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Angst und Angststörungen. Wie sie entstehen und wie sie zu bekämpfen sind

Hausarbeit 2020 9 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Warum ist das Thema „Angst“ wichtig

2. Hirnstrukturen

3. Ursachen

4. Reaktion

5. Angstformen

6. Positive Auswirkung der Angst

7. Therapieformen

8. Methodisches Vorgehen

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Warum ist das Thema Angst so wichtig ?

Im deutschsprachigen Raum haben mehr als 14 Mio. Menschen diagnostizierte Angsterkrankung.

Über 2 Mio. davon werden ständig von wiederkehrenden Panikattacken geplagt.

Angst verringert die Lebensfreude, schadet der Gesundheit (psychosomatische Krankheiten), kann zur Abhängigkeit und Sucht führen, kann die Arbeitsfähigkeit einschränken.

Manche versuchen die angstauslösende Situationen zu vermeiden, manche lassen sich therapieren.

Ich bin selbst von diesem Problem betroffen, deswegen ist das Thema „Angst und Angststörungen“ so wichtig und spannend für mich. Ich bin stolz darauf, dass ich die letzten Jahre meine Ängste überwinden konnte, obwohl sie extrem stark waren, und mehrmals zur Ohnmacht geführt haben, und das alles in Selbstherapie ohne professionelle Hilfe. Die Methode, die ich damals benutzt habe, war die Reizüberflutung (Flooding). Ich habe die Angst so lange aushalten müssen, bis sie nachgelassen hat.

Das Ziel dieser Arbeit ist eine maximal ausführliche Zusammenfassung der Themen Ursachen der Angst und Therapieformen anzubieten, die nur kurz in den Studienbriefen der Allgemeine Psychologie 2 (Emotionen und Lernpsychologie) erwähnt wurden.

2. Schaltkreise der Angst/ Hirnstrukturen, die für das Entstehen der Angst zuständig sind

Der Neuroanatom James Papez glaubte, dass Emotion ein Produkt des limbischen Systems wäre. Dieses uralte Areal besteht aus mehreren verbundenen Strukturen-Amygdala, Hippocampus und dem Septum.

Die hormonellen und vegetativen Reaktionen auf das Gefühl der Angst und das dazu passende Verhalten dienen dazu, das Überleben zu sichern. Die Hypophyse schüttet Stresshormone aus, auf dieser Weise ermöglicht sie, dass wir schneller und besser handeln können. Das basale Vorderhirn steigert die Aufmerksamkeit und die Erregung.. Über den Hirnstamm wird das autonome System aktiviert. Der Blutdruck und die Atem-und Herzfrequenz steigen, die Muskeln ziehen sich zusammen. Der Körper ist für eine Flucht-oder Kampfreaktion bereit. Der Hirnstamm senkt die Schmerzwahrnehmung, ändert den Gesichtsausdruck.

Die Mechanismen der Angst zählen zu den am besten erforschten Schaltkreisen des emotionalen Apparates. Eine große Rolle spielt die Amygdala. Die Amygdala dient als Alarmanlage.. Innerhalb von Sekunden bewertet sie Situationen. Einige Anblicke, Geräusche oder Gerüche lösen von Geburt an Angst aus. Beispiel: Laborratten, die nie in Freiheit gelebt haben, fürchten sich, wenn sie eine Eule hören.

Manche Ängste sind sehr leicht zu erwerben. Affen fürchten sich vor Schlangen, sobald sie die Emotion als Reaktion auf ein Reptil bei einem anderen Affen sehen.

Auch Reize, die anfangs neutral oder positiv wahrgenommen wurden, können durch Lernprozesse mit Gefahr assoziiert werden und später Angst auslösen.

Der Neurowissenschaftler Joseph Ledoux hat die Angstmechanismen als Schaltkreis beschrieben, der über zwei Wege Informationen an die Amygdala sendet: einmal schnell und grob, und einmal langsam, durch genaue Analyse überprüft.

Ausgangspunkt ist der Thalamus (Tor zum Bewusstsein). Erhält er einen emotionalen Reiz (z.B. Geräusch), leitet er die Impulse direkt an die laterale Amygdala. In den zentralen Kernen der Amygdala werden die Verhaltensprogramme aktiviert.

Auch der Hirnstamm und die Großhirnrinde werden informiert. Der Hirnstamm löst Verhaltensreaktionen aus und die Großhirnrinde ist für das emotionale Erleben der Angst zuständig.

Der langsame Weg wäre wenn der Thalamus die Signale erst zur Großhirnrinde und zum Hippocampus senden würde. Dort wird die Information genauer analysiert bevor sie die Amygdala erreicht. Der Hippocampus ist genau so wie der Neocortex mit der Amygdala verbunden, durch feinere Analyse kann er die Furcht eindämmen. ( Drimalla Hanna, 2018, https://www.dasgehirn.info/denken/emotion/der-schaltkreis-der-angst)

3. Ursachen

Die Theorie der klassischen Konditionierung und Mowrers Zweifaktorenmodell zur Entstehung von Phobien reichen nicht aus , damit man erklären kann, wie die Ängste entstehen, da sich die Angst wie ein Mosaik aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzt.

Angst gehört zu den grundlegenden Gefühlen, wie Liebe, Wut oder Traurigkeit. Und wie alle Gefühle, so hat die Angst einen biologischen Sinn, Sie taucht dann auf, wenn wir uns in Situationen befinden, die neu und ungewohnt sind-und die wir als gefährlich oder unkotrollierbar einschätzen.

Angst kann sinnvoll sein: Angst an sich ist ganz und gar kein nutzloses Gefühl. Die Angstreaktion hat sich im Laufe der Evolution entwickelt, um Gefahren besser begegnen zu können. (z.B. ein Höhlenmensch, der einem Säbelzahntiger steht. .Er muss entscheiden, ob er weglaufen, kämfen oder ruhig bleiben soll, er muss blitzschnell reagieren)

Woher kommt die Angst?

Angst ist niemals ganz und gar angeboren. Was wir bei unserer Geburt mitbekommen haben, sind „Schreckreaktionen“. Unser Körper reagiert auf tatsächliche oder vorgestellte Bedrohungen, indem er Hormone ausschüttet-und das geschieht bei jedem Menschen unterschiedlich stark. Es gibt angeborene Unterschiede in der Angstsensibilität, also in der Bereitschaft, mit Angst zu reagieren. Menschen, die eine höhere Angstsensibilität haben, nehmen körperliche Empfindungen besser und negativer wahr. Sie reagieren schneller auf solche Empfindungen und lernen schneller, die Bedrohung mit anderen Dingen in Zusammenhang zu bringen. Sie entwickeln auch schneller automatisierte Verhaltensweisen und erinnern sich auffallend gut an negative Ereignisse.

Angstauslöser:

1) Manchmal kann eine Krankheit der Auslöser für Angst sein: Diabetes, Lebererkrankung, Virusinfektion, Schilddrüsenüberfunktion, Asthma, Störung im Calciumhaushalt.
2) Es besteht ein Zusammenhang zwischen Erziehung und der Entwicklung von Angststörungen. Besonders deutlich ist dies bei der Panikstörung zu erkennen. Flucht: Bei Problemen neigen die Eltern dazu, auszuweichen. Das Kind lernt nicht, seine Bedürfnisse zu äußern und sich gegen Ansprüche zu wehren. Ein Erziehungsstil, der von Drohungen geprägt ist, fördert die Fluchtreaktion.
3) Angst ist lernbar. Die meisten Ängste stammen nicht direkt aus unserer Kindheit, sondern wir lernen sie neu. Es geschieht ohne Absicht, von selbst (z.B. Muttersprache, Gehen)
4) Oft ist ein traumatisches Ereignis der Auslöser.
5) Ebenso oft ist es das intensive Vorstellen von Gefahren, das eine Angststörung in Gang setzt.
6) Das Gefühl der Ausweglosigkeit löst immer Angst aus.
7) Eine Bedrohung des Selbst-oder Weltbildes wird als Angstauslöser oft unterschätzt.
8) Die Gesellschaft macht auch krank, bestimmt was erlaubt ist, was bedrohlich ist, was wünschenswert ist.
9) Bei Angst spielt Stress eine Doppelrolle. Stress, insbesondere Dauerstress, kann Angststörungen verursachen. (Ines von Witzleben, Aljoscha A. Schwarz, „Endlich frei von Angst“, 8. Auflage 2012)
10) missachtete/verdrängte Warnsignale (zu lange nicht auf die Bauchgefühle gehört, Antriebslosigkeit, Traurigkeit, Panikattacke-das stärkste Warnsignal, psychosomatische Symptome), Der Körper versucht uns dazu zu bewegen, was in unserem Leben zu ändern, was uns unglücklich macht.
11) Substanzen (Medikamente: Neuroleptika, Thyroxin, THC, Ecstasy , Cocain, Designer­Drogen, Clozapin) Mangel an Vitaminen: z.B. Vit. B12
12) Lebensmittelunverträglichkeit, blähende Lebensmittel, Gluten, Roemheld-Syndrom: durch die Luftansammlung im Magen-Darm-Trakt wird Druck auf das Zwerchfell ausgeübt, was ja das Herz beeinflussen kann und es kann zum Herzrasen kommen.
13) Negatives Denken. Regelmäßiges sorgenvolles Denken gepaart mit stark negativen Emotionen verändert nachweislich die Struktur unseres Gehirns. Gedanken werden biologisch gespeichert (Synapsen), alle Gedanken sind in Form von Synapsen im Gehirn gespeichert. Je stärker die Emotionen, die diesen Gedanken zugrunde liegen, umso leistungsfähiger werden diese neuronalen Vernetzungen . Häufiges negatives Denken schafft die neurobiologischen Grundlagen, dass Panikattacken überhaupt entstehen können. Das Gehirn reagiert auch in Ruhephasen automatisch auf die Art und Weise wie es mehrhaltig vernetzt wurde, unser Kopf will immer was zu tun haben.
14) Sekundärer Krankheitsgewinn (Secondary gain) verstärkt die Ängste. (Bernhardt Klaus, „Panikattacken und andere Angststörungen loswerden: Wie die Hirnforschung hilft, Angst und Panik für immer zu besiegen“ 2017

4. Reaktion

Die Angst hat drei Ebenen. Sie spielt sich im Körper, im Kopf und im Verhalten ab.

Die körperliche Ebene: Alarmreaktion. Die körperlichen Empfindungen sind ungefährlich, doch den Menschen, die unter Angststörungen leiden, erscheinen diese Veränderungen negativ und bedrohlich. Zunächst wird der sympathische Teil des autonomen NS aktiviert. Alle nicht lebensnotwendigen Aktivitäten im Körper werden eingestellt. Drüsen schütten Stresshormone aus (Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol und Cortison).

Die kognitive Ebene: Die Kognitionen sind: Die Gedanken, Einsellungen, Vorstellungen und Bewertungen. Menschen mit Angststörungen richten ihre Aufmerksamkeit besonders stark auf mögliche/vorgestellte Gefahren. Allmählich entsteht ein eingefahrenes Angstdenken, das automatisch abläuft. Schon der erste Gedanke an die vorgestellte Situation löst dann sofort die Angstreaktion aus.

Die Verhaltensebene: Man verhält sich ganz anders, versucht zu fliehen oder zu kämpfen, man fühlt sich wie gelähmt (bei starken Ängsten).

Bei Angst oder Stress gerät das Gleichgewicht Sympathikus-Parasympathikus ins Ungleichgewicht. Das geschieht in drei Phasen:

Die Alarmreaktion: Zunächst wird der sympathische Teil des autonomen NS aktiviert. Alle nicht lebensnotwendigen Aktivitäten im Körper werden eingestellt. Drüsen schütten Stresshormone aus (Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol und Cortison).

Die Reaktionen: das Herz schlägt schneller, Die Atmung beschleunigt sich, Hyperventilation, die Blutgefäße verengen sich, Schwindel, Benommenheit, drohender Ohnmacht, Wärme­Kälteschauern, Taubheit, Kribbeln, Sehstörung, Ohrensausen, die Spannung der Muskeln wird erhöht, mehr Schweiß wird abgesondert, die Verdauung wird heruntergeschaltet.

Die Anpassungsreaktion: nach der Alarmreaktion, wenn die Gefahr vorbei ist, wird der Parasympathikus aktiv. Der Körper baut die Stresshormone ab. Möglicherweise spürt man Übelkeit, Brechreiz, Durchfall, Harndrang.

Die Erschöpfungsreaktion: Der Körper erholt sich. Wenn die Stresssituation anhält, wird die Erschöpfung chronisch. Durch den Dauerstress werden die Energievorräte des Körpers erschöpft. Man fühlt sich matt und abgeschlagen, depressiv und todmüde. Bei lang anhaltendem Stress wird auch die Erregbarkeit der Nerven erhöht-was dazu führt, dass man leichter mit Angst reagiert. Der Körper befindet sich in einem permanenten Alarmzustand.

Gedanken können Gefühle hervorrufen. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich. Angstgedanken erzeugen Angstgefühle und Angstgefühle erzeugen Angstgedanken. Ein Kreislauf der Angst entsteht. (Ines von Witzleben, Aljoscha A. Schwarz, „Endlich frei von Angst“, 8. Auflage 2012)

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Details

Seiten
9
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346332226
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v978743
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
2,0
Schlagworte
angst angststörungen

Autor

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Titel: Angst und Angststörungen. Wie sie entstehen und wie sie zu bekämpfen sind