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Judo: Vergleich der graduellen Annäherungs- und progressiven Teillernmethode zum Erlernen des Ippon-Seoi-Nage

Facharbeit (Schule) 2000 52 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Judo- ein kurzer Überblick
2.1. Geschichte -Ursprung und Entwicklung
2.2. Was ist Judo?
2.3. Kleines Judolexikon der wichtigsten japanischen Begriffe

3. Bewegungsanalyse des Ippon-seoi-nage
3.1. Der Ippon-Seoi-Nage
3.2. Bewegungsbeschreibung
3.3. Phasenstruktur
3.4. Umsetzung biomechanischer Prinzipien
3.5. Ordnungsanalyse

4. Methoden des Techniktrainings
4.1. Ganzheits- und Teillernmethoden
4.2. Die graduelle Annäherungsmethode
4.3. Die progressive Teillernmethode

5. Trainingsplanung
5.1. Trainingsziel
5.2. Meine Übungsgruppen
5.2.1. Gruppe „graduelle Annäherung”
5.2.2. Gruppe „progressive Teillernmethode”
5.3. Operativpläne
5.3.1. Gruppe „graduelle Annäherung”
5.3.2. Gruppe „progressive Teillernmethode”
5.4. Umsetzung der Prinzipien des sportlichen Trainings
5.5. Kontrollverfahren zur Leistungsdiagnostik

6. Trainingssteuerung
6.1. Dokumentation des Lernverlaufs
6.1.1. Gruppe „graduelle Annäherung”
6.1.2. Gruppe „progressive Teillernmethode”
6.2. Videodokumentation

7. Ergebnis
7.1.1. Ergebnis der trainingspraktischen Leistungsdiagnostik
7.1.1. Gruppe „graduelle Annäherung”
7.1.2. Gruppe „progressive Teillernmethode”
7.2. Diskussion des Ergebnisses

Nachwort

Literaturverzeichnis

1. SEITE ZUR FACHARBEIT

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Judo - ein kurzer Überblick

2.1. Geschichte - Ursprung und Entwicklung

Die Wurzeln des Judo liegen im Japan des 16.bis Mitte des 19.Jahrhunderts. Die Ritterkaste der Samurai entwickelte die waffenlose Kampfkunst des Jiu-Jitsu, welche vermutlich aus China überliefert wurde, für das Kriegshandwerk und pflegte sie als Geheimwissenschaft. Nachdem die Samurai während der Meiji-Restauration (1868) jedoch entmachtet wurden, geriet auch ihre Kampfkunst in Vergessenheit.

Ihre Wiederbelebung verdankt Japan dem deutschen Gelehrten Erwin Bälz (1849-1913), welcher an der kaiserlichen Universität in Tokyo lehrte. Aufgrund der mangelnden sportlichen Betätigung und des daraus resultierenden mangelhaften Gesundheitszustandes seiner Studenten ermutigte er diese die alten Kampfkünste zu erlernen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jigoro Kano (1860-1938), einer seiner Schüler, nahm die Idee begei- stert auf und fand in Teinosuke Yagi seinen ersten Lehrmeister. Nachdem er unterschiedliche Stile des Jiu-Jitsu kennengelernt hatte empfand Kano den eigentlichen Sinn dieser Kampfkunst, nämlich die Kampfunfähigkeit bzw. der Tod des Gegners, als sehr negativ. Er hatte die Vorstellung von einer sportlichen Zweikampfform mit dem Ziel die Harmonie von Körper und Geist zu erreichen. Daher ent- fernte Kano alle gefährlichen Tritt- und Schlagtechniken und fügte erzieherische Elemente aus dem Zen-Buddhismus ein. Dieses neue Jigoro Kano System nannte er Judo (japanisch: ju=sanft, do=Weg) , also den sanften Weg und stellte zwei Prinzipien in den Mittelpunkt :

(vgl. http://home.t-online.de/home/Andreas-Zsolt.Will/judo.htm und http://home.htwm.de/rjentsch/judohist.html )

- Sei-Ryoku-Zen-Yo (technisches Prinzip)

„Bester Einsatz von Geist und Körper ” ,was bedeutet , dass nicht hauptsächlich der Kraft , sondern Gewandtheit und Ausnutzen gegnerischer Aktionen eine große Bedeutung zukommt (Siegen durch Nachgeben).

- Ji-Tai-Kyo-Ei (moralisches , ethisches Prinzip)

„Gegenseitige Hilfe für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen” Der Gegner wird zum Partner, wodurch Verantwortungsgefühl, Hilfsbereitschaft, Verständnis und Höflichkeit gefördert werden.

(vgl. http://members.aol.com/djkjudo/wasist.htm )

1882 gründete Jigoro Kano in Tokyo seine eigene Judoschule, den Kodokan, um seinen Sport weiter zu verbreiten.1885 bereiste er England und stellte Judo in Europa vor. Zwei Jahre darauf hatte sich sein Sport bereits in Japan durchgesetzt und wurde in den 1930ern sogar Nationalsport. Der Erfolgszug des Judo machte auch vor Europa nicht halt. 1922 gründete Alfred Rhode den ersten deutschen Judoverein in Frankfurt. 10 Jahre später entstand die ``Europäische Judo Union, welche kurz darauf erste Titelkämpfe veranstaltete. Erst 1954 wurde ein globaler Dachverband, die ``International Judo Federation´´ gegründet. Dieser organisierte seit 1956 die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft und erreichte die Aner- kennung als olympische Sportart 1964. Der ``Deutsche Judo Bund´´ wurde zwar schon 1953 gegründet, aber erst 1956 vom ``Deutschen Sportbund´´ anerkannt.(vgl. Beissner, Claus und Birod, Manfred 1977, S.10)

Man kann rückblickend sagen, dass der Judosport eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen hat, die er der optimalen Umsetzung einer Kombination aus Kampfkunst und Fitnesssport verdankt. Der Erfolg ist unverkennbar: Keine andere Zweikampfsportart wird weltweit von so vielen Menschen betrieben wie Judo.

2.2 Was ist Judo?

Der Judosport wird auf der Tatami (Matte) betrieben. Jeder Judoka (Judosportler) trägt einen Judogi (Anzug), welcher aus Jacke und Hose besteht. Vor allem die Jacke ist aus besonders reißfestem Baumwollstoff, da auf sie durch den Griff des Gegners eine große Kraft wirkt. Sie wird von einem Gürtel zusammengehalten, der in seiner Farbe den Kenntnisstand seines Trägers widerspiegelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Sigmund, Regina 1994, S.221 und Beissner, Claus und Birod, Manfred 1977, S.19/20)

Tradition und Höflichkeit sind auch heute noch im Training zu spüren. So findet vor und nach jedem Training eine Grußzeremonie statt. Disziplin, Rücksichtnahme und das Verbeugen zu dem Trainingspartner als Respektsbekundung sind eine Selbstverständlichkeit. Auch durch die Verwendung japanischer Begriffe für Techniken und Kampfkommandos ist eine bestehende Tradition (siehe2.3.)

Ziel eines Judokampfes ist es das Gleichgewicht des Gegners zu brechen und ihn mit Kraft, Schnelligkeit, und Kontrolle auf den Rücken zuwerfen. Ist ein Kämpfer gefallen gibt es im Bo- denkampf drei Möglichkeiten den Kampf für sich zu entscheiden: Haltegriffe, Armhebel und Würger. Einen kurzen Überblick auf die verschiedenen Kategorien der Judotechniken:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Grafik aus: Weinmann, Wolfgang 1993 , S.10)

Um den Partner zu werfen kommt es besonders auf den Griff am Anzug an, wobei man auch wiederum die verschiedenen Faßarten (Kumi Kata) unterscheiden kann. Der anschließende Wurf wird in drei Phasen unterteilt:

Kuzushi = Gleichgewichtsbrechung (Wurfvorbereitung )

Tsukuri = Eindrehbewegung oder Ansetzen ( Eingang )

Kake = Niederwurf

(vgl. Beissner, Claus und Birod, Manfred 1977, S.50)

Wobei ihre Bedeutung für den Erfolg der Technik von oben nach unten abnimmt (70%-25%- 5% ,nach Donn F. Draeger, vgl. Beissner, Claus und Birod, Manfred 1977, S.50). Diese drei Phasen können jedoch nicht mit Vorbereitungs-, Haupt- und Endphase aus der Phasenstruktur gleichgesetzt werden, dazu später mehr. Damit bei solchen Wurftechniken keine Verletzungen entstehen lernt jeder Judoka zu Beginn seiner Ausbildung die judoeigenen Falltechniken (Ukemi).

Bei einem Haltegriff muß der Kontrahent mit dem Rücken und mindestens einer Schulter auf der Matte fixiert und im Wettkampf 25 Sekunden gehalten werden.

Ziel des Armhebels ist es den Gegner durch Überstrecken oder Verdrehen des Ellenbogenglenkes zur Aufgabe zu zwingen.

Beim Würger wird dem Partner die Blut- oder Luftzufuhr zum Kopf abgedrückt bis dieser ebenfalls aufgeben muß.

Als Zeichen der Aufgabe ist offiziell das mehrmalige Abschlagen mit Hand oder Fuß auf der Matte vereinbart. Weitere Informationen zu Wettkampfregeln , Wertungen , Strafen usw. würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen und sind für das Thema auch nicht relevant (auf Wunsch nachzulesen in : Deutscher Judo Bund e.V.(Hg.): Kampfregeln der Internationalen Judo-Föderation 1994. Budo-Verlag, Sport Rhode. Dreieich-Sprendlingen, 1994 ).

Judo erfreut sich auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit, was nicht zuletzt an der um- fassenden körperlichen Ausbildung liegt. Im Leistungssportbereich werden nahezu alle Muskelgruppen benötigt, woraus eine ausgeglichene Körperbildung resultiert. Allgemeine körperliche Fähigkeiten wie Schnelligkeit, Gewandtheit, Ausdauer, und Beweglichkeit sind ebenfalls von Bedeutung. Auch an den kognitiven Sektor werden in Form von kampftaktischen und -strategischen Überlegungen hohe Anforderungen gestellt, wobei diese durch eine starke psychische Belastung erschwert werden. Als Breitensport ist Judo für fast alle Altersstufen geeignet. Im Kindesalter werden koordinative Fähigkeiten geschult und ein breites Repertoire an Bewegungserfahrungen geschaffen. Zudem fördert das Training in besonderem Maße Konzentrationsfähigkeit, Rücksichtnahme, Verantwortungsbereitschaft, Leistungsbereitschaft, stillt den Spieltrieb/Bewegungsdrang und vermittelt Spaß am Bewegen durch sehr abwechslungsreiches Training. Judo wird im Erwachsenenalter meist als Fitnesssport betrieben, da durch vielfältiges Training konditioneller und koordinativer Fähigkeiten, bei geringer Verletzungsgefahr, die schrittweise Involution der sportlichen Leistungsfähigkeit verlangsamt werden kann . Ein weiterer nützlicher Aspekt im Judo sind die Falltechniken, welche auch im Alltag vor Verletzungen schützen.(vgl. http://members.aol.com/djkjudo/wasist.htm )

2.3 Kleines Judolexikon der wichtigsten japanischen Begriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Schilling, Heiko 1995)

Ich denke sie sind nun mit dem Judosport ein wenig vertraut und besitzen das nötige Backroundwissen für den weiteren Verlauf der Arbeit .

3.Bewegungsanalyse des Ippon-Seoi-Nage

3.1 Der Ippon-Seoi-Nage

Die für die Gruppen zu erlernende Technik ist wohl eher unter der deutschen Bezeichnung ``Schulterwurf´´ bekannt, und gehört zu den effektivsten und im Wettkampf sehr häufig angewandten Judowürfen. Der Ippon-Seoi-Nage ist Teil der Gokyo, also einer der 40 Grundwürfe im Judo, und wird anhand des JUDO-SYSTEMS (siehe 2.2) in die Kategorie der Te-waza (Hand- und Schulterwürfe) eingeordnet. Das offizielle Ausbildungs- und Prüfungsprogramm sieht diese Technik zwar erst für den gelb-orangen Gürtel vor (vgl. Sigmund, Regina 1994, S.212); ich habe mich trotzdem für eine so junge Gruppe entschieden, da somit gewährleistet ist, dass keiner den Wurf schon kennt.

Um die Kinder, welche in der Phase des Grundlagentrainings stehen, jedoch nicht zu überfordern werden sie den Ippon-Seoi-Nage in seiner Grundform lernen. Das heißt, die Technik wird nicht aus einer kampfnahen Situation ausgeübt, sondern nur so weit ausgebildet, dass sie ohne Widerstand des Partners und aus dem Stand, bei vorgegebener Faßart durchgeführt werden kann. Außerdem beschränke ich mich auf die rechtsseitige Ausführung, um zu hohe Anforderungen an die Lateralität zu vermeiden. Ziel ist demnach den Ippon-Seoi-Nage gemäß DJB-Prüfungsordnung zu beherrschen, dessen Ausführung dann im späteren Training auf Anwendbarkeit im Randori verbessert werden kann.

3.2 Bewegungsbeschreibung

Um ein möglichst exakte Bewegungsvorstellung zu erhalten habe ich eine Verlaufsbeschreibung mit Erklärungsanteilen gewählt, und durch eine Bewegungsdemonstration auf dem Video ergänzt.

Beide Judoka stehen sich in Grundstellung (Shizen Hontai) gegenüber. Die Füße sind schulterbreit auseinander und die Knie leicht gebeugt. Das Gewicht wird auf die Fuß-ballen verlagert, wobei jedoch die gesamte Fußsohle die Matte berührt. Diese Grundstellung ermöglicht einen recht stabilen Stand und gleichzeitig flexible sowie schnelle Bewegungen.

Tori (hier: der Werfer) und Uke (der Geworfene) haben einander in normaler Faßart rechts gegriffen. Die rechte Hand faßt am linken Revers des Partners in Brusthöhe und die Linke am rechten Ärmel in Ellbogenhöhe. Die Arme sind leicht gebeugt. Bei der Kumi-kata ist besonders darauf zu achten, dass der Griff kraftvoll aber der Körper entspannt ist.

Aus dieser Ausgangsposition heraus erfolgt nun ein kräftiger Zug Toris mit beiden Armen und gleichzeitig ein Schritt mit dem rechten Bein nach vorne links (Fußspitze zeigt nach links), der eine Körperdrehung(Tai-Sabaki) linksherum einleitet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der so genannte Kodokan- Eingang (Abb. links) wird durch einen Schritt des linken Beines nach hinten rechts hinten und Nachdrehen des rechten Beines in Blickrichtung vervollständigt.

Während dessen löst sich der rechte Arm von Ukes Revers, wird an seinem Körper vorbei unter die rechte Achsel geführt. Dort fixiert Tori durch Beugen seines Armes Ukes Oberarm (Bild 1). Tori steht jetzt in gleicher Blickrichtung wie Uke vor ihm. Durch Einknicken in den Knien (ca.120º) gelangt Tori mit der Hüfte unter Ukes Schwerpunkt (Bild 2) und hebt ihn mit Hilfe des Zuges der linken Hand, welcher während der gesamten Bewegung in die gleiche Richtung fortgesetzt wird, leichtes Strecken der Beine und Beugen des Oberkörpers nach vorne aus (Bild 3). Um Uke nun abzuwerfen streckt Tori explosiv die Beine ganz und verdreht den Oberkörper nach links unten. Uke fällt über die rechte Schulter auf den Rücken und schlägt nach den Regeln der Ukemi-Waza mit der linken Hand ab (Bild 4). Toris Griff mit der linken Hand bleibt bis jetzt bestehen, sein rechter Arm hingegen löst sich von Uke nach dem Abwerfen. Dann nimmt Tori wieder die Grundstellung ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wichtig:

- Toris Füße stehen beim Wurf zwischen Ukes, jedoch so weit weg, dass er ihn beim aus- heben nicht nach hinten drückt.
- Tori steht nach dem Eindrehen nur noch auf den Fußballen und darf nie in Rücklage geraten.
- Beim Ausheben soll nur so weit in die Knie gegangen werden, dass die Kraft für eine Beinstreckung mit Uke auf dem Rücken ausreicht.
- Die Zugbewegung muß den gesamten Wurf erhalten bleiben, da sie den Fall Ukes in seiner Halbkreisform lenkt.

3.3 Phasenstruktur

Jede sportliche Bewegung kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten in Phasen eingeteilt werden. Diese sind im Folgenden für den Ippon-Seoi-Nage herausgearbeitet.

Anhand der allgemeinen Phasenstruktur nach Meinel und Schnabel (vgl. Koch, Karl 1984, S.16- 19 / Willimczik, Klaus und Roth, Klaus 1983, S.106) weist auch der Ippon-Seoi-Nage die für azyklische Bewegungen typische Dreiphasigkeit auf.

In der Vorbereitungsphase werden optimale Voraussetzungen für die Durchführung der Hauptphase geschaffen. Hierzu dient der Zug, der Uke aus dem Gleichgewicht bringt (Kuzushi). Das Eindrehen (Tsukuri) ist auch noch zur Vorbereitungsphase zu zählen, da optimale Winkel in den Kniegelenken und eine Vordehnung der Oberschenkelmuskulatur erzeugt werden, die den späteren Wurf in seiner Ausführung erleichtern und.

Die Hauptphase der Technik besteht aus dem Ausheben und Abwerfen (Kake) Ukes, weil hierdurch die eigentliche Aufgabe der Bewegung, nämlich das Werfen des Partners, realisiert wird. Hier liegt auch der dynamische Höhepunkt des Bewegungsablaufes. Durch das explosive Strecken der Beine und gleichzeitiges Verdrehen des Oberkörpers wird der Bewegungsimpuls von Tori auf Uke übertragen, der daraufhin über diesen hinweg fällt. In der Endphase des Ippon-Seoi-Nage gilt es für Tori, der aus der Hauptphase noch überschüssige Bewegungsenergie nach vorne mitbringt, diese zu vernichten und den Gleichgewichtszustand wieder einzunehmen. Das geschieht durch aufrichten des Oberkörpers nach dem Wurf und, falls notwendig einem Abfangschritt nach vorne.

Die judoeigene Einteilung der Wurftechniken in Kuzushi (Gleichgewichtbrechen), Tsukuri (Ansetzen oder Ausheben) und Kake (Niederwurf) ist also nicht mit der der Phasenstruktur identisch.

Wenn man die Funktion der Phasen in Hinblick auf die Bewegungsaufgabe untersucht kommt man zu einer anderen Einteilung in Haupt- und Hilfsfunktionsphasen. Dieses von Göhner entwickelte System nennt sich funktionale Ablaufanalyse (vgl. Willimczik, Klaus und Roth, Klaus 1983, S.109).

Als vorbereitende Hilfsfunktionsphasen sind der Zug zu Beginn der Bewegung zu sehen, da Uke hierdurch eine bestimmte Raumlage erreicht. Durch die Eindrehbewegung gelangt Tori an eine bestimmte Ortsstelle (in gleicher Blickrichtung vor Uke) und die gewünschte Körperposition (tief in den Knien, Gewicht auf Fußballen, Ukes rechter Arm kontrolliert). Eine überleitende Hilfsfunktionsphase liegt in der Wiedergewinnung des Gleichgewichtszustandes nach dem Abwerfen vor. Man kann auch von einer Amortisationsphase sprechen, da überschüssige Bewegungsenergie vernichtet werden muß. Das Ausheben und Abwerfen, welche durch Armzug, Beinstreckung und Oberkörperdrehung realisiert werden, bilden die Hauptfunktionsphase, also die Umsetzung des Wurfes an sich. Es sind keine unterstützenden Hilfsfunktionsphasen festzustellen, weil jeder Teil der kom- plexen Wurfbewegung für das Gelingen notwendig ist und somit zur Hauptfunktionsphase gehört.

3.4.Umsetzung biomechanischer Prinzipien

Beim Ippon-Seoi-Nage kommen viele biomechanische Prinzipien zum tragen. Wie diese sich in der Bewegungsablauf äußern soll kurz beschrieben werden um mehr über die Bedeutung bestimmter Teile der Bewegung zu erfahren und so Fehler besser erkennen zu können.

Prinzip des optimalen Beschleunigungsweges:

Nach der Eindrehbewegung geht Tori in die Hocke um unter Ukes Schwerpunkt zu gelangen. Beim anschließenden Ausheben und Abwerfen ist eine explosiv Streckung der Beine erforderlich, damit Uke schwungvoll geworfen wird. Die Frage nach dem optimalen Beschleunigungsweg bezieht sich nun darauf, wie tief Tori die Beine beugen sollte um einen möglichst langen Weg zu erhalten der zur Beschleunigung des Rumpfes und damit Ukes dient. Bei einer zu extremen Beugestellung entstehen jedoch sehr große Lastarme, welche viel Kraft zum Aufrichten benötigen. Diese Kraft würde dann für die eigentliche Beschleunigungsarbeit fehlen. Außerdem kann die Oberschenkelmuskulatur bei starker Dehnung nicht ihre optimale Kraft aufbringen. Aufgrund dessen ist ein Kniewinkel von ca. 90- 120° vor dem Ausheben empfehlenswert.

Prinzip der maximalen Anfangskraft:

Um eine möglichst explosive Aushebe- und Wurfbewegung zu erhalten ist neben einem opti- malen Beschleunigungsweg auch die maximale Anfangskraft des Beschleunigungskraftstoßes erforderlich. Diese wird erreicht, indem durch eine Ausholbewegung in entgegengesetzte Richtung und einen abbremsenden Kraftstoß (Bremskraftstoß), welcher fließend in den Beschleunigungskraftstoß übergeht, im Ausgangspunkt der Beschleunigungsphase bereits eine Kraft wirkt. Die stäke dieser Anfangskraft hängt von der Länge der Ausholbewegung und der zeitlichen Begrenzung des Bremskraftstoßes ab. Da beim Ippon-Seoi-Nage auch eine maximale Anfangskraft zum Ausheben bereitstehen soll geht Tori erst gegen Ende der Eindrehbewegung in die Hockstellung, da dies somit als Ausholbewegung genutzt werden kann.

Prinzip der Koordination der Teilimpulse:

Soll der Körper oder ein Bewegungsobjekt eine möglichst hohe Geschwindigkeit erreichen müssen möglichst alle Teilimpulse in die gewünschte Richtung zeigen und die Teilbewegungen gleichzeitig ihre Maximalgeschwindigkeit erlangen. Im Falle des Ippon-Seoi-Nage, wo Uke als Bewegungsobjekt fungiert, ist eine geradlinige Bewegung jedoch nicht das Ziel. Uke erfährt eine Translation halbkreisförmig über Tori hinweg und vollzieht dabei eine fast vertikale Rotation von 270° ungefähr um die Körperbreitenachse. Um diese Bewegung zu ermöglichen, müssen während der ganzen Zeit sich ändernde Impulse an verschiedenen Stellen des Bewegungsobjektes ansetzen. Besondere Bedeutung hat der Armzug, welcher schon vor der Eindrehbewegung einsetzt und im Laufe des gesamten Wurfes in Wurfrichtung fortgesetzt wird. Durch ihn wird größtenteils die Translation Ukes realisiert. Die Beinstreckung, die einen Kraftimpuls nach oben verursacht, der unter Ukes Schwerpunkt ansetzt, verbunden mit dem Abbeugen des Oberkörpers und daraus resultierendem Kraftimpuls nach unten oberhalb Ukes Schwerpunktes, leiten die Rotation ein. Da es sich jedoch nicht um eine rein vertikale Rotation, sondern auch eine Teilrotation um Ukes Körperlängsachse handelt wird durch Toris Oberkörperdrehung und den begleitenden Zug nach links-unten am rechten Arm Ukes seine ursprüngliche Rotationsbewegung beschleunigt und nach rechts abgelenkt. Dieses optimale Zusammenspiel der Teilimpulse ist für das Gelingen des Wurfes von großer Bedeutung.

Gesetz vom vorgedehnten Muskel:

Wenn ein Muskel in einer Bewegung seine maximale Leistung liefern soll, muß er mit Hilfe einer Ausholbewegung bis zu einem optimalen Punkt vorgedehnt werden. Dieses Gesetz findet auch wieder beim Beginn der Aushebebewegung seine Anwendung. Der optimale Kniewinkel ist auch vom Grad der Vordehnung des Oberschenkelstreckers abhängig.

Schwerpunkt und Standfestigkeit :

„Der Schwerpunkt ist derjenige Punkt eines Körpers, in dem sich die Schwerkraftmomente aller Massenteile die Waage halten. Der Schwerpunkt des menschlichen Körpers verändert sich mit der Körperstellung. Die Standfestigkeit ergibt sich aus dem Verhältnis der Größe der Standfläche zum senkrechten Abstand des Schwerpunktes über der Standfläche.” (Koch, Karl 1984, S.135)

Dieses Prinzip ist eines der wichtigsten im gesamten Judosport, da jeder Wurf nach den Regeln des Gleichgewichtsbruches funktioniert. Daher sind bei der Grundstellung leicht gebeugte Knie wichtig für die Standfestigkeit. Durch den Armzug wird Uke aus dem Gleichgewicht gebracht (das Lot durch den KSP trifft nicht mehr die Standfläche) und dadurch ausgehoben, dass sich Tori unter Ukes KSP schiebt. Der Armzug beim Ippon-Seoi- Nage erfolgt erst mit dem Schritt nach vorne, da die Standfestigkeit in Zugrichtung so erhöht wird. Beim Eindrehen und Ausheben darf das Lot durch den KSP nie nach hinten über die Standfläche hinausragen, da eine Wurfbewegung nach vorne dann nicht mehr möglich ist. Wenn das Lot die Standfläche nach vorne in Wurfrichtung verläßt ist das nicht schlimm, weil die Bewegung sowieso nach vorne verläuft. Ein schwieriger Augenblick ist der Zeitpunkt des Aushebens, denn aus dem KSP Toris entsteht nun der Schwerpunkt des Systems Tori und Uke, der durch die Standfläche Toris gehen muß. Schwerpunkt und Standfestigkeit sind also zwei wichtige Aspekte des Judo die bei allen Nage-waza in verschiedenen Formen Anwendung finden.

3.5.Ordnungsanalyse

Die Vielfalt von Bewegungen einer Sportart zu klassifizieren und in Gruppen zusammenzufassen ist die Aufgabe der Ordnungsanalyse.

Judotechniken werden zuerst einmal in Wurftechnik (Nage-waza) und Bodentechnik (Ne- waza) unterteilt. Die weitere Kategorisierung der Ne-waza lasse ich außen vor, da sie für das Thema nicht relevant ist. Neben den Kaeshi-waza (Gegen-/Kontertechniken) werden die Nage-waza in zwei große Gruppen gespalten: Tachi-waza (Würfe aus dem Stand) und Sutemi-waza (Würfe beim zu Boden gehen). Der Ippon-Seoi-Nage ist hier eindeutig bei den Tachi-waza zu finden, weil Tori während des gesamten Wurfes im Stand bleibt. Die Tachi- waza werden nochmals in drei Kategorien aufgeteilt, welche sich daran orientieren womit Tori Uke wirft. Man unterscheidet Te-waza (Hand- und Schulterwürfe), Koshi-waza (Hüftwürfe) und Ashi-waza (Fuß- und Beinwürfe).Die Einordnung des Ippon-Seoi-Nage in eine dieser Gruppen ist nicht mehr ganz so eindeutig. Um Uke zu werfen werden sowohl die Beine, beim Ausheben, als auch die Hüfte, welche sich unter Ukes KSP schiebt, und natürlich Hand und Schulter beim Abwerfen gebraucht. Wie der deutsche Name Schulterwurf schon sagt gehört er zu den Te-waza. Als Begründung ist hier anzuführen, dass Uke über Toris Schulter fällt und diese durch das Verdrehen des Oberkörpers die Hauptkraft zum Wurf beiträgt. Eine graphische Darstellung des Judo-Systems finden sie auch in Kapitel 2.2. auf Seite 9.

Der Ippon-Seoi-Nage ist nun gründlich untersucht worden und es ist Zeit sich mit geeigneten Lernmethoden auseinanderzusetzen.

4. Methoden des Techniktrainings

4.1.Ganzheits- und Teillernmethoden

Die hier erwähnten Methoden des Techniktrainings sind alle deduktiv. Diese besagt, dass dem Lernenden zu Beginn des Lernprozesses die Zielbewegung vorgeführt wird und die Erarbeitung dieser Technik ausschließlich über konkrete Bewegungsanweisungen erfolgt. Des weiteren gibt es noch die induktive Methode, nach der eine Bewegungsaufgabe durch selbständiges Versu- chen und Üben gelöst werden soll. Hier wird keine Zieltechnik vorgegeben um dem Lernenden möglichst großen Spielraum zu lassen.

Die Anwendung des induktiven Verfahrens schließt sich jedoch für meinen Zweck aus, da beim Erlernen des Ippon-Seoi-Nage die Bewegungsaufgabe nicht etwa „werfe deinen Partner mit dem Rücken auf die Matte” lautet, sondern nur durch den vorgeschriebenen Bewegungsablauf realisiert werden soll. Außerdem ist der induktive Weg immer mit einem großen Zeitaufwand verbunden.

Ganzheitsmethoden zeichnen sich dadurch aus, dass die Zielbewegung stets als Ganzes vorhanden ist, jedoch unter vereinfachten Voraussetzungen und Hilfen gelernt wird. Sie werden meist bei relativ einfachen Bewegungen eingesetzt, weil sie ein schnelleres Lernen ermöglichen. Eine Schwachstelle ist, dass die Aufmerksamkeit zu wenig auf den Teilbewegungen gelegt wird, deren exakte Ausübung für die Feinform ausschlaggebend ist.

Teillernmethoden zerlegen die Zielbewegung nach funktionellen oder zeitlichen Gesichtspunkten in Teilbewegungen, die einzeln geschult und dann kombiniert werden. Die praktische Umsetzung im Training erfolgt durch methodische Übungsreihen. Teillernmethoden werden bei komplexen Bewegungsabläufen verwendet, welche nicht durch die Ganzheitsmethode erlernbar sind. Der Lernvorgang dauert zwar länger, jedoch lassen sich mit dieser Methode besser Fehler erkennen und beseitigen.

4.2.Die graduelle Annäherungsmethode

Als Vertreter der Ganzheitsmethoden werden hier weniger komplexe Bewegungen geübt, die der Zielfertigkeit strukturel ähneln um deren Aneignung zu erleichtern. Diese Methode ist jedoch nur sinnvoll, wenn man durch leichte Formveränderungen der Zielbewegung auch zu Übungen kommt die dem Lernenden schon bekannt sind. Es wird nach dem Prinzip „vom Leichten zum Schweren” vorgegangen.

4.3.Die progressive Teillernmethode

Diese Teillernmethode reiht Teile der Bewegung progressiv (fortschreitend) nach zeitlichen oder funktionellen Aspekten aneinander (Serielle Ordnung). Zwei Bewegungselemente der Zielbewegung werden erlernt und daraufhin verbunden. Dann wird das nächste Element geübt und mit den bereits erlernten verknüpft. Dieses Verfahren wird bis zum kompletten Bewegungsablauf fortgesetzt. (vgl. Fink, Bernd 2000: Paper Bewegungslernen 8: Methoden des Techniktrainings)

5. Trainingsplanung

5.1. Trainingsziel

Bevor sich mit den Modalitäten des Trainings beschäftigt wird muß zuerst das Trainingsziel eindeutig definiert werden.

Da es ausschließlich um das Erlernen einer bestimmten Technik geht spricht man von technischen (technomotorischen) Trainingszielen. Der Ippon-Seoi-Nage wird als Formbewegung gesehen, was bedeutet, dass die Bewegung an sich der Sinn der Ausführung ist. Es kommt also besonders auf die Bewegungsqualität und nicht das Bewegungsergebnis an. Die Zieltechnik kann nicht mit der idealen Norm übereinstimmen, weil sie sich an dem konditionellen und technomotorischen Niveau der Lerngruppe orientieren muß. Der Ippon-Seoi-Nage soll also möglichst wie in der Bewegungs- beschreibung beherrscht werden, die selbst keine ideale Norm in Bezug auf Wettkampfwirk- samkeit ist, sondern den Anforderungen der DJB-Prüfungsordnung entspricht. Lernziel ist es den Wurf unter optimalen Bedingungen, vor allem ohne Widerstand des Partners, als mög- lichst harmonischen und flüssigen Bewegungsablauf ausführen zu können. Die Qualitativen Bewegungsmerkmale sollten den Anforderungen der Grobform entsprechen. Ob dies in einem derart kurzen Zeitraum zu schaffen ist wird sich zeigen. Hohe Ansprüche lassen jedoch leichter Vor- und Nachteile der beiden Lernmethoden erkennen.

5.2.Meine Übungsgruppen

Die zwei Gruppen, mit denen ich trainiere bestehen aus je vier Kindern im Alter von 9-12 Jahren, die alle ein ¾ bis 1½ Jahre Judo betreiben und sich im Grundlagentraining befinden. Sie sind anhand des motorischen Entwicklungsstandes in die Phase des frühen bzw. späten Schulkindalters einzuordnen. Diese zeichnet sich durch einen schnellen Fortschritt in der motorischen Entwicklung und eine stark ausgeprägte motorische Lernfähigkeit aus. Weitere sensible Phasen zum Erwerb konditioneller und koordinativer Fähigkeiten erreichen in jenem Altersabschnitt auch ihre Höhepunkte: Gleichgewichtsfähigkeit, Rhythmusfähigkeit und Schnelligkeit. Diese Eigenschaften sind allesamt für das Erlernen des Ippon-Seoi-Nage von Bedeutung und weisen diesen Zeitraum als optimal geeignet zum Aneignen motorischer, vor allem technischer/koordinativer, Fähigkeiten aus. Allein der Punkt, dass die Kraft noch nicht besonders ausgebildet werden konnte erschwert die Durchführung der Technik, insbesondere das Ausheben.

Auch motivationale Aspekte spielen für den Lernerfolg eine entscheidende Rolle. Die Judoka besitzen aufgrund ihrer Altersstufe einen enormen Bewegungs- und Betätigungsdrang, der für den Spaß am Bewegen verantwortlich ist. Zudem dient die Präsentation des vollständigen Wurfes am Beginn des Trainings als Motivation, da diesen Wurf auch beherrschen wollen und so ein Ziel vor Augen haben, dass sie dazu bringt auch subjektiv langweilige Übungen mit Interesse durchzuführen. Ein weiterer, ungewollter Motivationsaspekt ist sicherlich auch die Kamera gewesen. Obwohl ich darauf hingewiesen hatte sie einfach zu ignorieren und wie immer zu trainieren bemerkte man vor allem am Anfang deutlich eine Verunsicherung und das Bemühen jede Übung perfekt durchzuführen. Man wollte sich ja von seiner besten Seite zeigen. Nach einer Weile geriet die Kamera jedoch in Vergessenheit und die Atmosphäre wurde etwas lockerer.

Das motorische Ausgangsniveau ist im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern in einigen Bereichen sicher überdurchschnittlich ausgeprägt, da fast alle schon mindestens ein Jahr Judo betreiben. Dies bedarf einer differenzierten Untersuchung der koordinativen und konditionellen Grundfähigkeiten. Bei der Beurteilung der Fähigkeiten fehlen mir allerdings die Mittel wissenschaftlich bei jedem einzelnen zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen. Daher muß ich mich mit einer Prognose, aufgrund des bisherigen Trainings und einer Trainingsbeobachtung, zufrieden geben. Das folgende Profil trifft mit Sicherheit nicht auf jeden in gleichem Maße zu und beinhaltet auch nur Fähigkeiten, die für den Ippon-Seoi- Nage von Bedeutung sind.

Mit die wichtigste koordinative Grundfähigkeit im Judo ist die Gleichgewichtsfähigkeit, weil es im Kampf darum geht das Gleichgewicht seines Gegners zu brechen und das Eigene zu wahren um zum Wurferfolg zu kommen. Einen dem entsprechenden Stellenwert hat die Ausbildung dieser Fähigkeit vor allem im Grundlagentraining. Die Judoka sind in dieser Hinsicht also schon recht gut ausgebildet, was besonders beim Ausheben von Bedeutung ist.

Die Orientierungsfähigkeit ist in Bezug auf die korrekte Position vor Uke von Wichtigkeit und ist meist ganz gut ausgeprägt.

Eine große Bewegungsgenauigkeit durch Feinabstimmung der Teilkörperbewegungen ist noch nicht zu erwarten, da eine dynamisch und kinematische Bewegungspräzision eine starke kin- ästhetische Afferenz verlangt. Diese bildet sich jedoch erst nach längerem Training heraus. Die hierdurch beschriebene Differenzierungsfähigkeit ist dem Trainingsalter entsprechend, also nur gering, ausgebildet.

Um die Kopplungsfähigkeit ist es da schon etwas besser bestellt. Verschiedene Teilkörperbe- wegungen können recht gut zu einem Ganzen kombiniert werden. Schwachstellen liegen hier in der dynamischen Folgerichtigkeit der zusammengesetzten Bewegung. Auf diese Fähigkeit kommt es vor allem beim Kombinieren der gelernten Bewegungen und dem komplexen Wurf an.

Das Erkennen des dynamischen Verlaufes und Höhepunktes des Wurfes erfordert Rhythmus-

fähigkeit, genauso wie das Umsetzen dieses Rhythmus in die eigene Bewegung. Diese Eigen- schaft fehlt den Judoka noch weitgehend, weil sie bei den meisten Techniken zu sehr mit dem Bewegungsablauf beschäftigt sind. Bei einfachen Techniken ist jedoch teils schon ein richtiger Rhythmus zu erkennen. Rhythmusfähigkeit ist beim Ippon-Seoi-Nage beim Umsetzen des ak- zentuierten Ausheben und Abwerfens von Bedeutung.

Von den konditionellen Grundfähigkeiten spielt nur die motorische Kraftfähigkeit eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Bewegungsaufgabe. Insbesondere dynamische Maximalkraft und Schnellkraft der Oberschenkelmuskulatur, Hüftbeuger und schrägen Bauchmuskulatur sind erforderlich. Das größte Defizit liegt bei der Gruppe in der Maximalkraft der Oberschenkelmuskulatur, die beim Ausheben von entscheidender Bedeutung ist. Dies könnte beim Ippon-Seoi-Nage zu Problemen führen.

Die Lateralität beeinflußt das Bewegungslernen insofern, dass eine beidseitige Schulung von Techniken eine Verbesserung der Bewegung auf der Hauptseite verursacht. Da aber im Training meist nur einseitig trainiert wird und eine beidseitige Schulung des Ippon-Seoi-Nage zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde kann dies nicht genutzt werden.

Beim Ippon-Seoi-Nage liegt eine Bewegungsverwandschaft zu Techniken vor die den Judoka bereits bekannt sind. Hier ist vor allem der O-Goshi (Hüftwurf) zu nennen, bei dem die Eindrehbewegung, bis auf die Faßart, mit der des Ippon-Seoi-Nage identisch ist. Ausheben und Abwerfen sind modifiziert, stimmen jedoch mit der Bewegungsstruktur überein. Die Fallbewegung Uke´s ähnelt der Fallschule vorwärts, welche extra für solche Situationen gelernt wurde um richtig und sicher zu fallen.

Hieraus entsteht eine Lernübertragung (Transfer) gesammelter Bewegungserfahrungen auf die neu zu erlernende Technik. Man kann in diesem Fall von einem positiv lateralen Transfer sprechen, weil die zuvor angeeigneten Bewegungen das Lernen des Ippon-Seoi- Nage vereinfachen.

Soviel zu den allgemeinen Eigenschaften und Vorbedingungen der Gruppe, die Einfluß auf das Bewegungslernen haben. Diese finden natürlich auch im Trainingsplan Berücksichtigung. Nun aber zur persönlichen Vorstellung der Gruppen.

Vorab noch etwas zur Einteilung. Da beide Gruppen von der motorischen Lernfähigkeit ungefähr gleich bestückt sein sollten und die Partner vom Gewicht auch noch zueinander passen mußten blieben schon gar nicht mehr so viele Möglichkeiten. Mein Trainer, der die Fähigkeiten jedes einzelnen zuverlässig beurteilen kann, half mir dann beim Zusammenstellen der Gruppen. Mit Nada und Benedikt, sowie Jannik und Niklas sind die wahrscheinlich Lernbegabtesten gut verteilt. Die anderen vier konnten, wegen Gewichtsgründen, nur in dieser Form trainieren.

5.2.1 Gruppe „graduelle Annäherung”

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.2.2 Gruppe „progressive Teillernmethode”

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.3. Operativpläne

Der Operativplan beinhaltet das Training einer Woche und legt die Trainingsziele, -inhalte und -methoden genau fest. Auch die einzelnen Trainingsübungen werden in ihrer Länge und Intensität bestimmt.

Die Übungen werden, falls nicht anders erwähnt, zuerst von mir demonstriert und sofern keine Fragen bestehen mit dem Partner im Wechsel geübt. Während dessen beobachte und korrigiere ich die Judoka. Wenn die Bewegung von allen recht gut beherrscht wird oder eine angemessene Übungsdauer (5 Minuten) vorüber ist muß zum nächsten Schritt übergegangen werden, da der Trainingsplan eingehalten werden sollte um die Vergleichbarkeit beider Gruppen zu gewährleisten. Die Trainingspaare sind fest zugeordnet, da beide Partner im gleichen Gewichts- und Größenbereich sein sollten. Nur in der graduellen Annäherungsgruppe war ein Partnerwechsel möglich, durch den sich die Bewegung von den Eigenheiten des Partners löst. Dies war in der anderen Gruppe leider nicht zu bewerkstelligen, weil die Gewichtsunterschiede zu groß waren.

5.3.1. Gruppe „graduelle Annäherung”

1.Trainingseinheit: Freitag, 12.05.2000 Dauer: 25 Minuten

Zu Beginn des Trainings steht die Demonstration des Lernzieles, also das Vormachen des Ippon- Seoi-Nage, um den Kindern eine Bewegungsvorstellung der Technik zu vermitteln, die sie lernen werden. Dies hat auch den Vorteil, dass die Judoka die Übungen vor einem größeren Hintergrund sehen und dadurch motivierter zu werke gehen.

1.Übung: Ein Judoka ist in der tiefen Hocke. Sein Partner steht in gleicher Blickrichtung knapp dahinter und macht eine Fallübung rechts vorwärts über ihn drüber. Der Gehockte dreht sich um und läßt seinen Partner noch mal über sich fallen. Dann wechseln beide Judoka die Positionen und der andere ist an der Reihe.

Der graduellen Annäherungsmethode entsprechend ist hier schon eine Ähnlichkeit zur Wurfbewegung zu erkennen. Der Sinn der Übung liegt hauptsächlich darin, dass Uke an die Fallbewegung gewöhnt wird.

2. Übung: Beide Judoka stehen sich im Abstand von einem halben bis einem Meter gegenüber. Der eine macht mit dem rechten Fuß einen Schritt nach links vorne. Mit dem linken Fuß, den er rechts zurück führt vollendet er die 180°-Drehung (Kodokan-Eingang). Nun geht der Judoka wieder in die Hocke und sein Partner fällt über ihn. Dies ist eigentlich der erste Lernschritt für Tori, der die Eindrehbewegung erlernt.

3.Übung: Wie in der Übung zuvor stehen sich beide gegenüber. Tori hat mit seiner linken Hand Uke´s rechten Arm in Ellenbogenhöhe gegriffen (Parallelgriff). Nun führt Tori die gleiche Übung wie zuvor aus.

Dieser Bewegungsablauf weist schon größere Ähnlichkeit zur Zieltechnik auf, ist jedoch immer noch stark vereinfacht, da Tori Den Fall Uke´s nicht aktiv beeinflußt. Man kann also noch nicht von einem Wurf sprechen.

4.Übung: Aus der gleichen Ausgangsposition wie in der vorigen Übung führt Tori beim ersten Schritt seiner Eindrehbewegung den rechten Arm an Uke´s Körper vorbei unter dessen rechten Arm durch und greift mit der Hand auf Uke´s Schulter. Nach der vollendeten Eindrehbewegung und dem in die Hocke gehen wird die Fallbewegung durch Ziehen beider Hände unterstützt.

Hier kommt ein entscheidender Punkt in der Entwicklung der Zieltechnik hinzu. Mit dem Einsetzen der Zuges, der im weiteren Lernverlauf noch mehr Beachtung findet, wird die Fallübung Uke´s immer mehr fremdgesteuert bis sie allein durch Tori´s Aktion gelenkt wird.

2.Trainingseinheit: Mittwoch, 17.05.2000 Dauer: 20 Minuten

Um zu sehen was von der vorigen Trainingseinheit noch behalten wurde demonstriert ein Judoka die Übung mit der das letzte Training endete. Nach einer Korrektur und erneuten Demonstration folgt nochmals ein Üben des letzten Lernschrittes.

1.Übung: Der Arm, welcher zuvor nur auf Uke´s Schulter gegriffen hatte klemmt nun mit der Ellenbogenbeuge den Oberarm Uke´s unterhalb der Achselhöhle ein. Durch die Hockbewegung wird Uke´s Oberkörper automatisch nach vorne unten gezogen. Tori dreht den Oberkörper nach links um den Zug durch die linke Hand zu unterstützen. Uke fällt wie gehabt rechts vorwärts.

Diese Übung bereitet das spätere Abwerfen vor.

2.Übung: Schon mit dem Beginn der Eindrehbewegung setzt der Zug des linken Armes ein. Es wird auch nicht mehr ganz in die Hocke gegangen, sondern die Knie nur noch ca.120° gebeugt. Uke wird durch Abbeugen des Oberkörpers und Strecken der Beine ausgehoben.

Das bereits gelernte Drehen des Oberkörpers und der Schwung aus der Aushebebewegung verursachen den Fall des Partners.

Diese Übung bildet den letzten Schritt des Lernweges. Der Zug führt durch die gesamte Bewegung und bringt eine vollständige Fremdsteuerung des Wurfes mit sich. Als letzte Annäherung an die Zieltechnik wird die Hocke durch die Aushebebewegung ersetzt.

3.Übung: Der nun vollständige Wurf wird nun mit verschiedenen Partnern geübt.

4.Demonstration: Der komplette Wurf wird nun von jedem Judoka zweimal an seinem Partner vorgeführt, wobei dies mit der Kamera genau festgehalten wird.

5.3.2. Gruppe „progressive Teillernmethode”

1.Trainingseinheit: Freitag, 19.05.2000 Dauer: 25 Minuten

Auch hier steht vor dem Beginn des Trainings aus bereits erwähnten Gründen eine Demonstration des Lernzieles.

1.Übung: Beide Judoka stehen sich in normaler Faßart (siehe Kapitel 3.2. auf Seite ) gegen- über. Tori macht mit dem rechten Fuß einen Schritt nach links vorne und zieht Uke gleichzeitig mit beiden Armen nach oben auf sich zu, der dadurch aus dem Gleichgewicht gebracht wird.

Hier wird der erste und auch wichtige Teil des Wurfes, nämlich die Aufziehbewegung gelernt. Denn ohne Gleichgewichtsbruch ist ein Ausheben des Partners nur schwer möglich.

2.Übung: In gleicher Ausgangsstellung wie zuvor, jedoch ohne den Griff am Judogi des Part- ners legt Uke seine rechte Hand auf Tori´s linke Schulter. Dieser macht mit rechts einen Schritt nach links vorne und führt gleichzeitig seinen rechten Arm vor Uke´s Körper vorbei. Er klemmt den aufgelegten Arm knapp unterhalb der Achselhöhle mit seiner Ellenbogenbeuge ein. Der linke Fuß vervollständigt mit einem Schritt rechts rückwärts die Eindrehbewegung. Das Lernen der Eindrehbewegung wird nach den Regeln der progressiven Teillernmethode isoliert vorgenommen. Das Einklemmen des Armes wird allerdings mit in die Übung eingebaut, da es zeitgleich abläuft.

3.Übung: Hier werden die ersten beiden Übungen miteinander verknüpft. Wie bereits geübt erfolgt das Aufziehen des Gegners, mit dem Einklemmen des Armes und der an den ersten Schritt nach links vorne angeschlossenen Eindrehbewegung.

Nach den ersten beiden Teilbewegungen müssen diese nun zu einer flüssigen Bewegung verknüpft werden, was in diesem Übungsschritt geschieht.

4.Übung: Anfangsposition dieser Übung ist die Endsituation der Vorherigen. Tori geht leicht in die Hocke (Kniewinkel 90-120°) und hebt Uke durch Abbeugen des Oberkörpers nach vorne verbunden mit einem Strecken der Beine aus. Damit sich allein auf das Ausheben konzentriert werden kann und die Eindrehbewegung nicht direkt verknüpft wird führt jeder Judoka die Übung fünfmal hintereinander aus.

Die somit gelernte Aushebebewegung kommt im Wurf natürlich in ganz anderer Intensität vor, da Uke nicht nur ausgehoben, sondern auch durch den Schwung geworfen werden soll. Der Bewegungsablauf an sich ist jedoch so gut zu erlernen.

5.Übung: Das Ausheben wird nun fließend mit dem bereits gelernten Aufziehen und Eindrehen verbunden.

Hiernach beherrschen die Judoka schon den größten Teil des Wurfes.

2.Trainingseinheit: Mittwoch, 24.05.2000 Dauer: 15 Minuten

Um zu sehen was von der vorigen Trainingseinheit noch behalten wurde demonstriert ein Judoka die Übung mit der das letzte Training endete. Nach einer Korrektur und erneuten Demonstration folgt nochmals ein Üben des letzten Lernschrittes.

1.Übung: Tori befindet sich in eingedrehter Position vor Uke, welcher auf einer Bank steht. Durch starken Zug mit der linken Hand, Abbeugen und Drehen des Oberkörpers nach links wird der Partner auf eine Weichbodenmatte geworfen.

Unter Zuhilfenahme der Trainingsmittel Bank und Weichbodenmatte kann simuliert werden, dass Uke bereits ausgehoben ist. Dieser steht nämlich auf der Bank und Tori in eingedrehter Position vor ihm. Dadurch kann die Aushebebewegung bei dieser Übung wegfallen und die Konzentration ausschließlich auf das Abwerfen gelegt werden. Um Uke die Angst vom Fallen aus dieser Höhe zu nehmen wird auf eine Weichbodenmatte geworfen.

2.Übung: Dieses Abwerfen wird nun mit dem bisher gelernten Bewegungsablauf verknüpft. Daraus entsteht der vollständige Ippon-Seoi-Nage, also die Zieltechnik, welche jetzt nur noch geübt werden muß.

Bei dieser letzten Verknüpfung zur vollständigen Zieltechnik muß das Ausheben explosiver Erfolgen um den Schwung in die Abwurfbewegung mitnehmen zu können.

3.Demonstration: Der komplette Wurf wird nun von jedem Judoka zweimal an seinem Partner vorgeführt, wobei dies mit der Kamera genau festgehalten wird.

5.4. Umsetzung der Prinzipien des sportlichen Trainings

Von der großen Menge der Prinzipien des sportlichen Trainings sind in diesem Falle nur sehr wenige wirksam, da wir es einerseits mit einem ausschließlich technischen Training zu tun haben, also konditionelle Belastungen fast ganz wegfallen, und andererseits die kurze Dauer von zwei Trainingseinheiten keine Berücksichtigung der langfristigen Prinzipien ermöglicht.

Prinzip der ansteigenden (progressiven) Belastung besagt, dass wenn sich ein Sportler an eine Belastung gewöhnt hat eine Leistungssteigerung nur durch Erhöhung der Belastung zu realisieren ist. Diese Belastung kann konditionell, koordinativ, technisch, taktisch, intellektuell und willensmäßig sein. In diesem speziellen Fall ist von einer technischen Anforderung zu sprechen, deren Anpassung bei weitestgehender Beherrschung der Übung eintritt. Die technische Leistung kann nur verbessert werden, indem neue, komplexere Aufgaben gestellt werden. So wird langsam auf die Zielbewegung hingearbeitet.

Das Prinzip der richtigen Belastungsfolge findet in der Einbindung des etwa 20minütigen Technikteils in die gesamte Trainingseinheit Anwendung. Die Judoka wärmen sich ungefähr 10 Minuten mit der Gruppe auf und sind dann noch frisch für meine Technikeinheit, die einen Außerdem muß auf das Prinzip der Altersgemäßheit geachtet werden. Die erholten Zustand erfordert. Danach wird im Randori (Wettkampfübung) in der Gruppe die konditionelle Belastung zum Trainingsende erhöht.

5.5.Kontrollverfahren zur Leistungsdiagnostik

Um festzustellen ob die angestrebten Trainingsziele erreicht werden muß ein Ist-Soll-Wertvergleich durchgeführt werden. Der Sollwert ist durch die Bewegungsbeschreibung gegeben. Der Istwert hingegen kann nur durch aussagekräftige Kontrollverfahren erlangt werden.

Da wir es mit einer Formbewegung zu tun haben bietet sich als geeignetes Kontrollverfahren allein eine Bewegungsbeobachtung an, weil es keine wissenschaftlich meßbaren Gütekriterien der Bewegung gibt. Diese würden sich höchstens durch Lage-, Zeit- und Wegmerkmale oder Beschleunigungen und Geschwindigkeiten konstruieren lassen. Einerseits fehlen mir hier vorgegebene Normen und andererseits die notwendigen Meßinstrumente.

Die Aussagekräftigkeit dieser Methode anhand der Kriterien Objektivität, Reliabilität und Validi- tät nachzuweisen fällt natürlich schwer, weil keine Fakten als Ergebnis zur Verfügung stehen. Ich bemühe mich jedoch trotzdem bei der Beobachtung darum objektiv zu beurteilen. Von Reliabilität kann man insofern sprechen, da die Bewegung, welche auf Video aufgenommen wird, später ganz genau analysiert werden kann und Fehler m Bewegungsablauf gut herausgestellt werden können. Die Zuverlässigkeit ist jedoch nicht sehr groß, da von jedem Judoka nur zwei Würfe aufgenommen werden von denen ein ungewöhnlich guter bzw. schlechter das eigentliche Können verfälschen. Durch mehrmalige Betrachtung des Videos kann jeweils das Merkmal der Bewegung beurteilt

6.1.1 Gruppe „graduelle Annäherung”

Nachdem die Gruppe aufgewärmt war begann ich nach einer kurzen Vorstellung mit der Präsentation des Lernzieles und darauf der ersten Übung.

Die Fallschule wurde recht gut beherrscht, wobei Benedikt und teils andere häufig über die falsche Seite fielen. Dies ist nur dadurch zu erklären, dass sie sich beim Fallen abstützen wollten und daher über beide Arme fielen. Andreas hatte generelle Probleme mit der Fallschule, da er nicht vorwärts fiel, sondern einfach seitlich abrollte. In der Hoffnung, dass sich die Fallübung im nächsten Übung bessert, deren Bewegung sich für den Fallenden nicht ändert, gingen wir einen Schritt weiter.

Andreas und Sonja machten die Eindrehbewegung spontan andersherum und Benedikt fiel manchmal immer noch linksherum. Dies kann ich mir nur dadurch erklären, dass jetzt auch im Kindertraining schon beidseitig trainiert wird, was mir die Trainer sogar bestätigten. Andreas hatte anfangs Probleme die Schrittfolge zu koordinieren, bekam dies aber immer besser in den Griff. Nada mußte sich erst auf das entstandene „Hindernis” einstellen und fiel nicht sehr flüssig. Die Übung wurde dann jedoch weitestgehend beherrscht und ich konnte zum nächsten Schritt übergehen.

Es wurde zu Beginn von fast allen, hauptsächlich Nada und Sonja, statt parallel diagonal gegriffen, was eine falsche Fallbewegung geradezu provoziert. Dies legte sich nach Korrekturen nach ein paar Übungen.

Als nun der Zug und der Griff auf der Schulter ergänzt wurden geriet Tori fast immer aus dem Gleichgewicht und fiel auf die Knie. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil der spätere Wurf nicht aus einer derart labilen Position wie der tiefen Hocke ausgeführt wird. Andreas´ Fallprobleme tauchen immer noch auf genauso wie die andersseitige Wurfausführungen Nadas, welche normalerweise nicht unterdrückt werden müßten. Da die Zieltechnik jedoch einheitlich ausgeführt werden soll üben alle den Wurf auf der gleichen Seite.

Durch das Einklemmen des Armes, was häufig nicht energisch genug geschah, verbunden mit der Oberkörperdrehung sollen dafür sorgen, dass Uke nicht mehr nur fällt, sondern geworfen wird. Dementsprechend sah die Fallbewegung nicht so sauber aus wie zuvor. Das Abstützen mit den Knien verstärkt sich, da eine größere Zugspannung aufgebaut werden muß.

Das darauffolgende Üben des fertigen Wurfes auch mit unterschiedlichen Partnern funktionierte weitestgehend sehr gut. Sonja hatte aufgrund ihrer Größe Schwierigkeiten die kleineren Partner auszuheben, da ihr auch die Kraft in den Beinen fehlte. Zudem drehte sie sich nicht weit genug ein. Andreas beugte die Knie teils überhaupt nicht, was ihm Probleme beim Ausheben machte.

Das endgültige Lernresultat wird im nächsten Kapitel beurteilt.

Zeitlich konnte der Trainingsplan soweit eingehalten werden.

Verallgemeinert kann ich sagen, dass der Lernverlauf meist mit vielen falschen Bewegungsansätzen verlief, die mir oft leider erst auf dem Video aufgefallen sind und so nicht ausführlich genug korrigiert werden konnten. Die Gruppe hat die Korrekturen jedoch größtenteils angenommen und umgesetzt.

6.1.2 Gruppe „progressive Teillernmethode”

Nach dem Aufwärmen und einer kurzen Vorstellung, sowie der Demonstration des Lernzieles konnten wir mit der ersten Übung beginnen.

Die Armzugübung wurde bis auf kleinere Fehler recht gut beherrscht. Teilweise, vor allem bei Jannik fehlte die Zugbewegung des rechten Armes, die jedoch bei der Zielbewegung nicht so wichtig ist, da die Hauptzugkraft vom linken Arm ausgeht.

Die Eindrehbewegung ist ebenfalls ziemlich schnell gelernt worden, wobei Christian häufig nur halb eindrehte und den Nachziehschritt vergaß. Vor allem Mara klemmte Uke´s Arm oft nicht fest genug ein was sich später noch mal zeigte.

Bei der Verbindung beider Teilbewegungen wird deutlich, dass Jannik beim Aufziehen zu nah am Partner steht und so den Arm nur schwer unter Uke´s führen kann. Weiterhin fällt auf, dass Maras und Christians Eindrehbewegungen unkoordiniert und nicht mehr nach dem Dreischrittrhythmus verlaufen.

Das Ausheben stellt für Niklas und Jannik kein Problem dar. Mara und Christian hingegen fehlt wahrscheinlich die Kraft um bei der Aushebebewegung mehr aus den Beinen zu arbeiten.

Als Ganzes verbunden funktioniert der Bewegungsablauf bis dahin schon sehr gut. Trotzdem tauchen bisher gemachte Fehler vereinzelt wieder auf.

Das Abwerfen wird von fast allen überraschend schnell und gut umgesetzt. Christian dreht statt nur dem Ober- direkt den ganzen Körper und fällt daher mit auf die Matte. Die abschließende Übung des gesamten Wurfes wird wie gehabt mit dem festen Partner durchgeführt. Dabei treten vor allem Fehler in der Kopplung von Ausheben und Abwerfen auf, die nicht richtig verbunden werden, weil beim Ausheben nicht tief genug in die Knie gegangen wird und somit der Schwung zum werfen fehlt.

Die Bewegung wird jedoch erst im Ergebnisteil analysiert. Auch hier konnte der Trainingsplan eingehalten werden.

Der Lernverlauf dieser Gruppe war mit weniger Fehlern in der Bewegungsstruktur verbunden.

Kleinere Ungenauigkeiten traten auf, konnten aber auch recht gut korrigiert werden. Jedoch war auch in dieser Gruppe das Ausheben Ukes eines der größten Probleme. Das Gesamtbild des Lernfortschritts dieser Gruppe war besser, was jedoch nicht unbedingt etwas über die Qualität des Resultats aussagt.

6.2.Videodokumentation

Auf der beigefügten Videokassette wird zu Beginn der Ippon-Seoi-Nage, von Andreas Böhm als Uke und mir als Tori, in Feinform und anschließend in die Teilbewegungen zergliedert demonstriert. Darauf folgt die Begleitung beider Gruppen durch den Trainingsverlauf. Den Anfang macht die Gruppe der graduellen Annäherungsmethode mit beiden Trainingseinheiten und im Anschluß die

Gruppe der progressiven Teillernmethode..

Den Abschluß des Videos bildet die Demonstration der gelernten Technik von den Judoka in folgender Reihenfolge:

Gruppe 1: graduelle Annäherung Gruppe 2: progressive Teillernmethode

Sonja - Nada Jannik - Niklas

Benedikt - Andreas Christian - Mara / Mara

- Andreas

Die Kamera führten Andreas Böhm und Björn

Förster. Bitte entschuldigen sie die schlechte Tonqualität.

7.Ergebnis

7.1.Ergebnis der trainingspraktischen Leistungsdiagnostik

Das Lernresultat, also der Ippon-Seoi-Nage, wird nach der Übereinstimmung mit der Bewegungsbeschreibung und der Ausprägung der qualitativen Bewegungsmerkmale beurteilt:

- Bewegungsrhythmus
- Bewegungskopplung
- Bewegungsfluß
- Bewegungstempo
- Bewegungsstärke

Bewegungsgenauigkeit im Sinne von Konstanz kann bei zwei Ausführungen nicht aussagekräftig sein. Im Sinne von Bewegungspräzision wird diese Eigenschaft als Vergleich mit der Bewegungsbeschreibung im Text durchgeführt. Der Bewegungsumfang ist im Zusammenhang mit dem Ippon-Seoi-Nage weniger von Bedeutung.

Da das Trainingsziel nur die Beherrschung der Grobform ist, bedeutet eine kritische Beurteilung der dargebrachten Technik nicht eine Verfehlung dieses Zieles. Die Bewertungskriterien orientieren sich an der Feinform, um die Judoka, welche schnellere Lernfortschritte machen und den Ippon-Seoi-Nage besser als in der Grobform beherrschen, auch im Hinblick auf weitere Verbesserungen bewerten zu können.

7.1.1.Gruppe „graduelle Annäherung”

Nada: Das Aufziehen zu Beginn der Eindrehbewegung wird völlig vernachlässigt. Nach einer guten Eindrehbewegung setzt dann aber der Zug ein. Das Ausheben ist etwas durch die große Partnerin erleichtert. Normalerweise müßte sie weiter in die Knie gehen. Ukes Arm wird fest eingeklemmt, doch beim Abwerfen fehlt ein wenig die Oberkörperdrehung. Dies kompensiert sie jedoch durch eine sehr explosive Beinstreckung und starken Zug mit der linken Hand.

Bewegungsrhythmus: Der dynamische Akzent liegt auf der Hauptphase des Wurfes.

Das Zögern vor dem Ausheben unterbricht den Rhythmus jedoch.

Bewegungskopplung: Die Bewegungskopplung ist bis auf die etwas zähe Verbindung von Eindrehen und Ausheben hervorragend.

Bewegungsfluß: Dementsprechend ist die Bewegung bis auf diese kleine Pause sehr flüssig.

Bewegungstempo: Das Bewegungstempo ist verhältnismäßig hoch.

Bewegungsstärke: Bis auf die Vorbereitungsphase ist der Krafteinsatz, soweit dies von außen zu beurteilen ist, schon ziemlich gut.

Sonja: Sie ist die einzige aus ihrer Gruppe, die vor dem Eindrehen den Partner durch ihren Zug aus dem Gleichgewicht bringt. Dafür steht sie nach der Eindrehbewegung mit einem Fuß außerhalb der von Uke. Sie bringt ihre Hüfte nicht genau vor den Partner. Da sie den Arm nicht richtig kontrolliert hat und beim Ausheben nicht tief genug in die Knie geht, fällt Uke nur seitwärts ab. Für eine richtige Fallbewegung müßte sie Uke durch explosives Ausheben und kontrollierten Zug mit dem Arm, plus verdrehtem Oberkörper den nötigen Schwung geben.

Bewegungsrhythmus: Der Bewegungsrhythmus ist in Ordnung, da der dynamische Akzent des Wurfes auf der Aushebe- und Wurfbewegung liegt.

Bewegungskopplung: Die Kopplung der Teilbewegungen genügt den Ansprüchen.

Bewegungsfluß: Der Bewegungsfluß ist bis auf ein kleines Stocken vorm Aus- heben ganz gut.

Bewegungstempo: Die Geschwindigkeit mit der die Bewegung durchgeführt wird ist den Anforderungen entsprechend.

Bewegungsstärke: Der Krafteinsatz, welcher schwer zu beurteilen ist hätte beim Ausheben stärker sein müssen.

Benedikt: Bei Benedikt fehlt das Aufziehen, dafür klemmt er Uke´s Oberarm sehr schön ein. Nach dem Eindrehen steht er etwas zu weit außerhalb, kann Uke jedoch trotzdem, dank des guten Hüfteinsatzes und der Kontrolle der Schulter, ausheben. Das Abwerfen wird zu wenig durch die Oberkörperdrehung unterstützt, weshalb hier der Fluß in der Bewegung etwas verloren geht.

Bewegungsrhythmus: Der Rhythmus der Bewegung wird einigermaßen wiedergegeben, es fehlt aber eine deutliche Akzentuierung der Hauptphase.

Bewegungskopplung: Die Bewegungskopplung ist zwar richtig jedoch ziemlich schleppend und daher uneffizient.

Bewegungsfluß: Der Fluß der Bewegung geht etwas verloren.

Bewegungstempo: Ein wenig langsam, aber noch akzeptabel.

Bewegungsstärke: Vor allem in der Vorbereitungsphase zu schwach.

Andreas: Er ist so ein bißchen das Sorgenkind in der Gruppe. Der Zug am Anfang der Bewegung fehlt und die Eindrehbewegung verläuft unkoordiniert. Der Arm wird nicht fest genug eingeklemmt und da die Hüfte nicht vor der des Partners ist rutscht dieser seitlich vorbei. Es kommt also kaum zu einer Aushebebewegung. Ukes Fallbewegung wird auch kaum durch Drehen des Oberkörpers unterstützt. Bewegungsrhythmus: Der Akzent liegt zwar auf der Wurfbewegung, diese wird jedoch ohne Ausheben ausgeführt

Bewegungskopplung: Die Verknüpfung der einzelnen Phasen ist nicht wirkungsvoll, da sie in sich nicht stimmig sind.

Bewegungsfluß: Die Bewegung ist zwar flüssig, weist aber Fehler in der

Bewegungsstruktur auf.

Bewegungstempo: Das Tempo der Bewegung ist in Ordnung.

Bewegungsstärke: Die Kraft müßte mehr auf Zug und Aushebebewegung verteilt sein.

7.1.2.Gruppe „progressive Teillernmethode”

Jannik: Der Armzug, welcher den Wurf einleitet ist gut ausgeprägt. Durch zu weites Aufzie- hen versperrt er sich jedoch den Weg für die Eindrehbewegung, bei der er die Beine etwas zu weit auseinander stellt. Der Arm wird sehr energisch eingeklemmt, was die Grundlage für das saubere Ausheben und Werfen bildet. Allein die Oberkörperdrehung könnte etwas intensiver sein.

Bewegungsrhythmus: Bis auf das Stocken vor der Eindrehbewegung ist der Bewegungsrhythmus sehr gut ausgeprägt.

Bewegungskopplung: Hier gibt es bis auf die Verbindung von Aufziehen und Eindrehen keinerlei Schwierigkeiten.

Bewegungsfluß: Genau so verhält es sich auch mit dem Bewegungsfluß, der nur an dieser Stelle unsauber wird.

Bewegungstempo: Das Bewegungstempo ist angemessen.

Bewegungsstärke: Die Bewegung ist in allen Teilen in ausreichender Bewe- gungsstärke ausgeführt.

Niklas: Ähnlich wie Jannik beherrscht Niklas die Bewegung schon sehr gut, wobei er den Übergang vom Aufziehen zum Eindrehen besser bewältigt, aber beim Ausheben etwas tiefer in die Knie gehen sollte.

Bewegungsrhythmus: Der Bewegungsrhythmus ist sehr gut ausgeprägt.

Bewegungskopplung: Auch die Kopplung der Teilbewegungen läuft folgerichtig ab.

Bewegungsfluß: Der Bewegungsfluß weist kaum Mängel auf.

Bewegungstempo: Das Bewegungstempo ist ebenfalls der Norm entspre- chend.

Bewegungsstärke: Der Krafteinsatz könnte beim Ausheben noch etwas erhöht werden.

Mara: Im vorhinein muß ich sagen, dass Maras Wurfdemonstration an Christian aus unerfindlichen Gründen nicht aufgenommen wurde. Als wir den Wurf dann im Training danach aufnehmen wollten war Christian leider nicht anwesend. Daher mußte Andreas einspringen, was die Bedingungen natürlich erschwerte. Sie beginnt den Wurf mit dem kräftigen Armzug. Die Eindrehbewegung läuft dann jedoch etwas unkoordiniert ab. Mara kontrolliert Ukes Arm recht gut in ihrer Ellenbogenbeuge, geht aber nicht genug in die Knie und kann Uke nur schwer ausheben. Ohne den nötigen Schwung verläuft die Wurfbewegung natürlich auch langsamer zumal sie den Oberkörper kaum dreht.

Bewegungsrhythmus: Die Wurfbewegung wird kaum dynamisch akzentuiert.

Bewegungskopplung: Die Verbindung der einzelnen Teilbewegungen funktioniert recht gut.

Bewegungsfluß: Der Bewegungsfluß ist ein wenig zäh, weist aber keine groben Einschnitte auf.

Bewegungstempo: Die Bewegung ist zwar langsam aber noch in angemessenem Tempo.

Bewegungsstärke: Der Wurf wurde, bis auf Schwächen beim Ausheben mit genü- gend Krafteinsatz ausgeführt.

Christian: Er hat fast die gleichen Probleme wie Mara. Vor allem das Ausheben gelingt nur mäßig, da die Beine nicht gebeugt werden. Somit entstehen große Probleme beim Abwerfen. Christian beugt den Oberkörper zwar ab, dreht ihn aber nicht um Uke zu werfen.

Bewegungsrhythmus: Die dynamischen Akzente werden nicht beachtet.

Bewegungskopplung: Bis zur Eindrehbewegung ist Die Kopplung gut, dann entstehen zu große Pausen.

Bewegungsfluß: Der Bewegungsfluß wird nach dem Ausheben gestört, ist zuvor jedoch recht gut.

Bewegungstempo: Die Geschwindigkeit der Bewegung ist sehr unregelmäßig.

Bewegungsstärke: Auch hier fehlt der Krafteinsatz bei der Aushebebewegung.

7.2.Diskussion des Ergebnisses

Im Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit, den effektivsten Lehrweg des Ippon-Seoi- Nage im Vergleich der graduellen Annäherung als Beispiel einer Ganzheitsmethode und der progressiven Teillernmethode herauszufinden, erscheint es mir sinnvoll, bei der Auseinandersetzung mit den Ergebnissen, hauptsächlich auf gruppentypische und weniger auf individuelle Fehler zu achten, da diese mehr aus der Lernmethode als aus rein persönlichen Faktoren resultieren. Außerdem muß das Lernresultat unter Berücksichtigung der Lernvoraussetzungen gesehen werden.

In der Gruppe der graduellen Annäherung fällt zunächst einmal auf, dass der Armzug (Kuzushi) zu Beginn des Wurfes, außer von Sonja, völlig vernachlässigt wird. Dies läßt sich wohl darauf zurückführen, dass dieses Aufziehen erst im letzten Lernschritt, zusammen mit dem sehr wichtigen Ausheben, gelernt und daher als nicht so bedeutend empfunden wurde. Darin liegt sicherlich ein Schwachpunkt in dieser Lernmethode, da wichtige Teilbewegungen erst spät in den gesamten Bewegungsablauf integriert werden und die vorherigen Übungen sogar als negativer Transfer wirken können, indem die vereinfachte Bewegung der komplexen nicht weichen will. Weitere Probleme bestehen bei der Eindrehbewegung, die, außer von Nada, nicht vollständig durchgeführt wird. Tori steht nicht parallel zu Uke, sondern hat das linke Bein außerhalb derer von Uke. Er bringt seine Hüfte also nicht genau vor die des Partners, was, wie bei Andreas, dazu führen kann, dass Uke seitlich an Tori vorbei rutscht und nicht richtig ausgehoben wird. Hier liegt die Ursache wahrscheinlich auch darin, dass die durch das Eindrehen eingeleitete Aushebebewegung erst am Schluß in den Bewegungsablauf eingebaut wurde und wegen aufkommender Schwierigkeiten das Eindrehen modifiziert wurde, um den Partner leichter zu werfen.

In der Gruppe der progressiven Teillernmethode ist zu bemerken, dass, je stärker die Aufziehbewegung ausgeprägt ist, sich dies negativ auf den Bewegungsfluß auswirkt, was eigentlich nicht sein dürfte. Hier liegt der Fehler jedoch in der von mir vorgegebenen Trainingsübung. Das Aufziehen wird in beidhändiger Faßart vorgenommen, wie dies für Aufziehübungen typisch ist. Im Hinblick auf die Besonderheiten des Ippon-Seoi-Nage wäre ein einhändiges Aufziehen, wie es auch in der graduellen Annäherungsmethode verwandt wird, sinnvoller gewesen, da der rechte Arm besser unter Ukes rechte Achselhöhle geführt werden kann und der kleine Unterschied der Zieltechniken verschwunden wäre. Weil diese Gruppe meist die Eindrehbewegung beherrscht und mit der Hüfte vor der des Partners steht, kommt es aufs richtige Ausheben und Abwerfen an. Da es nach einem mehr oder weniger guten Ausheben, wie auch in der anderen Gruppe, oft nicht zu einer ausreichenden Oberkörperdrehung kommt, verzögert sich das Abwerfen und der Bewegungsfluß gerät etwas ins Stocken, da Uke ja nicht einfach an der Hüfte vorbei rutschen kann (vor allem bei Mara und Christian).

Weitere Fehler, die bei beiden Gruppen in gleichem Maße aufgefallen sind, wären vor allem die vernachlässigte Oberkörperdrehung, welche zu Wurfverzögerungen führt und das zu geringe Beugen der Knie beim Ausheben, was aber hauptsächlich auf konstitutionellen Faktoren beruht, weil bei den meisten Kindern die Kraft des Beinstreckers noch nicht dazu ausreicht, die Last des eigenen und Ukes Körpers zu bewältigen. In diesem Falle muß der Partner mehr durch die Oberkörperdrehung geworfen werden. Auch deshalb kommt ihr eine so große Bedeutung zu.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass bei der Gruppe der progressiven Teillernmethode die Einzelbewegungen, wie Aufziehen und Eindrehen , etwas besser beherrscht wurden, der Bewegungsfluß bei Teilen der Gruppe, in der Verbindung der beidhändigen Aufziehbewegung mit dem Eindrehen, was aber aus der ungünstigen Bewegungsaufgabe resultiert, und Ausheben mit Abwerfen kleine Stockungen aufweist.

In der Gruppe der graduellen Annäherung werden einzelne Teilbewegungen vernachlässigt, der Bewegungsfluß in ähnlichem Maße, bei den als schwächer eingestuften Judoka jedoch etwas besser, umgesetzt. Die fehlerhaften Bewegungselemente führen dazu, dass Wurfprinzipien teilweise unwirksam werden.

Es muß jedoch gesagt werden, dass alle Judoka die Grobform des Ippon-Seoi-Nage in mehr oder weniger guter Ausführung beherrschen und das Lernziel somit erreicht wurde. Der Gesamteindruck der progressiven Teillernmethode erweist sich jedoch mit entsprechender Veränderung als besser und wäre der graduellen Annäherung vorzuziehen.

Inwiefern diese Erkenntnis eine zuverlässige Antwort auf die gestellte Frage gibt, vermag ich nicht zu beurteilen, da die inneren Lernvoraussetzungen der Kinder doch so komplex und schwer zu bewerten sind. Die erbrachte Wurfleistung hängt natürlich auch noch vom Fallen des Partners ab und wies im Training und der abschließenden Trainingskontrolle Unterschiede auf. Außerdem sind die kleinen Gruppen ein Unsicherheitsfaktor der Arbeit, weil über- oder unterdurchschnittlich begabte Kinder das Ergebnis stark beeinflussen.

Die Antwort auf die Frage nach der effektivsten Lernmethode für den Ippon-Seoi-Nage ist also wissenschaftlich nicht eindeutig zu beantworten, da diese sich auch an den Voraussetzungen der Judoka orientieren muß. Am sinnvollsten ist es sicherlich Elemente beider Lernmethoden zu kombinieren, weil so den Teilbewegungen und dem Bewegungsfluß gleichmäßige Beachtung zukommt.

Nachwort

Endlich ist es geschafft !

Nach endlos scheinender Arbeit mit vielen Problemen und Anstrengungen bin ich doch noch fertig geworden.

Nach anfänglicher Unterschätzung des Arbeitsaufwandes wurde es kurz vor Abgabetermin doch ziemlich knapp, obwohl ich diesen schon zweimal verlängert hatte. Die letzten Texte mußten geschrieben, Quellenangaben eingefügt und die Fotos gescannt werden. Die Hektik wurde immer größer, doch dank viel Cola und durchgearbeiteter Nächte ist es mir mit Hilfe einiger Fehlstunden doch noch gelungen die Arbeit zu beenden.

Es fing ja alles so schön an. Nachdem ich mir ein Thema überlegt hatte begann ich Ende Fe- bruar mit der Literaturbeschaffung und dem Schreiben der ersten Kapitel, die recht leicht von der Hand gingen. Als es jedoch an den praktischen Teil ging fingen die Probleme an: Gürtel- prüfung, Halle geschlossen, Ferien. Kurzum ich konnte erst am 12.05.2000 mit dem Training anfangen, dass ja zwei Wochen (4 Trainingseinheiten) in Anspruch nimmt, wobei doch der 8.Mai offizieller Abgabetermin ist. Also Verlängerung bis 31.Mai erhalten. Die Trainingsplanung und -steuerung waren dann doch etwas umfangreicher als erwartet und ich konnte mit Mühe und Not den Abgabetermin auf Montag, den 5.Juni verschieben. Aber man kennt das ja: Irgendwie kommt immer etwas dazwischen und am gegen Ende weiß man nicht mehr wohin vor Arbeit. Ich weiß nicht wie, aber zum Glück ist doch noch alles fertig geworden.

Zum Schluß möchte ich mich noch bei den Menschen bedanken die einen großen Anteil am entstehen dieser Arbeit hatten.

Ein Dankeschön an ...

Andreas Böhm , für hervorragende Hilfe auf der Matte und hinter der

Kamera

Björn Förster , für ausgezeichnete Kameraführung

Nils Radtke , für das Scannen und Bringen der Bilder trotz Autopanne

Heiko Schilling , für das zu Verfügung Stellen der Judo-Literatur und gute

Tipps

Klaus Wagner , für das Leihen der Kamera und die Hilfe beim Schnitt

Nils Lubitz , für das Abstellen der Trainingsgruppen

Und natürlich für die tolle Mitarbeit:

Andreas Bauer, Sonja Fiebig, Jannik Frings, Nada Ignjic, Christian Klaedtke, Mara Sturm, Benedikt van de Woldenberg und Niklas Weidenfeller

Literaturverzeichnis

Beissner, Claus und Birod, Manfred: Judo -Training, Technik, Taktik. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH. Hamburg, 1977

Deutscher Judo-Bund e.V. (Hg.): Kampfregeln der internationalen Judo-Föderation 1994. Budo-Verlag Sport Rhode. Dreieich-Sprendlingen, 1994

Deutscher Judo-Bund e.V. (Hg.): Lehrbriefe - Trainer -C und Fachübungsleiter Judo, Gesamtausgabe. Budo-Verlag Sport Rhode. Dreieich-Sprendlingen, 1995

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Erklärung

Hiermit erkläre ich , dass ich die vorliegende Arbeit selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel verwendet habe.

Insbesondere versichere ich , dass ich alle wörtlichen und sinngemässen Übernahmen aus anderen Werken als solche kenntlich gemacht habe.

Lahnstein , den 08.06.2000

(Unterschrift)

Details

Seiten
52
Jahr
2000
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v98006
Note
15 P
Schlagworte
Judo Vergleich Annäherungs- Teillernmethode Erlernen Ippon-Seoi-Nage

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Titel: Judo: Vergleich der graduellen Annäherungs- und progressiven Teillernmethode zum Erlernen des Ippon-Seoi-Nage