgl. Siegler et al.,2016: 398). Bindung entwickelt sich zwischen den Eltern und dem Kind unterschiedlich. Während sich die Eltern im Normalfall sofort an das Kind binden, kann dieses noch nicht zwischen fremden Menschen und direkten Bezugsperson unterscheiden, dies unterliegt der kognitiven Entwicklung. Bowlby unterteilt die Bindungsentwicklung in vier Phasen. Die erste Phase ist die Vorphase der Bindung und findet zwischen der Geburt und den ersten sechs Wochen des Säuglings statt. Hierbei setzt es angeborene Signale wie beispielsweise Weinen ein, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Bowlby nennt die nächste Phase die „Entstehung von Bindung“, sie findet zeitlich gesehen zwischen sechs Wochen und sechs bis acht Monaten statt. Das Kind kann nun bekannte Personen erkennen und stellt erste Erwartungen an die Bezugsperson. Im weiteren Zeitverlauf bis hin zu zwei Jahre, findet die Phase der ausgeprägten Bindung statt. Das Kind fängt an aktiven Kontakt zu seinen Bezugspersonen aufzubauen und Reaktionen auf Trennungssituationen zu zeigen. Danach kommt die Phase der reziproken Beziehungen und es fängt an mit Trennungssituationen umgehen zu können. Es entwickelt ein inneres Arbeitsmodell, womit gemeint ist, dass vorherige Bindungserfahrungen erinnert werden können (vgl. Lohaus/Vierhaus,2013: 99). Bolwby stellte die These auf, dass sich die im inneren Arbeitsmodell gespeicherten Bindungserfahrungen auf alle weiteren Bindungen, welche man im Laufe seines Lebens eingeht, auswirken (vgl. Ahnert,2014: 401). Diese Erkenntnisse weitete Mary Ainsworth aus, indem sie die Bindungsqualität testete in dem sie den Fremde-Situationstest durchführte. Hierbei wurden Kinder in Trennungssituationen beobachtet und an der Reaktion des Kleinkindes, wurde die Bindungsqualität bewertet. Die meisten Kinder zählen zu der Gruppe der „sicher gebunden“ Kinder. Diese empfinden ihre primäre Bezugsperson als „sicheren Hafen“ und können von dort aus explorieren. Außerdem differenziert Ainsworth zwischen drei unterschiedlichen Arten der „unsicheren Bindung“, diese äußern sich unsicher gegenüber ihrer Bezugsperson. Dazu gehört unter anderem die „unsicher ambivalente Bindung“, diese Kinder verhalten sich in der Anwesenheit der Bezugsperson sehr nähe suchen und fixieren diese nur. Von dort aus können sie ihre Umwelt kaum erforschen. Wenn die Bezugsperson den Raum verlässt, sind sie meist untröstlich und auch wenn diese wiederkommt, weinen sie meist noch weiter. Der nächste unsichere Bindungstyp ist die „unsicher vermeidende Bindung“, Kinder mit diesem Bindungsverhalten zeigen oft keine Reaktion auf Trennungssituationen und sind ihrer Bezugsperson gegenüber gleichgültig eingestellt. Der letzte Typ der unsicheren Bindung ist die „desorganisierte Bindung“, Kinder mit diesem Bindungsverhalten kommen nicht mit Stress klar, wirken desorganisiert und ihr Verhalten ist oft widersprüchlich (vgl. Ahnert/Spangler,2014: 403).

3. Kritische Analyse der Bindungstheorie

In der Bindungstheorie lassen sich verschiedene anderweitige theoretische Einflüsse wiederfinden. So wurden Teile der Psychoanalyse und auch von Piagets kognitiver Entwicklung übernommen. Sie gilt in der Fachwelt als eine empirisch nachweisbare Theorie. Eine wichtiger Kritikpunkt ist, dass in der Theorie der Fokus fast nur auf der Mutter-Kind-Bindung liegt. Zimmermann beschreibt jedoch, dass sich das Bindungskonzept auch auf andere Personen wie zum Beispiel Vater, Geschwister oder professionelle Bezugspersonen anwenden lässt (vgl. Zimmermann,2006: 44). Dies war auch Diskussionspunkt in den 1970er Jahren, als es um die Frage ging welche Relevanz Krippen haben und ab welchem Zeitpunkt das Kind von der Mutter getrennt werden darf. Zum einem haben die Kritiker von John Bowlby behauptet, dass Kinder früh zur Autonomie befähigt sind und weitere Bezugspersonen miteingebracht werden sollen. Andere wiesen auf die Monotropie hin, welche bedeutet, dass es für die Entwicklung des Kindes förderlich ist nur eine Bezugsperson zu haben und argumentierten dabei auf Grundlage der Erkenntnisse von Bowlby (vgl. Suess,2011: 8). Bowlby selbst relativierte diese Annahme, indem er darauf verwies, dass die primäre Bezugsperson eine enorme Bedeutung hat, jedoch auch sekundäre Bezugspersonen wichtig für die kindliche Entwicklung seien. Dem Argument, dass er immer die Mutter als die primäre Bezugsperson sehen würde entgegnete er, es sei empirisch belegt, dass es sich in den meisten Kulturen und unter normalen Umständen bei der primären Bezugsperson meistens um die Mutter handeln würde. Wenn beispielsweise der Vater am meisten für das Kind sorgt, sei er an vorderster Stelle der Bindungshierarchie (vgl. Suess,2011: 16). Abschließend dieser Analyse kann festgehalten werden, dass es sich um eine wissenschaftlich fundierte Theorie handelt und sie gerade für Erzieherinnen, Eltern und Pädagoge*innen eine Grundlage zum Verständnis und Handeln bietet für die Praktische Arbeit. Außerdem sind seine Erkenntnisse auch für die klinische und psychiatrische Praxis wichtig, um Bindungsstörungen zu erkennen und sie dementsprechend zu behandeln (vgl. Ahnert,2014: 427).

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Details

Seiten
10
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346320919
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v975672
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
Schlagworte
eine analyse bindungstheorie modells entwicklung

Autor

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Titel: Eine kritische Analyse der Bindungstheorie und des Modells der psychosozialen Entwicklung