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Frank Lloyd Wright

Ausarbeitung 2000 19 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Florian Holik

Frank Lloyd Wright(*8.6.1867 Richland Center; +9.4.1959 Phoenix) Entwicklungsstationen

Der Anfang(1888 - 1893)

Wright absolvierte von 1885 bis 1887 eine Ausbildung als Ingenieur an der University of Wisconsin in Madison. 1888 trat er in das Büro von Dankmar Adler und Louis Sullivan ein, wo er vor allem an Wohnhäusern arbeitete. In dieser Zeit errichtet er 15 Einfamilienhäuser, darunter 1889 sein eigenes in Oak Park und 1891 Sullivans Sommer Haus in River Springs.

Die Prairiehäuser(1893 - 1910)

1893 wurde er vorübergehend Partner von Cecil Corwin, bis er schließlich 1896 ein eigenes Büro eröffnete. 1894 nahm mit dem Winslow House in River Forest, Illinois, die Reihe der sogenannten Prärie-Häuser ihren Anfang. Er vollzieht innerhalb weniger Jahre den Übergang von einer noch der Tradition verpflichteten Architektur zur Moderne. Im Artikel ,,A Home in a Prairie Town" in der Zeitschrift ,,Ladies" Home Journal" stellte er 1900 die Merkmale zusammen. Typisch für diese in die Umgebung eingebundenen freistehenden Häuser mit aus greifenden Dächern, horizontalen Fensterbändern und freier Grundrissgestaltung um einen zentralen Kamin sind das Willitts House im Highland Park, Illinois (1901/02), und das Martin House in Buffalo, New York (1904). Dort errichtete er auch ein voll klimatisiertes Bürohaus, das Larkin Building (1904/05), mit offenen Galeriegeschossen um eine hohe zentrale Halle, gefolgt von dem Stahlbetonbau des Unity Temple in Oak Park, Illinois (1904).

Meisterleistungen der Prärie Häuser waren das Robie House in Chicago (1906-10) mit einem bestimmenden Rhythmus horizontal auskragender, dünner Dachplatten sowie das Coonley House in Riverside, Illinois (1907/08). 1909 verließ Frank Lloyd Wright seine Familie und reiste nach Europa, wo er mit einer Ausstellung seiner Arbeiten in Berlin (1910) und der Publikation 'Ausgeführte Arbeiten und Entwürfe von Frank Lloyd Wright' zu einem wichtigen Impulsgeber der europäischen Architektur wurde. Wieder in Amerika, rief er 1911 die Gemeinschaft von Spring Green in Wisconsin ins Leben und baute dort sein Haus ,,Talisien East", das im Lauf der Jahre dreimal abbrannte und von Wright immer wieder aufgebaut wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Frederick C. Robie Haus (1907 - 1909)

Die beiden, gegenseitig parallel versetzten, schwebenden großen Längshorizontalen, werden durch den massigen Kamin durchdrungen und fest an den Boden gebunden.

Die gesamte südliche Straßenfront ist in reine, ungebrochene Horizontalen gegliedert, da der Eingang unrepräsentativ an der Rückseite gelegen ist. Die Betonung der Horizontalen wird erreicht durch: zurückgesetzte Stützen, durchgehende zusammengefasste Fensterflächen, Verschattung der Fenster mittels vorspringender Bauteile und durch das weit ausladende flache Walmdach.

Die westliche Eingangsseite greift im südlichen Teil im Obergeschoss mit einem spitzen Erker auf die vorgelagerte Terrasse aus, die von einem weit auskragenden Dach überspannt wird und durch eine Umfassungsmauer in ihrer Privatheit geschützt bleibt. Der zurückgesetzte nördliche Teil mit dem niedrigen Eingangsloch ist flächiger Horizontal gegliedert und tritt in voller Höhe in Erscheinung.

Das Haupwohngeschoss bildet das Obergeschoss, welches durch eine Art Untergeschoss mit Billardzimmer, Kinderraum, Garage, Eintrittshalle und Nebenräumen hochgehoben wird.

Kamin und Treppe bilden das zentrale Element, um das sich die Wohnräume gruppieren. Die mittige Berührungsstelle beider geschossiger Baukörper ist da Zentrum des Hauses mit dem Kamin als Kern. Es ist als kurze Querachse ausgebildet mit Kinder-, Gast- und einem kleinen Wohnzimmer im obersten Geschoss.

Die Zonen zwischen innen und außen werden mittels Übergangselementen ,,fließend" und vielschichtig gestaltet: durch bepflanzte Balkonbänder und Terrassen in allen Geschossen, Dachüberstände, Erker, Pflanzkübel, etc. Durch die Situation der Stadtlage werden die geöffneten Raumteile durch Gartenmauern, Pflanzrinnen und Abpflanzungen in ihrer Privatheit besonders geschützt.

Talisien - Ost (1911 - 1916)

Talisien ist in erster Linie Naturverbunden durch das Anschmiegen an und um den Hügel, wodurch auch der Name entstanden ist. Seine annährende L - Form ist introvertiert und umschließt einen großen Mauergarten. Seine langen Fensterfolgen und die überstehenden Dachvorsprünge bringen den Außenraum nach drinnen. Wright sucht zwar den Kontakt zur Natur im Inneren, jedoch versucht er durch seine ,,bodenumklammernde" Anordnung, niedrigen Dachüberständen, geschützten Fenster und umschließende Höfe Schutz gegen Klima und Besucher zu leisten. Auch trotz seiner offensichtlich schützenden Maßnahmen setzt Talisien - Ost, anders als die meisten der zwischen 1915 und 1935 gebauten Häuser, keine einschüchternden Barrieren zwischen sich und Außenstehenden. Es ist ein defensiver, aber kein aggressiver Bau.

In den nächsten Jahren macht Wright kaum einen Schritt nach vorn, da er bestimmte Motive wie Privatheit, Geschütztsein und innere Gemeinschaft immer wieder wiederholt. Verglichen mit den Präriehäusern sind die Entwürfe von 1915 - 1916 kubisch geschlossen, mit versteckten Eingängen, kleineren und weniger Fenstern und Fassaden mit größeren ungebrochener Oberfläche. Die neuen Gebäude sind straff organisiert, streng abgegrenzte, sichere Bollwerke gegen einen Dialog zwischen Innen und Außen.

Taliesin wurde im Laufe der Jahre auf Grund von Bränden drei Mal wieder aufgebaut.

Japan (1916 -1922)

1915 reist Wright nach Japan und wird dort 6 Jahre leben. Wright ist an einem Tiefpunkt angekommen und verwirklicht nur sehr wenige Bauten, was eventuell auf den 1. Weltkrieg und persönliche Probleme. Zwischen 1915 und 1922 realisierte er mit Antonin Raymond unter Anwendung eines neuartigen, erdbebensicheren Konstruktionsprinzips das Imperial Hotel in Tokio. Wuchtig und geschlossen, mit Rückgriffen auf ornamentale Motive der Maya- Kultur wurde das Barnsdall House in Los Angeles (1917-20) ausgeführt.

Kalifornische Häuser (1921 - 1924)

In dem heißen und trockenen Klima entwirft Wright nun geschlossene kubische Formen, die in seinem Werk bisher vereinzelt erschienen waren. Das Bedürfnis den Bau mit der Umgebung zu verzahnen, wie es bei den Prairiehäusern der Fall war, wird nun gegen eines sich vor dem heißen kalifornischen Klima zu schützen.

1923 entwickelt Wright das vorfabrizierte Betonteil ,,textil block" und diesen dann am Millard House in Pasadena (1921-23) ein. Diese Blocks sind mit geometrischen Mustern versehen. Wright betont, dass die Normung lediglich ein Mittel zum Ziel sei, doch niemals dürfe er den Prozess leiten, der die originale Form ergibt. Das Material ist für das kalifornische Klima geeignet, da es im Winter die Wärme speichert und im Sommer abweist. Die meisten ihrer relativ wenigen Fenster durchdringen die oberen Stockwerke und pflegen auf die Rückseite des Baus hinauszugehen. Durch von der Straße abgewandte Eingänge wird der Kontakt zwischen Innen und Außen erschwert. Sie sind, im Gegensatz zu den Prairiehäusern, von der Straße abgewandt, um die eindrucksvollen Ausblicke ihrer Standorte auszunutzen. Da der Festungscharakter und nicht die landschaftsbezogenen Qualitäten von Talisien - Ost erweitert wurden, sind sie weniger Orte zum Leben als vielmehr Rückzugsmöglichkeiten ins Private.

Usonische Häuser oder Meisterwerke (1936 - 1940)

Wright entwickelt nun aktives Interesse am Entwurf bescheidener Häuser für die amerikanische Durchschnittsfamilie, welche er usonische (amerikanische) Häuser nennt. Sein neues Wohnungskonzept soll durch viele technische Sparmaßnahmen niedrige Kosten erzielen. Durch vergrößerte Fensterflächen und Förderunge des realen und scheinbaren Kontakt zwischen Innen und Außen erzielt das usonische Haus eine enge Beziehung zur Natur. Es ist kompromisslos horizontal, ruht auf einer unterkellerten Bodenplatte und benutzt nur Flügelfenster und regionale Materialien. Langsam entwickelt es sich zu einem längeren und niedrigeren Baukörper. Es liegt nicht mehr in der Vorstadt, sondern auf dem Lande, außerhalb kleiner Städte oder auf großen bewaldeten Plätzen, wo es die unregelmäßigen und eindrucksvollen Standorte, Hügel, Abhänge und Seeufer, viel mehr ausnutzt als das Prairiehaus. Das usonische Haus stellt ein Mittelweg zwischen Prairiehaus und den ,,textile- Block" - Entwürfen dar. Während die Prairiehäuser der Straße mit zahlreichen Fenstern gegen zu stehen pflegte, schien die Gemeinschaft sogar mit seinem geschützten Torweg anzusprechen, im Gegensatz zu den ,,textile - block" - Entwürfen, die den Kontakt nach Außen klar meiden. Das usonische Haus meidet nicht jeglichen sozialen Kontakt, aber es bewahrt auch seine Privatheit. Heime sollten ,,Schutz in der Offenheit" und nicht länger Festung sein, stellt er 1931 fest.

Der usonische Haustyp vereinigt mehrere Familienaktivitäten in einem Ort: der ,,Wohnraum" ist geeignet als Platz zum Essen, Entspannen, Spielen, Unterhalten und kulturellen Bereichern und mit beigefügter Küche und Patio für praktisch allen anderen Familienfunktionen.

Natürlich sondern alle usonischen und nachusonischen Häuser den Schlafzimmerflügel vom Wohnbereich ab und treffen damit ausreichende Vorkehrungen für eine persönliche Privatheit. In den Jahren von 1928 - 1935 hatte Wright nur 2 Entwürfe für zahlende Kunden ausgeführt. Aber von 1936 - 1940, einer Periode großer Produktivität und Vollendung, beginnt Wright die Möglichkeiten von Dreieck, Hexagon und Kreis, alle in Verbindung mit dem usonischen Grundriss, zu erforschen, was Wrights spätere Wohnhäuser komplexer aber unabhängiger von rechtwinkelig vorbestimmten Möglichkeiten macht. Diese Zeit könnte als ,,Zweites Goldenes Zeitalter" genannt werden.

In der auftragsarmen Phase fasste er seine Ideen zur Stadtplanung unter dem Titel 'Broadacre City' (1932) zusammen, dem Modell einer Flächenstadt, bewohnt von automobilisierten Menschen. Zu seinen genialsten Arbeiten ist das Haus ,,Fallingwater" in Pennsylvania (1935- 39) zu rechnen, das auf einem Felsen direkt über einem Wasserfall gebaut wurde.

Für das Chemieunternehmen S.C. Johnson & Son schuf er in Racine, Wisconsin, zwischen 1936 und 1950 eine nach außen geschlossene Verwaltungsanlage mit pilzförmigen Stahlbetonstützen im Inneren sowie einen Laborturm mit Glashülle (1944-50).

Edgar Kaufmann Haus (1936 - 37) ,,Fallingwater"

Die großen horizontalen Betonplatten der Dächer und Terrassen kragen in 3 Ebenen, sich kreuzend, nach vier Seiten weit über den Wasserfall der Bear Run Schlucht aus. Sie sind in einem massiv aus Naturstein gemauerten, vertikalen Kaminblock eingespannt. Ihr hell bräunlicher, glatter Sichtbeton hebt sich leuchtend von der Dunkelheit der Hohlräume zwischen ihnen ab und kontrastiert mit den dichtgefügten, flachen Schichten des rauen Natursteinmauerwerks. So zeichnen sich beide Materialien, Sichtbeton und Naturstein, in ihren verschiedenen Funktionen, deutlich von einander ab.

Die Frontwände zwischen den massiven Brüstungsbändern und Dachplatten, bestehen aus Glas in Metallrahmen und werden durch eine filigrane Sprossenaufteilung fein gegliedert. Der jeweils an den Kamin stoßende Raum öffnet sich in allen drei Ebenen mit einer verglasten Ecke zum Wasserfall.

Entlang des Fahrweges, der von Süden her kommend über eine kleine Brücke, östlich im großen Bogen um das Haus zur nördlichen Eingangsseite geführt wird, verspringt die Hausrückwand mehrfach, um in ihren Versätzen Licht einzulassen und um Eingang und Treppen unterzubringen. Die Treppen verbinden die Terrassen an mehreren Stellen untereinander und führen an einem Punkt zum Flussufer hinab.

Die unterste Hauptebene besteht aus einem großen nach Süden orientierten Raum, der sich in

verschiedene untergeordnete Bereiche hin öffnet und mit darunter hindurchfließenden Gebirgsstrom durch eine Treppe verbunden ist. Man betritt das Haus unter einer überdachten Loggia im NO und gelangt von einem kleinen Vorbereich über ein paar Stufen hoch in den rückwärtigen Teil des Wohnraumes.

Die Schlafräume mit Badezimmern der 2. und 3. Ebene haben jeweils eigene große Terrassen auf die sie sich in voller Höhe mit Fenstertüren öffnen. Die Räume am Kamin sind mit einer Feuerstelle und der zum Wasserfall verglasten SW - Ecke ausgestattet. Die Terrasse der 2.

Ebene kragt quer zum Fluß, weit über die längst dazu angeordneten Terrassen der 1. und 3. Ebene.

Talisien - Gemeinschaft (1938)

Nach einer Lungenentzündung im Jahre 1937 wird Wright geraten ein wärmeres Klima zu finden. Wright erwirbt daraufhin Land in Arizona und entwirft sogleich Talisien - West. Es werden 4 kontrastierende Materialien verwendet: ausgegrabene Wüstensteine, Mauern aus zementierten Bruchsteinmauerwerk, Rotholzträger und geneigte Segeltuchflächen.

Der erste ausgeführte Abschnitt ist der aus Wüstensteinen und Rotholz gebaute Zeichensaal mit einem weißen Segeltuch, das ein weiches diffuses Licht liefert und die große Hitze mit Hilfe von Seitenklappen zurückweist. Zusammengesetzt aus reinen Dreiecken und Diagonalen, sieht sich Talisien - West dem sich abzeichnenden Superstition Mountain auf einem Achsenkreuz gegenübergestellt. Steine in vielen Farben und riesige Rotholzbinder, später durch grüne bewässerte Gärten und tiefblaue Teiche gesteigert, alles sorgt für eine unerwartete Vielfalt der Farben.

Vergleicht man Taliesin - Ost mit Taliesin - West, so stellt man viele Gemeinsamkeiten fest. So stehen beide Bauten in einer dichten Wechselbeziehung zwischen Natur und Bauwerk.

Ferner sind noch Ähnlichkeiten in der Organisation des Zusammenlebens zu sehen.

Spätphase oder Räumliches Kontinuum (1941 - 1959)

Nach dem 2. Weltkrieg, als Wrights Büro beträchtliche Dimensionen angenommen hat, tritt der Wohnungsbau gegenüber anderen großen Bauvorhaben wie z. B. dem Guggenheim Museum zurück. Trotzdem bleibt er vornehmlich mit dem Wohnhausbau verbunden. Bei Wrights späten Häusern kann man zwei Extrem feststellen: einerseits spielt das Verhältnis vom Haus zum Umraum nicht mehr die entscheidene Rolle und andererseits wird eine Art

Extravaganz um jeden Preis angestrebt.

Trotz seiner Abneigung gegen die rechtwinkelige Schachtel, baut er in den späten 40er und 50er Jahren auch kleinere und rechtwinkelige Häuser, die auf einem Quadratmodul basieren, oft auf der 4 - Fuß - Einheit (etwa 1,26m). Die Klienten dieser Häuser sind Leute mit relativ bescheidenen Einkommen, die in ihrem Geschmack konventionell sind. Viele der Detailarbeiten, wenn nicht einiges des Gesamtentwurfes, wird zweifellos von Wrights Arbeitsstab getan.

Wright fügt wenig seinem Repertoire hinzu, welches er während der Prairie - Haus - Periode entwickelt hat. Er benutzt wieder leicht geneigte Dächer, die spitz und weit über den Baukörper überstehen.

Seine vorfabrizierten Häuser (,,Prefabs") der späten 50er Jahre sind Anstrengungen, einige seiner Ideen auf Massenproduktionsbasis zu verwirklichen.

Das erste ,,Usonian Automatik" wird 1953 für B. Adelman realisiert. Es basiert auf dem durch Stahlstangen verstärkten Beton - Schalen - Blocksystem, welches 30 Jahre früher in Kalifornien ersonnen wurde. Seine Wände sind innen und außen gleich, es ist feuer-, erdbeben- und ungeziefersicher.

Kurz vor seinem Tod behauptet Wright, dass ,,es keinen rechten Winkel in der Natur gibt - die Natur kennt nur runde Formen". In den 50er Jahren sind seine rechten Winkel oft asymmetrisch bezogen. Er betrachtet es als normal y - förmige und runde Häuser, spiralenförmige, hexagonale und kreisförmige öffentliche Bauten zu entwerfen. Als ihn das Alter überkommt, mag er unbewusst von Formen gefesselt sein, welche die Unendlichkeit und Selbstverewigung symbolisieren. Außergewöhnliche Formen verwendete Wright bei der Spirale des Solomon R. Guggenheim Museums in New York (1956-59) und bei der zeltartigen Stahl-, Glas- und Kunststoffkonstruktion der Beth Sholom Synagoge in Philadelphia (1958/59). In Price Tower in Bartlesville, Oklahoma (1953-56), errichtet er sein einziges Hochhaus.

Wright hat über 800 Bauten entworfen und in zahlreichen Artikeln und Büchern seine Thesen einer organischen Baukunst in einem demokratischen Amerika formuliert, so in der Zeitschrift ,,Architectural Record" unter dem Titel ,,In the Cause of Architecture" sowie den Publikationen ,,When Democracy Builds" (1945), ,,The Future of Architecture" (1953) und ,,The Living City" (1958).

Frank Lloyd Wrights Architekturelemente

1. ,,Der Freie Plan". Offenheit. Nur die Arbeitsräumräume, Küche, Herren und Schlafzimmer werden abgekapselt. Die Offenheit bezieht sich auch auf die Beziehung Innen - Außen: die Räume werden vom Zentrum des Hauses, dem großen Kamin, in den Garten hinausgestreckt. Dies erschwert zuweilen die enge Verbindung zwischen ihnen. Die Räume werden zusehends mehr, auf drei Seiten, durch Fenster geöffnet.
2. ,,Der menschliche Maßstab". Horizontalismus. Niedrige Räume werden horizontal unterteilt. Die Deckenhöhe wird durch den zur Decke gehörenden Fries, den obersten Teil der Wand, optisch noch niedriger. Bei sehr großen Räumen wird die Decke durch die Untersicht des flach geneigten Daches ersetzt. Horizontale Gliederung nach außen: durch Fensterbänder, Werksteinplatten, Werksteinbänder in der Backsteinwand.
3. ,,Das Schützende". Das weit überstehende flachgeneigte Walmdach, welches niemals durch Dachgauben unterbrochen ist, beschützt das Haus und betont seine Beziehung zum Erdboden. Das Dach ist stärkste Ausdruck des Horizontalismus.
4. ,,Auflösung der Wände". Fensterbänder in der Wand und an den Raumenden erkerartig vor der Wand lösen diese weitgehend auf. Schließlich bleiben nur noch die Hauptstützen stehen und diese werden nun stark betont.
5. ,,Struktur". Stützen und Gruppen von Stützen allein gliedern den Raum. Struktur als Wesen der Architektur. Dieses Element entsteht durch die fortschreitende Auflösung der Wand.
6. ,,Achsialität". Diesen Grundsatz erwähnt Wright nicht. Er ist aber von seinen Plänen abzulesen, und zwar immer entschiedener. Diese Achsialität ist ein reines Ordnungsprinzip und hat nichts mit Repräsentation zu tun. Der Eingang findet sich fast niemals in der Achse.
7. ,,Gruppierung". Ebenfalls ein Prinzip, was Wright nicht erwähnt. Die achsialen Komposition der Haupträume werden Schlafzimmer- und Wirtschaftsflügel frei angefügt. Die verschieden hohen Dächer bewirken ebenfalls, dass ein gruppierter Baukörper entsteht: Eindruck der Freiheit der Ungezwungenheit auch im Außenbau.
8. ,,In the nature of materials". Jedes Material ist so zu verwenden, wie es seinem Wesen entspricht. Keine Trennung zwischen Materialien für den Innen- und Außenbau (die Kaminwand ist fast immer aus Backstein).
9. ,,Einheitlichkeit". Form, Material, Farbe, Möbel, auch Ornament sind aufeinander abgestimmt. Der Raum wird zum Kunstwerk, ist bis ins einzelne festgelegt.
10. ,,Formalismus". Immer stärker wird in Wrights Häusern die strenge formale Komposition entwickelt. Das ganze Haus wird ein Kunstwerk, was gerade bei seinem Spätwerk auffällt.
11. ,,Organische Architektur". Dies ist der Hauptsatz auf den Wright alle anderen Grundsätze bezieht. Was Wright organisch nennt, ist nicht zu verwechseln mit Härings Organhaften. Härings spricht vom Grundsatz ,,form follows function", während Wright von einer Beziehung zwischen der Form und der Funktion ausgeht. Organisch nennt er eine Architektur, die für den Menschen da ist und nicht für die Repräsentation, auch nicht für die Kunst.
12. ,,Zerstörung der Kiste". Die Zerstörung der Kiste fällt erstmals beim Larkin Building auf, wird aber wesentlich deutlicher beim Unity Temple in Oak Park. Wright hat sein Vorgehen in dem Buch von 1955 illustriert: Zuerst zeigt er die Kiste, dann werden in die Kiste Fenster geschnitten. Die dritte Figur zeigt Stützen nicht in den Ecken, sondern von diesen zurückgesetzt. In der vierten Figur wird die Dachplatte nicht von Stützen getragen, sondern von Wandscheiben. Die Kiste ist zerstört.

Wrights Einfluss auf Le Corbusier

Le Corbusier hatte bei seinem Aufenthalt in dem Büro von Behrens die Gelegenheit Wrights Werke zu sehen, da gerade zu dieser Zeit die Wassmuth - Veröffentlichung erschienen ist. Es ist sehr unwahrscheinlich, obwohl Le Corbusier immer wieder betont, nur sehr wenige Werke in Zeitschriften gesehen zu haben.

Ferner tauchten nach der Wassmuth - Veröffentlichung bei einigen Bauten Le Corbusiers Wrightsche Stilelemente auf, die eindeutig darauf hinweisen, dass Le Corbusier einige Werke von Wright sehr gut kannte. So weist ein Haus in La Chaux - de - Fonds ein weit überstehendes Walmdach mit einem darrunterliegenden Fensterband auf, was neu für Le Corbusiers bisherige Entwürfe war. Außerdem verbirgt sich hinter dem Grundriss der Villa Schwob ein Wrightscher. Das Haus besteht im wesentlichen aus einem einzigen ,,Foyer", das nach verschiedenen Richtungen ausgreift und an das die Schlaf- und Wirtschaftsräume angeschlossen sind. Die Gartenfassade zeigt ebenfalls Wrightsche Züge.

Als Le Corbusier um 1926 seine ,,5 Punkte zu einer neuen Architektur" aufstellt, empfiehlt Punkt 4 die ,,Anordnung horizontaler Fensterbänder" und Punkt 5 als konsequente Weiterentwicklung Wrightscher Ansätze, die ,,freie Fassadengestaltung durch Ablösung der Außenhaut vom statischen System". Auch diese Thesen vertritt Wright.

Nach dem 1. Weltkrieg entwickelt sich Le Corbusier in eine zu Wright ganz konträre Richtung, welche sehr deutlich an der Villa Savoye zu sehen ist, wenn man diese mit den Prairiehäusern vergleicht.

Trotz gewisser Berührungspunkte zeichnet sich, besonders in beider Spätwerke, die gegensätzliche Auffassung Le Corbusiers als Verfechter der Maschine und Wright als Romantiker immer deutlicher ab. Beide Architekten hegen wenig Sympathie füreinander, was in einigen Aussagen von Wright deutlich wird. Am deutlichsten werden die beiden unterschiedlichen Einstellungen zur Natur in ihren konträren Standpunkten zur Stadt. Le Corbusier liebt die Stadt, Wright hasst sie. Le Corbusier will sie dramatischer, erregender, leistungsfähiger und schöner gestalten, Wright dagegen will sie in eine horizontale Grünanlage verwandeln. So ist es charakteristisch für Wright, dass seine Stadtbauten fremdartig und isoliert in der urbanen Textur sitzen, seine vielen Landhäuser dagegen mit der natürlichen Umgebung verschmilzen. Genau umgekehrt ist es bei Le Corbusier: Er passt seine vielen Stadtbauten genau in die Eckigkeit des urbanen Musters hinein, dafür sehen seine wenigen Landhäuser in ihrem natürlichem Rahmen ein wenig fehl am Platze aus.

Ein Gebäude muss bei Le Corbusier im klaren Gegensatz zur Natur stehen, und nicht als Auswuchs irgendeiner Naturform entstehen. Auf diese Weise können sich Natur und Architektur gegenseitig steigern und durch Kontrast eine Art Harmonie schaffen. Wright schafft die Harmonie wesentlich direkter durch die Integration des Bauwerkes in den Naturraum.

Spezialisierung auf die Wohnhausarchitektur

Twombly schreibt Wrights Interesse und Spezialisierung auf die Wohnhausarchitektur vier Ursachen zu:

1. psychologischen Impulsen aus seiner gestörten Kindheit (Interesse an -natur und Familie) und späterer ehelicher Frustration.
2. Silsbees Ermutigung zur Schaffung besserer Wohnqualität.
3. Sullivans Übergabe aller Hausentwürfe an Wright und damit verbundenem späteren Erfolg.
4. Dem wachsenden Wohnbedürfnis durch Chicagos obere Mittelklasse in den 1890er Jahren, gerade als er sich selbständig macht.

Bilderkatalog

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Details

Seiten
19
Jahr
2000
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97887
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
Schlagworte
Frank Lloyd Wright

Autor

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Titel: Frank Lloyd Wright