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Die wesentlichen Merkmale des Management Commentary nach IFRS in Abgrenzung zum Lagebericht nach nationaler Rechnungslegung

Projektarbeit 2020 38 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Contents

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung, Zielsetzung und Forschungsfrage
1.2 Aktueller Forschungsstand
1.3 Gewählte Vorgehensweise
1.4 Hypothesen

2 Lageberichtsähnliche Berichte in der Rechnungslegung
2.1 Internationale und deutsche Rechnungslegungsvorschriften
2.2 Management Commentary

3 Gegenüberstellung der Berichtsinstrumente
3.1 Entstehung und Entwicklung
3.1.1 Entstehung und Entwicklung des Management Commentarys
3.1.2 Entstehung und Entwicklung des Lageberichts
3.1.3 Gegenüberstellung der Entstehung und Entwicklung
3.2 Rechtliche Grundlage
3.2.1 Rechtliche Grundlage des Management Commentarys
3.2.2 Rechtliche Grundlage des Lageberichts
3.2.3 Gegenüberstellung der rechtlichen Grundlage
3.3.1 Ziel, Funktionen und Grundsätze des Management Commentarys
3.3.2 Ziel, Funktionen und Grundsätze des Lageberichts
3.3.3 Gegenüberstellung der Ziele, Funktionen und Grundsätze
3.4.1 Inhalte des Management Commentarys
3.4.2 Inhalte des Lageberichts
3.4.3 Gegenüberstellung der Inhalte
3.5 Umgang mit Covid-19
3.5.1 Umgang mit Covid-19 im Management Commentarys
3.5.2 Umgang mit Covid-19 im Lagebericht
3.5.3 Gegenüberstellung des Umgangs mit Covid-19

4 Zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede

5 Ergebnis

6 Reflexion

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Zuge der fortlaufenden Globalisierung hat sich auch die Rechnungslegung weiterentwickelt. Durch die im Jahr 2002 eingeführten International Financial Reporting Standards (IFRS) waren erstmalig internationale Vorschriften vorhanden. Ferner ist der Lagebericht 1 als zusätzlicher Bestandteil neben dem Jahresabschluss im Laufe der Zeit insb. durch die derzeit verbreitete Covid-19-Pandemie mittels seines Wirtschaftsberichts und seiner Prognoseberichterstattung insb. der Going Concern-Prämisse von dem öffentlichen Publikum stärker angefragt als zuvor. 2

Berichtsinstrumente wie der Lagebericht sind nicht nur nach dt. Rechnungslegung, sondern auch in vielen anderen Nationen ein bedeutsamer Bestandteil des Finanzberichts. Beispielsweise müssen berichtspflichtige Unternehmen, welche in der USA der SEC unterliegen, ein lageberichtsähnliches Dokument – den Management's Discussion and Analysis – oder börsennotierte britische Unternehmen ein Operating and Financial Review erstellen. 3 Die verschiedenen Rechnungslegungen besitzen analog ihrer unterschiedlichen Grundsätze und Handhabungen wesentliche Differenzen in den jeweiligen lageberichtsähnlichen Texten. Bemerklich ist, dass selbst in der EU die Vorgaben aus Art. 46 der 4. EG-Richtlinie und Art. 36 der 7. EG-Richtlinie in den jeweiligen Nationen anders umgesetzt wurden und auch in diesem Fall eine Harmonisierung der Berichtsinstrumente nicht erfolgen konnte. 4

Allgemeingültige Regelungen für die Berichterstattung eines Lageberichtes fallen allerdings nicht unter die grundsätzlichen IFRS-Vorschriften. Das International Accounting Standards Board veröffentlichte zur Ergänzung für den Lagebericht im Jahr 2010 eine Richtlinie (IFRS Practice Statement 1 Management Commentary), welche jedoch nicht verpflichtend anzuwenden sind.

Die fortlaufenden Bearbeitungen machen ersichtlich, dass die Informationsfunktion des Lageberichts und von lageberichtsähnlichen Berichten auch in Zukunft durch die zunehmende wirtschaftliche Dynamik nicht an Aufmerksamkeit verlieren wird. 5 Desto bedeutsamer ist die Überarbeitung der Aktualität und der Verwendbarkeit von internationalen Managementberichten, um zum einen die Globalisierung in den Finanzberichterstattungsnormen ersichtlich zu machen und zum anderen damit die Adressaten eine vereinfachte Handhabung sowie eine gute Gegenüberstellung der Managementberichte erhalten können.

1.1 Problemstellung, Zielsetzung und Forschungsfrage

Mit zunehmender Relevanz des Lageberichts sticht parallel die Bedeutung der Vergleichbarkeit dieser Berichtsinstrumente für die Empfänger hervor. Als interner (z.B. Mitarbeiter) und externer (z.B. Lieferant) Adressat ist es zum einen wichtig, dass die Managementberichte eine Stetigkeit besitzen und man diese historisch miteinander vergleichen kann. Zum anderen ist der Vergleich von Berichten mit anderen Unternehmen wichtig. In Folge der fortschreitenden Internationalisierung wird die Gegenüberstellung von Lageberichten aus unterschiedlichen Nationen zunehmend wichtiger. Die unterschiedlichen Rechnungslegungssystematiken sind dabei problematisch zu würdigen. Die Vergleichbarkeit ist durch die Disharmonisierung somit erschwert. Im Zuge dessen sollten die Richtlinien des Management Commentarys nach IFRS von 2010 diese Gegensätze vermindern.

Daraus resultiert die Frage nach der Effektivität der Richtlinien und die Frage des Umfangs der Parallelen vom Management Commentary nach IFRS und des Lageberichts nach nationaler Rechnungslegung. Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit verfolgt die Intention mit gezielten Indikatoren die Differenzen und Übereinstimmungen der Managementberichte nach nationaler und nach internationaler Rechnungslegung nebeneinander zu stellen und zu beurteilen. Dabei sollen die wesentlichen Merkmale beider Instrumente hervorgehoben werden. Zusätzlich wird die Problematik der Berichterstattung nach den IFRS PS MC beleuchtet.

Überdies wird die Vorgehensweise der Berichtsinstrumente mit aktuellen Themen hinterfragt. Hierbei wird im Zuge der derzeitigen Umstände der Umgang mit der Covid-19-Pandemie im Lagebericht und im Management Commentary betrachtet.

1.2 Aktueller Forschungsstand

Die Auseinandersetzung der Vergleichbarkeit des Management Commentarys nach IFRS im Vergleich zum Lagebericht nach deutscher Rechnungslegung fand bisher nur am Rande von wissenschaftlichen Arbeiten statt. Während die beiden Berichte einzeln ausgiebig erforscht und dokumentiert wurden sind, ist eine Konkretisierung einer Kollision in dieser Intensität während der Bearbeitung der Forschungsfrage nicht gefunden worden. Dies scheint an der Aktualität der Ergänzungen, der Überarbeitungen und noch offenen Fragen zum IFRS PS MC zu liegen. 6 Somit ist absehbar, dass dieses Thema in der Zukunft weiterhin Bedeutsamkeit und Aufmerksamkeit zugeschrieben werden kann.

1.3 Gewählte Vorgehensweise

Um spezifisch in das Thema einzuführen, soll zunächst der Management Commentary nach IFRS und der Lagebericht nach nationaler Rechnungslegung definiert werden. Die Bearbeitung der Fragestellung soll folglich mit Hilfe von direkten Gegenüberstellungen durchgeführt werden. Für diese methodische Abwägung wurden verschiedene Kriterien ausgewählt, welche einen ersichtlichen Vergleich beider Berichte erstellen sollen.

Die Auswahl der Aspekte erfolge hierbei subjektiv und wurde in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht. Zunächst soll die Entwicklung beider Berichte aufgegriffen werden und in Folge dessen die rechtlichen Grundlagen beschrieben werden. Des Weiteren wird auf die jeweiligen Funktionen und deren Ziele, wobei insbesondere der Anwendungsbereich und die Adressaten beleuchtet werden sollen, eingegangen. Weitergehend werden die rechnungslegungsspezifischen Grundsätze und die qualitativen Anforderungen benannt. Daraufhin wird auf die inhaltlichen Kriterien mit einer Unterteilung in die Teilberichte eingegangen. Der letzte Indikator soll sich auf die aktuellen Umstände der Covod-19 Krise und die erwarteten Anforderungen der Rechnungslegung beziehen.

Um jeweils die einzelnen Untersuchungen zu verstehen und ein strukturiertes Vorgehen zu sichern, wird jedes Vergleichskriterium zunächst erklärt und dabei die Grenzen der Gegenüberstellung beschrieben. Danach werden die Aspekte jeweils in Anbetracht des Management Commentarys und des Lageberichtes erklärt. Anschließend wird zu jedem Aspekt eine Nebeneinanderstellung gemacht.

Ein allgemeines Ergebnis aller Vergleiche ist am Ende ersichtlich, wobei die zentralen Gemeinsamkeiten und die wesentlichen Unterschiede betont werden sollen. Darauf folgen eine kritische Reflektion und eine endgültige Zusammenfassung, wobei Ausblicke und Kompromisse geschildert werden.

1.4 Hypothesen

Die Anforderungen der deutschen Rechnungslegung an den Lagebericht ist durch einen breiteren Umfang an Gesetzen und Standards deutlich umfangreicher als die IFRS-Richtlinie. Dementsprechend könnte man annehmen, dass die nationalen Anforderungen mehr Anspruch an den Lagebericht stellen und die Aufstellung einheitlicher ist. Durch die Oberflächlichkeit der IFRS-Richtlinien ist auch zu vermuten, dass die Anzahl der Differenzen und der Gemeinsamkeiten beider Managementberichte vermindert ist. Je ausgearbeiteter die Berichtsinstrumente sind, desto mehr Unterschiede und Übereinstimmungen würden sie haben.

Durch den besonders zukunftsorientierten Charakter der Berichte ist zu erwarten, dass eben die prospektiven Aspekte die wesentlichen Merkmale darstellen.

2 Lageberichtsähnliche Berichte in der Rechnungslegung

2.1 Internationale und deutsche Rechnungslegungsvorschriften

Die handelsrechtliche Rechnungslegung dokumentiert die betrieblichen Prozesse und Entwicklungen in einem Unternehmen und stellt ein Element des betrieblichen Rechnungswesens dar. 7 Die internationale Rechnungslegung nach IFRS konnte sich 2002 durch die Einbringung des europäischen Parlaments zu einer globalem Rechnungslegungssystem realisieren und stellt seitdem einen Bestandteil des Bilanzrechts in der EU dar. 8 Die Satzungen der IFRS finden auf rechtlicher Basis nach § 315a HGB bei kapitalmarkorientierten Unternehmen, welche ihren Sitz in der EU haben und zusätzlich bei zahlreichen Unternehmen, die dazu rechtlich nicht verpflichtet sind („freiwillige“ Erstellung), Anwendung. 9

Das Ziel der Standards ist es hierbei die Informationsfunktion und Gegenüberstellung von Jahresabschlüssen von Unternehmen aus verschiedenen Ländern für Investoren am Kapitalmarkt zu verbessern und globale Harmonisierungsprozesse voranzutreiben. 10 Der Anfang der IAS/IFRS fand mit der Gründung im Jahr 1973 mit dem Vorgänger des International Accounting Standards Boards (IASB) statt.

Im deutschen Handelsrecht wird grundsätzlich die Bilanzierung durch Gesetze bestimmt. Diese werden somit von der Legislative beschlossen und mit den Deutschen Rechnungslegungs Standards (DRS) ausgeweitet. 11 Die deutsche Rechnungslegung lässt sich deutlich unterscheiden von den Systematiken nach IFRS. Die tiefere Auseinandersetzung soll hierbei nur bei der intensiven Betrachtung des Lageberichtes nach Handelsrecht und dem Management Commentary nach IFRS stattfinden.

2.2 Management Commentary

Der Management Commentary ist ein erzählender Bericht, der den IFRS-Abschluss erweitern soll, wobei dieser keine Verpflichtung nach dem IFRS Practice Statement darstellt. Die Leitlinien sollen lediglich Grundätze und bestimmte Maßstäbe sowie inhaltliche Kriterien benennen. 12

Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Jahr 2014 wurde demgegenüber festgestellt, dass von 28 Unternehmen der DAX-Konzerne nur zwei Unternehmen einen Lagebericht besaßen, welche den Anforderungen des IFRS PS Management Commentarys entsprachen. 13 Darunter war die SAP SE, welche einen solchen „dualen Managementbericht“ aufstellte, welcher den handelsrechtlichen sowie der internationalen Vorgaben folgt. 14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zeims et al., 2014, S.11.

Die Zahlen von 2014 entsprachen nicht der Verbreitung, welche sich der IASB vorstellt. 15 Durch weitere Untersuchungen des IASB wurde herausgefunden, dass Managementberichte, welche nach den Grundlage von IFRS PS MC publiziert wurden, eher beschränkt mit anderen lageberichtsähnlichen Berichtsinstrumenten gegenüberzustellen sind. Dies scheint an den ausgiebigen Gestaltungsmöglichkeit der Richtlinie zu liegen. 16 Folglich wurde am 14. November 2017 die Überarbeitung mit Hilfe der Management Commentary Consulting Group (MCCG) aufgenommen, welche einen neuen Entwurf im Halbjahr 2020 aufstellen wollten. 17 Hierbei soll die Entscheidungsnützlichkeit der Abschlüsse nach IFRS verbessert werden. 18 Die Entwurf-Veröffentlichung wurde auf Februar 2021 verschoben. 19 Während der Überarbeitung gibt es Zwischentreffen mit dem IASB, worauf in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht eingegangen wird. 20

3 Gegenüberstellung der Berichtsinstrumente

3.1 Entstehung und Entwicklung

Die Entstehung und Entwicklung soll die wichtigsten Meilensteine beider Managementberichte aufgreifen. Dabei wird die Entwicklung ab dem 20. Jahrhundert betrachtet.

3.1.1 Entstehung und Entwicklung des Management Commentarys

Der Grund für das Projekt der Practice Statements zu Berichtsorganen waren die unterschiedlichen Anforderungen an die Finanzberichterstattung aus verschiedenen Rechnungslegungssystemen. Bei der Erstellung des Projekts durften sich ab 2002 das Deutsche Rechnungslegungsstandards Comittee (DRSC) und auch die nationalen Standardsetzer aus Neuseeland (FRSB), Kanada (CICA) und Großbritannien (ASB) einbringen. 21 Die ersten Ergebnisse wurden im Oktober 2005 veröffentlicht, wobei die Freiwilligkeit der Leitlinien zu dem Zeitpunkt sicher war. Im Dezember 2007 wurde das Projekt auf die aktive Agenda des IASB verschoben. 22

Der IASB hatte Mitte 2009 einen Standardentwurf bezüglich der Lageberichtserstattung veröffentlicht, welcher weitestgehend die Vorschläge aus dem Diskussionspapier besaß. 23 Dieser wurde Ende 2010 in Form einer Stellungnahme publiziert, welche als „Practice Statement Management Commentary“ (PS MC) bezeichnet wurde. 24 Mit Datum der Veröffentlichung waren die Richtlinien anwendbar.

Der IASB hatte im November 2017 eine Überarbeitung des Standards verkündet, da die verschiedenen Interessensgruppen eine breitere Palette an Faktoren benötigen, die über die rein finanziellen Ergebnisse herausgehen und dem Managementbericht eine aktivere Rolle geben sollen. 25 Zusätzlich entstand von der Öffentlichkeit der Wille einer stärkeren Standardisierung und einem konsistenten globalen Berichtsrahmen für das Instrument. 26 Anfang 2020 sollte die Veröffentlichung des ersten Entwurfs stattfinden, welche jedoch auf Februar 2021 verzögert wurde. 27 Im Juni 2018 hatte IASB-Mitglied Hans Hoogervorst bei der IFRS Foundation Confernence betont, dass die Überprüfung der Richtlinien die Berichterstattung integrierter und nachhaltiger gestalten werden soll.

Für die Zukunft hat der IASB zudem beschlossen genaue Anwendungsleitlinien und exemplarische Berichte vorzulegen.

3.1.2 Entstehung und Entwicklung des Lageberichts

Die ursprüngliche Fassung des Handelsgesetzbuchs aus 1897 forderte einen Bericht, welcher den Vermögensgegenstand und die Verhältnisse in einem Unternehmen zeigt. 28 Die Obligation, im ersten Quartal des Jahres einen Geschäftsbericht für das vergangene Geschäftsjahr zu erstellen, wurde 1931 mit einer Notverordnung durch den Reichspräsidenten im HGB veröffentlicht. 29 Dabei sollte die Veröffentlichung des Lageberichtes die Hoffnungen der Bevölkerung, welche während der Inflation und der Wirtschaftskrise vermindert wurden, wieder stabilisieren. 30 Durch das Gesetz kamen die Erläuterung des Jahresabschlusses sowie die Benennung von Ereignissen nach dem Schluss des Geschäftsjahres hinzu. 31 Somit waren damals auch die Funktionen des Anhangs eingeschlossen. 32

Im Jahr 1937 hatte man die Fassung auch in das Aktiengesetz miteinbezogen. 33 Inhaltlich war das Berichtsinstrument in den sog. Erläuterungsbericht und in den sog. Lagebericht unterteilt. Der Erläuterungsbericht beinhaltete allgemeine und spezielle Abschlusserläuterungen. 34 Der Lagebericht sollte den Geschäftsverlauf, die Lage eines Unternehmens und wesentliche Kriterien nach Ende des Geschäftsjahres aufnehmen. 35

Die nächste Veränderung entstand durch die Bilanzrichtlinien-Gesetze (BiRiLiG) von 1985, welches durch die Entwicklung der 4. und der 7. EG-Richtlinie dafür sorgten, dass der Lagebericht auch auf europäischer Ebene Regelungen folgen muss. Seitdem sind § 289 HGB bzw. für den Konzern § 315 HGB bestimmend für die Inhalte und den Umfang. Hinzu kam dabei der Bericht über die zukünftig mögliche Entwicklung und die Erstattung über Forschung und Entwicklung. Zusätzlich erfolgte durch die Einführung der BiRiLiG auch die endgültige Trennung von Lagebericht und Anhang. 36 1993 wurde die Berichterstattung über die Zweigniederlassungen (§ 289 Abs. 2 Nr.4 HGB) verabschiedet und 1998 wurde mit dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich die Lageberichtsanforderungen um die Berichterstattung über mögliche Risiken ergänzt. 37 Durch die Mittelstandrichtlinie wurden 1994 kleine Kapitalgesellschaften i. S. d. § 267 Abs. 1 HGB von der Pflicht zur Aufstellung entlastet. 38

Im Jahr 2004 wurde das Rahmenkonzept des Lageberichts von Grunde auf überarbeitet und erweitert. 39 Die EU-Modernisierungsrichtlinien von 2003 bildeten den Auslöser für die Erstellung des Bilanzrechtsrefomgesetzes (BilReG), wobei die Vergleichsbarkeit und die Informationsintensität angesprochen wurden. 40 Zusätzlich wurde Ende 2004 der Deutsche Rechnungslegung Standard Nr. 15 (DRS 15) veröffentlicht. 41 2006 kam im Rahmen der Übernahmeangebote das Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz dazu, welches die Frage bzgl. der Konstellation und Struktur der Akti-onäre beantworten sollte. 42 Weitergehend erfolgte die Hinzuziehung des Lageberichtseids durch das Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG). 43

Mit dem am 25.05.2009 beschlossenen Bilanzrechtsmodernisierungs-Gesetz (BilMoG) wurde der Bericht über das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem der Rechnungslegung und die Erklärung der Unternehmensführung insb. des Corporate Governance Berichts verpflichtend für Unternehmen im Sinne des § 264 HGB. 44

Im Jahr 2012 wurde der DRS 15 durch den DRS 20 ersetzt. Der Standard wurde für die Geschäftsjahre nach dem 31. Dezember 2012 verpflichtend.

Die Corporate Social Responsibility (CSR) Richtlinien von 2014 wurden von der EU verabschiedet und sollten die Vielfältigkeit der Berichterstattung durch nichtfinanzielle Aspekte wie die Ökologie, die Nachhaltigkeit oder das Soziale betonen. 45

Im Oktober 2019 hat der DRSC den DRÄS 9 veröffentlicht, durch den der DRS 17 und der DRS 20 eine Veränderung angepasst wurden. 46 Der Standard setzt dabei Richtlinien der EU um, welche die langfristige Mitwirkung der Aktionäre beinhalten und bestimmte Unternehmen wie börsennotierten Aktiengesellschaften verpflichtet ihr Vergütungssystem und ihre Erklärung zur Unternehmensführung auf deren Internetseite zu veröffentlichen. 47

3.1.3 Gegenüberstellung der Entstehung und Entwicklung

Die Entstehung der Berichtsinstrumente legen mit ihren Intentionen deutliche Unterschiede. In Anbetracht des Entstehungszeitpunktes und der Fortbewegung vom gehäuften Nationalismus zur Internationalisierung ist die Diskrepanz der jeweiligen Absicht nachvollziehbar.

Der Lagebericht und der Management Commentary besitzen zudem zwei differenzierte geschichtliche Entwicklungen. Auf der einen Seite stellt der Managementbericht nach IFRS ein Werk dar, welches erst vor zehn Jahren veröffentlicht worden ist und sich zurzeit noch mit den Überarbeitungen in seiner Entwicklungsphase befindet. Das Berichtsinstrument ist statistisch betrachtet global nicht allzu gut aufgenommen wurden. 48 Bis auf in Malaysia, wo 2013 der nationale Standardsetzer (Malaysian Accounting Standards Board) ein Rahmenkonzept mit vielen Übereinstimmungen an den IFRS PC MC zur Lageberichterstellung verabschiedete, fand die Aufnahme der Richtlinien und die daraus resultierende Harmonisierung der Managementberichte eher zurückhaltend statt. 49

Auf der anderen Seite ist der Lagebericht nach deutscher Rechnungslegung schon über 120 Jahre alt und hat sich synchron mit der Dynamik der Ökonomie fortlaufend verändert. 50 Währenddessen ist nicht nur die Bedeutung des Lageberichts sondern auch der Umfang der rechtlichen Grundlagen deutlich gewachsen. 51

Es ist zu erkennen, dass der Prozess der Lageberichterstattungsnormen bis zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin intensive Anpassungen mit sich bringt. Im Hinblick auf seine lange Tradition und den fortschreitenden Entwicklungen im Gegenzug der Kurzlebigkeit des Management Commentary ist dies nachvollziehbar. Der Management Commentary ist im Vergleich mit den einzelnen nationalen Berichtsinstrumenten viel jünger und somit noch deutlich ausbaufähiger.

3.2 Rechtliche Grundlage

Während der Bearbeitung der Entstehung und Entwicklung der Bericht sind bereits einige rechtliche Grundlagen genannt worden, welche hier expliziter aufgenommen werden und erklärt werden. Jedoch kann aufgrund des Umfangs nicht auf alle Aspekte eingegangen werden und dementsprechend werden die wesentlichsten Kriterien benannt. Eine Gegenüberstellung der rechtlichen Grundlagen ist mit Hinblick der gegenwärtigen Überarbeitung des Practice Statement Management Commentarys mit Vorsicht zu betrachten. Als Folge wird die Auseinandersetzung mit der Stellungnahme aus dem Jahr 2010 durchgeführt.

3.2.1 Rechtliche Grundlage des Management Commentarys

Nach IAS 1.10 und insb. IAS 1.14 ist der Managementbericht nicht im Jahresabschluss enthalten. Einige Unternehmen stellen jedoch nach IAS 1.13 ein Bericht des Managements über die Unternehmenslage (financial review by management) auf, um bestimmte Informationen dem Abschluss hinzuzufügen. 52

Neben dem hat der IASB mit dem Practice Statement Management Commentary eine Stellungnahme zur Berichterstattung mit 41 Paragraphen und einem Anhang veröffentlicht. 53 Durch die Leitlinien wird ein nicht-bindender Rahmen für die Fertigstellung von Managementberichten gem. der Vorschriften der IFRS geboten. Das Statement zum Management Commentary bildet jedoch keinen Bestandteil der IFRS.

Die Richtlinien bestätigen, dass sich der Management Commentary bei einer vorliegenden Anfertigung im Rahmen der Richtlinien innerhalb des Finanzberichtes liegt. Inhaltlich geht die Stellungnahme auf Qualitäten, Prinzipien und Elemente ein, die ein Berichtsinstrument mit individueller Intensität verfolgen sollte.

Der Standard wird derzeit bearbeitet um einen strengeren Ansatz zu entwickeln bspw. eine bessere Interpretationsleitung zu bieten, andere entscheidungsrelevante Informationen hinzufügen, die wichtigsten Kennzahlen zu betonen, eine Wesentlichkeit einzuführen und die steigende Bedeutung von immateriellen Ressourcen einzubauen. Zusätzlich sollen Risiken und Chancen und das Unternehmensumfeld eines Unternehmens zukünftig hervorgehoben werden.

3.2.2 Rechtliche Grundlage des Lageberichts

Nach § 264 Abs. 1 Sa. 1 HGB haben Kapitalgesellschaften, haftungsbeschränkte Personenhandelsgesellschaften und Konzerne, die gem. § 267 HGB den Größenkriterien mittelgroße oder große Kapitalgesellschaften sind, abseits vom Jahresabschluss die Obligation einen Lagebericht aufzustellen. 54 Kapitalgesellschaften, die im Sinne des §§ 267 bzw. 267a HGB klein bzw. kleinst sind, sind von der Aufstellung dieses Berichtsinstruments befreit.

Die inhaltlichen Vorschriften des Berichtsinstrumentes bestimmen sich grundlegend von der Paragraphenfolge §§ 289 bis 289f HGB für Einzelgesellschaft und von §§ 315 bis 315e HGB für Konzerne, wobei die Rechtsformspezifizierung der Verpflichtung zunimmt. So findet sich in §§ 289 Abs. 1 bzw. 315 Abs. 1 HGB die Mindestinhalte und in den jeweiligen Absatz zwei die Sollinhalte. Die Verabschiedung von § 289a HGB bzw. § 315a HGB verpflichtete bspw. die Erläuterung des Corporate Governance Kodex nach § 161 AktG. Durch §§ 298b sowie 315b HGB werden Unternehmen dazu verpflichtet, die nichtfinanziellen Erläuterungen gem. §§ 289c bzw. 315c HGB abzugeben. Nach § 289d wird die Verwendung von weiteren Rahmenwerken erlaubt. Jedoch ist hierbei eine Angabe zu machen, welche und grundsätzlich ob weitere Vorschriften benutzt wurden. Der Paragraph § 298e greift auf, dass eine Befreiung von Angaben, die dem Unternehmen einen deutlichen Nachteil verschaffen würden, vorliegt. Dennoch muss die Lage des Unternehmens realistisch dargestellt bleibt. Eine Erklärung der Unternehmensführung infolge § 315d HGB ist für bestimmte Konzerne in den Konzernlagebericht einzufügen. Der § 315e HGB geht auf das Wahlrecht und die Pflicht ein, wobei ein Unternehmen der internationalen Rechnungslegung folgen kann, wenn es sich um einen Konzernabschluss einer Muttergesellschaft oder eine kapitalmarktorientierte Gesellschaft handelt.

[...]


1 Der Begriff „Lagebericht“ steht in dieser Arbeit gleichbedeutend für den Konzernlagebericht nach § 315 HGB und für den Lagebericht des Einzelabschlusses nach § 289 HGB.

2 Vgl. Kolb/Neubeck, 2016, S. 41.

3 Vgl. Fink et al., 2013, S. 37.

4 Vgl. Fink et al., 2013, S. 36.

5 Vgl. Wöhe et al., 2016, S. 743; Vgl. Funk/Rossmanith, 2011, S. 187.

6 Vgl. Baetge et al., 2019, S.132.

7 Vgl. Baetge et al., 2019, S.132.

8 Vgl. Buschhüter et al., 2011, S.390.

9 Vgl. Buschhüter et al., 2011, S.390.

10 Vgl. Wagner et al., 2008, S.1.

11 Vgl. Baetge et al., 2019, S. 54.

12 Vgl. Fink et al., 2013, S. 37.

13 Vgl. Zeims et al., 2014, S. 11.

14 Vgl. Fink et al., 2013, S. 41.

15 Vgl. Dittmar et al., 2019, S. 1.

16 Vgl. Dittmar et al., 2019, S. 1.

17 Vgl. Baetge et al., 2019, S. 788.

18 Vgl. Dittmar et al., 2019, S. 1.

19 Vgl. IFRS, o. J.

20 Vgl. IFRS, o. J.

21 Vgl. Beierdorf/Buchheim, 2006, S. 96.

22 Vgl. Management Commentary, o. J.

23 Vgl. Hayn/Waldersee, 2014, S. 59.

24 Vgl. Baetge et al., 2019, S. 788.

25 Vgl. Management Commentary, o. J.

26 Vgl. Management Commentary, o. J.

27 Vgl. Baetge et al., 2019, S. 788.

28 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 612.

29 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 612; Vgl. Weins, 2010, S. 2.

30 Vgl. Weins, 2010, S. 2.

31 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 612.

32 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 612.

33 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 612.

34 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 612.

35 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 613.

36 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 614.

37 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 614.

38 Vgl. Kolb/Neubeck, 2016, S. 48.

39 Vgl. Haller/Fuhrmann, 2012, S. 465.

40 Vgl. Haller/Fuhrmann, 2012, S. 465.

41 Vgl. Haller/Fuhrmann, 2012, S. 465.

42 Vgl. Funk/Rossmanith, 2011, S. 187.

43 Vgl. Weins, 2010, S. 2.

44 Vgl. Strieder, 2009, S. 1002.

45 Vgl. Kolb/Neubeck, 2016, S. 42; Vgl. Haller/Fuhrmann, 2012, S. 461.

46 Vgl. BDO in Deutschland, 2020.

47 Vgl. BDO in Deutschland, 2020.

48 Vgl. Dittmar et al., 2019, S. 1.

49 Vgl. Dittmar et al., 2019, S. 1.

50 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 611.

51 Vgl. Baumhoff et al., 2010, S. 611.

52 Vgl. Baetge et al., 2019, S. 788.

53 Vgl. Baetge et al., 2019, S. 788.

54 Vgl. Baetge et al., 2019, S. 737.

Details

Seiten
38
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346334947
ISBN (Buch)
9783346334954
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v978544
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Note
1,2
Schlagworte
IFRS HGB Lagebericht Management Commentary Corona

Autor

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