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Entwicklungsperspektiven in Byron's Childe Harold's Pilgrimage

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 14 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Themen

2. Childe Harold

3. Erzählerhaltung

Zum Ende

Einleitung

Byrons Childe Harold’s Pilgrimage ist eines der bekanntesten und erfolgreichsten Werke des englischen Dichters. Entstanden in einem Zeitraum von sechs Jahren, beschreibt es nicht alleine die Entwicklung des jugendlichen Harold, auch der Dichter Byron lässt sich in seiner künstlerischen Reifung erkennen und tritt, zumindest in den späteren Cantos, selbst auf den Plan, so dass die Unterscheidung zwischen Protagonist und Autor immer schwieriger wird.

Ausgehend von einem Referat, in dem der Handlungsrahmen des Stückes umrissen wurde, werde ich in dieser Arbeit die einzelnen Cantos unter folgenden Aspekten betrachten:

1. Welche Themen beherrschen die einzelnen Cantos, und welche generellen Themen lassen sich im Werk erkennen?
2. Wer ist Childe Harold, und wie verändert er sich im Laufe des Stückes?
3. Welche Strategie verfolgt der Sprecher, über was spricht er, und wie?

Anhand dieser Fragestellungen hoffe ich, einen Ausblick auf die Entwicklungsperspektive des Werkes geben zu können. Dieser wird notgedrungen unvollständig sein, aber dennoch ausreichen, um die Entwicklung, die Childe Harold (und mit ihm Byron) innerhalb der Pilgrimage erfährt, nachvollziehbar zu machen.

Ich versuche, möglichst textnah zu arbeiten und beziehe mich ausschließlich auf den Originaltext[1]. Zitate aus diesem werden mit Angabe des Cantos, der Strophe und der Zeile nachgewiesen.

1. Themen

Das erste Canto lebt vor allem von seinen Schilderungen unmittelbarer Zeitgeschichte. Bei seiner Ankunft in Portugal zeigt sich Harold begeistert von der Schönheit Lissabons: „What beauties doth Lisboa first unfold!“ (I/XVI, 1). Dieses Gefühl wird allerdings überlagert von der Wut auf die Portugiesen, eine Wut, die politisch bedingt ist: Es ist die Zeit des „Peninsular War“: Napoleons Frankreich, verbündet mit Spanien, hatte Portugal gedrängt, englische Besitztümer zu konfiszieren. Als die königliche Familie dies ablehnte, besetzten französische Truppen das Land, der portugiesische Adel floh nach Brasilien. Kurz darauf griff Frankreich Spanien an, und nun schickte England 10 000 Soldaten, um die Franzosen zu vertreiben. Zu eben dieser Zeit reist Byron nach Europa, und das erste Canto ist vor diesem Hintergrund zu betrachten.

„Poor, paltry slaves! yet born ‘midst noblest scenes - / Why, Nature, waste thy wonders on such men?” (I/XVIII, 1f.) – in diesen Worten drückt sich die jugendliche Empörung über ein Volk aus, das sich kampflos hat unterwerfen lassen. Vor dem Hintergrund der vergangenen Pracht ihrer Ruinen erscheinen die Portugiesen als degeneriert, und Harold kann keinerlei Sympathie für sie empfinden: „Well doth the Spanish hind the difference know / 'Twixt him and Lusian slave, the lowest of the low“ (I,XXXIII, 8f.).

In Spanien angekommen, schildert Harold, sozusagen als Zeitzeuge, die Schlachten der Engländer und Spanier gegen Frankreich. Bewunderung erfüllt ihn angesichts des Mutes der Spanier, wie sich besonders in einem Frauenportrait

zeigt: „Her lover sinks – she sheds no ill-timed tear; / Her chief is slain – she fills his fatal post“ (I, LVI, 1f.).

Der Kampf um die Freiheit ist sicherlich das bestimmende Thema dieses Cantos. Eingebettet in den zeitgeschichtlichen Kontext, erreicht es hier allerdings noch keinen allgemeingültigen Anspruch.

Zwei weitere Themen, die stellenweise angestimmt werden, sind die Schönheit der Landschaft und die Vergänglichkeit der Dinge. Harold bewundert die Schönheit Portugals, nicht ohne den Menschen, der diese zerstört, anzuklagen (vgl. I, XV), und Spanien erreicht er „O’er vales that teem with fruits, romantic hills“ (I,XXX, 1). Bilder des Verfalls schmücken vor allem die Beschreibung Portugals:

On sloping mounds, or in the vale beneath,

Are domes where whilome kings did make repair;

But now the wild flowers round them only breathe;

Yet ruin’d splendour still is lingering there. (I,XXII, 1ff.)

Hier wird die glanzvolle Vergangenheit in Kontrast zur Gegenwart gesetzt; in der Beschreibung der Schlacht erhält das Thema der Vergänglichkeit allgemeinere Züge: „Fame that will scarce reanimate their clay, / Though thousands fall to deck some single name“ (I, XLIV, 3f.).

Griechenland steht im Mittelpunkt des zweiten Cantos. Harold durchwandert die Ruinen Athens und entdeckt in ihnen alte Größe: „Fair Greece! sad relic of departed worth! Immortal, though no more; though fallen, great!“ (II, LXXIII, 1f.). Seine Gedanken umkreisen die Vergänglichkeit, doch dahinter lässt sich ein Anspruch auf die Zukunft erkennen, eine Hoffnung, die Dinge zum Guten zu wenden:

A thousand years scarce serve to form a state;

An hour may lau it in the dust: and when

Can man its shatter’d splendour renovate,

Recall its virtues back, and vanquish Time and Fate? (II, LXXXIV, 6ff.)

Griechenland ist zu dieser Zeit unter ottomanischer Herrschaft, und England, das ein Abkommen mit diesen hat, baut antike Statuen ab, um sie ins Britische Museum zu bringen. Byron / Harold ergreift Partei für Griechenland und kritisiert England in den schärfsten Tönen:

Thy free-born men should spare what once was free;

Yet they could violate each saddening shrine,

And bear these altars o’er the long-reluctant brine. (II, XI, 7ff.)

The ocean queen, the free Britannia, bears

The last poor plunder from a bleeding land (II, XIII, 5f.)

Auch hier wird der Kampf für die Freiheit zum bestimmenden Thema. Von Albanien nach Griechenland zurückkehrend, wendet er sich an das Volk, „Trembling beneath the scourge of Turkish hand; / From birth till death enslaved; in word, in deed, unmann’d“ (II, LXXIV, 8f.). Hatte sich Harold von den unterworfenen Portugiesen abgewandt, so beschwört er die Griechen nun, den Kampf gegen die Unterdrücker aufzunehmen:

Hereditary boundsmen! Know ye not

Who would be free themselves must strike the blow?

By their right arms the conquest must be wrought?

Will Gaul or Muscovite redress ye? no!

True, they may lay your proud despoilers low,

But not for you will Freedom’s altar flame.

Shades of the Helots! triumph o’er your foe!

Greece! change thy lords, thy state is still the same;

Thy glorious day is o’er, but not thy years of shame. (II, LXXVI)

Auch hier hat die Forderung nach Freiheit einen direkten Bezug auf die Zeitgeschichte, das Nachdenken über Vergänglichkeit wird mit Hoffnungen auf

die Zukunft verbunden; Ziel ist, so kann man sagen, im Kampf für Freiheit verlorene Größe wiederherzustellen.

[...]


[1] Die von mir verwendete Fassung findet sich in „The Collected Poems of Lord Byron. Hertfordshire: Wordsworth Editions, 1994.”, S. 174-244.

Details

Seiten
14
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638164290
ISBN (Buch)
9783640409563
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9819
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Anglistisches Institut
Note
2,75
Schlagworte
Byron Romantic Poets Childe Harold

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