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Religiöse Gruppen in den Prärieprovinzen Nordamerikas - Hutterer, Amische, Mennoniten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 25 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Religion in den USA und Kanada
2.1 Die wesentlichen religiösen Gruppen
2.1.1 Die Anglikaner
2.1.2 Die Puritaner
2.1.3 Die Baptisten
2.1.4 Die Presbyterianer
2.1.5 Die Quäker
2.1.6 Die Methodisten
2.1.7 Die Mormonen
2.1.8 Die Lutheraner
2.1.9 Die Reformierten
2.1.10 Die Katholiken
2.1.11 Die Juden

3. Die Täufer

4. Die Mennoniten

5. Die Amischen
5.1 Glaube, Werte und Tradition
5.2 Kennzeichen und Lebensstil
5.3 Landwirtschaft und Erwerb
5.4 Beziehung zum Staat
5.5 Die Amischen als Wirtschaftsfaktor
5.6 Zukunftsperspektiven

6. Die Hutterer
6.1 Glaube, Werte und Tradition
6.2 Kennzeichen und Lebensstil
6.3 Landwirtschaft und Erwerb
6.4 Beziehung zu Staat und Nachbarn
6.5 Die Hutterer als Wirtschaftsfaktor
6.6 Zukunftsperspektiven

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als Nationen der Einwanderer sind die USA und Kanada ein Schmelztiegel der Kulturen und verschiedenen Glaubensrichtungen. Während der letzten Jahrhunderte sind etliche Kulturkreise in diesen Staaten zusammengetroffen und haben sich vereint. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts haben ca. 50 Millionen Europäer ihre Heimat in der ,,Neuen Welt“ gefunden. Sie alle wurden der Theorie des ,,melting pot“ gerecht, indem sie ihre eigene Identität aufgaben und sich im Sprach- und Kulturverhalten dem amerikanischen Volk anpassten. Doch einige Gruppen behielten ihre Individualität und tragen so zum kulturellen Pluralismus in Nordamerika bei.

In Nordamerika gibt es eine Unmenge an unterschiedlichen religiösen und ethnischen Gruppierungen, die im Gesamtbild Minderheiten oder sogenannte ,,utopian communities“ darstellen. Auf kultureller oder religiöser Ebene verfolgen sie nicht alltägliche, aber traditionelle Weltanschauungen und werden trotz ihrer Andersartigkeit, zumindest rechtlich, toleriert. In Nordamerika herrscht seit jeher Glaubensfreiheit, eine Staatskirche existiert nicht. Viel Spielraum also für eine Mannigfaltigkeit verschiedener Glaubensrichtungen, Kirchen, Sekten etc.

Zu den Eingewanderten Glaubensgruppen gehören auch die Mennoniten, Hutterer und Amische. Insbesondere die Hutterer und Amischen, beide europäischen Ursprungs, haben ihre eigene, oder gar eigenwillige Lebensart erhalten können. Für die Mennoniten gilt dieses nur eingeschränkt. Die eigentümliche Tradition und Weltanschauung von Hutterern und Amischen zieht Wissenschaftler und Touristen gleichermaßen in ihren Bann. Verschiedene amerikanische Studien, wie zum Beispiel die des Professors für Anthropologie und Soziologie John A. Hostetler, geben Einblicke in die Gesellschaft dieser beiden Gruppen, deren ,,way of life“ für Außenstehende nicht einfach nachzuvollziehen ist und der selbst innerhalb der Gemeinschaft verschiedene komplexe Tendenzen aufweist. Die folgende Arbeit wird einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Glaubensgemeinschaften, ihren Prinzipien und Lebensweisen liefern. Nicht zuletzt daraus werden Rückschlüsse auf die Situation, den Stellenwert und die Probleme mit der „Außenwelt“ gezogen. Zunächst wird ein kurzer Überblick über das religiöse Leben Nordamerikas gegeben. Im Mittelpunkt steht die Fragestellung: Welche Gruppierungen sind wesentlich und in welchem Verhältnis stehen sie zum Staat. Im weiteren Verlauf wird besonderes Augenmerk auf Mennoniten, Hutterer und Amische gerichtet. Alle diese Gruppen (insbesondere die Hutterer) erschienen mir aufgrund ihrer bemerkenswerten Lebensweise von großem Interesse. Da alle drei beschriebenen Religionsgemeinschaften ihre konfessionelle Identität auf die Täufer zurückführen, kam ich nicht umhin, einen Einblick in die Geschichte der Täufer vorwegzustellen.

2. Religion in den USA und Kanada

In Nordamerika herrscht ein religiöser Pluralismus. Eine Staatskirche wie bei uns kennt man nicht. Alle Religionen sind in ihrem rechtlichen Status das, was wir als Freikirchen und Sekten bezeichnen. Der Pluralismus ist Folge und Ursache zugleich (Riege 1978). Zum einen hat er sich aus der Geschichte ergeben, zum anderen hat er diese Entwicklung mit geprägt. Die nordamerikanische Besiedlung hat sich sehr stark nach Glaubensrichtungen differenziert. Jede Kolonie wurde von einer anderen religiösen Richtung bestimmt. Religiöse und politische Herrschafts- und Lebensformen waren oft eng miteinander verstrickt. In Nordamerika herrscht ein selbstverständliches, vertrautes Verhältnis zum Glauben, wie es in Europa nur schwer vorstellbar ist. Auch die Konfessionslosigkeit ist ein soziales Phänomen, welches begünstigt durch diesen Pluralismus in Nordamerika wesentlich früher in Erscheinung tritt als in anderen Gesellschaften. Bemerkenswert ist vor allem, dass sich der nordamerikanische Konfessionslose niemals militant antireligiös gibt.

Die Gründungsväter der Vereinigten Staaten sahen in dem religiösen Pluralismus scheinbar einen solchen Vorteil, dass sie ihn sogar in ihrer Verfassung festlegten. Vielleicht sahen sie aber auch eine Gefahr in der Einführung einer Staatsreligion, denn die „Bill of Rights“ beginnt ihren Zusatzartikel mit den Worten: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, dass die Einführung einer (Staats-)Religion zum Gegenstand hat oder die freie Religionsausübung verbietet.“ Zweierlei ist hiermit gesagt: Der Staat soll seinen Bürgern keine bestimmte Religion aufzwingen und sie andererseits nicht an der freien Religionsausübung hindern. Der Staat identifiziert sich nicht mit einer Religion, aber er behindert sie auch nicht. (Riege 1978).

Die Trennung von Kirche und Staat ist allgegenwärtig. Es gibt keinerlei kirchliche Feiertage, die Kirchen leben von ihren Mitgliedern (nicht wie bei uns von der Kirchensteuer) und in vielen Ortschaften gibt es eine Vielfalt an Kirchen, wie es bei uns undenkbar wäre.

Da Großbritannien zum protestantischen Lager gehörte und gehört, waren auch die britischen Kolonien im wesentlichen protestantisch bestimmt. Auch heute noch ist der Protestantismus das bestimmende Element der amerikanischen Religion. Nur Maryland und das frankokanadische Quebec waren ursprünglich katholisch und sind es bis heute. In Quebec sind 88 Prozent der Bevölkerung katholisch (Statistisches Bundesamt 1995). Allerdings wurde der katholische Einfluss durch die Einwanderungswelle im 19. Jahrhundert verstärkt.

2.1 Die wesentlichen religiösen Gruppen

2.1.1 Die Anglikaner

Die Anglikanische Kirche ist die Staatskirche in England. Im Zuge der Verselbstständigung zahlreicher amerikanischer Institutionen von der Kolonialmacht entstand aus ihr die Protestant Episcopal Church. Diese spielte zwar nie die Rolle einer Staatskirche, blieb aber immer die Kirche der weißen Oberschicht angelsächsischer Herkunft. Viele Erfolgreiche, die vorher einer andern Religion angehörten, neigen dazu, zur Protestant Episcopal Church überzutreten, da dies ein Gewinn an Prestige bedeutet. Ein bemerkenswerter Fall von Soziologisierung von Glaubensfragen, wie er bei uns nicht denkbar wäre. Die Wurzeln des amerikanischen Anglikanismus liegen in Virginia, da es als älteste Kolonie bereits Anfang des 17. Jahrhunderts entstand.

2.1.2 Die Puritaner

Die Puritaner gehören zu den Kongregationalisten, in deren protestantischem Glauben die Gemeinde im Mittelpunkt steht. Die Puritaner entstanden im 16. Jahrhundert als Opposition innerhalb der anglikanischen Kirche. Die Puritaner sehen in jedem Christen einen potentiellen Priester. Sie betonen das Recht, die Verantwortung und Pflicht jedes Einzelnen zur Mitbestimmung in Kirchenangelegenheiten. Die Toleranz gegenüber Andersdenkenden gehörte nicht zu den Eigenschaften der Puritaner. Abweichende wurden grausam verfolgt.

2.1.3 Die Babpisten

Baptist bedeutet Täufer. Getauft werden nur freiwillige Erwachsene nach vorheriger Unterweisung. Die Taufe ist also Glaubensbekenntnis. Der Baptismus entstand Mitte des 17. Jahrhunderts aus dem Kongregationalismus. Mit etwa 24 Millionen Mitgliedern (Riege 1978) sind die Baptisten die größte protestantische Konfession Nordamerikas. Auch die Mennoniten werden fälschlicherweise häufig zu den Baptisten gezählt, da die Erwachsenentaufe ebenfalls im Mittelpunkt steht. Im Gegensatz zu den Mennoniten liegen die konfessionellen Wurzeln der Baptisten allerdings nicht bei den „Täufern“ der Reformation.

2.1.4 Die Presbyterianer

Der Presbyterianismus hat seine Wurzeln in Schottland. Wie beim Kongregationalismus steht die Gemeinde im Mittelpunkt, allerdings leiten die ältesten die Gemeinde. Sie bilden das Bindeglied zwischen Christus und der Gemeinde. Die Presbyterianer siedelten vor allem in den mittleren Kolonien, in New Jersey und Pennsylvania.

2.1.5 Die Quäker

Quäker bedeutet „Zitterer“ – ein Spottname der ihnen von ihren Gegnern verliehen wurde, gemünzt auf ihr Verhalten bei Versammlungen. Die Quäker glauben daran, dass in jedem der Geist Gottes wohnt, einer Kirche oder eines Dogmas bedarf es nicht. Die Quäker lehnen Eid und Militärdienst ab und wurden daher in England und Amerika verfolgt. William Penn, Gründer von Pennsylvania, war der bedeutendste Quäker. In Pennsylvania herrschte nach quäkerischem Geist religiöse Freiheit und Toleranz jedem Menschen gegenüber. Die Quäker leben schlicht und urchristlich, ohne jeden asketischen Rigorismus.

2.1.6 Die Methodisten

Der Methodismus ist eine spätere Abspaltung des Anglikanismus – man bezeichnete sie spöttisch: „die methodisch Lebenden“. Sie bilden mit ca. 13 Millionen Anhängern (Riege 1978) neben den Baptisten die größte protestantische Gruppe.

2.1.7 Die Mormonen

Der offizielle Name der Mormonen lautet: „Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Die Mormonen entstanden erst um 1830. Ihr Name leitet sich ab von dem Buch Mormon, das dem Begründer Joseph Smith in einer Vision erschienen sein soll. Besonders wegen ihrer Polygamie sahen sich die Mormonen starken Anfeindungen ausgesetzt. Die meisten Mormonen leben im Staat Utah, welcher nach Aufgabe der Polygamie Mitglied der Vereinigten Staaten wurde.

2.1.8 Die Lutheraner

Neben den Reformierten einige der wenigen protestantischen Gruppen, die ihre Tradition nicht aus dem Anglikanismus schöpfen. Anders als bei uns bilden die Lutheraner keine Staatskirche, sondern eine der zahlreichen Freikirchen. Ihre acht bis neun Millionen Anhänger (Riege 1978) sind hauptsächlich Nachfahren von deutschen und skandinavischen Einwanderern.

2.1.9 Die Reformierten

Die Reformierten bestehen hauptsächlich aus holländischen Reformierten und französischen Hugenotten in New York und South Carolina. Sie verfolgen eine asketische, rationale und gefühlskalte Lebensweise.

2.1.10 Die Katholiken

Der katholische Einfluss in Amerika war zunächst sehr schwach. Erst mit der Einwanderungswelle im 19. Jahrhundert wurde das katholische Element gestärkt. Insbesondere durch irische, aber auch durch deutsche Einwanderer ist vor allem Neuengland bis heute stark katholisch geprägt. Die Einwanderungen der letzten Jahrzehnte, vor allem von Ost- und Südeuropäern, führten dann zu einem regelrechten Siegeszug des Katholizismus. Die ca. 50 Millionen Katholiken in Nordamerika (Riege 1978) gehören vor allem den finanziell schwächeren Bevölkerungsschichten an. Sie stellen zwar die größte christliche Einzelgruppe, sind den Protestanten zusammengenommen aber weit unterlegen. In den USA sind 58 Prozent der Gesamtbevölkerung protestantisch und 25 Prozent katholisch (Adams 1998). In Kanada ist das Verhältnis ausgeglichener. Hier sind 41 Prozent protestantisch und 46 Prozent katholisch (Statistisches Bundesamt 1995).

2.1.11 Die Juden

Auch die Juden stellen heute eine enflussreiche religiöse Gruppe dar, obwohl sie in beiden Ländern nur einen Anteil von ca. zwei Prozent an der Gesamtbevölkerung stellen (Adams 1998/Statistisches Bundeamt 1995). Die verschiedenen Gruppen von portugiesisch-spanischen, deutschen und polnisch-russischen Juden vereinigten sich erst „durch“ die Verbrechen in Hitlerdeutschland. Vorher lebten die deutschen Juden eher liberal, während die osteuropäischen Juden konservativ und orthodox blieben.

3. Die Täufer

Die Täufer sind fest eingebunden in die Geschichte der Reformation. Täufer unterschiedlichster Prägung traten auf und kämpften auf der Grundlage der neutestamentlichen Schriften für eine Reformation, die letztlich radikaler war als die eines Luther oder Zwingli. Sei es in der Schweiz, in Süddeutschland und Österreich oder in den Niederlanden: Überall gab es Menschen, die alles in der Kirche in Frage zu stellen bereit waren, wofür sie keine Begründung im Neuen Testament zu finden glaubten. Sie wollten nicht den gemäßigteren Reformatoren folgen, die auch weiterhin alles zu erlauben bereit waren, was nicht ausdrücklich im Widerspruch zum Neuen Testament stand. Die Täufer lasen selbst die Bibel, oft in kleinen Gruppen. Sie zelebrierten den Gottesdienst nicht in der Kirche, sondern trafen sich in Küchen, Stuben oder auf freiem Feld. Nichts von den Geboten Christi sollte uminterpretiert oder künstlich abgeschwächt werden. Die Bergpredigt wurde schließlich zu einer der zentralen Stellen und ist es bis heute. Die Erwachsenentaufe ist Glaubensbekenntnis und bedeutet den Eintritt in die Gemeinde. Das Leben in der Nachfolge - da waren sich die meisten Täufer einig - konnte nur im Kontext der Gemeinde gelingen. Keine staatliche Macht sollte in Glaubensdingen mitreden dürfen, daher die Forderung nach klarer Trennung von Kirche und Staat. Die negativen Erfahrungen mit Kirchenhierarchien ließen nur ein Modell als möglich erscheinen: Die Bemühung um eine Restitution der urchristlichen Gemeinde; „...sie waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam“ (Apg 3:44). Diese kommunitäre Lebensweise ist heute nur noch bei den Hutterern (ein Zweig der Täuferbewegung benannt nach dem Tiroler Täufer Jakob Hutter) zu finden.

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Details

Seiten
25
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638163989
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9784
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Geographie
Note
1,0
Schlagworte
Religion Hutterer Amische Mennoniten USA Kanada Prärie Gruppen

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