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Fehlerkultur als Erfolgsfaktor im betrieblichen Innovationsmanagement

Hausarbeit 2020 16 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Fehler
2.1.1 Definition
2.1.2 Umgang mit Fehlern
2.2 Fehlerkultur
2.2.1 Fehlerkultur als Teil der Unternehmenskultur
2.2.2 Begriffsbestimmung

3 Fehlerkultur im betrieblichen Innovationsmanagement
3.1 Merkmale und Effekte einer positiven Fehlerkultur
3.2 Förderung einer Fehlerkultur
3.3 Maßnahmen zur Etablierung einer

positiven Fehlerkultur im Unternehmen

4 Fazit und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Konstruktive Fehlerkultur und deren positive Wirkungen

1 Einleitung

„Ein Fehler passiert, er wird gemacht, er wird auch verursacht oder es unterläuft einem ein Fehler. Aber er wird nicht verschuldet. Nur eine böse Tat wird verschuldet, nur sie wird vorsätzlich bzw. bedingt vorsätzlich begangen. “1

Innovationsmanagement setzt eine Unternehmenskultur voraus, die das Entstehen und die Entwicklung neuer Ideen erlaubt und fördert. Die Methode des „Ausprobierens“ ist ein wesentlicher Bestandteil des betrieblichen Innovationsmanagements und kann ohne unterschiedliche Versuche und Tests neuer Ansätze nicht durchgeführt werden.2 Dieser Prozess ist selbstverständlich mit Fehlern verbunden, da hinter jeder erfolgreichen Innovation Misserfolge und/oder fruchtlose Versuche stehen. Durch den Umgang mit Fehlern entsteht eine Fehlerkultur innerhalb einer Organisation.

Eine Fehlerkultur ist das zumeist langjährige Resultat der Beziehungen zwischen Mitarbeitenden. Heutzutage versuchen mehr und mehr Organisationen die Etablierung der Fehlerkultur nicht dem Zufall zu überlassen, sondern diese bewusst zu kreieren.3 Fehler passieren fortwährend, im Alltag und auf der Arbeit. Oft herrscht die Meinung, dass diese das Ergebnis inkompetenten Handelns einer oder mehreren Personen sind. Deswegen reagieren Menschen häufig negativ auf Fehler und versuchen, diese zu verheimlichen bzw. zu vermeiden und nicht darüber zu diskutieren. Fehler können unterschiedliche Ursachen und Folgen verschiedenes Grades nach sich ziehen. Oftmals werden kleinere Missgriffe vernachlässigt, da diese keine große Folgen haben, wodurch die Ursache unentdeckt bleibt.4

Aktive Qualitätsmaßnahmen in Organisationen brachten in den letzten Jahren das Verständnis hervor, Ziele so fehlerfrei wie möglich zu erreichen, während gleichzeitig eine höhere Produktqualität erlangt und weniger Abfälle produzier werden sollen.5

Jedoch können Misserfolge nicht nur negative, sondern auch positive Effekte bewirken. Eine beliebte Darlegung des Risikomanagements ist die Nutzung eines Fehlers als Chance.6 Ziel dieser Arbeit ist es, die positive Seite des Fehlermachens vorzustellen und aufzuzeigen, dass eine Fehlerkultur heutzutage einen wesentlichen Erfolgsfaktor in Organisationen und speziell im betrieblichen Innovationsmanagement verkörpert.

Nach der Einleitung werden im zweiten Kapitel die theoretischen Grundlagen der Thematik vorgestellt. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Fehler und Fehlerkultur bestimmt (Unterkapitel 2.1.1 bzw. 2.2.2), der Umgang mit Fehlern näher betrachtet und die Fehlerkultur als Teil der Unternehmenskultur präsentiert. Das dritte Kapitel beschreibt Merkmale und Effekte einer positiven Fehlerkultur. Danach werden die Möglichkeit der Förderung einer Fehlerkultur in betrieblicher Umgebung und die zugehörigen Ansätze verschiedener Autoren zur Etablierung der Fehlerkultur im Unternehmen diskutiert. Anschließend wird die Schlussfolgerung vorliegender Arbeit formuliert.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Fehler

2.1.1 Definition

Ein effektives Umgehen mit Fehlern (auch Failure Management genannt) benötigt in erster Linie ein klares Verständnis der themenverbundenen Begriffe als Basis.7 Gemäß der Etymologie des Wortes „Fehler“ leitet sich die Herkunft des Terminus von dem altfranzösischen „faillier“ ab und bedeutet „sich irren“. Das Wort wurde über das Militär verbreitet und bedeutete entweder einen Fehlschuss oder den Treffer einer Kanonenkugel. Norm ISO 9000 definiert den Fehler als „Nichterfüllung einer Anforderung“.8

Die Begriffsbestimmung für Fehler lässt sich auch in einem positiven Kontext formulieren: „Fehler sind temporäre Ereignisse in Form einer Zielabweichung. Sie zeigen Risikobereitschaft an und bieten die Möglichkeit daraus zu lernen, sofern wir aus Fehlern die richtigen Schlüsse und Konsequenzen ziehen. “9

Aus diesem Wortlaut resultiert das Verständnis, dass ein Fehler nicht mit Scheitern gleichzusetzen ist. Ein oder eher mehrere Fehler führen erst in dem Fall zum Scheitern, wenn das ursprüngliche Ziel nicht mehr erreicht werden kann.10

2.1.2 Umgang mit Fehlern

Der Umgang mit Fehlern in einer Organisation bestimmt deren Fehlerkultur. Wenn diese nicht definiert wurde und ihr keine entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet wird, bleibt der Umgang mit Fehlern unklar. Wesentlich ist, dass die Fehlerkultur mit dem Charakter der Organisation kompatibel ist und somit die entsprechenden Werte und Normen berücksichtigt werden.11

Die effektivste Form des Umgangs mit Fehlern ist das Lernen daraus, da dieser Prozess deren Wiederholung spürbar verhindern kann.12 Bei der richtigen Unterstützung und Entwicklung der Lernprozesse innerhalb einer Organisation sorgen Fehler für den Aufbau von Sicherheitswissen.13

Darüber hinaus ist es von zentraler Bedeutung, schnell auf kritische Fehler zu reagieren, um den Schaden des Misserfolgs zu reduzieren. Menschen tendieren dazu, die Folgen eines Fehlers zu lösen, statt dessen Wurzel zu ermitteln und zu beseitigen, damit dieser nicht erneut geschieht. Die reine Bestrafung eines Schuldigen ist zwar manchmal notwendig, bringt aber keine Verbesserung.14

Heutzutage wird versucht, den negativen Umgang mit Fehlern auf positive Weise zu ändern. Misserfolge sollen dementsprechend nicht abgelehnt werden, was den weiteren Fehlerverlauf fördert, sondern vielmehr gilt es, einen konstruktiven Umgang mit Fehlern zu etablieren, damit aus diesen Chancen entstehen.15

Es gibt mehrere Gründe für das Verheimlichen eines Fehlers, z. B. scheinbare Geringfügigkeit, Angst vor sozialen, finanziellen oder arbeitsrechtlichen Konsequenzen, zusätzlicher Arbeitsaufwand etc. Zudem können sich direkte und indirekte Kosten aus Misserfolgen ergeben. Je schneller ein Fehler gemeldet wird, desto höher ist allerdings die Chance, die Fehlerkosten gering zu halten. Dennoch fällt es oft schwer, einen Fehler zu melden. Zu den Grundkompetenzen für einen vorbildlichen Umgang mit Fehlern zählen „rasches Erkennen“, „umgehende Meldung“ und „verantwortungsbewusster Handel“.16 17

2.2 Fehlerkultur

2.2.1 Fehlerkultur als Teil der Unternehmenskultur

Um Fehlerkultur definieren zu können, muss zuerst auf die Unternehmenskultur eingegangen werden, da erstere einen Teil der letzteren bildet. Die Unternehmenskultur hat einen großen Einfluss auf sämtliche Mitarbeitenden. Kultur ist zu allen Zeiten ein wichtiger Bestandteil aller Menschen. Organisationspsychologe Alexander Thomas definiert „Kultur“ als „ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft“.17 Aus unternehmerischer Sicht sind Firmen und Konzerne sowie andere Institutionen als soziokulturelle Systeme zu verstehen, die den Umgang mit Fehlern und die Fehlerkultur beeinflussen.18 Entsprechend dient die Unternehmenskultur als Orientierungshilfe im Umgang mit Fehlern und somit auch für die Gestaltung der Fehlerkultur sowie unterschiedliche Lernsituationen, die das Verhalten und die Denkweisen der Mitarbeitenden fördern oder hemmen. Sämtliche Strategien im Unternehmen müssen also mit der Unternehmenskultur korrelieren. So gilt es, eine Kultur des Lernens und „Unlernens“ zu entwickeln, was schwierig sein kann, da die Kultur für die Mitglieder einer Organisation häufig selbstverständlich scheint.19 Unter „Unlernen“ wird das veraltete Verständnis der kompletten Fehlervermeidung verstanden.20 Eine bewusst gestaltende, konstruktive Fehlerkultur kann somit die Unternehmenskultur positiv beeinflussen.21

2.2.2 Begriffsbestimmung

Wie Menschen mit Fehlern umgehen wird in der Fehlerkultur reflektiert.22 Der Begriff wurde mehrfach von unterschiedlichen Autoren vorgestellt, wobei die Definitionen mehrheitlich in den 2000er -Jahren formuliert worden sind. Der Begriff wird in unterschiedlichen Branchen bzw. Bereichen und nicht nur auf betriebswirtschaftlicher Ebene benutzt. Die Formulierungen unterscheiden sich teilweise maßgeblich, was auf die Neuheit und Heterogenität des Begriffes hinweist. Eine Analyse mehrerer Definitionen wurde von N. Löber durchgeführt.23 Basierend auf dieser Analyse legt dieser folgende Begriffsbestimmung fest:

„Fehlerkultur als Teilkonstrukt der Unternehmenskultur ist das Produkt individueller und kollektiver Werte, Einstellungen, Empfindungen, Kompetenzen und Verhaltensmuster, die das Ausmaß, die Art und die Tiefe der organisationalen Auseinandersetzung mit innerbetrieblichen Fehlern bestimmen.“24

Aus dieser Definition geht hervor, dass die Fehlerkultur ein Teil der Unternehmenskultur ist und somit von dieser beeinflusst wird. Die Fehlerkultur ist in ein bestehendes Wertesystem19 20 21 22 23 24 eingebunden und nimmt normalerweise keine explizite Form an. Außerdem wird häufig das unternehmenskulturelle Wertesystem mit individuellen Werten aggregiert.25

3 Fehlerkultur im betrieblichen Innovationsmanagement

Innovationsprozesse sind ohne Experimente und Fehler undenkbar. Das Innovationsmanagement muss dementsprechend die Bereitschaft zum Fehlermachen und Scheitern fördern, damit neue Entwicklungen überhaupt stattfinden können. Es ist daher unbestreitbar, dass „...eine hohe Fehlerfreundlichkeit die Grundlage für Innovationen“26 bildet. Natürlich muss die Fehlerfreundlichkeit in vertretbarem Maße vorhanden sein. Versucht wird, eine positive Einstellung gegenüber Fehlern auszubilden, auf keinen Fall gilt es aber, Unaufmerksamkeit oder eine schlechte Ausbildung zu rechtfertigen. Vielmehr geht es um einen Opti- mierungs- und Lernprozess, der den Willen fördert, sich zu verbessern, zu entwickeln und aus den Fehlern zu lernen. Demzufolge ist es wichtig, dass Fehler nicht gefördert, sondern in erster Linie akzeptiert werden.27

3.1 Merkmale und Effekte einer positiven Fehlerkultur

Der amerikanische Begriff „Blame Culture“, der im Deutschen kein begriffliches Äquivalent besitzt, bezieht sich auf eine negative Fehlerkultur. Diese stellt den Fehlerverursacher bloß, was einen schlechten Umgang mit Fehlern assoziiert. Blame Culture verhindert die Möglichkeit, offen mit Fehlern umzugehen und über diese zu diskutieren.28 Im betrieblichen Innovationsmanagement kann dies negative Effekte und Folgen bewirken. Heutzutage wird in vielen Organisationen Wert darauf gelegt, eine positive Fehlerkultur in den Mittelpunkt zu rücken und Blame Culture nicht weiter zu verfolgen.

[...]


1 Schüttelkopf (2015), S. 20.

2 Vgl. Schawel/Billing (2014), S. 123.

3 Vgl. Schüttelkopf (2015), S. 24f.

4 Vgl. Andel (2015), S. 901.

5 Vgl. Schüttelkopf (2015), S. 13.

6 Vgl. Andel (2015), S. 901.

7 Vgl. Mandl (2017), S. 2.

8 Vgl. Schüttelkopf (2015), S. 13f.

9 Mandl (2017), S. 4.

10 Vgl. ebd., S. 5.

11 Vgl. Kemmer/Zahn (2018), S. 118.

12 Vgl. Löber (2012), S. 224.

13 Vgl. Pfaff/Ernstmann/Pritzbuer (2005), S. 39.

14 Vgl. Schüttelkopf (2015), S. 10f.

15 Vgl. Schüttelkopf (2015), S. 27.

16 Vgl. ebd., S. 33ff.

17 Thomas (1993), S. 380.

18 Vgl. Harteis/Bauer/Gruber (2008), S. 230.

19 Vgl. Schüttlkopf (2008), S. 210.

20 Vgl. Armbruster (2015), S. 73.

21 Vgl. Bösch/Mengl (2006), S. 128.

22 Vgl. Schüttelkopf (2015), S. 24.

23 Vgl. Löber (2012), S. 189ff.

24 Ebd., S. 193.

25 Vgl. Löber (2012), S. 193f.

26 Kemmer/Zahn (2018), S. 123.

27 Vgl. ebd., S. 123ff.

28 Vgl. Schüttelkopf (2015), S. 21ff.

Details

Seiten
16
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346337986
ISBN (Buch)
9783346337993
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v983262
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1.0
Schlagworte
Fehlerkultur Fehler Innovationsmanagement Erfolg

Autor

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Titel: Fehlerkultur als Erfolgsfaktor im betrieblichen Innovationsmanagement