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Schwaiger, Brigitte - Wie kommt das Salz ins Meer

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 9 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Familie
a) Ehe der Eltern
b) Gutbürgerlichkeit der Großmutter
c) Eigene Ehe

2. Freunde
a) Hilde: Verzeihung von Alberts Seitensprung
b) Albert: Angst vor Zerstörung seiner Ehe mit Hilde

3. Rolf
a) Wichtigkeit des Sinnes einer Handlung
b) Überbewertung von Geld und gesellschaftlicher Stellung

4. Gesellschaft
a) Verleugnung der NS-Vergangenheit
b) Opportunisten
c) Zwei-Klassen-Denken
d) Verachtung von Kritikern
e) Stellung der Frau
f) Wert des Geldes
g) Oberflächlichkeit

C Aktualität des Buches und seiner Kritik

D Quellenverzeichnis

E Literaturverzeichnis

Literarische Erörterung

Bearbeiteter Text: ,,Wie kommt das Salz ins Meer" von Brigitte Schwaiger

A Informationen über Brigitte Schwaiger und ihr Werk ,,Wie kommt das Salz ins Meer" B Weisen Sie nach, dass B. Schwaiger in ihrem Roman eine Fundamentalkritik kleinstädtischer Bürgerlichkeit liefert

Brigitte Schwaiger, am 6. 4. 1949 in Freistadt (Oberösterreich) geboren, lehrte nach ihrem Studium zunächst Deutsch und Englisch in Spanien, bevor sie - nach Ausübung zahlreicher anderer Berufe wie Schauspielerin - zur Schriftstellerei wechselte. Hierbei betätigt sie sich sowohl im lyrischen Bereich (,,Mit einem möcht' ich leben", 1987) als auch in der Dramatik (,,Nestwärme", 1976) und der Prosa (,,Jaro heißt Frühling", 1994). Von dieser vielseitige Begabung rührt auch ihr Drang nach Freiheit her, den sie in ihrem Erstlingswerk ,,Wie kommt das Salz ins Meer" - ein weltweiter Bestseller - ausführlich schildert. In diesem autobiographischen Roman beschreibt sie den Lebensweg einer jungen Frau aus der Oberschicht in den 70er Jahren, die versucht, sich von den gesellschaftlichen Fesseln zu lösen und ihre Existenz nach ihrem eigenen Willen auszurichten. Dabei muss sie sich vor allem gegen ihre Familie und ihren Mann durchsetzen, die ihrer Meinung nach zu sehr auf gesellschaftliche Regeln achten. Diese grundlegende Kritik an der kleinbürgerlichen Gesellschaft soll in der folgenden literarischen Erörterung abgehandelt werden. Wegen des autobiographischen Hintergrundes werde ich die Hauptfigur mit der Autorin Brigitte Schwaiger gleichsetzen.

Familie

Die Hauptfigur kritisiert besonders das Verhalten ihrer Eltern und Großmutter. So ist es deren größter Wunsch, in der Gesellschaft nicht aufzufallen und all ihre Regeln zu befolgen. Dies ist einer der wichtigsten Punkte, warum die Eltern ihre Ehe aufrechterhalten, obwohl sie nur noch aneinander vorbeireden und sich nicht mehr verstehen (vgl. 68). Das Einzige, was sie noch zusammenhält, ist die Sicherheit, die sie sich bieten können (vgl. 79), und die Angst vor einer Bloßstellung durch die Gesellschaft. Aufgrund dessen trennen die beiden sich nicht, auch wenn sie genauso gut ohne einander leben könnten. Es wird also verurteilt, dass die beiden nicht den Mut aufbringen, sich gegen die Kleinbürgerlichkeit zu wehren, und ihr Leben nicht nach ihren eigenen Zielen ausrichten. Dabei bleibt anzumerken, dass die Mutter ihren Mann nicht verlässt, weil sie um den Verlust ihrer guten Stellung als Ehefrau eines Medizinalrats fürchtet, und der Vater sich aus Furcht vor Verachtung durch die Gesellschaft nicht von seiner Frau scheiden lässt, da dies einen für die 70er Jahre unüblichen Akt darstellt. Für die Großmutter dagegen stellt die Einhaltung der Regeln die höchste Priorität dar, was man bereits am Anfang des Buches an den Worten ,,gutbürgerlich, das ist das wichtigste. (...) Die einfache Formel, in der alles aufgeht" (7) erkennen kann. Für die Großmutter gehört zu dem Begriff ,,gutbürgerlich" aber nicht nur die strikte Erfüllung der von der Gesellschaft vorgegebenen Ordnungsprinzipien wie zum Beispiel das übertriebene Zurechtmachen bei der Hochzeit ihrer Enkelin (vgl. 7f), sondern auch der Versuch, andere dazu zu erziehen, zum Beispiel indem sie ihr zur Heirat ,,eine gutbürgerliche Sammlung von Kochrezepten" (36) schenkt. Daran erkennt man ihr Bemühen, aus jeder ihr bekannten Person jemanden mit untadeligen Grundsätzen zu machen, falls sie noch nicht auf diese Weise leben sollte, und die Ächtung derer, die diese Dogmen anzweifeln.

Die oben erwähnte Ehe des Hauptcharakters beweist, dass auch sie selbst und ihr Mann sich nach diesen Verhaltensmaßregeln richten. Denn mehrmals kommt im Buch zum Ausdruck, dass sie ihren eigenen Willen außer Acht lässt und sich denen anderer (zum Beispiel ihrer Eltern) unterwirft, weil sie aus ,,Tradition" (9) heiratet und sich von ihrer Familie dazu überredet fühlt. Außerdem sieht sie Ehen als Gefängnis, was sich an den Aussprüchen ,,Ich bin nicht ich. Ich bin Rolfs Frau." (34) und ,,Eine schöne Wohnung ist ein ausbruchsicheres Gefängnis." (16) erkennen kann. Sie fühlt sich also so großem Druck ausgesetzt, dass sie sich anfangs nicht gegen diese oktroyierten ,,Gesetze" zur Wehr setzt und sie gezwungenermaßen einhält.

Freunde

Ebenfalls in ihrem Freundeskreis gibt es Menschen, die sich bereitwillig anpassen oder sich normgemäß verhalten. Hilde, die Frau Alberts, kann aus gutem Grund dazugezählt werden. Als sie erfährt, dass Albert sie mit Brigitte betrogen hat, fallen ihr auch Hinweise auf ein früheres Fremdgehen, wie spätabendlichen Nachhausekommen, ein. Dabei wird deutlich, wie naiv und wie abhängig von der Meinung der Gesellschaft Hilde ist, da sie sonst nicht nur wegen der Kinder bei ihrem Mann bleiben würde (vgl. 78). Sie gibt offen zu, dass sie Angst davor hat, ihre Ehe zu beenden oder - wie sie es ausdrückt - das Podest zu verlassen, auf das er sie gestellt hat, ,,von dem sie nicht herunterkann, weil er alles so hoch hinaufgeschraubt hat" (93), weil sie dabei auch ihren guten Ruf als Frau eines Arztes verlieren könnte. Deshalb verzeiht sie ihm seinen Fehltritt und steht ihm, weil sie gar nicht bemerkt, wie sehr sie ihn einengt, nicht die Freiheit zu, die er braucht (und bei seiner Geliebten findet2 )), um sich entfalten zu können. Hilde kann demzufolge zu Recht als Frau bezeichnet werden, die sich nicht traut, ihren Willen gegen diese Ordnungsprinzipien der Gesellschaft durchzusetzen, wenn ihr das einen Nachteil bereiten könnte und sie zum allgemeinen Gespött der Leute - wie es damals für eine geschiedene Frau üblich war - verkommen würde.

Albert verleugnet aus den gleichen Gründen seine Affäre. Er fürchtet sich davor, dass Rolf oder Brigitte seiner Ehefrau etwas davon erzählen könnten. Außerdem geht er sogar so weit und treibt das gemeinsame Kind ab, ,,spricht von Erpressung" (106), obwohl er mitverantwortlich ist, was er aber auch nur zu gerne übersieht, da dieses Thema für ihn sicher eine ,,Frauensache" darstellt. Hierbei lässt sich feststellen, wie viel sein Ruf ihm mehr wert ist als das eigene Kind. Außerdem spricht er während vieler gemeinsamer Stunden mit Brigitte von Hilde als seiner ,,Holde[n]" (77), was sowohl ironisch als auch ernst gemeint sein könnte. Falls es eine ironische Bedeutung hat, lässt sich daran erkennen, wie eingeengt er sich bei ihr fühlt und dass er - wie oben bereits erwähnt - aus Angst vor einem verminderten Prestige bei ihr bleibt. Wenn aber das Gegenteil zutreffen sollte und er diese Bemerkung als ernst betrachtet, zeigt es sich, dass er Brigitte nicht unbedingt mit echten Gefühlen gegenüber tritt und bei ihr nur seine Freiheit ausleben will, ohne auf ihre Empfindungen zu achten. Das wiederum ist ein für die Gesellschaft kennzeichnender Punkt, da jeder auf seine Kosten kommen will, ohne sich um deren Folgen kümmern zu müssen. Außerdem liegt ihm vor allem daran, weiterhin als ehrbarer Mann angesehen zu werden und weniger, seine eigenen Träume - nämlich Freiheit wie in seinem Verhältnis - zu verwirklichen und sich somit gegen die Allgemeinheit zu wehren.

Rolf

Auch bei ihrem Ehemann fällt auf, wie sehr er sich anpasst. Für ihn spielt der Sinn einer Handlung eine große Bedeutung. Einfach eine Sprache zu lernen ist für ihn unvorstellbar, wenn man sie nur im Urlaub anwenden kann. Vielmehr drängt er die Erzählerin, Spanisch statt Italienisch (ihr Reiseziel ist Rom) zu lernen, denn ,,das hat Zukunft"(26). Dass man etwas macht, weil es einen erfreut, kommt ihm dabei nicht in den Sinn, auch nicht, dass er durch seine Einstellung die Freiheit der anderen stark einschränkt. So versteht er außerdem nicht, wie seine Frau ohne Musik tanzen kann, und fordert sie barsch dazu auf, es ihm zu erklären. Es beunruhigt ihn ebenfalls, dass sie ,,Guter Stimmung [ist], einfach so" (64). Daran wird deutlich, dass er für jede Tat und jede von der Normalität abweichende Stimmung ein Argument braucht. Er versucht also nicht, sich in andere Personen hineinzuversetzen, um sie zu verstehen, sondern reagiert mit Zweifeln und Ablehnung. Er hält jede Gefühlsveränderung für anormal, wenn er sie nicht begreifen kann und sie ihm nicht sofort begründet wird.

Ein weiterer Faktor ist die Überbewertung von Geld und seiner Stellung im Gegensatz zu seinen Gefühlen. Das kommt an zwei Stellen besonders zum Ausdruck: Als ihm gesagt wird, dass sein verletzter Hund Blitz unter großen Schmerzen zu leiden habe, wenn er nicht eingeschläfert wird, bemerkt er, dass ihm ,,dafür (...) der Hund zu teuer" (83) war. Obwohl er - inwiefern man es ihm zugesteht - eine Bindung zu Blitz aufgebaut hat, lässt er ihn lieber ein schmerzerfülltes Leben führen, als ihn davon zu erlösen, weil er ja sonst Einbußen im finanziellen Bereich für einen neuen Hund hinnehmen müsste. Auch als seine Frau zum Psychiater geht, reagiert er ablehnend, weil dies zum einen Geld kostet und zum anderen sein Ansehen vermindern könnte, und fordert sie dazu auf, sich nicht so gehen zu lassen (vgl. 109). Des Weiteren kommt für ihn eine Scheidung nicht in Frage, weil sie nicht nur Geld, sondern auch seinen Ruf, ein ,,Charakter" (69) zu sein, kosten könnte. Deswegen versucht er, weiterhin in einer gescheiterten Ehe zu leben, auch wenn das keinen Sinn hat.

Gesellschaft

Bei der Gesellschaft fällt auf, dass vor allem die älteren Leute ihre NS-Vergangenheit vergessen und nicht verarbeiten wollen. So wird Karl der Zutritt zu einem Lokal untersagt, nachdem er ,, zum Stammtisch hinüberschrie: Nazischweine" (78). Die Antwort darauf, nämlich dass man geglaubt hat, das Verhalten sei gerechtfertigt gewesen, und ,,nicht alle (...) Nationalsozialisten" (78) waren, beweist, dass weder die anwesenden Gäste noch der Wirt ihre Unschuld belegen können und Karl mit Ablehnung begegnen, um nicht bloßgestellt zu werden und ihre Fehler eingestehen zu müssen. Dieses Verhalten ist typisch für viele - wenn auch nicht alle - Menschen: erst begeht man einen Fehler und verleugnet ihn dann, wenn man ihn erkennt oder darauf aufmerksam gemacht wird. Dabei zeigt sich, dass sie meistens denjenigen, der sie darauf hinweist, beschimpfen und mitunter als Lügner bezeichnen. Sie wollen nach Möglichkeit auch gar nicht mit der manchmal unangenehmen Wahrheit konfrontiert werden, weil sie sonst vielleicht nicht mehr als ,,unangreifbare Hüter der Regeln" angesehen werden könnten.

Dieses bewusste Vergessen der NS-Geschichte kann man auch aus gutem Grund als opportunistisches Verhalten ansehen, da sie sich stets so verhalten, wie es für sie vorteilhaft ist. Dabei können sie ihre gesamte frühere Meinung außer Acht lassen und absolut gegenteilig handeln. So reagieren die Leute nicht mit Hass auf die russische Armee, als sie im Zweiten Weltkrieg in ihre Kleinstadt gelangen, sondern verstecken anrüchig gewordene Bücher wie Mein Kampf, an das sie ja angeblich so geglaubt haben (s. o.), und suchen Bücher zum Russischlernen oder ähnliches, um den Besatzern vorzutäuschen, sie wären die ganze Zeit unterdrückt worden und absolut unschuldig (vgl. 48). Auch bei anderen Gelegenheiten, zum Beispiel als die Großmutter nach Sizilien fuhr, betragen sie sich so, wie es ihnen am förderlichsten ist.

Außerdem fällt in der Gesellschaft ein Zwei-Klassen- oder auch Schwarz-Weiß-Denken auf. So ist es für einen Lateinprofessor unverständlich, ,,daß man zu einem Arzt geht, der früher Arbeiter war [und] diese Arbeitermatura gemacht hat" (55). Er wertet ganz bewusst Leute ab, die nicht aus Akademikerfamilien und der Oberschicht stammen. Dabei müsste doch vor allem ein Lehrer, besonders wenn er einen Professortitel trägt, wissen, dass Intelligenz nicht unbedingt vererbt wird und man auch durch Fleiß viel erreichen kann. Doch für ihn scheint es nur die intelligente High-Society und den weniger schlauen Abschaum zu geben. Auch an anderen Stellen wird deutlich, dass viele Leute die anderen immer noch nach ihrer Stellung in der Gesellschaft beurteilen: so beschreibt die Erzählerin bei einem Spaziergang, dass der Eislaufplatz im Sommer den ,,besseren Leuten bei uns in der Stadt" (74) als Tennisplatz dient. Daran erkennt man, dass eine bestimmte Sportart - bei diesem Beispiel Tennis, heutzutage wohl eher Golf - der ,,Upper Class" vorbehalten ist und von Menschen, die diesem Personenkreis nicht angehören, nicht betrieben werden soll. Diese Unterscheidung in gut und böse lässt sich besonders gut in einer Kleinstadt, wie sie hier beschrieben ist, praktizieren. Dass dabei ein wichtiger Grundsatz, nämlich dass alle Menschen gleich sind, wie es im Grundgesetz fest verankert ist, vernachlässigt wird, scheint die wenigsten zu stören. Ebenfalls diskriminiert werden hier Gesellschaftskritiker, wie Karl einer darstellt. Nachdem er mit seinen Schülern über eine wahre Geschichte von der Nichteinhaltung der Menschenrechte in dieser Stadt sprach, wird seine Meinung geflissentlich übergangen (vgl. 13). Auch als er einen Kollegen anzeigt, weil dieser seine Schüler absolut unterbezahlt für sich hat arbeiten lassen, wird das ,,Verfahren ohne Anhörung von Zeugen eingestellt" (67) und er von anderen Lehrern verachtet. An dieser Stelle lässt sich feststellen, wie wichtig den anderen die Einhaltung der von der Gesellschaft vorgegebenen Normen wie Kollegialität ist und dass sie dafür sogar - zumindest bis zu einem gewissen Grad - die Ausbeutung von Schwächeren in Kauf nehmen.

Zu diesen Schwächeren gehörten in den 70er Jahren zweifellos auch noch die Frauen, die am besten das Heimchen am Herd spielen sollten3 ). So ist es auch nicht verwunderlich, dass eine Frau öfter als Männer ein ,,Streitgespräch pro forma" (61) führen müssen, wenn sie demonstrieren wollen, dass sie in Hinsicht auf Intelligenz ihrem Mann in nichts nachstehen. Allerdings gilt zu beachten, dass man sich nur ,,unter der Voraussetzung, daß es nicht die ist, mit der man verheiratet ist" (61) ein Wortgefecht mit ihr austrägt. Die Meinung der Frau wird auch nicht als schwerwiegend angesehen, man kann sie ohne Bedenken übergehen und, falls man ihr doch einmal zuhört oder ihr sogar recht gibt, kann man sich zu Recht als einfühlsamer (Ehe-) Mann bezeichnen - wohlgemerkt auf die 70er Jahre bezogen. Die Erzählerin hingegen ist bereits aufgeschlossener für einen Wandel der Strukturen und versucht auf ihre eigene Weise diesem ,,Teufelskreis" zu entkommen, indem sie beispielsweise ihrem Ehemann nicht erlaubt, sie zu küssen etc.. Dafür muss sie - im Gegensatz zu den Männern - ihre Beweggründe ausführlich darlegen und ,,bekommt (...) dafür einen Kuß, weil es rührend ist, wenn Frauen sich bemühen, etwas zu erklären" (20). Die Frauen werden also auch dann nicht ernst genommen, sondern nur belächelt. Des Weiteren werden sie immer noch als von ihrem Mann Abhängige gesehen; Brigitte fühlt sich nicht als sie selbst, sondern als ,,Rolfs Frau" (34). Deswegen soll es auch besser sein, einen frauentypischen Beruf auszuüben als zu studieren (vgl. 12). Die Öffentlichkeit ist also gar nicht daran interessiert, etwas an dieser Situation zu verändern, sondern bedrängt Leute wie die Protagonistin, die etwas an diesem System verändern möchten, und stempelt sie als sonderbar ab.

Ein weiterer schwerwiegender Kritikpunkt stellt mit Sicherheit die Überbewertung des Geldes dar. Wie bereits mehrmals erwähnt, ist Geld von äußerster Wichtigkeit, um in dieser Gesellschaft voranzukommen. Deshalb versucht jeder, sich auf irgendeine Weise - wie ist ihm Grunde egal, sie sollte nur nicht dem eigenen Ruf Schaden zufügen - zu bereichern. Dabei treten die Gefühle in den Hintergrund, wie das Beispiel von Albert und Hilde zeigt, da sie finanziell abgesichert ist, ihn zu lieben vermeint und er sich mit einer Wohnung einkaufen lässt (vgl. 16), obwohl seine Zuneigung zu ihr doch nicht so tief zu sein scheint, da er sie sonst wohl kaum mit Brigitte betrügen würde. Außerdem kann man vermuten, dass es für die meisten Leute von größerer Bedeutung ist, viel Geld auszugeben, um damit zu protzen (auch wenn man sich irgendwie dafür einschränken muss, zum Beispiel den schlecht geheizten Saal einer Ritterburg bei der Hochzeit zu ertragen (vgl. 16)), als ein kleines, aber feines Lokal zu mieten, das im Gegensatz zur oben genannten Feste weniger prunkvoll wirkt. Es bleibt also anzumerken, dass man doch besser nach seinem eigentlichen Willen handeln sollte und sich weniger von Geld beeinflussen ließe, was sicher eine noch heute gültige Forderung darstellt. Des Weiteren wird bemängelt, dass die Menschen sich nur noch oberflächlich füreinander interessieren. Das Erscheinungsbild ist neben Geld und Beruf das Einzige, was zählt. Sieht jemand heruntergekommen aus, wird er mit Garantie nicht so zuvorkommend behandelt wie einer, der ein gepflegtes Äußeres hat - schon allein deshalb, weil viele glauben, an den Kleidern ablesen zu können, zu welcher Schicht einer gehört. So erfährt auch die Hauptfigur, was für ein Unterschied zwischen Allein-Weggehen und Mit-Rolf-Weggehen besteht. Sie findet, dass sich alles einfacher darstellt, wenn sie mit ihm unterwegs ist: ,,Die Schaffnerinnen in den Straßenbahnen waren freundlicher, wenn ich mit Rolf einstieg. (...)" (23) Als ein weiteres Beispiel für die Seichtheit der Beziehungen untereinander kann die folgende Textstelle bezeichnet werden: ,,So viele Leute, die uns nicht mögen, haben uns Glück gewünscht. Niemand hat sich einen besonderen Spruch einfallen lassen, auch die nicht, die uns mögen." (18) Freunde und Bekannte verhalten sich zueinander also genauso wie Leute, die sich nicht ausstehen können. Keiner will mehr darüber nachdenken, wie man anderen eine kleine Freude machen kann, sondern schreibt wie in diesem Beispiel die normalen Grußformeln auf die Karten und hofft, damit seine Pflicht erfüllt zu haben - schließlich hat man ja immerhin an die anderen gedacht.

Sicherlich lassen sich noch weitere Punkte finden, bei denen die kleinstädtische Bürgerlichkeit bemängelt wird, doch möchte ich sie aus dem Grund, dass sie für diese Arbeit zu umfangreich sind, außer Acht lassen.

Da die Erzählerin sich gegen die aufgeführten Kritikpunkte wehrt und zum Teil sicher auch deshalb dieses Buch geschrieben hat, möchte ich herausfinden, inwieweit sich die Gesellschaft geändert hat. Betrachtet man einmal die Ehe im Gegensatz zu damals, wird man schnell feststellen, dass eine Scheidung längst nicht mehr so einen Wirbel verursacht wie noch vor 20 oder 30 Jahren. Keiner zeigt mehr mit dem Finger auf einen oder grüßt ihn anders als davor, nur weil man sich von seinem Ehepartner getrennt hat. Allerdings muss ich einräumen, dass in Dörfern, in denen noch jeder jeden kennt, auch jeder weiß, wer auseinander gegangen ist und wer nicht. Deswegen werden manche eventuell etwas ,,genauer unter die Lupe genommen" als normal, aber sonst muss man nicht um seinen Ruf oder seine gesellschaftliche Stellung fürchten. Ein gutes Beispiel hierfür gibt Bundeskanzler Schröder ab, der sich bereits mehrfach hat scheiden lassen. Außerdem bleibt anzumerken, dass mittlerweile ungefähr jede dritte Ehe wieder gelöst wird. Also ist dieses Manko glücklicherweise weggefallen. Trotzdem ist dieses Buch mit seiner Kritik an der Überbewertung des Geldes und der Oberflächlichkeit im Umgang mit anderen - um hier nur zwei Beispiele zu nennen, die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen - immer noch aktuell, denn nach wie vor versucht jeder, mehr Geld zu scheffeln als er unbedingt braucht, um damit angeben zu können und in der Hierarchie der Gesellschaft nach oben zu kommen. Auch die Gespräche werden immer trivialer, man redet öfters als früher aneinander vorbei und das, obwohl die Kommunikationsmöglichkeiten durch Internet, Handy ... zunehmend besser und leistungsstärker werden. Insofern muss sich noch einiges wandeln, bevor man unsere Gesellschaft nicht mehr als kleinbürgerlich und spießig, sondern als aufgeklärt und liberal bezeichnen kann.

Quellenverzeichnis

1) Brigitte Schwaiger: Wie kommt das Salz ins Meer. rororo - Hamburg, 487. - 490. Tausend 1999

(Im Text erscheinen Hinweise aus Schwaigers Roman als Zahlenangabe in Klammern)

2) angenähert an anonym. http://www.geocities.com/Athens/Ithaca/4871/Autoren/salz.htm, Mai 2000

3) a. a. O.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Brigitte Schwaiger: Wie kommt das Salz ins Meer. rororo - Hamburg, 487. - 490. Tausend 1999

Sekundärliteratur:

D. de Vin, Schreibstunden. B. S. im Gespräch, in: Germanist. Mttlg., 1983 anonym . http://www.geocities.com/Athens/Ithaca/4871/Autoren/salz.htm, Mai 2000

es.com/Athens/Ithaca/4871/Autoren/salz.htm, Mai 2000

Details

Seiten
9
Jahr
2000
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v98975
Note
Schlagworte
Schwaiger Brigitte Salz Meer

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Titel: Schwaiger, Brigitte - Wie kommt das Salz ins Meer