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Das Königreich Bayern nach der französischen Julirevolution

Die Regierungspolitik König Ludwigs I. 1830-1832

Hausarbeit 2017 24 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Kernelemente der bayerischen Verfassung von 1818

2 Das Königreich Bayern nach der französischen Julirevolution: Die Regierungs- politik König Ludwigs I. 1830-1832
2.1 Unmittelbare Auswirkungen der französischen Julirevolution von 1830 auf das Königreich Bayern
2.1.1 Die „drei glorreichen Tage“ (27. – 29. Juli) und das Nachwirken der Revolution in Frankreich bis 1832
2.1.2 Reaktionen in Bayern: Lokale Unruhen und Aufkommen der kritischen Presse
2.2 Die Regierungspolitik König Ludwigs I. bis 1832
2.2.1 Ludwigs I. Herrschafts- und Verfassungsverständnis
2.2.2 Beginn der Revolutionsangst: Ludwigs I. erste Präventions- und Repressionsmaßnahmen 1830/1831
2.2.3 Das Hambacher Fest 1832 und Ludwigs I. Gegenmaßnahmen
2.2.3.1 Verlauf des Hambacher Festes und die freiheitlich- nationalistischen Forderungen der Festredner
2.2.3.2 Ludwigs I. Annäherung an das Metternich-System

3 Fazit und Ausblick auf Ludwigs I. weitere Regierungszeit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Kernelemente der bayerischen Verfassung von 1818

Die bayerische Verfassung vom 26. Mai 1818 wurde im Vergleich zu Konstitutionen manch anderer Einzelstaaten des Deutschen Bundes als fortschrittlich bewertet.1 Moderne Elemente waren die Einführung einer Volksvertretung in Form von einer in zwei Kammern aufgeteilte „Stände-Versammlung“ (Tit. I §2) und einer Art Grundrechtekatalog (Tit. IV).2 Schutz des Privateigentums und der Person (§8), Gewissensfreiheit (§9) oder Pressefreiheit (§11) stellen nur ein paar Beispiele dar. Für den Erlass, die Abänderung oder die Rücknahme bestimmter Gesetze und vor allem bei Steuererhebungen (Tit. VII §3) war der König auf „den Beyrath und die Zustimmung der Stände“ (ebd. §2) angewiesen. Allerdings bildete das monarchische Prinzip (Tit. I §1) mit dem König als Staatsoberhaupt, der „in sich alle Rechte der Staatsgewalt [vereiniget]“ (Tit. II §1), das Grundgerüst der neuen Verfassung. Der Landtag hatte keine wirkliche Gesetzesinitiative und kann aufgrund seiner Zusammensetzung sowie seines Wirkungsbereichs nicht als ein Parlament im modernen Sinn verstanden werden. Die neue Verfassung war daher in ihrem Kern nach wie vor konservativ. Dennoch erhielt sie allgemein große Zustimmung und Ludwig I. galt für Zeitgenossen infolge seines Einflusses auf ihre inhaltliche Ausgestaltung als ein freisinniger „Verfassungsfreund und -wächter“3. Von der Thronbesteigung Ludwigs I. im Jahr 1827 erhoffte man sich daher einen Fortgang des Verfassungsausbaus.

Dessen Regierungspolitik entwickelte sich jedoch in eine andere Richtung, insbesondere nach der französischen Julirevolution von 1830. In der vorliegenden Arbeit soll deshalb der Frage nachgegangen werden, welche Auswirkungen die Revolution auf das Königreich Bayern hatte und wie sich dadurch die Regierungspolitik Ludwigs I. von 1830 bis 1832 gestaltete. Die These lautet, dass die Vorgänge insgesamt eine Stagnation der bayerischen Verfassungsbewegung bewirkten. Zur Überprüfung dieser Annahme werden im ersten Teil die Ereignisse der französischen Julirevolution bis 1832 knapp wiedergegeben, um anschließend die unmittelbar von ihr ausgelösten Entwicklungen in Bayern 1830/1831 darzustellen. Es lässt sich beobachten, dass die veränderte öffentliche Stimmungslage in Ludwig I. die Angst vor einer bayerischen Revolution weckten. Worin diese Revolutionsangst verwurzelt war und zu welchen antirevolutionären Regierungsmaßnahmen sie führte, wird im zweiten Teil näher beleuchtet. Ein kurzer Blick auf sein Herrschafts- sowie Verfassungsverständnis soll helfen, den persönlichen Hintergrund seiner Regierungspolitik nachzuvollziehen. Bei der Untersuchung wichtiger Regierungsmaßnahmen werden ferner auch weitere Entwicklungen der politischen Öffentlichkeit miteinbezogen, besonders das Hambacher Fest 1832, das den Höhepunkt freiheitlich-nationalistischer Forderungen im bayerischen Vormärz bildete. Antirevolutionäre Bundesbeschlüsse finden ebenfalls Berücksichtigung. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und ein kleiner Ausblick auf die weitere Regierungszeit Ludwigs I. sollen schließlich die Arbeit abrunden.

Eine wichtige literarische Grundlage für die Fragestellung stellt Eva Alexandra Mayrings Monographie aus dem Jahr 1990 dar, zumal die bayerische Oppositionsbewegung im Zusammenhang mit Ludwigs I. Regierungspolitik von 1830 bis 1833 sonst bisher nicht eigens untersucht wurde.4 Unter den für diese Hausarbeit herangezogenen Literaturangaben sind noch die Untersuchungen von Dirk Götschmann zu den bayerischen Landtagen und die von Andreas Kraus sowie von Karl Borromäus Murr zur Persönlichkeit und Regierungsgeschichte Ludwigs I. hervorzuheben; außerdem Heinz Gollwitzers Ludwigbiographie, die auch heute noch als ein Standardwerk gilt.5 Für die Darstellung das Hambacher Festes wird im Wesentlichen Lutz Frischs aktuelle Monographie herangezogen.6 Zu den hauptsächlich verwendeten Quellen zählen Gesetzestexte, Regierungserlasse und die Hambacher Festreden.

2 Das Königreich Bayern nach der französischen Julirevolution: Die Regierungspolitik König Ludwigs I. 1830-1832

2.1 Unmittelbare Auswirkungen der französischen Julirevolution von 1830 auf das Königreich Bayern

2.1.1 Die „drei glorreichen Tage“ (27. – 29. Juli) und das Nachwirken der Revolution in Frankreich bis 1832

Die Französische Revolution von 1789 bewirkte das Ende der Monarchie und die Ausrufung der ersten Republik in Frankreich. Doch knapp zwei Jahrzehnte später gelangte die Bourbonendynastie nach der endgültigen Niederlage Napoleons wieder an die Macht und wollte die Ergebnisse der Französischen Revolution aufheben.7 Unter Ludwig XVIII. wurde eine konstitutionelle Monarchie eingerichtet, die dem französischen König entscheidende Vorrechte garantierte. Diese Restaurationspolitik führte zu steigenden Spannungen zwischen dem Monarchen und der liberalen Kammerposition, die unter dem seit 1824 regierenden Karl X. ihren Höhepunkt erreichten und schließlich 1830 in einer weiteren Revolution, der sogenannten „Julirevolution“, endeten.8

Auslöser war der von Karl X. und seinen loyalen Ministern inszenierte Staatsstreich gegen die in der Bevölkerung immer mehr an Zuspruch gewinnende Kammeropposition. Der Erlass der „Juliordonnanzen“ vom 26. Juli zielte auf eine Machterweiterung des Königs durch die endgültige Schwächung der liberalen Opposition.9 Indem sich Karl X. auf Artikel 14 der seit 1814 geltenden Charte Constitutionnelle berief,10 verfügte er unter anderem die Pressezensur, die Auflösung der derzeitigen Abgeordnetenkammer sowie ihre Reduzierung um 200 Abgeordnete. Darüber hinaus schränkte das neue Wahlgesetz mit einem deutlich angehobenen Wahlzensus die politischen Mitbestimmungsrechte weiter ein.11

Erste Reaktionen auf die Ordonnanzen kamen allerdings nicht von Seiten der Abgeordnetenkammer, sondern der oppositionellen Presse in Paris.12 Eine Gruppe liberaler Journalisten um Adolphe Thiers veröffentlichte eine Protestschrift, manche Herausgeber stellten den Druck ein. Weitere Bourgeois schlossen sich dem Protest an, indem sie Banken oder Betriebe schlossen. Gerüchte über einen geplanten Militäreinsatz gegen die protestierenden Menschenmengen machten die Runde und sorgten für eine weitere Anheizung der angespannten Lage. Am nächsten Tag, dem 27. Juli, ließen sich auch einige durch Betriebsschließungen oder Entlassungen aufgebrachte Proletarier für Aufstände gegen die Regierung Karls X. mobilisieren, bildeten aber noch eine Minderheit unter den Demonstranten. Die Situation eskalierte schließlich, als es bei einer Auseinandersetzung zwischen dem Militär und einer protestierenden Menschenmasse erste Todesfälle gab. Die Regierung verkündete daraufhin den Belagerungszustand. Am 28. Juli schloss sich das Bürgertum mit weiteren Bevölkerungsgruppen zu einem gemeinsamen Aufstand zusammen. Man griff zu den Waffen und errichtete erste Barrikaden. Die Kämpfe zwischen den Truppen des Marschalls Marmont und den Aufständischen endeten letztlich am 29. Juli mit der Niederlage der Regierung. Die Einnahme des Louvre veranlasste den König, der bis zum Schluss von einem Scheitern der Revolution ausging, zur Entlassung seines ultrakonservativen Premierministers Polignac und zur Rücknahme der Juliordonnanzen. Diese Maßnahmen führten jedoch nicht zu einer Deeskalation der Lage, sodass Karl X. sich wenige Tage später dazu gezwungen sah, abzudanken.13 Obgleich mit dem 29. Juli die Revolution noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann, ging der Sieg der Aufständischen als les trois glorieuses („die drei glorreichen Tage“) in die Geschichte ein.14

Denn nach der Abdankung Karls X. stand das Ergebnis der Revolution noch offen: Wollte man die Einführung einer Republik oder die Beibehaltung der konstitutionellen Monarchie? Wer durfte über die Regierungsausübung bestimmen? Nach einem kurzen Interregnum vom 30. Juli bis zum 9. August unter der Führung Marie Joseph Lafayettes, dem Kommandanten der ehemaligen Nationalgarde, einigte man sich auf Louis Philippe von Orléans als neuen König.15 Zugleich wurde mit der Revision der alten Verfassung zwar keine zweite Republik in Frankreich errichtet, aber ein sogenanntes „Bürgerkönigtum“, das die königlichen Privilegien zum Teil aufhob.16 So durfte der König die Pressezensur nie wiedereinführen (Art. 7), sein Recht Ordonnanzen zu erlassen wurde eingeschränkt (Art. 13) oder die beiden Parlamentskammern durften von nun an ebenso Gesetzesvorlagen einbringen (Art. 15).17 Nichtsdestotrotz kann man dabei nicht von einer umfassenden Liberalisierung der Verfassung sprechen. Das Wahlgesetz beispielsweise schloss immer noch viele Franzosen aus und die Gesetzgebung benachteiligte die Arbeiterklasse massiv.18

Daher brachen in den Folgejahren immer wieder lokale Arbeiteraufstände aus. Die größte Erhebung war im November 1831 in Lyon. Tausende Seidenweber gingen auf die Straße und forderten eine Lohnerhöhung, enttäuscht über die nicht umgesetzten Versprechen der neuen Regierung zur Verbesserung ihrer sozialen Lage.19 Doch die republikanische Bewegung war ebenfalls nicht zufrieden: Anfang Juni 1832 versuchte die „Gesellschaft der Volksfreunde“ in Paris, die Ausrufung einer Republik herbeizuführen. Sowohl der Lyoner Arbeiteraufstand als auch der Pariser Putsch blieben allerdings ohne politische Folgen und markierten die Endphase der mit der Julirevolution ausgelösten Protestbewegungen in Frankreich.20

Durch den Erfolg der französischen Revolution von 1830 machte sich in Europa die allgemeine Hoffnung breit, sich ebenso den restaurativen Mächten im eigenen Land widersetzen zu können, sodass es in vielen europäischen Ländern zu revolutionären Vorgängen kam.21 Inwieweit dabei „der Funke der Revolution“22 auch auf das Königreich Bayern übersprang, soll im nächsten Gliederungspunkt erläutert werden.

2.1.2 Reaktionen in Bayern: Lokale Unruhen und Aufkommen der kritischen Presse

Es sei vorweggesagt, dass sich die bayerischen Unruhen der Jahre 1830 und 1831 nicht mit der Intensität zeitgleicher Aufstände im restlichen Europa vergleichen lassen. Denn in Bayern waren sie lokal begrenzt und vielmehr von sozialen sowie wirtschaftlichen als von konkreten politischen Forderungen angetrieben. Getragen wurden die oft tumultartigen Aktionen von den unteren bzw. unterbürgerlichen Schichten, die Ursachen waren vielseitig und zum Teil regional unterschiedlich ausgeprägt.23 Steigende Lebensmittelpreise gaben jedoch überall Anlass zur Beschwerde. Die schwankenden, seit 1830 jedoch wieder stark zunehmenden Getreidepreise wirkten sich negativ auf die Preisentwicklung von Mehl, Bier sowie Brot aus. Die Fleischpreise waren ebenso einer Teuerung unterworfen. Bei einem dagegen gleichbleibenden oder je nach Beruf sogar gesunkenen Jahreslohn wuchs der Unmut über die Preisanstiege umso mehr. Volksproteste wie in Erlangen, Nürnberg, Fürth, Schwabach oder Ansbach waren die Folge.24 Einen weiteren Beschwerdepunkt, der in erster Linie die soziale Unzufriedenheit aufzeigt, stellten ferner Steuern und Abgaben dar. Neben der Grundsteuer musste man zusätzliche Gebühren zahlen, darunter gerichts-, lehensherrliche oder diverse lokalspezifische Abgaben (z.B. Preisaufschlag für Lebensmittel, Holzsteuer etc.). Die vielen, für den Rheinkreis, Untermainkreis sowie Rezatkreis charakteristischen Proteste gegen Zölle und Mautlinien können ebenfalls dazu gezählt werden.25 Den dabei aufgestellten Forderungen lagen verschiedene Ansätze über ein gerechtes Handelssystem zugrunde: Sie reichten von einer kompletten Abschaffung aller Zölle bis zu einer Senkung von nur bestimmten Zolltarifen.26

Bei der Mehrheit dieser Unruhen handelte es sich um spontane, tumultartige Straßenaktionen, die Berichten der bayerischen Polizeibehörden zufolge nach der Julirevolution stark zunahmen. Allein in den Jahren 1830 bis 1831 fanden insgesamt dreizehn als „Tumulte“ eingestufte Ruhestörungen statt, die Anzahl der gegenüber Behörden widersetzlichen Handlungen war wesentlich höher.27 Mit dieser Entwicklung ging ebenso ein Anstieg der Kriminalitätsrate einher. Neben Majestätsbeleidigungen, Waldfrevel28 oder Diebstählen kam es insbesondere zu Sachbeschädigungen in Form von beispielsweise Brandstiftungen oder Scheibeneinwürfen. Obendrein lässt sich beobachten, dass nicht selten einzelne Verhaftungen aus unterschiedlichen, nicht zwangsläufig mit der aufgeregten Stimmungslage verbundenen Anlässen zum Ausbruch von größeren Aufständen führten.29 Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die Münchener Studentenunruhen von 1830, auch als „Dezemberunruhen“ bezeichnet. Einige Münchener Studenten störten an Heilig Abend die Nachtruhe, indem sie auf den Straßen gegen ihre Universitätsleitung protestierten. Verhaftungen einzelner Demonstranten sorgten für eine solche Eskalation der Lage, dass erst am 29. Dezember mit dem Einsatz der Landwehr die Studentenaufstände beruhigt werden konnten.30

Während also derartige Ruhestörungen, Tumulte oder Volksproteste in erster Linie nicht politisch motiviert waren, sondern hin und wieder durch die allgemein verbreiteten, formelhaften Vivat-Ausrufe nach Freiheit oder Gleichheit lediglich einen oberflächlich politischen Charakter erhielten, las man in Flugblättern immer häufiger direkte Kritik an den politischen Verhältnissen. Gefordert wurde der Ausbau der Verfassung: Die Ministerverantwortlichkeit, mehr Befugnisse der Abgeordnetenkammer und eine Justizreform sind nur eine Auswahl dieser Forderungen.31 In die Zeit der Julirevolution fiel auch die zunehmende Politisierung sowie Radikalisierung der Presse. Sie beschäftigte sich mit rechtlichen, verfassungspolitischen sowie sozio-gesellschaftlichen Themen und entwickelte sich so neben den Landtagen zu einem „For[um] politischer Öffentlichkeit im bayerischen Vormärz“32. Die in den Vorjahren weitestgehend liberale Pressepolitik des Königs beförderte das Aufkommen oppositioneller Zeitschriften sowie Zeitungen zusätzlich.33 Zu den einflussreichsten Blättern zählte die ab 1830 in Zweibrücken publizierte Zeitschrift „Rheinbayern“ von Ludwig Hoffmann und Philipp Jakob Siebenpfeiffer. Letzterer gab ab April 1831 außerdem die Tageszeitung „Bote aus dem Westen“ (später „Westbote“) heraus, die genauso wie Johann Georg August Wirths Zeitung „Deutsche Tribüne“ (seit 1831) radikal-liberale Positionen wie uneingeschränkte Freiheitsrechte oder die Gleichheit aller vor dem Gesetz vertrat. Ein wichtiger Befürworter des Liberalismus war ebenfalls der Würzburger Johann Gottfried Eisenmann mit seiner Zeitschrift „Bayerisches Volksblatt“.34 Des Weiteren wurde die bayerische Berichterstattung durch den Polenaufstand von 1830/1831 beeinflusst. Die Presse informierte regelmäßig über die Vorgänge in Polen, kommentierte sie und erzeugte Sympathien für den polnischen Freiheitskampf gegen den russischen Zaren. Die allgemeine Polenbegeisterung sowie -solidarität beflügelte die Freiheitsbewegungen auch in Bayern, das nach Niederschlagung der polnischen Revolution zum Haupttransitland für Flüchtlinge aus Polen wurde.35

[...]


1 Die Bayerische Verfassung von 1818 wird im Folgenden zitiert aus Huber, Ernst Rudolf (Hrsg.): Deutsche Verfassungsdokumente 1803-1850 (= Dokumente zur Deutschen Verfassungsgeschichte, Bd. 1), Stuttgart 31978, S. 155-171. Für die folgenden Erläuterungen zur Verfassung vgl. Fenske, Hans: Rheinbayern 1818-1822. Die schwierige Provinz am Rhein. In: Kermann, Joachim / Nestler, Gerhard / Schiffmann, Dieter (Hrsg.): Freiheit, Einheit und Europa. Das Hambacher Fest von 1832. Ursachen Ziele, Wirkungen, Ludwigshafen a. Rh. 2006, S. 47-84, hier S. 57-69, Murr, Karl Borromäus: Ludwig I. Das Königtum der Widersprüche (= Kleine bayerische Biografien), Regensburg 2012, S. 49-51 und Reiter, Hermann: Die Revolution 1848/49 in Bayern, Bonn 1998, S. 15-17.

2 Die Stände-Versammlung – nachfolgend wird auch der später eingeführte Begriff „Landtag“ verwendet – war eingeteilt in die Erste Kammer der Reichsräte (Prinzen, Fürsten, Bischöfe etc.) und in die Zweite Kammer der Abgeordneten (aus Städten, Professoren, Grundbesitzer etc.) (vgl. Tit. VI §2 / 7).

3 Gollwitzer, Heinz: Politik und Kultur in Bayern unter Ludwig I. Studien zur bayerischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Regensburg 2011, S. 152. Siehe Ders.: Ludwig I. von Bayern. Königtum im Vormärz. Eine politische Biographie, München 1997, S. 213-228 für den Entstehungshintergrund der Verfassung und für Ludwigs I. Engagement sowie liberalen Ruf in seiner Kronprinzenzeit.

4 Mayring, Eva Alexandra: Bayern nach der französischen Julirevolution. Unruhen, Opposition und antirevolutionäre Regierungspolitik 1830-33 (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 90), München 1990.

5 Gollwitzer 1997; Götschmann, Dirk: Bayerischer Parlamentarismus im Vormärz. Die Ständeversammlung des Königreichs Bayern 1819-1848 (= Handbuch der Geschichte des deutschen Parlamentarismus, Bd. 7), Düsseldorf 2002; Kraus, Andreas: Die Regierungszeit Ludwigs I. (1825-1848). In: Schmid, Alois (Hrsg.): Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart (= Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 4/1), München 22003, S. 129-236; Murr 2012.

6 Frisch, Lutz: Deutschlands Wiedergeburt. Neustadter Bürger und das Hambacher Fest 1832 (= Schriftenreihe der Bezirksgruppe Neustadt im Historischen Verein der Pfalz, Bd. 16), Neustadt an der Weinstraße 2012.

7 Vgl. Holzapfel, Kurt: Julirevolution 1830 in Frankreich. Französische Klassenkämpfe und die Krise der Heiligen Allianz (1830-1832) (= Schriftenreihe Geschichte), Berlin 1990, S. 6-7.

8 Vgl. Mommsen, Wolfgang J.: 1848. Die ungewollte Revolution. Die revolutionären Bewegungen in Europa 1830-1848, Frankfurt a.M. 2000, S. 42.

9 Vgl. Holzapfel 1990, S. 7-8.

10 Siehe Art. 14: „Der König ist höchstes Oberhaupt des Staates; er befehligt die Land- und Seemacht, erklärt Krieg, schließt Friedens-, Allianz- und Handelstractate, ernennt zu allen Stellen der öffentlichen Verwaltung, und erläßt die zur Vollziehung der Gesetze und zur Sicherheit des Staates nöthigen Verfügungen und Verordnungen.“ (Übersetzung aus Gosewinkel, Dieter / Masing, Johannes (Hrsg.): Die Verfassungen in Europa 1789-1949. Wissenschaftliche Textedition unter Einschluss sämtlicher Änderungen und Ergänzungen sowie mit Dokumenten aus der englischen und amerikanischen Verfassungsgeschichte, München 2006, S.283, eigene Hervorhebung).

11 Vgl. Holzapfel 1990, S. 8.

12 Vgl. Holzapfel 1990, S. 9. Das Auftreten der liberalen Kammeropposition war allgemein sehr zögerlich und zurückhaltend (siehe ebd., S. 12-13 / 16-17).

13 Vgl. ebd., S. 9-19 / 31.

14 Vgl. ebd., S. 33-34.

15 Vgl. ebd., S. 31-32, Mayring 1990, S. 2 und Mommsen 2000, S. 43. Mehr zum Verlauf des Interregnums und der Rolle Lafayettes siehe ebenso Holzapfel 1990, S. 19-20 / 31-33.

16 Vgl. ebd., S. 32 und Mommsen 2000, S. 43.

17 Vgl. die entsprechenden Artikel der revidierten Charte vom 7. August 1830 in Gosewinkel / Masing 2006, S. 295-296.

18 Vgl. Holzapfel 1990, S. 32-33 und Mommsen 2000, S. 43. Obwohl das Proletariat einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der „drei glorreichen Tage“ geleistet hatte, zogen in erster Linie weite Teile der Bourgeoisie ihren Nutzen aus der Julirevolution (vgl. Holzapfel 1990, S. 20-21).

19 Vgl. ebd., S. 89. Genaueres zum Verlauf und Ausgang des Lyoner Aufstandes siehe ebd., S.89-103.

20 Vgl. ebd., S. 103-106. Siehe auch Mommsen 2000, S. 43-44.

21 Für einen Überblick über die Auswirkungen der Julirevolution auf Europa siehe z.B. Kermann, Joachim: Von den Nationalaufständen zur Solidarität der freien „Völker“ Europas. Die europäischen Revolutionen 1830/31 und das Hambach Fest. In: Kermann, Joachim / Nestler, Gerhard / Schiffmann, Dieter (Hrsg.): Freiheit, Einheit und Europa. Das Hambacher Fest von 1832. Ursachen Ziele, Wirkungen, Ludwigshafen a. Rh. 2006, S. 9-46, besonders S. 9-38. Ausführlichere Beiträge finden sich z.B. bei Kossok, Manfred (Hrsg.): Die französische Julirevolution von 1830 und Europa (= Studien zur Revolutionsgeschichte, Bd. 7), Vaduz 1985.

22 Mommsen 2000, S. 45.

23 Vgl. Gollwitzer 1997, S. 444, Mayring 1990, S. 36/ 39 und Ruppert, Karsten: Europa im Zeitalter des Hambacher Festes. In: Jahrbuch der Hambach Gesellschaft 14 (2006), S. 11-41, hier S. 26-27.

24 Vgl. Mayring 1990, S. 14 (Erlangener Protest) / 23-26. Nähere Angaben zu den Preisschwankungen sowie regionalen Brotpreisen finden sich ebd. Für das sich schon in dieser Zeit abzeichnende Phänomen des Pauperismus, verbunden mit einem enormen Bevölkerungsanstieg, siehe z.B. Müller, Frank Lorenz: Die Revolution von 1848/49 (= Geschichte kompakt), Darmstadt 42012, S. 20-21 / 26-29.

25 Betroffen waren vor allem verarmte Regionen des Untermainkreises und Rezatkreises (z.B. Aschaffenburg, Pleinfeld oder Herzogenaurach), vgl. Mayring 1990, S. 13 / 29-30. Nicht vergessen darf man außerdem den Rheinkreis, der von der bayerischen Zollpolitik besonders stark benachteiligt wurde. Der Ausschluss vom bayerisch-preußischen Zollverein führte zu stark erschwerten Import- sowie Exportbedingungen und zur Teuerung von Importprodukten wie Wein und Tabak (vgl. Frisch 2012, S. 58).

26 Vgl. Mayring 1990, S. 26-31, die die Zollproteste auch in den wirtschaftspolitischen Gesamtkontext und in die Phase der Handelsabkommen einordnet (S. 27-29). In der Tat übten zollpolitische Unruhen zusätzlichen Druck auf Verhandlungen zur Gründung des Zollvereins aus (vgl. Angelow, Jürgen: Der Deutsche Bund (= Geschichte kompakt), Darmstadt 2010, S. 64). Zur Entstehung des Deutschen Zollvereins siehe ebd., S. 60-67 oder Murr 2012, S. 83-89 mit Schwerpunkt auf Bayerns Rolle bei den Verhandlungen. Auf die Darstellung weiterer Ursachen oder Hintergründe für die bayerischen Ruhestörungen wird hier aus Platzgründen verzichtet (siehe dafür Mayring 1990, S. 31-36). Separatistische Forderungen stellten dabei ein Spezifikum der fränkischen Gebiete dar (vgl. ebd., S. 38-39).

27 In den beiden Jahren vor der Julirevolution hatten keine (registrierten) Tumulte stattgefunden. Die Zahl der Auflehnungen wiederum stieg 1830/1831 von 33 auf 44. Vgl. ebd., S. 14, einschl. Anm. 31.

28 Forstfrevel fand in sehr hoher Zahl im Rheinkreis statt. Hier standen 87 % der Waldflächen unter staatlicher Aufsicht. Die bayerischen Forstbehörden regelten trotz des kalten Winters von 1829/1830 und der daraus folgenden Missernten die Holzverteilung sehr strikt, auch die landwirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten der Waldflächen wurden weiter eingeschränkt (vgl. Fenske 2006, S. 70-71 und Frisch 2012, S. 56-57). Neben dem Waldfrevel war im Rheinkreis aufgrund der hohen Zölle (siehe Anm. 25) außerdem das Schwarzmarktgeschäft besonders ausgeprägt, das zu gelegentlichen Gewalttaten unterschiedlichen Ausmaßes führte (vgl. Fenske 2006, S. 69-70).

29 Vgl. Mayring 1990, S. 14-17 mit lokalen Beispielen.

30 Vgl. ebd., S. 84 und Kermann 2006, S. 37, der aber die Unruhen falsch auf das Jahr 1831 datiert. Für Ludwigs Reaktion auf die Dezemberunruhen siehe Gliederungspunkt 2.2.2, S. 13.

31 Vgl. Mayring 1990, S. 22 / 36-37 / 126 (Zusammenstellung der Forderungen). Für die Gestaltung, den inhaltlichen Aufbau sowie für die Verbreitung solcher Flugblätter oder -zettel siehe ebenfalls ebd., S. 19-22 / 37.

32 Ebd., S. 89.

33 Vgl. ebd., S. 91 / 97, Gollwitzer 1997, S. 365 und Ruppert 2006, S. 28. Auf Ludwigs „Liberalität“ wird im Gliederungspunkt 2.2.1, S. 11 näher eingegangen.

34 Vgl. Fenske 2006, S. 74-77 und Mayring 1990, S. 97-98. Die Herausgeber Siebenpfeiffer und Wirth sollten noch maßgeblich auf die weitere Verbreitung freiheitlich-nationalistischen Gedankenguts einwirken (siehe Gliederungspunkt 2.2.3.1).

35 Vgl. Mayring 1990, S. 78-83 und Kermann 2006, S. 20-29, die in knapper Form den Umfang der Polenunterstützung und ihre Bedeutung für liberale Bewegungen in Deutschland / Bayern sehr gut darstellen. Mayring thematisiert dabei auch die Reaktion der bayerischen Regierung (S. 81-83), auf deren Erläuterung in dieser Arbeit im Hinblick auf die Fragestellung verzichtet werden kann. Zur Geschichte der polnischen Revolution von 1830/1831 siehe z.B. Gill, Arnon: Freiheitskämpfe der Polen im 19. Jahrhundert. Erhebungen - Aufstände – Revolutionen, Frankfurt a.M. (u.a.) 1997.

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