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Der Werkstoff Mörtel. Arten und Verarbeitungsmöglichkeiten

Referat (Ausarbeitung) 2000 6 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen

Leseprobe

Funktion des Mörtels

Der Mörtel (Grösstkorn _ 8 mm) verbindet die einzelnen Bausteine zu einem Mauerwerk und übernimmt mit diesen zusammen wichtige Funktionen, bezüglich Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit. Neben dem, dass der Mörtel Bindeglied zwischen den einzelnen Steinen ist, gleicht er auch deren Unebenheiten aus und überträgt die im Mauerwerk auftretenden Kräfte.

Mörtelarten

Folgende Mörtelarten werden heute für das erstellen von Mauerwerk verwendet:

Werk-Trockenmörtel

Werk-Trockenmörtel ist ein Gemisch aus Bindemittel, ofengetrocknetem Zuschlag und Zusätzen, das in Säcken oder als Siloware geliefert wird. Die notwendige Wassermenge wird auf der Baustelle zugegeben.

Werk-Frischmörtel

Werkfrischmörtel ist kellenfertiger Mörtel, der auf die Baustelle ohne weiteren Zusatz über längere Zeit verarbeitet werden kann und darf. Die Verarbeitungszeit wird durch Zugabe von Zusatzmitteln im Werk normalerweise auf 36 Stunden (Lieferung und folgender Arbeitstag) und am Wochenende auf 84 Stunden eingestellt.

Baustellenmörtel

Der Baustellenmörtel wird aus Bindemittel, Sand und Zusatzmitteln direkt auf der Baustelle hergestellt.

Mörtelherstellung

Zusammensetzung des Mörtels:

Bindemittel: Zement (nach SIA 215.001)

Zuschläge: Sand, gewachsener Rund- und/oder Brechsand (nach SIA 162) Wasser: (nach SIA 162)

Zusatzstoffe: Je nach Bedarf: Steinmehl, Flugasche, Puzzolane

Zusatzmittel: Luftporenbildner, Verzögerer, Methylcellulosen, Hydrophobierungsmittel (nach SIA 162)

Herstellung von Werkfrischmörtel, Werktrockenmörtel

In allen modernen Mischwerken (für Trocken- und Frischmörtelherstellung), sorgt eine Mikroprozessorsteuerung für die genaue Einhaltung der Rezeptvorgaben und für eine intensive Durchmischung der Einzelkomponenten.

Der Werktrockenmörtel wird in Säcke oder Silos abgefüllt. Das Silomaterial wird mit einem angeflanschten Durchlaufmischer zu Frischmörtel auf der Baustelle gemischt. Das Wasser wird ebenfalls im Durchlaufmischer zugegeben.

Sackmaterial ist ebenfalls mit einem Durchlaufmischer oder, falls dieser nicht zur Verfügung steht, im Zwangsmischer zu mischen (ca. 1 Minute).

Der Werkfrischmörtel wird direkt mit Fahrmischern auf die Baustelle transportiert und dort in Mörtelkübel abgefüllt.

Herstellung von Baustellenmörtel

Die Einzelkomponenten werden von Hand abgemessen. Der Mörtel wird anschliessend mit einem Zwangsmischer oder auch von Hand gemischt.

Allgemein gilt:

Baustoffe sind auf der Baustelle vor Witterungseinflüssen zu schützen und fachgerecht zu lagern!

Verarbeitung

Die Verarbeitung des Mörtels muss nach den Weisungen des Lieferanten erfolgen. Die erforderlichen Mischzeiten sind beim Werk-Trockenmörtel und beim Baustellenmörtel unbedingt einzuhalten!

Beim Baustellenmörtel muss darauf geachtet werden, dass die Dosiergenauigkeit und -regelmässigkeit ausreichend ist.

Ist der Mörtel während dem Abbinden durch extreme Temperatur- oder Windverhältnisse gefährdet, sind geeignete Schutzmassnahmen zu treffen (z.B. Abdecken, Besprühen).

Bei Aussentemperaturen unter 5°C darf ohne spezielle Massnahmen nicht gemauert werden. Es muss sichergestellt sein, dass das Abbindewasser des Mörtels während dem Abbinden nicht gefriert. Frostschutzmittel dürfen dem Mörtel nur zugesetzt werden, wenn ihre Eignung nachgewiesen wird. (Übliche Frostschutzmittel sind Beschleuniger und setzten den Gefrierpunkt vom Wasser nur unwesentlich herunter.) Das Mauerwerk ist vor Witterungseinflüssen und sonstigen schädigenden Einwirkungen zu schützen.

Ebenso ist der Frischmörtel auf der Baustelle vor extremen Witterungseinflüssen, wie Austrocknen oder Durchnässen, zu schützen.

Werktrocken- und Baustellenmörtel sind möglichst frisch zu verarbeiten. Wird der

Mörtel ``stumpf``, hat die Hydratation bereits eingesetzt. Ein Aufmischen mit Wasser kann diesem Mörtel wohl zu einer verarbeitungsgerechten Konsistenz verhelfen, jedoch sinkt die Festigkeit dieses Mörtels sehr stark ab.

mineralisch gebundene Mörtel

Zu den mineralischen Mörtel gehören Kalkzementmörtel, Zementmörtel und Gipsmörtel. Sie enthalten mineralische Bestandteile. Sie werden vor allem zur Instandsetzung von Mauerwerk verwendet (Restauration).

Kalkzementmörtel nennt man nicht nur diejenigen Mörtelmoertel.htm, die Kalk und Zement enthalten, sondern auch die in der Praxis viel häufiger verwendeten Mischungen mit hochhydraulischen Kalken oder Putz und Mauerbindern, weil diese ähnliche Eigenschaften besitzen. Kalkzementmörtel sind deutlich druckfester und für fast alle Einsatzgebiete geeignet z.B. für herkömmliches Mauerwerk und für Außenputze. Sie sind auch für Innenputze noch genügend wasserdampfausgleichend. Diese Mörtel gelten daher als Universalmörtel. Auch die meisten Reparaturmörtel sind Kalk-Zement- Mischungen.

Zementmörtel sind sehr hart und spröde und nehmen nur wenig Feuchtigkeit auf. Sie eignen sich vor allem für Putze an erdberührenden Mauern und im Sockelbereich. Da sie jedoch auch wenig Feuchtigkeit entweichen lassen, sollte man sie auf keinen Fall dort einsetzen, wo eine Austrocknung von Mauerwerk erwünscht ist.

Gipsmörtel sind wenig druckfest und feuchtigkeitsempfindlich. Sie eignen sich deshalb nur für Innenputze. Erstarrungsverzögerer ermöglichen eine ausreichende Verarbeitungszeit.

kunststoffgebundene Mörtel

Kunststoffe können heute die genannten klassischen Bindemittel teilweise oder sogar ganz ersetzen. Es gibt Mörtel mit hohem Kunststoffanteil (organische Mörtel). Fast alle Fertigmörtel enthalten Kunststoffzusätze um Eigenschaften und Verarbeitbarkeit zu verbessern.

organische Zusatzmittel und Zusatzstoffe zur Mörtelvergütung:

Metallseifen als Hydrophobiermittel, synthetische Tenside als Luftporenbildner, Cellulosen als Plastifizierer und Wasserrückhaltemittel, Polymerdispersionen

Beeinflussung der Mörteleigenschaften durch organische Zusätze

Frischmörtel

Verarbeitbarkeit (Erhöhung der Plastizität bzw. Geschmeidigkeit, Verringerung der Entmischungsneigung, Verlängerung der Verarbeitbarkeitsdauer, Verbesserung der Frischmörtelhaftung und Standfestigkeit).

Wasserrückhaltevermögen (besonders wichtig bei dünnen Mörtellagen). Wasseranspruch nimmt ab

Festmörtel

Luftporengehalt (Erhöhung oder Verringerung möglich) Haftfestigkeit nimmt zu.

Biegezugfestigkeit nimmt zu.

Druckfestigkeit nimmt nicht zu.

Elastizitätsmodul nimmt ab. Ein niedriger Elastizitätsmodul bedeutet erhöhte elastische

Verformungsfähigkeit eines Mörtels bei auftretenden Spannungen.

Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse und aggressive Medien nimmt zu.

Nachteile organischer Zusätze:

- erhöhte Wärmedehnung
- z.T. erhöhte hygrische Dehnung (Quellen)
- Farbveränderungen an den Oberflächen infolge von Alterung
- verstärkter Befall durch Pilze, Algen, Bakterien

Zementüberzüge

Fugenlose Bodenbeläge im Verbund mit der Unterlage haben sich besonders für

Industrieböden mit mittlerer bis schwerer Belastung, aber auch für Böden ohne spezielle Ansprüche bewährt (Kellerböden etc.).

Die Norm schreibt heute für Zementüberzüge eine Mindeststärke von 20 mm vor. Wird eine Bodenheizung eingelegt, so verlangt sie eine Überdeckung der Heizelemente von mindestens 40 mm.

Materialien

Je nach Anforderungen werden dem Belagsmaterial noch Hartstoffe wie z.B. Stahlspäne, Quarz, Korund etc. beigemischt.

Hartbetonbeläge und zementgebundene Ausgleichsbeläge müssen eine minimale Rohdichte von 2100 kg/m3 aufweisen.

Zementüberzüge zur Aufnahme von Bodenbelägen müssen eine minimale Rohdichte von 2000 kg/ m3 aufweisen.

Ausführung

Von entscheidender Bedeutung ist der Verbund zwischen Belag und Unterlage. Um diesen optimal zu gewährleisten, sind verschiedene Vorkehrungen zu treffen:

- Der tragende Beton muss aufgerauht werden.
- Er muss frei von Zementschlämme und Verunreinigung sein.
- Er ist vor dem Einbringen des Belages gut vorzunässen, wobei beim Einbringen kein stehendes Wasser sein darf.
- Im Allgemeinen wird zur Verbesserung der Haftung eine sogenannte Haftbrücke in Form von Zementschlämme oder Haftemulsion verwendet. Normalerweise muss der

Belag nass in nass auf die Haftbrücke aufgebracht werden, da diese sonst als

Trennschicht wirken kann.

- Der Belag muss gut verdichtet werden.
- Die Oberfläche ist entsprechend dem Verwendungszweck zu bearbeiten.
- Der Einbau muss bei Temperaturen 5°C erfolgen, bei Verwendung von Kunstharzhaftbrücken in der Regel bei 10°C.

Details

Seiten
6
Jahr
2000
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v98407
Note
5.5 (Schweiz)
Schlagworte
Mörtel

Autor

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