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Erziehung und Schule in der römischen Kultur

©2021 Hausarbeit 24 Seiten

Zusammenfassung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Erziehung und Schule in der römischen Kultur“. Zu Beginn wird die antike Erziehung beschrieben: zunächst die altrömische und danach die griechisch-römische Erziehung. Diese beiden werden hier angesprochen, um den griechischen Einfluss im römischen Bildungswesen zu erklären. Der Fokus bleibt dennoch auf der römischen Kultur und liegt hier auf der Erziehung der römischen Kinder. Erst in Kapitel 4 wird die Erklärung der griechisch-römischen Erziehung deutlich hervorgehen, diese hatte im römischen Schulwesen eine signifikante Rolle gespielt.
In Kapitel 3 erfolgt eine Skizzierung der römischen Familie. Diesbezüglich werden die Konstellation und der Aufbau einer römischen Familie thematisiert und auf die Erziehung innerhalb der Familie wird eingegangen. Die Mitglieder der römischen Familie spielten bei der Erziehung eine essenzielle Rolle, wie sich im Verlauf der Hausarbeit zeigen wird. Wer hat die Kinder erzogen? Waren es die Mütter selbst oder doch das Personal der Familie? Welche Rolle hatte der Vater? Diese Fragen werden unter anderem in diesem Kapitel beantwortet und näher erläutert. Zudem wird die Phase vom Säugling bis zum Kind betrachtet, die sich zur Beantwortung der Fragestellung als bedeutsam erweist.

Kapitel 4 thematisiert die römische Schule, die in Elementarschule und höhere Schule gegliedert wurde. Dabei soll eine klare Unterscheidung zur Erziehung im römischen Haushalt stattfinden und die Bedeutsamkeit von Bildung und Schule dargelegt werden. Welche Inhalte wurden vermittelt? Wer durfte die Schule besuchen? Wer war für die Schüler zuständig? Diese Fragen werden mitunter in diesem Kapitel beantwortet. Mädchen waren nicht per se vom römischen Bildungswesen ausgeschlossen, weshalb sich der letzte Unterpunkt näher mit den Mädchen im römischen Bildungswesen befasst.
Zum Schluss dieser Hausarbeit erfolgt ein Resümee, indem alle Kapitel zusammengefasst werden. Dieses Kapitel enthält die Schlussfolgerungen – bezüglich der Beantwortung des Themas – aus dieser Hausarbeit.
Am Ende folgt ein Literaturverzeichnis, das sowohl deutsche als auch englische Literatur aufweist. Diese wurden zur Beantwortung der Fragestellung genutzt und aus dem Englischen übersetzt.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die antike Erziehung
2.1 Die altrömische Erziehung
2.2 Die griechisch-römische Erziehung

3. Die römische Familie
3.1 Erziehung der KinderS
3.1.1 Vom Säugling bis zum Kind

4. Die römische Schule
4.1 Elementarschulen
4.2 Höherer Unterricht
4.3 Mädchen im römischen Bildungswesen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Sekundärliteratur

7. Anhang

8. Versicherung über Eigenständigkeit und Quellenangabe

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Erziehung und Schule in der römischen Kultur“. Zu Beginn wird die antike Erziehung beschrieben: zunächst die altrömische und danach die griechisch-römische Erziehung. Diese beiden werden hier angesprochen, um den griechischen Einfluss im römischen Bildungswesen zu erklären. Der Fokus bleibt dennoch auf der römischen Kultur und liegt hier auf der Erziehung der römischen Kinder. Erst in Kapitel 4 wird die Erklärung der griechisch-römischen Erziehung deutlich hervorgehen, diese hatte im römischen Schulwesen eine signifikante Rolle gespielt.

In Kapitel 3 erfolgt eine Skizzierung der römischen Familie. Diesbezüglich werden die Konstellation und der Aufbau einer römischen Familie thematisiert und auf die Erziehung innerhalb der Familie wird eingegangen. Die Mitglieder der römischen Familie spielten bei der Erziehung eine essenzielle Rolle, wie sich im Verlauf der Hausarbeit zeigen wird. Wer hat die Kinder erzogen? Waren es die Mütter selbst oder doch das Personal der Familie? Welche Rolle hatte der Vater? Diese Fragen werden unter anderem in diesem Kapitel beantwortet und näher erläutert. Zudem wird die Phase vom Säugling bis zum Kind betrachtet, die sich zur Beantwortung der Fragestellung als bedeutsam erweist.

Kapitel 4 thematisiert die römische Schule, die in Elementarschule und höhere Schule gegliedert wurde. Dabei soll eine klare Unterscheidung zur Erziehung im römischen Haushalt stattfinden und die Bedeutsamkeit von Bildung und Schule dargelegt werden. Welche Inhalte wurden vermittelt? Wer durfte die Schule besuchen? Wer war für die Schüler zuständig? Diese Fragen werden mitunter in diesem Kapitel beantwortet. Mädchen waren nicht per se vom römischen Bildungswesen ausgeschlossen, weshalb sich der letzte Unterpunkt näher mit den Mädchen im römischen Bildungswesen befasst.

Zum Schluss dieser Hausarbeit erfolgt ein Resümee, indem alle Kapitel zusammengefasst werden. Dieses Kapitel enthält die Schlussfolgerungen – bezüglich der Beantwortung des Themas – aus dieser Hausarbeit.

Am Ende folgt ein Literaturverzeichnis, das sowohl deutsche als auch englische Literatur aufweist. Diese wurden zur Beantwortung der Fragestellung genutzt und aus dem Englischen übersetzt. Die Suche nach der Literatur gestaltete sich einfach, war aber aufgrund der andauernden Pandemie umständlich. Das Thema wurde ausgewählt, da die Erziehung in der Antike einen interessanten Einblick in die Vergangenheit gewähren lässt und damit auch ein Vergleich mit der heutigen Erziehung stattfinden kann. Auch wenn sich die Fragestellung nicht direkt mit solch einem Vergleich befasst, ist es als angehende Lehrkraft im Fach Geschichte eine Bereicherung. Außerdem ist anzumerken, dass sich die Quellenlage eher auf die Erziehung und Bildung der Oberschicht bezieht und weniger auf den einfachen Stand der römischen Gesellschaft. Ebenso wird deutlich, dass durch die finanziellen Mittel der Familie der römischen Jugend eine bessere Schulbildung ermöglicht wurde.

2. Die antike Erziehung

2.1 Die altrömische Erziehung

Die altrömische Erziehung geht auf das 6. Jahrhundert zurück. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wird Rom und die römische Erziehung vom Landadel bestimmt: Dabei handelte es sich um Grundeigentümer, die ihre Ländereien selbst bebauten – eine Gesellschaftsschicht, die sich sehr vom Kriegeradel der Griechen unterschied. Die Austreibung der Könige und die Etablierung der Republik bedeuteten den Sieg des Landadels über die städtischen Elemente und führten infolgedessen zu einer Verstärkung der bäuerlichen Dominante im Gefolge. Diese wurde intensiviert durch den wiederholten Zuzug italischer Familien (Claudier, Latiner, Etrusker oder Campaner), die allmählich im alten römischen Adel aufgingen und dessen Verstädterung verhinderten. Damit sei die altrömische Erziehung eine Erziehung von Bauern, meint Marrou (1977). Die Erziehung sei für sie vor allem eine allmähliche Einführung in das herkömmliche Leben. Sobald das Kind zum Bewusstsein erwachte, ahmte es schon in seinem Spiel, in seinen Bewegungen und in den Arbeiten die Älteren nach. Diese stellten ein Rollenmodell für das Kind dar, das vom Kind nachgeahmt werden sollte. Später gesellte sich das Kind zur Arbeit auf den Feldern, begleitete Schäfer oder den Landarbeiter. Somit versuchte das Kind, sich in die neue Rolle der Erwachsenen einzufinden, und empfand es als eine Ehre, dessen würdig erachtet zu werden.1

Der Grundbegriff, auf dem die altrömische Erziehung beruhte, war die Achtung des Vorväterbrauchs, was „mos maiorum“ 2 genannt wurde. Die wesentliche Aufgabe des Erziehers bestand darin, diesen Grundbegriff der Jugend sichtbar zu machen, als Ideal, als die Norm jedes Handelns und alles Denkens achten zu lehren. In Rom war die Stellung der Überlieferung stets eine viel stärkere als in Griechenland. Sie sollte immer Gegenstand einer unbestrittenen Verehrung bleiben. Man spricht von „res novae““ 3, von Neuerungen oder von Revolution. Die Stärke Roms beruhe ebenso sehr auf seinen alten Sitten wie auf der Stärke seiner Männer, meint Cicero (5, I). Der Vorväterbrauch war mehr als eine Lehre und erstreckte sich auf alle Seiten der menschlichen Tätigkeit einschließlich der technischen.4 In den Augen der Römer war die Familie der natürliche Lebenskreis, in dem das Kind aufwuchs und sich bilden sollte. Die Mutter erzog ihre Kinder – selbst in den höchsten Familien übernahm sie diese Pflicht. Beispiele lassen sich bei den Müttern der römischen Söhne wie Caesar, dessen Mutter Aurelia war, oder Augustus, die von Attia erzogen wurde, finden. Solche Mütter spielten im Leben ihrer Söhne eine wichtige Rolle, da sie sie zu Staatsoberhäuptern zu erziehen wussten. Im Alter von sieben Jahren kam das Kind aus der Obhut der Frau in die des Vaters. Der Vater wurde als der eigentliche Erzieher angesehen. Als Lehrer später in Erscheinung traten, galt deren Wirksamkeit immer mehr oder minder als Abbild des väterlichen Einflusses. Während die Mädchen mehr zu Hause blieben und sich entweder mit Wolle spinnen oder anderen häuslichen Arbeiten beschäftigten, begleiteten die Söhne ihren Vater in die Kurie, in der sie mit ihm selbst an den geheimen Sitzungen des Senats teilnahmen. An der Seite des Vaters wurden sie in alle Bereiche des Lebens, das sie erwartete, eingeführt und darüber belehrt. Für Söhne reicherer Familien war ein politisches Lehrjahr, bevor der Militärdienst begann, üblich: das tirocinium fori, in dem sie von einem Freund der Familie oder vom Vater selbst in das römische Recht, das Regieren und in die Rhetorik eingeführt wurden. Im Militärdienst lernten sie Gehorsamkeit, die ein Teil der altrömischen Erziehung war. Außerdem diente diese nicht nur der Vermittlung von Wissen, sondern auch von ethischen Werten (Disziplin, Tapferkeit oder Bescheidenheit).5

Die Familienideale beruhten auf den Vorfahren; vor allem waren das aristokratische Familien. Ein junger Vornehme wurde in der Achtung vor den nationalen und familiären Überlieferungen erzogen. Viele aristokratische Familien brüsteten sich mit den kurulischen Beamten. Im Rahmen von prunkvollen großen Begräbnissen wurden Bilder der Vorfahren vorangetragen und in einer Totenrede deren Ruhm gefeiert sowie jener des Verstorbenen. Solche Erinnerungen beeinflussten die Kindheit enorm. Nach diesem Idealtyp wurden Kinder bewusst dazu gebracht, ihr Empfinden und Verhalten zu formen, das gewissermaßen das Eigengepräge der Familie des Kindes darstellte. Zudem könnte man die altrömische Erziehung als eine Nachahmung der Vorfahren bezeichnen. Ein Brutus sah sich z. B. als Erben seines entfernten – wirklichen oder angenommenen – Vorfahren Brutus, des ersten Konsuls, an. Die Römer der Oberschicht versuchten, ihren Vorfahren zu gleichen, primär ihren Erfolgen in der Politik.6

Des Weiteren war die römische Erziehung auch tiefer religiös begründet als die griechische. Für das Wohl des Vaterlandes wurde zwar alles gefordert, aber nicht alles erlaubt. Die Römer führten Krieg ausschließlich, um Recht zu erlangen. Ebenso hat die römische Erziehung unaufhörlich jene tugendhaften Führer als Beispiel betrachtet, die die Achtung vor dem göttlichen Recht am unmittelbaren Interesse des Landes voranstellten – wie der heldenhafte Regulus, der nach Karthago zu seiner Hinrichtung zurückkehrte, da er den Senat aufgefordert hatte, die Friedensbedingungen abzulehnen, diese musste er im Auftrag der Punier überbringen. Damit begreift sich der römische Patriotismus selbst als wesentlich religiös. Wenn sich die Römer den Göttern unterworfen zeigten, würden sie das verdiente Reich erlangen. Das behauptete zumindest der Dichter Horaz. Vor ihm hatte Cicero bereits ausgesagt, Rom übertreffe alle anderen Völker an Frömmigkeit, Beachtung der Götterzeichen und an den Glauben an die Vorsehung. Somit bedeutete die Frömmigkeit – durch die Erziehung vermittelt –, alle gewohnten Riten zu erfüllen, die in ihrem Glauben verankert waren.7

2.2 Die griechisch-römische Erziehung

Wie unter 2.1 beschrieben, gab es in Rom eine römische erzieherische Überlieferung. Allerdings wurde die römische Erziehung zunehmend von der griechischen beeinflusst, als die Römer die griechischen Gebiete allmählich einnahmen. Rom nahm die Formen und Methoden der hellenistischen Erziehung und glichen sich mit bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit der hellenistischen Kultur an. Diese Tatsache war so auffallend, dass es den Römern selbst bewusst war. Der berühmte Vers von Horaz bestätigt diese Annahme folgendermaßen: „Graecia capta ferum victorem cepit et artes Intulit agresti Latio“.8 Das bedeutet so viel wie ‚Das besiegte Griechenland hat seinen wilden Sieger seinerseits besiegt und dem barbarischen Latium die Kultur gebracht.‘ Deshalb spricht man heute auch in der Wissenschaft von der griechisch-römischen Kultur. Marrou (1977) meint, Rom sei nie völlig von hellenistischer Ansteckung frei gewesen. Es habe diesen Einfluss bereits durch die Etrusker erfahren, die viel von den Griechen aufgenommen hätten. Diese ließen sich vom Kulturkontakt der Griechen sogar in ihrer Erziehung beeinflussen. Bis Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. zog die etruskische Erziehung die Söhne des römischen Adels in ihren Bann. Später folgte die unmittelbare Berührung im 5. und vor allem im 4. Jahrhundert infolge des Zustroms griechischer Bestandteile in die römische Plebs. Von da an erscheint der griechische Einfluss überall, in der Kunst, im religiösen Leben sowie im Bau der Mauern Roms. Die Bewegung beginnt erneut im Jahr 340 v. Chr., als Rom sich mit Campanien vereint. Dieses Gebiet war bereits früh vom Hellenismus geprägt. Die Stadt Pompeji, die diesem Gebiet angehörig war, hatte Elemente der griechischen Erziehung angenommen. Die adlige Jugend war hier in einem Verband der „jungen pompejanischen Jugend“ zusammengeschlossen. Diese war nach dem Muster hellenistischer Ephebie aufgestellt und besaß eine prächtige Palästra von reinstem griechischem Stil. Je mehr griechische Gebiete erobert wurden, desto mehr wuchs auch der griechische Einfluss. Die griechische Sprache formte sich für die römischen Adligen zur Diplomatensprache, in der sie sich verständigten. Wenig später folgte die Aneignung des griechischen Bildungswesens, die der römische Adel für seine Söhne beanspruchte.9

Anfangs verschafften sich die Familien der Elite griechische Sklaven, die zum Lehrpersonal umfunktioniert wurden. Ein bekanntes Beispiel war Livius Andronicus, ein Grieche aus Tarent, der nach der Einnahme seiner Stadt (272 n. Chr.) nach Rom befördert wurde und die Kinder des Livius Salonator unterrichtete. Dieser gab ihm Freiheit in Anerkennung seiner intellektuellen Fähigkeiten. Die Familien der Oberschicht taten alles, um ihren Kindern die beste griechische Ausbildung zu ermöglichen – so auch Aemilius Paullus, der seine Söhne mit griechischen Fachlehrern umgab und ihnen die Bibliothek des Königs Perseus zur Verfügung stellte, die er als Siegesbeute in Makedonien an sich riss. Ein bekannter Fachlehrer seiner Söhne war Polybius, der das Glück hatte, bereits mit Aemillius bekannt zu sein. Er wurde zum engen Freund seiner Söhne, insbesondere von Scipio – später wurde er sogar dessen Berater. Sie waren es, die ihren Vater überredeten, Polybius zu erlauben, in Rom zu bleiben.10 Hier wird deutlich, dass die griechischen Pädagogen nicht nur als Wissensvermittler fungierten, sondern auch Freundschaften mit den Kindern schlossen. Nicht nur die Söhne der Oberschicht, sondern auch die Töchter erhielten Hausunterricht von den griechischen Lehrern. Ein Beispiel lässt sich bei Gnaeus Pompeius Magnus finden, der seine beiden Söhne und seine Tochter Pompeia von griechischen Tutoren unterrichten ließ.11

Es kann also festgehalten werden, dass die römische Erziehung von der Nachahmung der Erwachsenen, dem Vorväterbrauch sowie der religiösen Frömmigkeit geprägt war. Mit zunehmender Expansion des Reiches und der Einnahme griechischer Gebiete gelangten Formen und Methoden der griechischen Erziehung ins römische Bildungswesen. Dies betraf vorrangig die Oberschicht, die anfangs griechische Sklaven in ihren privaten Haushalten aufnahm, um ihren Kindern die bestmögliche Bildung zu bieten. Dabei galt die Wirksamkeit der Lehrer als Abbild des väterlichen Einflusses. Sie waren aber nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Freunde der Kinder, die sie unterrichteten. Genauere Einflüsse der griechischen Bildung im römischen Schulwesen folgen erst in Kapitel 4. Im Folgenden wird die römische Familie skizziert.

3. Die römische Familie

Der Begriff Familie beschreibt das Verhältnis zu Personen, mit denen man gesellschaftlichen Umgang pflegt. Rechtlich gesehen bezeichnete die römische Familie den Hausverband als Ganzen mit allen Personen und Sachen, die mit ihr verbunden waren. Sie war ein soziologischer, rechtlicher Begriff im Sinne eines herrschaftlich organisierten Rechtsverbands mit festen Regeln nach innen und außen.12 Das Oberhaupt der römischen Familie war der Vater, auch „pater familias“ 13 genannt. Die Kinder standen unter dessen Vormundschaft („patria potestas“ 14 ). Sein Nachwuchs konnte durch den Akt der „emancipatio“15 aus seiner Gewalt entlassen werden. Mädchen und Frauen hingegen standen zeitlebens unter der Vormundschaft entweder ihres Vaters oder ihres Ehemannes; man billigte ihnen nicht die volle Rechts- und Geschäftsfähigkeit wegen ihrer vermeintlichen Unzulänglichkeit – der Schwäche des weiblichen Geschlechts. Zur römischen Familie zählten außer der Frau und die Kinder auch nahe und entfernte Verwandte, Klienten, Adoptivkinder, Ammen, Sklaven und alles bewegliche und unbewegliche Eigentum des Vaters. Diese Konstellation der Familie konnte vermehrt der Oberschicht zugeordnet werden, da sie die finanziellen Mittel für solch einen Hausstand besaß. Sämtliche Familienmitglieder befanden sich ebenfalls unter der uneingeschränkten Verfügungsgewalt des Vaters.16

Fusco (1982) spricht auch von einem Herrschaftsverhältnis und einer absoluten Gewalt des Familienoberhauptes über die oben genannten Personen. Diese wurden einer außerordentlich strengen Disziplin unterworfen.17 Im Folgenden wird die Erziehung in der römischen Familie thematisiert, die sich zu Beginn auf den Säugling, dann auf das Kind und den Jugendlichen, was auch kurz betrachtet wird, bezieht.

3.1 Erziehung der Kinder

3.1.1 Vom Säugling bis zum Kind

Der Lebensabschnitt der Säuglinge bis zum Alter von sieben Jahren wurde „infantia18 bezeichnet; die Kinder selbst nannte man „infantes“ 19. Wörtlich übersetzt bedeutet es: „die nicht sprechen können“. Damit ist gemeint, dass sich ein Kind nicht wie ein Erwachsener artikulieren kann, weshalb es aus der Welt der Rationalität fällt. Diese Zeit war durch eine Reihe von Ritualen und Verhaltenserwartungen gekennzeichnet. Rituale und Traditionen verbunden mit der Schwangerschaft, der Entbindung und der Kindheit legen nahe, dass Kinder von den Eltern gewünscht und die Gefahren in den ersten Lebensjahren erkannt wurden. Nach der Geburt des Säuglings musste es zunächst vom Vater in die Familie akzeptiert werden. Das erfolgte nicht automatisch mit der Geburt des Säuglings. Dieses Ritual, auch bekannt als „tollere liberos“ 20, fand statt, nachdem die Hebamme das Kind auf eventuelle körperliche Fehlbildungen untersucht hatte.21 Anschließend hob der Vater das Kind vom Boden auf und nahm es mit dieser Geste in die Familie auf. Am 8. (Mädchen) bzw. 9. (Jungen) Tag nach der Geburt erfolgte ein Reinigungsritus des Säuglings, der von nicht blutigen Opfern und einem Fest für die Familie mit Geschenken begleitet wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde der Säugling auch benannt – vergleichbar mit der bekannten Taufe. Zudem erhielt der männliche Säugling auf dieser Zeremonie das Zeichen des Freigeborenen, die „bulla“ 22 – einen Schutzanhänger, der aus Leder oder diversen Metallen, je nach Wohlstand der Familie, angefertigt wurde. Eine visuelle Evidenz kann bei Reliefs gefunden werden. In Abbildung 1 ist die Bulla um den Hals der Jungen zu sehen. Es gibt keinen Befund darüber, ob diese auch von Mädchen getragen wurde. Das Amulett und die „toga praetexta“ 23 (auch von Mädchen getragen) sollten Kindern Schutz bieten, wenn sie sich außerhalb der Familie oder in Kontakt mit Personen außerhalb ihrer Verwandtschaftsgruppe befinden würden, wobei Kinder der Oberschicht selten etwas allein, ohne ihre Familie oder Verwandtstschaftsgruppe, getan haben.24

[...]


1 Vgl. Marrou, Henri Irénée (1977): Geschichte der Erziehung im klassischen Altertum (dtv), S. 426–428.

2 Zitiert aus: ebd., S. 429.

3 Zitiert aus: ebd.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. ebd., S. 430–434.

6 Vgl. ebd., S. 435–437.

7 Vgl. ebd., S. 437–438.

8 Zitiert nach: Horaz epist. 2, I, 156 in: Marrou, Henri Irénée (1977): Geschichte der Erziehung im klassischen Altertum, S. 445.

9 Vgl. ebd., S. 446–447.

10 Vgl. Bonner, Stanley F. (1977): Education in ancient Rome. From the elder Cato to the younger Pliny. 1. publ. London: Methuen & Co Ltd, S. 23 und Marrou, Henri Irénée (1977): Geschichte der Erziehung im klassischen Altertum, S. 447–448 und 453–454.

11 Vgl. Bonner, Stanley F. (1977): Education in ancient Rome. From the elder Cato to the younger Pliny, S. 27.

12 Vgl. Dettinger, Dorothee: Neues Leben in der alten Welt. Dissertation. Evangelische Verlagsanstalt, S. 44–45.

13 Zitiert aus: Backe-Dahmen, Annika (2008): Die Welt der Kinder in der Antike, S. 10.

14 Zitiert aus: ebd., S. 9–10.

15 Zitiert aus: ebd., S. 10.

16 Vgl. ebd., S. 9–10 und Behling, Claudia-Maria (2016): Kinderdarstellungen in der Spätantike und im frühen Christentum, S. 14–15.

17 Vgl. Fusco, Sandro-Angelo (1982): Familie und Erziehung in der römischen Antike, S. 13.

18 Zitiert aus: Harlow, Mary; Laurence, Ray (2002): Growing up and growing old in Ancient Rome. A life course approach. 1. publ. London: Routledge, S. 37.

19 Zitiert aus: Behling, Claudia-Maria (2016): Kinderdarstellungen in der Spätantike und im frühen Christentum. Dissertation. Phoibos-Verlag; Phoibos-Verlag für Geisteswissenschaft, Wien, S. 12.

20 Zitiert aus: Harlow, Mary; Laurence, Ray (2002): Growing up and growing old in Ancient Rome, S. 38.

21 Vgl. ebd., S. 37 und Behling, Claudia-Maria (2016): Kinderdarstellungen in der Spätantike und im frühen Christentum, S. 12.

22 Zitiert aus: ebd., S. 39.

23 Zitiert aus: Harlow, Mary; Laurence, Ray (2002): Growing up and growing old in Ancient Rome, S. 40.

24 Vgl. ebd.

Details

Seiten
24
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783346473516
ISBN (Paperback)
9783346473523
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Erscheinungsdatum
2021 (August)
Schlagworte
erziehung schule kultur
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Titel: Erziehung und Schule in der römischen Kultur