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Wie wirken sich Attributionen auf die Leistungsbeurteilung von Mitarbeitern aus?

Das Kovariationsmodell von H. Kelly und Attributionen

Hausarbeit 2020 30 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Attributionstheorien
2.1 Die Attributionstheorie von Heider
2.2 Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerung(en) von Jones & Davis
2.3 Kovariationsmodell von Kelley
2.4 Zusammenfassung

3. Attributionsverzerrungen
3.1 Fundamentaler Attributionsfehler
3.2 Akteur-Beobachter-Verzerrung
3.3 Selbstwertdienliche Attributionsverzerrungen

4. Auswirkungen von Attributionen und Attributionsfehlern auf die Beurteilung von Mitarbeitern
4.1 Bildung kausaler Urteile im Beurteilungsprozess
4.2 Attributionsverzerrungen, die eine Leistungsbeurteilung beeinflussen

5. Maßnahmen zur Sicherstellung einer objektiven Leistungsbeurteilung von Mitarbeitern

6. Fazit & Ausblick

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Ggf. gegebenfalls

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ursachenattribution für Verhaltensergebnisse (Jansen, 2018, S. 39)

Tabelle 2: Muster von Konsensus-, Konsistenz- und Distinktheitsinformationen (KKD) (Parkinson, 2014, S. 76)

Tabelle 3: Kriterien des Kovariationsmodells und die daraus resultierenden Attributionen (in Anlehnung an Werth & Mayer, 2008, S. 136)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unterscheidung von Attributionstheorien und attributionalen Theorien (Jansen, 2018, S. 42 in Anlehnung nach Försterling, 2009)

Abbildung 2: Gemeinsame und nichtgemeinsame Handlungseffekte von zwei Handlungsalternativen X und Y (Heckhausen & Heckhausen, 2018, S.467)

Abbildung 3: Varianzanalytischer Würfel zur Abbildung von Informationen über Kovariationen von Handlungen über drei Dimensionen (Heckhausen & Heckhausen, 2018, S. 469)

Abbildung 4: Das Abwertungs- und Aufwertungsprinzip (Orth, Koch, & Kunnig, 2017, S.82)

Abbildung 5: Prozesse, die zu Korrespondenzverzerrungen führen (nach Parkinson, 2014, S. 91)

1. Einleitung

Jeder Mensch ist interessiert daran, warum ein anderer dies oder jenes getan hat. Warum hat der junge Mann, dem ich heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit in der U- Bahn begegnet bin, der alten Frau keinen Sitzplatz angeboten? Oder warum hat der neue Kollege mich nicht gegrüßt? Die Suche nach Gründen für das Verhalten anderer kann bewusst oder unbewusst erfolgen (Parkinson, 2014, S. 72).

Aus dem Alltag wissen wir, dass Ursachenzuschreibungen nicht immer korrekt sind, häufig sind unsere Urteile verzerrt. Gerade bei der Leistungsbeurteilung von Führungspersonen können fehlerhafte Ursachenzuschreibungen weitreichende Konsequenzen für den Beurteilten mitbringen. Wie kann die Führungskraft also vermeiden, sich bei der Leistungsbeurteilung beispielsweise nur vom attraktiven Äußeren des Gegenübers beeinflussen zu lassen? Diese Arbeit geht der Fragestellung nach, wie Attributionsfehler in der Praxis vermieden werden und wie Führungskräfte für eine faire und objektive Beurteilung sorgen können. Ein möglicher Schlüssel liegt dabei sicherlich in der Bewusstmachung der Prozesse, die bei einer Attribution ablaufen. Um diesen Prozess nachvollziehen zu können, bedarf es geeigneter Theorien, die die Ursachenzuschreibung darstellen und beschreiben.

Motivierte und qualifizierte Mitarbeiter stellen einen elementaren Erfolgsfaktor für ein Unternehmen dar. Von ihnen ist die Innovationskraft, die Konkurrenzfähigkeit und auch das Veränderungspotential eines Unternehmens abhängig. Um die Herausforderungen des technischen Fortschritts und die damit einhergehende zunehmende Komplexität bewältigen zu können, sind geeignete und fähige Mitarbeiter unverzichtbar. Aus diesem Grund sind Unternehmen bestrebt, die besten Mitarbeiter zu finden, ihre Leistungen zu beurteilen und ihnen die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu bieten, um sie lange an das Unternehmen zu binden (Niermeyer & Postall, 2010, S. 148). Um diese Ziele zu erreichen, müssen Führungskräfte in der Lage sein, die Leistungen und das Verhalten ihrer Mitarbeiter gerecht und möglichst objektiv zu beurteilen, sowie, in einem gewissen Rahmen, zukünftiges Verhalten vorherzusagen. Die Voraussetzung zur Fällung objektiver Urteile ist, dass der Führungskraft die Ursache für das Verhalten oder die Leistung des Mitarbeiters bekannt ist. Erzielt der Mitarbeiter gute Ergebnisse, weil er so strebsam ist? Oder liegen dem Erfolg doch eher äußere Ursachen zugrunde? Verhaltensursachen sind oft nur in einem begrenzten Rahmen beobachtbar (Spisak &

Della Picca, 2017, S. 198). Daraus ergeben sich verschiedene Fragestellungen. Welche Informationen berücksichtigen Führungskräfte bei der Leistungsbeurteilung und wie interpretieren sie diese? Wie schließen Führungskräfte vom Verhalten ihrer Mitarbeiter auf deren Ursachen? Gehen Führungskräfte stets objektiv vor oder führen bestimmte Faktoren zu einer Beeinflussung der Beurteilungsergebnisse?

Um diese Fragestellungen zu klären, werden in dieser Arbeit zunächst einige wichtige Attributionstheorien dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf dem Kovariationsmodell von Harold H. Kelley liegt. Im Anschluss daran werden drei Attributionsfehler, die in Beurteilungsprozessen auftreten können, beschrieben, um daraus Möglichkeiten abzuleiten, wie diese Fehler vermieden werden können. Zuletzt werden die dargestellten Möglichkeiten zusammengefasst und diskutiert.

2. Attributionstheorien

Menschen schreiben Ereignissen Ursachen zu. Dies gilt nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch auf der Arbeit. Aufgrund ihrer Komplexität sind nicht alle Ursachen, die wir Ereignissen oder persönlichen Erfahrungen zuschreiben, korrekt. Der Vorgang, wie Menschen durch Beobachtungen einen Eindruck über andere Menschen in einer sozialen Umwelt bilden und in welcher Weise sie dabei für den Beurteilungsprozess relevante Informationen sammeln und anschließend interpretieren, ist ein Kernthema der sozialen Wahrnehmung, die wiederum im Bereich der Sozialpsychologie zu verorten ist (Parkinson, 2014, S. 71).

Die Beantwortung der Frage nach dem „Warum" ist im menschlichen Erleben und Verhalten von zentraler Bedeutung. Attributionstheorien sind dabei wissenschaftliche Theorien, die beschreiben, welche Art von Informationen eine Person zur Ursachenzuschreibung (dem Warum) heranzieht. Diese Ursachenzuschreibungen werden Kausalattributionen genannt. Der Begriff „Kausalattribution" leitet sich aus dem lateinischen causa = Ursache und attribuere = zuschreiben ab und beschreibt den Prozess, wie Personen zu subjektiven Urteilen über die Ursachen von Verhaltensweisen gelangen (Zimbardo, Gerrig, & Graf, 2007, S. 766). Dass Menschen überhaupt Ursachenzuschreibungen durchführen, liegt an ihrem Grundbedürfnis nach Kontrolle und Vorhersagbarkeit. Das alleinige Erfassen von Ereignissen und Verhalten in der (sozialen) Umwelt reicht nicht aus, um dieses Bedürfnis zu befriedigen (Meyer & Försterling, 1993, S. 176-177).

Försterling (2009) unterscheidet im Kontext der Ursachenzuschreibung zwischen Attributionstheorien und attributionalen Theorien. Attributionstheorien fokussieren ihrerseits die Ursachenzuschreibungen (Kognition) von Ereignissen (Stimuli), während attributionale Theorien sich mit den Auswirkungen der Ursachenzuschreibung (Kognition) auf das Erleben und Verhalten (Reaktion) von Personen beschäftigen (Försterling, 2009, S. 126; Jansen, 2018, S. 42). Abbildung 1 verdeutlicht den Unterschied zwischen Attributionstheorien und attributionalen Theorien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Unterscheidung von Attributionstheorien und attributionalen Theorien (Jansen, 2018, S. 42 in Anlehnung nach Försterling, 2009)

Unter dem Begriff “Attributionstheorie“ wird nicht eine spezielle Theorie verstanden, sondern umfasst eine Gruppe von Theorien, die Annahmen der Kausalattribution teilen (Parkinson, 2014, S. 72). Im Folgenden werden die theoretischen Überlegungen der Attributionstheorie von Heider, Jones & Davis und Kelley betrachtet.

2.1 Die Attributionstheorie von Heider

Als Begründer bzw. maßgeblicher Ideengeber der Attributionstheorie wird der österreichische Psychologe Fritz Heider (1896 - 1988) genannt. Im Jahre 1958 veröffentlichte er die grundsätzlichen Gedanken, zu denen auch die Attributionstheorie zählte, in seinem Werk „The Psychology over Interpersonal Relations“ und legte damit den Grundstein der Attributionstheorie (Meyer & Försterling, 1993, S. 178). Dort setzte er sich mit der Verhaltensanalyse und Kausalzuschreibungen auseinander. Ähnlich wie der Gestaltpsychologe Kurt Lewin (1890 - 1947) beschreibt Heider das Verhalten eines Menschen (V) mittels einer Funktion (f) aus Person (P) und Umwelt (U):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus den beiden Komponenten, der dispositionalen Kraft (Personenkraft) und der situationsbedingten Kraft (Umweltkraft) entwickelt Heider seine Handlungsanalyse. Die Attribution hilft dabei zukünftiges Verhalten vorhersagbar und kontrollierbar zu machen. Wenn man also weiß, dass das freundliche Verhalten des Arbeitskollegen auf dessen Charakter zurückzuführen ist, kann man vorhersagen, dass er sich auch in zukünftigen Situationen ähnlich freundlich verhalten wird (Personenkraft). Das gleiche gilt auch für Situationen: sind ähnliche Rahmenbedingungen gegeben, kann davon ausgegangen werden, dass diese ein ähnliches Verhalten hervorrufen (Umweltkraft) (Heckhausen & Heckhausen, 2018; Jansen, 2018). Diese beiden Kräfte fasst Fritz Heider als zwei Attributionsdimensionen zusammen: internal, wenn sich Attributionen auf das eigene Verhalten beziehen und external, also Ursachen, die in der Umwelt der Person liegen (Försterling, 2009, S. 130).

Diese beiden Dimensionen werden an verschiedenen Kausalitätskonzepten untersucht, die er als „Causing" oder „Typing" bezeichnet. Heider setzt in seinem Kausalitätskonzept „Can" bereits das später von Bernard Weiner (*1935) eingeführte Konzept der Stabilität voraus (Heider, 2015, S. 86). So können internale Ursachen stabil sein, wenn beispielsweise als internale Ursache für einen Erfolg ein vorhandenes Talent gesehen wird. Umgekehrt können internale Ursachen auch instabil sein, wenn beispielsweise ein Misserfolg auf mangelnde Anstrengung attribuiert wird. Ein ähnliches Muster ergibt sich für die externalen Ursachenzuschreibungen: Um eine externale stabile Ursache handelt es sich beispielsweise um einen Dozenten, der immer wieder leichte Klausuren stellt, während Glück ein Beispiel für eine externe instabile Ursache ist. Bevorzugt werden von Menschen stabile und überdauernde Ursachen, da diese eine gewisse Vorhersehbarkeit zulassen. Zusammengefasst ergibt sich folgendes Schema für Kausalattributionen (Tabelle 1):

Tabelle 1: Ursachenattribution für Verhaltensergebnisse (Jansen, 2018, S. 39)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Heider prägte ebenfalls den Begriff des „naiven Wissenschaftlers" und zeigte, wie Menschen als Laienpsychologen kausale Theorien des menschlichen Verhaltens entwickeln. Dabei geht er von drei Prinzipen der naiven Psychologie aus, die vom Menschen bei der Konstruktion kausaler Theorien angewandt werden-(Bierhoff & Frey, 2011, S. 153). Darauf soll an dieser Stelle jedoch nicht näher eingegangen werden.

2.2 Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerung(en) von Jones & Davis

Jones und Davis entwickeln die von Heider entwickelte Attributionstheorie weiter, indem sie sich auf dispositionale Schlussfolgerungen konzentrieren. Sie versuchen zu erklären, wie Menschen darauf schließen, dass das beobachtete Verhalten einer Person mit einer zugrundeliegenden Disposition korrespondiert. Menschen bevorzugen korrespondierende Schlussfolgerungen, da dispositionelle Ursachen äußerst stabile Ursachen sind (Bachmann, 2012). Jones und Davis nannten den Prozess des Erschließens von Dispositionen aus Verhalten eine korrespondierende Schlussfolgerung. Um die Absicht eines Handelnden herauszufinden, wird das gesamte Spektrum der Verhaltensmöglichkeiten, die dem Handelnden zum Zeitpunkt der Entscheidung zur Verfügung stehen, berücksichtigt. Jede Verhaltensmöglichkeit hätte in ihrer Ausführung andere Auswirkungen gehabt, von denen einige wünschenswert und andere nicht erwünscht sind. Indem ein Handelnder die Auswirkungen der ausgewählten Handlung mit den übrigen nicht ausgeführten Handlungen vergleicht, kann er auf darauf schließen, warum eine Handlung ausgeführt wurde (Parkinson, 2014, S. 73). Dieser Schluss auf die Absichten durch Abwägen verschiedener Handlungsmöglichkeiten und deren Konsequenzen wird als Analyse nicht gemeinsamer Auswirkungen bezeichnet. Eine solche Analyse ist in Abbildung 2 beispielhaft visuell dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gemeinsame und nichtgemeinsame Handlungseffekte von zwei Handlungsalternativen X und Y (Heckhausen & Heckhausen, 2018, S.467)

Parkinson (2014) nennt als Bedingung für eine korrespondierende Schlussfolgerung, dass sich der Handelnde frei entscheidet, also bewusst handelt (Kassin et. al., 2011, S. 114; Parkinson, 2014, S. 74).

Die Grenzen der Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerungen bestehen darin, dass der Handelnde nicht immer über das benötigte Vorwissen verfügt, um eine geeignete Auswahl treffen zu können. Zum anderen spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle (Parkinson, 2014, S. 73). Die Zeit, die für eine Analyse gemeinsamer Auswirkungen benötigt werden würde, lässt diesen Schritt nicht wahrscheinlich erscheinen.

2.3 Kovariationsmodell von Kelley

An den Ansatz von Heider knüpft der amerikanische Psychologe Harold H. Kelley im Jahre 1967 an. Er liefert mit seinem Kovariationsmodell (oder auch Kovariationstheorie) ein Modell zur allgemeinen Erklärung, wie Menschen unterschiedliche Ursachen für eine von ihnen beobachtete Handlung gegeneinander abwägen. Kelley (1967) lieferte einen entscheidenden Beitrag zur Attributionstheorie, indem er aufzeigte, dass Menschen bei der Eindrucksbildung und

Ursachenzsuchreibung des Verhaltens anderer Menschen mehrere Informationen und mehrmalige Beobachtungen einbeziehen.

Das Modell nimmt an, dass Beobachter kausale Schlüsse über das Verhalten anderer ziehen, indem sie Daten über strukturell ähnliche Fälle sammeln. Die Verhaltensursache ist nun diejenige Person oder Situation, die mit dem beobachteten Effekt kovariiert (Heckhausen & Heckhausen, 2018, S. 468; Parkinson, 2014, S. 75). Diese Kovariation geht auf das statistische Prinzip der Kovariation aus der Varianzanalyse zurück. Kovariation ist in Kelleys Modell die notwendige Bedingung für Kausalität, denn Ursache und Wirkung müssen zusammen auftreten. Das Individuum nimmt die Haltung eines „naiven Wissenschaftlers" ein und verhält sich ebenso. Tritt nun ein bestimmtes Ereignis zusammen mit einer bestimmten Information auf, kann auf eine Ursache geschlossen werden oder einfacher ausgedrückt: „Der Effekt wird auf die Bedingung attribuiert, die vorhanden ist, wenn der Effekt auftritt, und die fehlt, wenn der nicht Effekt auftritt" (Kelley 1967, zit. nach Parkinson, 2014, S. 75). Demzufolge steht im Mittelpunkt des Kovariationsmodells die Klärung der Ursache einer Wirkung. Diese erfolgt durch die Beobachtung der Faktoren, die übereinstimmend mit dem relevanten Effekt auftreten oder ausbleiben (Parkinson, 2014, S. 75).

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Details

Seiten
30
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346331113
ISBN (Buch)
9783346331120
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v978972
Institution / Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,0
Schlagworte
Kelley Kovariationen Kovariationsmodell Leistungsbeurteilungen Attributionen Attributionstheorie
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