Lade Inhalt...

Einsatzmöglichkeiten der Medienverbünde im Literaturunterricht der Grundschule

Am Beispiel des Medienverbundes "Superflashboy" von Salah Naoura unter Berücksichtigung der sechs Dimensionen der Medienerziehung

Hausarbeit 2020 21 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Mediensozialisation und Medienkompetenz
2.2 Allgemeine Strukturmerkmale der Hörmedien
2.3 Grundlagen der Analyse von Print- und Hörmedien

3 Medienwissenschaftliche Analyse von Superflashboy
3.1 Analyse des Printmediums
3.2 Der Verbund von Print- und Hörmedium

4 Didaktische Überlegungen zur Medienerziehung nach Gapski
4.1 Die kognitive Dimension
4.2 Die ethische Dimension
4.3 Die soziale Dimension
4.4 Die affektive Dimension
4.5 Die ästhetische Dimension
4.6 Die Handlungs dimension

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der heutigen Gesellschaft gewinnen die Medien zunehmend an Bedeutung, denn „[s]ie sind Gegenstand und Träger von Bildungsprozessen, Produkt- und Prozesstechnologien der Medienwirtschaft, Konsum- und Kulturgut sowie Kommunikationskanäle politischer Prozesse in unserer Gesellschaft“ (Gapski 2006, 67). Insbesondere die Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen hat sich unter den medialen Einflüssen stark verändert. Aus diesem Grund stellen Medien einen bedeutsamen Faktor der kulturellen Sozialisation dar, die sich als „eine aktive Auseinandersetzung des Individuums mit seiner sozialen und dinglichen Umwelt“ (Süss/Lampert/Trültzsch-Wijnen 2018, 6) beschreiben lässt. Diese zunehmenden Veränderungen machen es demnach erforderlich, eine Medienpädagogik anzustreben und als festen Bestandteil des Bildungsauftrags anzusehen, um die Schüler_innen zu einem kompetenten Umgang medialer Angebote zu befähigen (vgl. Barsch 2006, 65).

Obwohl die alltägliche Präsenz der Medien eine Thematisierung im Unterricht erforderlich macht und auch einen didaktischen Mehrwert leisten kann, zeigen zahlreiche Studien, dass digitale Medien insbesondere im Deutschunterricht „immer noch eine eher untergeordnete Rolle“ (Frederking/Albrecht 2016, 9) spielen und das Buch nach wie vor einen beachtlichen Stellenwert im Schulalltag und insbesondere im Literaturunterricht einnimmt ( vgl. Kruse 2014, 179).

Im Rahmen dieser Arbeit soll der zentralen Fragestellung nachgegangen werden, wie Medien und insbesondere Medienverbünde für das literarische Lernen im Deutschunterricht der Grundschule genutzt werden können, um einen kompetenten Umgang mit Medien zu schulen. Neben der Klärung von grundlegenden Begrifflichkeiten wird im weiteren Verlauf der exemplarische Medienverbund Superflashboy vom erfolgreichen zeitgenössischen Kinderbuchautor Salah Naoura hinzugezogen. Da hierzu zum einen der Kinderroman und zum anderen das Kinderhörspiel existieren, wird insbesondere das Medium Hörspiel fokussiert betrachtet. Neben einer literatur- und medienwissenschaftlichen Analyse dieses Medienverbunds werden im weiteren Verlauf auch didaktische Einsatzmöglichkeiten diesbezüglich thematisiert, die sich an den von Gapski zusammengestellten Dimensionen der Medienerziehung orientieren.

2 Theoretischer Hintergrund

Der Begriff der Medien hat sich längst im alltäglichen Sprachgebrauch durchgesetzt, wobei er sich aus wissenschaftlicher Sicht keineswegs eindeutig eingrenzen und definieren lässt. Sein etymologischer Ursprung liegt in dem lateinischen Adjektiv medius, der sich mit „in der Mitte stehend“ und „vermittelnd“ (Frederking/Krommer/Maiwald 2012, 12) übersetzen lässt. Oftmals werden Medien daher als „neutrale Übertragungskanäle“ verstanden (ebd., 22), ohne dass eine Differenzierung und damit das jeweilige Potenzial der verschiedenen Medien näher thematisiert werden.

Im Folgenden werden nun weitere, für diese Arbeit relevante Begrifflichkeiten aufgeführt und definiert. Aufgrund des ausgewählten Medienverbundes sollen im weiteren Verlauf zunächst die strukturellen Merkmale des Hörmediums bestimmt werden, um im Anschluss die theoretischen Grundlagen für eine Analyse beider Medien schaffen zu können.

2.1 Mediensozialisation und Medienkompetenz

Die Mediensozialisation, die, wie eingangs bereits erwähnt, als ein wesentlicher Bestandteil der heutigen Sozialisation angesehen werden kann, erfolgt auf zwei Ebenen. Zum einen lässt sich von einer Sozialisation durch Medien sprechen, indem „Massenmedien als erzieherische Einflussgrößen“ (Barsch 2006, 75) fungieren. Zum anderen zeigt sich eine Sozialisation zum Umgang mit Medien, die einen direkten Formbezug und ein Strukturwissen beinhaltet (vgl. ebd.).

Die Medienpädagogik als wissenschaftliche Disziplin im Bildungskontext befasst sich ebenso mit diesen beiden Ausprägungen der Mediensozialisation, indem sie sich in die beiden Bereiche Mediendidaktik und Medienerziehung unterteilen lässt (vgl. Frederking/Krommer/Maiwald, 2012, 63). Die Mediendidaktik greift dabei konkret auf Medien „als technische Hilfsmittel, die zur Optimierung von Lehr- und Lernsituationen didaktisch gezielt eingesetzt werden“ (Barsch 2006, 74) zurück. Die Medienerziehung umfasst hingegen „die Inhalte, Strukturen und Nutzungsmechanismen von Medienangeboten […] und Kommunikationsformen […] und deren Bedeutung für die Erziehung bzw. für den zu erziehenden Menschen“ (Frederking/Krommer/Maiwald, 2012, 63).

In diesem Zusammenhang spielt der Begriff der Medienkompetenz eine bedeutsame Rolle. Diese lässt sich als die Fähigkeit definieren, „alle Arten von Medien in aktiv aneignender Weise für das eigene Kommunikations- und Handlungsrepertoire einsetzen zu können“ (Barsch 2006, 104). Im weiteren Verlauf wird mithilfe der sechs Dimensionen der Medienerziehung nach Gapski deutlich werden, welche unterschiedlichen Fertigkeiten damit in Verbindung stehen (Kap. 4). Entscheidend ist an dieser Stelle, dass der Erwerb der Medienkompetenz sowohl durch die Mediendidaktik als auch durch die Medienerziehung erfolgt, womit letztendlich das Ziel verfolgt wird, „Medien lesen zu können, die Textsorten zu erkennen und in ihrer relativen Offenheit der Gestaltung von Botschaften richtig einzuordnen“ (Süss/Lampert/Trültzsch-Wijnen 2018, 10). In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, die Unterscheidung zwischen der Lese - und der literarischen Sozialisation anzuführen, die „sich auf die Auseinandersetzung mit der Schrift- bzw. mit der literarischen Kultur“ (Pompe/Spinner/Ossner 2016, 42) beziehen und damit auch einen Ausschnitt der Mediensozialisation darstellen (vgl. ebd.). Während die Lesesozialisation auf „den Prozess der Befähigung zum ‚Umgang mit Schriftlichkeit‘“ Bezug nimmt (ebd.) und folglich die Dekodierung sowohl literarischer als auch pragmatischer Texte einschließt, umfasst die literarische Sozialisation lediglich die literarischen Texte, die jedoch in unterschiedlichen medialen Formen präsentiert sein können (vgl. ebd.). Literatur ist demnach nicht an das Printmedium gebunden (vgl. Ballis/Burkard 2014, 32), sodass „die formale Lesefertigkeit keineswegs die entscheidende Voraussetzung für literarische Lernprozesse darstellt“ (Maubach 2014, 6).

Für die Medienerziehung, die bisher noch den geringeren Teil im schulischen Alltag ausmacht und aus diesem Grund auch den Bezugspunkt dieser Arbeit markiert, haben insbesondere sogenannte Medienverbünde ein hohes Potenzial, die auch im Alltag der Kinder einen hohen Stellenwert einnehmen. Dabei „wird ein Leitmedium in andere Medien umgesetzt und gleichzeitig oder mit zeitlicher Verschiebung auf den Markt gebracht“ (Kümmerling-Meibauer 2007, 11f.), wobei es unerheblich ist, ob eine Buch-, Comic-, Hörspiel-, Computer- oder gar eine Spielzeugvorlage als Leitmedium dient und anschließend in andere Medien überführt wird (vgl. ebd., 12). In diesem Zusammenhang ist auch zu vernehmen, „dass die jeweiligen Medien Strukturmerkmale anderer Medien aufgreifen und zitieren“ (ebd.). Diese Übernahme wird unter dem Begriff der Intermedialität gefasst (vgl. ebd.). Ferner zählen zu den Verbünden nicht allein die Medien, die die Geschichte übermitteln, sondern auch Merchandising-Produkte, die aufzeigen, dass „Medienverbünde planvoll erzeugte fiktional-ästhetische Erlebnis- und Konsumzonen“ (Maiwald 2007, 39) darstellen.

2.2 Allgemeine Strukturmerkmale der Hörmedien

Hörspiele oder Hörbücher als mögliche Bestandteile eines Medienverbundes nehmen nach wie vor einen hohen Stellenwert im Alltag der Schüler_innen ein (vgl. Josting/Maiwald 2007, 7) und „zählen zu den literarischen Medien, zu denen [viele] Kinder schon sehr früh eine intensive Beziehung aufbauen“ (Maubach 2014, 4). Die KindheitInternetMedien-Studie zeigt beispielsweise auf, dass jede_r Vierte der sechs- bis 13-Jährigen regelmäßig Hörspiele oder Hörbücher hört und rund die Hälfte aller Befragten zumindest selten diese hören (vgl. Mpfs 2018, 24).

Kennzeichnend für die sogenannten akustisch-auditiven Medien ist zunächst, „dass das gespeicherte Audio-Dokument ein zeitversetztes Hören möglich macht, d.h., dass Produktion und Rezeption nicht zeitgleich erfolgen müssen“ (Frederking/Krommer/Maiwald 2012, 100). Demnach handelt es sich um eine asynchrone Nutzung von gesprochenen Worten und/oder Klängen (vgl. ebd.). Die Audioaufnahmen, die bereits im 19. Jahrhundert mithilfe des Phonographen und des Grammophons möglich waren (vgl. ebd., 41), können auf vielfältige Weise gespeichert und abgespielt werden, beispielsweise über das Radio, die Schallplatte, die Kassette, die CD und mittlerweile auch über Audio-Streaming-Dienste im Internet oder über APPs (vgl. ebd., 43).

Das Hörspiel als eine Form von Hörmedien, welches in dieser Arbeit Anwendung findet, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass „[n]eben der Stimme […] Geräusche und Musik die zentralen Bestandteile“ (Maubach 2014., 6) darstellen. Dadurch wird die Vorstellungsbildung insbesondere auf der emotional-empathischen Ebene zusätzlich angeregt, indem eine deutlich wahrnehmbarere Atmosphäre geschaffen wird als es beim Lesen eines Textes der Fall ist (vgl. ebd., 6f.). Beim Hörspiel handelt es sich zudem um eine szenische Gestaltung eines Textes, der durch verschiedene situationsangemessene Sprecher_innen inszeniert wird und meist keinen zusätzlichen Erzähler benötigt (vgl. Müller 2007, 100). In literarischen Printmedien werden zwar auch Dialoge verwendet, um das Situationsgeschehen zu veranschaulichen, allerdings bedarf es einer Erzählerinstanz, die beispielsweise das Nicht-Sichtbare und das Nicht-Hörbare kompensiert und die Geschichte ausschmückt.

2.3 Grundlagen der Analyse von Print- und Hörmedien

Der ausgewählte Medienverbund soll nachfolgend aus literatur- und medienwissenschaftlicher Sicht betrachtet werden. Für die Analyse des Printmediums wird das fünfdimensionale Modell der (Bilder-)Buchanalyse nach Staiger hinzugezogen, das narrative, bildliche, verbale, intermodale und paratextuelle Elemente berücksichtigt (vgl. Staiger 2014). Es wird jedoch weniger eine umfassende Analyse angestrebt, sondern vielmehr die literarischen Besonderheiten des Textes bezüglich der verschiedenen Ebenen herausgearbeitet, da diese für die anschließenden didaktischen Überlegungen ausreichen.

Als wesentlicher Ausgangspunkt der Analyse von Hörmedien dient der Vergleich „zwischen Textvorlage und Hörfassung“ (Wermke 2008, 7). Es erfolgt demnach eine Gegenüberstellung, bei der „einer der Bezugspunkte der Text bzw. die Lektüre, der andere Bezugspunkt […] die akustische Umsetzung bzw. das Hören“ (ebd.) ist. Dahingehend finden auch die zuvor genannten Strukturmerkmale der Hörmedien und im Speziellen des Hörspiels Verwendung, indem insbesondere auf die Funktion der Geräusche und der Musik im Kontext der Geschichte eingegangen wird.

3 Medienwissenschaftliche Analyse von Superflashboy

Salah Naoura zählt sowohl mit seinen eigenen als auch mit den übersetzten Werken zu den aktuell bedeutsamsten Kinderbuchautoren Deutschlands (vgl. Mikota/Oehme 2015, 8). Neben zahlreichen Bilder- und Erstlesebüchern sowie Kinderromanen zeichnet sich sein literarisches Schaffen auch durch seine lyrischen Texte für Kinder aus (vgl. ebd., 9). Zu den zentralen Motiven seiner Erzählungen zählen „das Leben mit Geschwistern, das Verhältnis zu Eltern und anderen (erwachsenen) Familienangehörigen und […] Freundschaften“ (ebd., 15), die „[d]urch unrealistische Überzeichnungen, humorvolle Szenen, spritzige Dialoge und witzige Figuren“ (ebd., 19) zum Leben erweckt werden.

Diese Elemente finden sich auch in einem seiner neueren Romane Superflashboy wieder, zu dem auch sein erstes Kinderhörspiel entstanden ist.

3.1 Analyse des Printmediums

Der Kinderroman Superflashboy von Salah Naoura aus dem Jahre 2018 richtet sich an Kinder ab 8 Jahren und handelt von einem gewöhnlichen Jungen namens Torben-Henrik, der seinem Lieblingssuperhelden, Flashboy, begegnet.

Als sich Torben-Henrik an Fasching als Flashboy verkleidet, wird er auf dem Heimweg nach der Schule vor den Augen seines besten Freundes Mehmet von zwei Männern in einem Auto entführt. Als diese auf eine Mauer zusteuern, auf der ein Tunnel abgebildet ist, bangt Torben-Henrik um sein Leben. Doch kurz darauf findet er sich in einer anderen Welt wieder und wird vor einem fremden Haus abgesetzt, vor dessen Tür ein Roboter auf ihn wartet. Es stellt sich heraus, dass er für den Superhelden Flashboy gehalten wird, der an diesem Tag die Schule geschwänzt haben soll und von Petrowitsch und Nitrowitsch von der Schulbehörde nun nach Hause gebracht wurde. Nachdem der Roboter Rob-X3 ihn zur Bestrafung vierzig Liegestütze machen lässt und daraufhin verwundert ist, dass diese ohne Probleme durchgeführt werden, schickt sie den vermeintlichen Flashboy in sein Zimmer. Dort begegnet Torben-Henrik seinem Lieblingssuperhelden, der sich aufgrund eines Tests in Lebensrettung im Schrank versteckt hatte. Ihnen fällt auf, dass sie sich äußerlich stark ähneln, was sich darauf zurückführen lässt, dass sich die Superhelden-Eltern ihr Kind aus einer Datenbank mit genetischen Vorbildern aus der Menschenwelt aussuchen können, welches dupliziert wird. Während ihrer Unterhaltung stellen beide fest, dass der jeweils Andere die Eigenschaften besitzt, die in der eigenen Familie sehr geschätzt werden. Während Torben-Henrik stark ist und problemlos die Liegestützen schafft, ist Flashboy musikalisch und beherrscht die chinesische Sprache. Aus diesem Grund beschließen beide, ihre Identität zu tauschen. Sie finden Gefallen an dem Leben des anderen und beeinflussen es nachhaltig. Torben-Henrik besteht beispielsweise den Test in Lebensrettung und befreit Hero-City vom fiesen Bürgermeister Dr. Glibber, wodurch Flashboy zu Superflashboy ernannt wird. Flashboy hingegen sorgt dafür, dass Torben-Henriks Ansehen unter seinen Mitschüler_innen steigt, indem er seine Superkräfte vorführt. Doch schon bald merken sie, wie sehr ihnen ihr altes Leben fehlt und beschließen, zu ihren tatsächlichen Familien zurückzukehren.

Wie in vielen seiner anderen Kinderromane thematisiert Naoura auch hier „die Brüchigkeit von Familien […], die dann aber wieder zueinander finden“ (Mikota/Oehme 2015, 20). Charakteristisch ist auch der „Blick sowohl auf kindliche als auch auf erwachsene Figuren“ (ebd., 22), wodurch eine Mehrfachadressierung erreicht wird. Beispielsweise entdeckt Mama Flash trotz der Ablehnung ihres Mannes das Klavier spielen für sich neu (vgl. Naoura 2018, 88f.) und Torben-Henriks Vater gesteht sich ein, dass seine chinesischen Sprachkenntnisse verbesserungswürdig sind (vgl. ebd., 168). Naoura nimmt „sich [auch in dieser Geschichte] Zeit, die Figuren gewissenhaft zu zeichnen und lässt ihnen die Möglichkeit, sich zu entwickeln“ (Mikota/Oehme 2015, 15). Kennzeichnend für diesen Roman sind außerdem die fantastischen Elemente, die dem Zwei-Welten-Modell von Maria Nikolajeva zuzuordnen sind (vgl. Mikota 2017, 9f.). Demnach findet sich eine „fantastische Schwelle bzw. Schleuse“ (Ballis/Burkard 2014, 85), die in dieser Erzählung durch eine vermeintliche Mauer mit einem Tunnel darauf repräsentiert wird und dadurch „eine Verbindung zwischen Primär- und Sekundärwelt“ (ebd.) schafft.

Dabei liegt die Form der internen Fokalisierung vor, die sich zum Teil aus Torben-Henriks und zum Teil aus Flashboys Sicht in Form eines personalen Erzählers zeigt und damit ein multiperspektivisches Erzählen eintritt. Diese Kombination trägt dazu bei, dass die kindlichen Gedanken und Gefühle insbesondere in Bezug auf die Erwachsenenwelt veranschaulicht werden. In dieser Erzählung überwiegt der diegetische Modus, wobei sich durchaus auch der mimetische Modus wiederfinden lässt, wodurch sie lebhafter wirkt. Insgesamt ist die Erzählzeit kürzer als die erzählte Zeit, sodass es sich hauptsächlich um eine Zeitraffung handelt, die im für Kinder geeigneten Umfang die Entwicklung der Geschichte prägnant darstellt. Allerdings sind auch Zeitsprünge erkennbar, da abwechselnd von Flashboys und Torben-Henriks Erlebnissen erzählt wird, sodass von den Leser_innen eine aktive Eigenleistung abverlangt wird. So endet beispielsweise Kapitel 10 mit der Explosion der Elektro-Gouvernante (vgl. Naoura 2018, 76), die erst in Kapitel 12 näher erläutert wird (vgl. ebd., 84f.).

Auf der verbalen Ebene ist zunächst auffällig, dass der Sprachstil an der Alltagssprache der Kinder orientiert ist, indem ein häufiger Gebrauch von umgangssprachlichen Ausdrücken zu finden ist, wie zum Beispiel „mitschleppen“ (ebd., 15), „reingeschmiert“ (ebd., 17), „vom Küchentisch gefegt“ (ebd., 84) oder „angerempelt“ (ebd., 96). Darüber hinaus finden sich auch viele Metaphern und Vergleich, beispielsweise findet Torben-Henrik, dass Mama Flashs Klavierspiel klingt „[w]ie das Klopfen von Tropfen, die auf Hausdächern landen, oder die Perlen einer gerissenen Kette, wenn sie klickernd über den Boden springen“ (ebd., 89). Auch Sprachspiele und Neologismen wie „Weltenweh“ (ebd., 157) sind typisch. Naoura fügt auch viele humorvolle Szenen ein, zum Beispiel: „und in der Küche riecht es chinesisch, wie jedes Mal, wenn er kocht. Dabei gibt es doch wirklich noch jede Menge andere Länder, wo ebenfalls gekocht wird! Italien zum Beispiel“ (ebd., 11). Naoura spielt in diesem Zusammenhang auch mit gerne mit Gegensätzen, denn während Torben-Henrik zwar stark ist und in der Superheldenwelt von Vater Flashman und von seinen Mitschüler_innen Anerkennung erhält, ist er gleichzeitig auch äußerst ungeschickt, wodurch er wiederum wenig heldenhaft wirkt.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346352088
ISBN (Buch)
9783346352095
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Germanistik
Erscheinungsdatum
2021 (Februar)
Note
1,3
Schlagworte
Kinderliteratur Medien Medienverbund Medienerziehung Literatur- und Mediendidaktik Salah Naoura

Autor

Zurück

Titel: Einsatzmöglichkeiten der Medienverbünde im Literaturunterricht der Grundschule