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Erfahrungsorientierter Technikerwerb im Basketball

Referat / Aufsatz (Schule) 1995 14 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

1. Erfahrungsorientierter Technikerwerb am Beispiel des Basketballspielens

Bei der Betrachtung der ,,üblichen" Lösung des Lehrenden, den Anfängerunterricht im Sportspiel Basketball durch Techniktraining wie z.B. Dribbeln oder Korbleger zu beginnen, fällt etwas wesentliches auf: Anfänger sehen nicht den Korberfolg als Lösung der von ihnen zu bringenden Aufgabe, sondern allein das Dribbeln, bzw. das Halten des Balles. Der Anfänger erlebt das Basketballspiel als ein vom Verteidiger dominiertes Spiel bei dem ein Regelwerk sehr komplizierte Aktionen vorschreibt. Der Ballbesitz wird nicht die Chance zum Punktgewinn, sondern es droht der Ballverlust. Der Raum unter dem Korb wird zur ,,Zone der Angst", wodurch ein Spielfluß nicht aufkommt.

Um diesen negativen Erfahrungen aus dem Wege zu gehen, schlägt LOIBL einen anderen Ansatz des Lehrens vor: Die Anfänger konzentrieren sich nicht auf die Möglichkeiten, wie ein Erfolg zu erreichen ist (also die technische Finesse) sondern auf das, was zu erreichen ist (also der Korberfolg).

Sportliche Techniken sollen als Lösungen von Aufgaben angesehen werden, wobei die Form des Bewegungsablaufes egal ist, solange die Funktionalität gegeben ist und damit der erfolgreiche Abschluß! Die Orientierung am idealtypischen Bewegungsablauf fällt damit weg.

In die Praxis umgesetzt bedeutet dies, ein fast völliger Verzicht des Regelwerkes (z.B. des Dribbelns) um so von den Spielern das Spiel neu entwickeln zu lassen. Die alleinige Aufgabe soll im Erkennen des Spielgedankens liegen. Die Aufgabe des Korberfolges soll den Mittelpunkt bilden. Zusätzliches Regelwerk soll von den Spielern im Spiel bedingt durch Spielsituationen selbst definiert werden.

,,Je ungebundener sich ein Wollen und Tun verwirklichen kann, um so exakter gestaltet sich die Leistung, nicht nur hinsichtlich des äußeren Erfolges (Trefferzahl), sondern auch in ihrer inneren Regulation (beim Werfen die Zuordnung des optimalen Wurfwinkels zur optimalen Wurfstärke)" (CHRISTIAN 1963, 31)

Als Konsequenz ist daraus auch zu schließen, daß den Spielern nicht die Bewegungsabläufe der Weltbesten sofort beizubringen sind. Diese Techniken schießen weit über das Ziel hinaus und sollen (wenn überhaupt) erst mit den Spielern erarbeitet werden. Dabei ist besonders die schnelle und möglichst häufige Rückmeldung über den tatsächlichen Bewegungsablauf des Übenden wichtig, um optimales Lernen zu ermöglichen.

Die Übungen sollten mit ständig variierenden Bedingungen durchgeführt werden, um eine spielnahe Situation zu schaffen. Dadurch verbessern sich die längerfristigen Lernerfolge stetig.

Die gebräuchliche Trainingslehre weicht von den durch uns vorgeschlagenen Methoden in einigen Punkten ab. Ich möchte jetzt erst noch einmal die (noch ?) gebräuchlichen Definitionen nennen:

2. Technik und Techniktraining

,,Die sportliche Technik ist eine erprobte, zweckmäßige und effektive Bewegungsfolge zur Lösung einer definierten Aufgabe." (MARTIN, CARL, LEHNERTZ, 1991, 45) Sie ist also ständigen Veränderungen ausgesetzt, deren Sinn es ist, immer optimalere Lösungsmöglichkeiten für eine Aufgabe zu finden.

Für das Techniktraining ist es wesentlich, zwischen der Idealtechnik und der Zieltechnik zu unterscheiden. Bei der Idealtechnik handelt es sich hierbei um die nach neuestem Wissensstand zweckmäßigste Lösung einer sportlichen Bewegungsaufgabe, wobei die Zieltechnik eine an der Idealtechnik orientierte, auf die Person/Gruppe abgestimmte Lösung ist. Je höher das Niveau der Zielgruppe ist, desto näher liegen Ideal- und Zieltechnik beieinander.

2.1. Ziele des Techniktrainings

Das Ziel des Techniktrainings variiert natürlich mit dem Könnensstand der Zielperson. Es kommt anfänglich zum Erlernen derjenigen sportmotorischen Fertigkeiten, die die Grundlage der sportartspezifischen Techniken bilden. Darauf folgt der Erwerb des biomechanischen Optimums, welches die Zweckmäßigkeit, die Effektivität und die Ökonomie der sportartspezifischen Technikanwendung gewährleistet. Diese Technik gilt es nun zu stabilisieren, damit sie auch in Streßsituationen mit einer relativen Konstanz ausgeführt werden kann. Den Abschluß bildet die virtuose Beherrschung der Technik, die eine meisterliche Beherrschung dieser zur Folge hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: MARTIN, CARL, LEHNERTZ, 1991, 50

2.2. Das Erlernen von Fertigkeiten

Eng verknüpft mit dem Technikerwerbstraining sind Trainingsmaßnahmen zur Verbesserung der koordinativen Fertigkeiten.

Dem Techniktraining geht das Erlernen grundlegender sportmotorischer Fertigkeiten voraus. Es folgt die Konfrontation und die Auseinandersetzung mit dem Bewegungsbild bzw. mit dem Spielgedanken. Daraus entwickelt sich ein Konzept zur Lösung der Aufgabe, das in der Praxis geprobt und durch Rückmeldungen modifiziert wird. Die grobe Ausführung wird präzisiert und es kommt zur Feinkoordination der speziellen Fertigkeit.

2.3. Das Technikerwerbstraining

,,Das Technikerwerbstraining hat die Aufgabe, stark ausgebildete, störungsresistente Engramme einzuschleifen, die die jeweils technikbestimmenden Fertigkeiten bis zur Automatisation vorprogrammiert haben." (MARTIN, CARL, LEHNERTZ, 1991, 51)

Die Grundlage des Bewegungslernens ist die Gedächtnisfähigkeit neuronaler Strukturen. Sie bedingt das Erkennen, Speichern, Erinnern und Wiederabrufen der in den Bewegungsmustern vorhandenen Informationen.

,,Die dauerhafte Speicherung der durch Lernen erworbenen Informationen wird als interneuronale Verknüpfung gesehen, wobei Verbände von Nervenzellen über Synapsen geschaltet eine Verschaltungseinheit, ein Engramm bilden."(MARTIN, CARL, LEHNERTZ , 1991, 51)

Schwach ausgebildete Engramme sind (besonders in Streßsituationen) sehr störanfällig. Die stark ausgebildeten Engramme sind viel resistenter und wirken sich oft bei Streß verstärkt (positiv) aus.

Das Training soll nach und nach eine Automatisation bewirken, durch die eine Bewegungsfolge nur noch durch wenige Parameter bestimmt wird. Der Sportler konzentriert sich also auf ,,Knotenpunkte", zwischen denen die Handlung weitgehend unbewußt abläuft.

Beim Technikerwerbstraining sind zwei trainingsmethodische Prinzipien entscheiden:

1. Um ein ,,Einschleifen" eines Bewegungsablaufes zu erreichen, sind standardisierte Übungsbedingungen nötig!
2. Es ist ein kontinuierliches Überlernen vonnöten, welches ein sich ständig wiederholendes und sehr ausgedehntes Üben bedeutet. Dieses Überlernen bedeutet nicht nur die Festigung der entsprechenden Programme, sondern durch die sich minimal verändernden Übungsbedingungen auch eine Verfügbarkeit vielfacher minimalster Programmänderungsmöglichkeiten.

3. Methodisch-didaktische Vorüberlegungen für die praktische Umsetzung des Technikerwerbstrainings im Basketball

Bei der praktischen Umsetzung der von uns erarbeiteten Grundsätze, werden wir versuchen, in Anlehnung an LOIBL (1990) einen Einstieg in das Technikerwerbstraining im Basketball zu entwerfen.

Dabei geht es uns nicht um das Üben von isolierten Bewegungstechniken, sondern um die umgehende Einbindung der sportartspezifischen motorischen Fertigkeiten in realen Spielsituationen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn man nun nach dem funktionellen Ansatz von GÖHNER (1979) vorgeht, bei dem sportliche Techniken zum Lösen von gestellten Aufgaben benutzt werden, wird deutlich, daß diese Fertigkeiten konsequent auch nur aus dem Spiel heraus erlernt werden können. LOIBL fragt in Bezug auf diesen Ansatz demnach auch nicht wie eine Technik ausgeführt wird, sondern was in einer bestimmten Situation zu tun ist, um die gestellte Aufgabe bewältigen zu können. ,,Die Konsequenz aus diesen Ü berlegungen kann nur darin bestehen, daßSpielhandeln zu erlernen ist, das Lösen von Spielaufgaben , nicht Bewegungsabläufe als bloße "Abziehbilder" auf einer phänographischen oder biomechanischen Folie" (LOIBL, 1990, 15). Dies wird noch bestätigt durch die Aussage von WULFF (1992), der beim isolierten Techniktraining in der Übungsphase zwar bessere Lernfortschritte sieht, aber durch ständigen Aufgabenwechsel besser überdauernde Lernleistungen feststellen konnte (vgl. dazu auch LIEBHARDT, 1989).

Demnach geht es auch für uns darum in der anstehenden Lerneinheit das Technikerwerbstraining so zu gestalten, daß die Studenten die sportartspezifischen Fertigkeiten aus dem Spiel heraus erlernen und dabei auch über die Wahrnehmung und die zu erwartenden Rückmeldungen sich selbständig mit den Anforderungen auseinandersetzen und andere Lösungsstrategien entwerfen und ausprobieren können und sollen. Dennoch muß darauf geachtet werden, das Anforderungsprofil für die Lerngruppe so zu gestalten, daß trotz vorhandener Problemstellungen (z.B. das Regelwerk) ein Lerneffekt gewährleistet werden kann.

Für LOIBL geht es in diesem Fall nicht darum komplizierte Techniken in vereinfachten Situationen zu üben, sondern komplexe Situationen mit vereinfachten Techniken zu lösen (LOIBL, 1990, 16). Eine Form der sog. didaktische Reduktion setzt nun ein. Über bestimmte Vereinfachungen (z.B. Veränderungen des Regelwerks o.ä.) wird der Zugang für alle Spieler angeglichen. Der eigentliche Spielgedanke und -charakter bleibt dabei jedoch erhalten. Als Beispiel dafür könnte unter anderem die Freistellung des Dribbelns mit dem Ball genannt werden. Diese Vereinfachung erlaubt es allen Spielern aktiv in das Spielgeschehen einzugreifen ohne die Dynamik negativ zu beeinflussen. Ebenso bewirkt die Ausschaltung dieser relativ schwierigen Regel z.B. auch die Möglichkeit sich eine bessere Spielübersicht anzueignen, d.h. auch Anfänger bekommen die Zeit und die Ruhe sich einen Überblick über das Spielgeschehen zu verschaffen. Daraus ergeben sich speziell für diese Spieler mehr Varianten zur Problemlösung und eine größere Kreativität.

Das diese Art der Vermittlung sich nicht auch im Bereich der isolierten Techniken negativ auswirkt zeigt eine Untersuchung von LIEBHARDT (1989), der bei einer empirischen Untersuchung bei Anfängern im Tennis feststellen konnte, daß diejenigen Anfänger, die in Form der didaktischen Reduktion unterrichtet wurden, keine schlechteren isolierten Schlagtechniken aufwiesen und sogar ein besseres Spielverhalten, als diejenigen die klassisch die Techniken vermittelt bekamen. Techniktraining, in unserem Fall also das Technikerwerbstraining, läßt sich also auch ohne ständiges Wiederholen monotoner und realitätsferner Übungen erfolgreich gestalten. Die folgende, konkrete Stundenplanung wird deshalb auch zum größten Teil aus Spielformen bestehen, die bestimmte Schwerpunkte der sportartspezifischen Fertigkeiten in sich bergen. Dabei werden wir versuchen den Schülern eine hohe Übungsfrequenz zu bieten, indem die Gruppen relativ klein gehalten werden und auch gerade das Überzahlspiel eingesetzt wird. Diese Variationen ermöglichen es allen Spielern, neben den oben genannten Vereinfachungen, ständig aktiv einzugreifen.

3.1. Zur Lerngruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Lerngruppe die in dieser Einheit unterrichtet wird, besteht aus Studenten der Universität Bremen. In Bezug auf die bisherigen Veranstaltungen können wir von einer Gruppengröße von ca. 10 - 12 Spielern ausgehen. Die Vorerfahrungen im Sportspiel Basketball in Bezug aus einzelne Personen können von uns nicht exakt bestimmt werden. Allgemeine Grundlagen im Hinblick auf folgende Merkmale sollten allerdings gegeben sein:

- Konstitutionelle Merkmale (Körper, Größe u.a.)
- Konditionelle Grundvoraussetzungen
- Koordinative Grundvoraussetzungen

Sicherlich sind diese individuellen Lernvoraussetzungen unterschiedlich ausgeprägt, jedoch sollte das Leistungsgefälle durch die Tatsache, daß die Gruppe aus Sportstudenten besteht, nicht zu extrem sein.

Angesichts der oben beschriebenen möglichen Vereinfachungsstrategien innerhalb der Einheit können wir etwaigen Problemen auch notfalls entgegenwirken. Ebenso kann durch die Niveauangleichung auch eine Unter- bzw. Überforderung einzelner Spieler ausgeschlossenen werden.

3.2. Situative und materielle Bedingungen

Diese Lerneinheit findet, wie schon angesprochen, im Sportspiel Basketball statt und ist für einen Zeitraum von 90 Minuten geplant. Die Lerngruppe besteht, wie schon angesprochen, aus etwa 10-12 Personen. Im Bereich der Sportstätten stehen uns drei Basketballfelder mit sechs bis maximal acht Körben zur Verfügung.

Die materiellen Bedingungen sind soweit optimal, es steht für jeden Studenten ein Ball zur Verfügung. Ebenso sind genügend Hilfsgeräte (z.B. Reifen, Slalomstangen u.a. Geräte) vorhanden, die wir benötigen.

4. Lernziele und -inhalte der Übungseinheit

Die Lerneinheit befaßt sich bekanntlich mit dem Technikerwerbstraining im Basketball. Nun stellt sich natürlich in erster Linie die Frage, worauf sich de Begriff "Technik" genau bezieht. HAGEDORN (1988) ordnet bestimmte Bewegungsabläufe (z.B. Korbwurf) in die Kategorie "Basketball-Technik" (HAGEDORN, 1988, 6) ein. LOIBL (1990) bezeichnet diese isolierten Abläufe gar als "Bewegungskunststücke" , die so für das eigentliche Spiel nicht verwendbar sind. Ein isoliertes Training dieser Bewegungen gewährleistet keine Lösung von Problemstellungen im Sinne des Spielgedankens.

Unserer Meinung nach muß daher eine klare Trennlinie gezogen werden. Wir ordnen spezifische Bewegungsabläufe als sportartspezifische Fertigkeiten (z.B. Dribbeln) ein. Technik hingegen bedeutet für uns das Einsetzen dieser sportartspezifischen Fertigkeiten aus Spielsituationen heraus. D.h. die Bewegung wird als Mittel zum Zweck verstanden. Dazu kommt auch noch die zwangsläufige Einbindung von taktischen Aufgaben (z.B. Angriff und Verteidigung), die sich innerhalb des Spiels und der jeweiligen Situation ergeben. Die von uns angestrebten Lernziele und -inhalte sehen daher folgendermaßen aus:

a) Technikerwerb

- Eigenständiger Erwerb der unten genannten Fertigkeiten durch das Spiel, in Verbindung mit taktischen Elementen wie z.B. Angriff und Verteidigung
- Entwurf von eigenständigen Lösungsstrategien durch Wahrnehmung und Rückmeldungen innerhalb der Spielsituationen

b) Sportartspezifische Fertigkeiten (ergeben sich zwangsläufig aus a))

- Korbwurf
- Dribbeln
- Fangen und Passen

Diese Hierarchisierung stellt auch noch einmal deutlich heraus, daß Fertigkeiten aus dem Spiel und nicht das Spiel durch isoliert gelernte Fertigkeiten erlernt werden. Auch taktische Elemente ergeben sich aus dem Spiel heraus. Schon die Tatsache, daß ständiger Wechsel von Ballbesitz (Angriff) und Ballverlust (Verteidigung) stattfindet, läßt nur eine spielorientierte Vermittlung zu.

5. Technik und Taktik des Basketballspiels

Dieses Kapitel ist im Rahmen der Umsetzung von Sportarten zumeist sehr umfassend. In unserem Fall jedoch werden Beschreibungen von Bewegungsfertigkeiten und Spieltaktiken fehlen, da sie eigenständig entwickelt werden sollen. Wir orientieren uns nicht an einer vorgegebenen "Idealtechnik", sondern vielmehr am Spielgedanken, aus dem die Schüler die für sie nützlichsten Fertigkeiten entwickeln sollen und können.

6. Geplanter Unterrichtsverlauf

Diese Lerneinheit besteht aus zwei Veranstaltungsterminen, die jeweils 90 Minuten umfassen. Dabei soll ein gleichmäßiges Verhältnis von Theorie und Praxis erreicht werden. Die theoretische Einführung wird im Veranstaltungsraum absolviert, während die Praxis und die abschließende Auswertung in der Halle, bzw. an der Außenanlage durchgeführt wird.

6.1. Stundenverlauf (1.Termin)

6.1.1. Theoretische Einführung (Dauer: ca.30-35 Minuten)

Die theoretische Einführung bezieht sich auf unser Thema, das Technikerwerbstraining, als Vorbereitung auf die nachfolgende Praxis. Inhalte sind die vorgegebenen Gesetzmäßigkeiten dieser Trainingsform, sowie die Vorstellung und Begründung der von uns ausgewählten Methode für die praktische Umsetzung.

6.1.2. Praxis (Dauer: ca. 45-50 Minuten)

6.1.2.1. Aufwärmphase (Dauer: ca. 15 Min.)

- Aufwärmspiel (Dauer: ca.10 Min.): Tigerball, bzw. Basketball auf große Körbe (mit Variationen: Kleine Gruppen, Dribbeln freigestellt, ohne Dribbeln u.a.)
- Sportartspezifische Dehnübungen (Dauer: ca. 5 Min.): Übungsausführung in Eigenregie

6.1.2.2. Lernphase (Dauer: ca. 30-35 Min.)

- Überzahlspiele auf einen Korb (Dauer: ca. 10-15 Minuten): Kleine Gruppen (2:1, 3:2), ev. mit Joker (2:1+1, 3:2+1), Variationen: siehe 6.1.2.1.
- Staffetten-Basketball (Dauer: ca. 10 Min.): Drei Mannschaften spielen gegeneinander, wobei eine über einen gewissen Zeitraum verteidigt, und sich die anderen beiden im Angreifen abwechseln. Kleingruppen und Variationen s.o.
- Basketball 5 gegen 5 mit freier Zone (Dauer: ca. 10 Min.): Basketball ev. mit oben genannten Variationen. Dabei darf eine bestimmte Zone nur von den Angreifern betreten werden, um auch Durchbrüche und Pässe unter den Korb zu ermöglichen

6.2. Stundenverlauf (2.Termin)

6.2.1. Praxis (Dauer: ca. 45-50 Minuten)

6.2.1.1. Aufwärmphase (Dauer: ca. 10-15 Min.)

- Aufwärmspiel (Dauer ca. 10 Minuten): Basketball mit verschiedenen Bällen (Physio-Ball, Rugby-Ei)

- Sportartspezifische Dehnübungen (Dauer: ca. 5 Min.): Übungsausführung in Eigenregie

6.2.1.2. Lernphase (Dauer: ca. 30-35 Min.)

- Schattendribbeln mit Durchbruch (1:1) (Dauer: ca. 5 Min.): Ein Verteidiger soll inaktiv den Dribbelbewegungen des Angreifers zum Korb folgen. Ab einer bestimmten Position darf dieser durchbrechen und einen Korb erzielen. Variation: aktives Eingreifen des Verteidigers, Wechsel bei mißlungenem Versuch
- Reifenspiel (1:1) (Dauer: ca. 5 Min.): Zwei Spieler versuchen dribbelnd sich gegenseitig den Ball in den Reifen zu legen. Variation: 2:1
- Spiel auf drei Körbe (Dauer: ca. 10 Min.): Zwei Mannschaften spielen gegeneinander, wobei die verteidigende Mannschaft zwei Körbe bewachen muß. Variationen: siehe 6.1.2.1.
- Abschlußspiel 5:5 (Dauer: ca. 10-15 Min.) , falls notwendig mit Variationen

6.2.2. Auswertung der Lerneinheit (Dauer: ca. 30 Min.)

Zum Abschluß dieser Unterrichtseinheit soll eine kritische Auseinandersetzung und Auswertung mit dem Thema und der Umsetzung erfolgen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Lerngruppe und soll schriftlich festgehalten werden.

7. Ausblick auf einen weiteren Verlauf des Technikerwerbstraining

Nachdem nun in unserer Ausarbeitung der Weg für ein Erfahrungsorientiertes Technikerwerbstraining geebnet wurde, muß auch über den Tellerrand hinausgeblickt werden. Dies bedeutet eine grobe Skizzierung eines möglichen weiteren Unterrichtsverlaufs. Dabei werden wir auf genauere Beschreibungen von Spielformen weitestgehend verzichten. Vielmehr müssen noch einmal die wesentlichen Bestandteile dieser Form des Technikerwerbs im Zusammenhang mit dem Sportspiel Basketball erläutert und erweitert werden. KLUPSCH- SAHLMANN (199?) liefert in seinem Beitrag ,,Basketball - Räume entdecken und nutzen" wichtige Ansätze, die sich in einem weiteren Unterrichtsverlauf unserer Meinung nach wiederfinden.

Erster Orientierungspunkt ist weiterhin der Erwerb der sportartpezifischen Fertigkeiten durch das Spiel, in Verbindung mit taktischen Elementen wie z.B. Angriff und Verteidigung. Dies läßt sich über die bereits von uns verwendeten Spielformen mit folgenden Gesichtspunkten bewerkstelligen.

Erleichterung des Handlungsziels (Korberfolg) für die Angreifer durch:

- Schaffung von Überzahlsituationen für die Angreifer (z.B. Joker)
- Vereinfachung der Rahmenbedingungen (z.B. Spiel auf drei Körbe)
- Regelveränderungen zur Gewährleistung eines besseren Spielfluß

Diese Orientierungspunkte können in einem weiteren Verlauf vielfach variiert werden, so daß es unsinnig wäre, hier näher darauf einzugehen.

Wichtiger ist vielmehr, in einem fortschreitenden Prozeß das Endziel, also das Basketballspielen auch unter regulären Rahmenbedingungen und Regeln zu erlernen. Dies deckt sich mit unserem zweiten Ansatzpunkt, dem Entwurf von eigenständigen Lösungsstrategien durch Wahrnehmung und Rückmeldungen innerhalb der Spielsituationen. Für den Schüler geht es also nun darum die gemachten Erfahrungen in dem fortlaufenden Prozeß Richtung Endziel weiter umzusetzen und noch zu verfeinern, so daß allmählich eine Angleichung an das eigentliche Basketballspiel erfolgen kann. Ebenso soll er eigenständig bemüht sein bestimmte Absprachen in der Lerngruppe zu treffen, die den Umgang mit Spielregeln betreffen. Man darf als Lehrer jedoch nicht so blauäugig sein und erwarten, daß die Schüler genaue Kenntnisse über die Basketballregeln haben und diese versuchen einzubinden. Sinnvoller wäre es, wie KLUPSCH-SAHLMANN es mit einer Schulklasse vormachte Regeln zu entwerfen, die nach und nach dem eigentlichen Regelwerk angepaßt wurden.

Dabei ergaben sich aus dem Spielverlauf Probleme, die von den Kindern offen angesprochen wurden. Beispielsweise wurde die Schrittregel eingeführt, da viele Kinder ohne den Ball abzugeben zum Korb liefen und andere dadurch kaum aktiv ins Spielgeschehen eingreifen konnten.

Diese gemeinsame Entwicklung bringt einige Vorteile mit sich. Die Schüler werden aktiver in den fortschreitenden Prozeß des Technikerwerbs eingebunden, weil sie durch die Entwicklung dieser Lösungsstrategien das Tempo mitbestimmen können. Außerdem werden sie motiviert sich mit dem Spiel und seinen Charakteristika auseinanderzusetzen und diese zu verinnerlichen.

Sicherlich dürfen die gerade angesprochenen Gesichtspunkte nicht idealisiert werden. Sie sollen lediglich einen Erklärungsansatz für die wichtigen Bestimmungspunkte im weiteren Verlauf des Technikerwerbstrainings bieten. Wie gut und problemlos dies durchführbar ist, kann jedoch wirklich nur die praktische Fortführung zeigen, die bei besseren zeitlichen Möglichkeiten sehr reizvoll wäre.

8. Nachbesprechung

Die beiden Stunden sind im wesentlichen so abgelaufen, wie wir es geplant hatten. Zum ersten Theorieteil gibt es keine besonderen Anmerkungen.

Die darauffolgende Praxiseinheit zeigte die Durchführbarkeit der Loiblschen Theorie. Wir ließen das Spiel auf einen Korb nur mit den Regeln

- zwei Mannschaften und
- jeder Treffer des roten Korbringes zählt als Korberfolg

beginnen. Dabei zeigte sich sehr schnell, wer schon einmal Basketball gespielt hatte. Diese Kommilitonen wollten (aus verständlichen Gründen) die Regeln des Spiels auf einen Korb einführen. Nun ergaben sich folgende Probleme:

- wie soll der Wunsch nach einer Regeländerung artikuliert werden und
- welche Regeln sollen zugelassen werden?

Da eine Kommilitonin das Basketballspiel noch nicht sehr gut beherrschte, war sie von den (auf einmal) vorgetragenen Regeln verwirrt. Wir lösten das Problem dadurch, daß wir nur eine Zusatzregel addierten:

nach jedem Korbwurf, der keinen Erfolg darstellte, muß die ballführende Mannschaft den Ball erst einmal aus der Zone herausspielen.

(Die andere Studentengruppe stellte hier die Regel auf, daß Spieler nicht festgehalten werden dürfen)

Bei der Schlußbesprechung erhielten wir ein überwiegend positives Echo. Durch das Weglassen des Dribbelns bekamen auch ungeübte Mitspieler die Möglichkeit, den Spielgedanken aufzugreifen. Sie konnten sich voll auf das Spielen konzentrieren, ohne sich um einen Ballverlust zu sorgen.

In der Schule wird es sehr wahrscheinlich schwierig werden, die Schüler an das Mitspracherecht beim Regelwerk zu gewöhnen.

Zusammenfassend haben wir eine Methode für den Anfänger- und auch für den Fortgeschrittenenunterricht kennengelernt, der es den Beteiligten aller Könnensstufen ermöglicht, zusammen zu spielen.

Literatur

CHRISTIAN,P.: Vom Wertbewußtsein im Tun. In: ADL: Beiträge zur Lehre und Forschung der Leibeserziehung, Bd.14, Über die menschliche Bewegung als Einheit von Natur und Geist. Schorndorf 1963, 19-44

GÖHNER, U.: Zur Analyse von Bewegungsaufgaben. In Sportpädagogik 2/1979, 8-13 HAGEDORN G./NIEDLICH, D./ SCHMIDT, G.J. (Hg.): Basketball Handbuch, Rowohlt Verlag 1988

HAGEDORN, G.: Basketball Technik, Rowohlt Verlag 1991

KLUPSCH-SAHLMANN, R.: Basketball - Räume entdecken und nutzen. In: praxis im Blickpunkt, 50-53

LIEBHARDT, M.: Der Einfluß der Lehrmethode auf den Erfolg im Tennisunterricht, Dipl. Arb,TU München 1989

LOIBL, J.: Den Blick lenken, um zu sehen. In Sportpädagogik 1/1990, 21-29

LOIBL, J.: Erfahrungsorientiertes Lehren und Lernen im Sportspiel Basketball. In: Sportpädagogik 7/1990

MARTIN, D./CARL, K./LEHNERTZ K.: Handbuch der Trainingslehre, Verlag Hofmann Schorndorf 1991

SAHRE, E.: Handlungskontrolle im Basketball, Meyer & Meyer Verlag 1994 Zeichnungen aus:

HAGEDORN, G.: Basketball Handbuch, Rowohlt Verlag 1988, 154-165

Details

Seiten
14
Jahr
1995
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97958
Note
2
Schlagworte
Erfahrungsorientierter Technikerwerb Basketball

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Titel: Erfahrungsorientierter Technikerwerb im Basketball