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Nonverbale Kommunikation in der psychosozialen Versorgung. Menschen lesen können

Akademische Arbeit 2019 14 Seiten

Pädagogik - Sozialpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen von nonverbaler Kommunikation
2.1 Begriff von nonverbaler Kommunikation
2.2 Bedeutung und Deutung von nonverbalen Botschaften

3 Bedeutung von nonverbaler Kommunikation in der psychosozialen Beratung
3.1 Stellenwert von nonverbaler Kommunikation im Beratungssetting
3.2 Empfehlungen für Fachkräfte der psychosozialen Beratung zur Deutung von nonverbaler Kommunikation

4 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Kommunikation setzt sich aus verbalen und nonverbalen Elementen zusammen. Während sich der verbale Aspekt auf die Sprache bzw. den Wortinhalt bezieht, umfasst die nonverbale Kommunikation Gestik, Mimik, Sprachmuster, Körpersprache, Haltung, Proxemik, ideomotorische Bewegungen, diverse Körperreaktionen und andere Elemente. Verbale und nonverbale Elemente ergänzen einander; es wäre unmöglich, ohne nonverbalen Aspekt zu kommunizieren. Gerade nonverbale Elemente sorgen für die entsprechende Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft von kommunikativen Botschaften (vgl. Nonverbale Kommunikation.ch, 2019).

Das Wissen um die nonverbale Kommunikation und die Möglichkeit, diese zu deuten, bringen Menschen zahlreiche Vorteile. Wer die nonverbale Kommunikation wirkungsvoll lesen, interpretieren und steuern kann, erzielt einen größeren Erfolg im Leben (vgl. Golemann, 1995, S. 13 ff.). Die Fähigkeit, nonverbal zu kommunizieren, trägt zur Entwicklung von Empathie und zur Verbesserung von zwischenmenschlichen Beziehungen bei. Dies ist besonders wertvoll in den Zeiten der Digitalisierung, wenn die Kommunikation immer seltener offline abläuft und es immer schwieriger wird, andere Menschen zu verstehen. In einem solchen Kontext spielen die nonverbale Kommunikation und das nonverbale Verhalten eine immer größere Rolle (vgl. Navarro, 2011, S. 21).

Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Arbeit dem Wesen und Stellenwert der nonverbalen Kommunikation. Dabei wird insbesondere der Beratungsbereich fokussiert. Die Forschungsfrage lässt sich wie somit wie folgt formulieren: Welche Bedeutung kommt der nonverbalen Kommunikation in der psychosozialen Beratung zu? Um die Forschungsfrage zu beantworten, werden zunächst die Definition und die Grundlagen der nonverbalen Kommunikation erläutert. Anschließend werden Möglichkeiten zur Deutung von nonverbaler Kommunikation aufgezeigt. Darauf aufbauend wird auf die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation in der psychosozialen Beratung eingegangen. Die Arbeit wird auf Basis der Analyse von wissenschaftlicher Literatur erstellt und ist theoretisch ausgerichtet.

2 Grundlagen von nonverbaler Kommunikation

2.1 Begriff von nonverbaler Kommunikation

Der Begriff „nonverbale Kommunikation“ wurde zum ersten Mal im Jahr 1956 von Jürgen Ruesch und Weldon Kees als Bezeichnung für teils unbewusste Körpersignale im psychotherapeutischen Setting verwendet. Ganz schnell hat das Konzept von nonverbaler Kommunikation auch in anderen Disziplinen eine Beachtung gefunden, indem dieses unterschiedlich aufgegriffen und geprägt wurde. Seitdem wird der Begriff von nonverbaler Kommunikation in der Linguistik, Kommunikationswissenschaft und Kulturanthropologie breit diskutiert (vgl. Albert, 2017, S. 479).

Die nonverbale Kommunikation schließt solche Elemente wie Körperhaltung, Gestik, Mimik, Blickkontakt, Berührungen, Geruchsinformationen, Position, Distanz, etc. ein. Weitere Zeichen der nonverbalen Kommunikation sind Kleidung, Körperpflege, Frisur, Körperschmuck, Geschenke sowie graphische und farbliche Symbole. Die Spezifik der nonverbalen Kommunikation erschließt sich in deren Spontaneität – in den meisten Fällen lässt sich die nonverbale Kommunikation kaum kontrollieren. Nonverbale Botschaften beziehen sich auf anwesende Personen bzw. aktuelle Sachverhalte. Als Bestandteil der Kommunikation bilden nonverbale Elemente eine Einheit mit sprachlichen Äußerungen, können aber ihre Wirkung auch alleine ausüben. In allen Kulturen kommt auf die nonverbale Kommunikation 70 Prozent der Verständigung zu. Dabei kann das Verhältnis zwischen verbalen und nonverbalen Informationen sehr unterschiedlich ausfallen: Verbale Botschaften können durch nonverbale Signale sowohl gelenkt als auch verstärkt (und sogar ersetzt) werden. Nonverbale Botschaften bringen Emotionen zum Ausdruck und werden bewusst in Situationen eingesetzt, in denen eine sprachliche Verständigung nicht möglich bzw. nicht angemessen ist. Nonverbale Botschaften zeichnen sich durch die Uneindeutigkeit aus und können auf verschiedene Weisen interpretiert werden, sodass es für viele Menschen schwierig ist, angemessene Reaktionen auf diese Botschaften zu erbringen. Nonverbale Botschaften werden immer ausgesendet, auch wenn Kommunikationspartner kein Interesse an der Kommunikation aufzeigen, und sind nicht immer steuerbar. Grundsätzlich wirken sich nonverbale Botschaften glaubwürdiger und wahrhaftiger als verbale Mitteilungen aus (vgl. Broszinsky-Schwabe, 2011, S. 117 f.).

Lange Zeit wurde mit dem Kommunikationsbegriff lediglich der Austausch von verbalen Botschaften assoziiert, sodass die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation deutlich unterschätzt wurde. Inzwischen ist es deutlich geworden, dass sich die interpersonale Kommunikation nur teilweise aus verbalen Botschaften zusammensetzt. Zur Etablierung dieser Ansicht hat unter anderem die von Watzlawick formulierte Prämisse der nonverbalen Kommunikation verholfen: „Wir können nicht nicht kommunizieren. Kommunikation findet immer statt, wo Menschen als soziale Wesen zusammen sind. Unser Körper verrät uns.“ (Watzlawick et al., 1974, S. 53) Nach dieser Prämisse bestimmt der Beziehungsaspekt den inhaltlichen Aspekt der Kommunikation und gewinnt somit verstärkt an Bedeutung. Nonverbale Signale werden schneller, automatischer und unbewusster im Vergleich zu verbalen Signalen gesendet, decodiert und encodiert. So kommen jene Gefühle und Einstellungen nonverbal zum Ausdruck, die verbal gar nicht ausgedrückt werden könnten. Demnach haben nonverbale Botschaften eine besonders starke Wirkung und vermitteln validere Informationen, auch wenn sie schwieriger interpretierbar sind (vgl. Schäfter, 2010, S. 119).

Die Schwierigkeit, nonverbale Botschaften zu interpretieren, lässt sich auf den Kommunikationsablauf und dessen Bestandteile zurückführen. Der Kommunikationsablauf umfasst folgende Elemente: den Sender der Botschaft, die Botschaft an sich bzw. die darin enthaltenen Informationen, den Empfänger der Botschaft bzw. den Adressaten, den Kommunikationsausdruck (verbale und nonverbale Verhaltensweisen), den Kommunikationskanal, die Kommunikationsintention bzw. -motivation und den Kommunikationseffekt (Informationsverarbeitung, Eindruck, etc.). Bei der nonverbalen Kommunikation sind in erster Linie die Botschaftsinhalte, die Kommunikationsabsicht, der Kommunikationsausdruck und der Kommunikationseffekt besonders kritisch zu betrachten, da sie nicht eindeutig identifizierbar sind. So ist es schwierig, den Inhalt einer nonverbalen Botschaft zu interpretieren, wobei auch die Mitteilungsabsicht häufig unklar ist. Darüber hinaus lassen sich die Ausdrucksverhaltensweisen und der Eindrucksprozess nur schwierig beschreiben (vgl. Lasswell, 1948, S. 32-51).

Nonverbale Reize erfüllen mehrere Funktionen. Sie helfen nicht nur beim Gefühlsausdruck, sondern auch bei der Mitteilung von eigenen Einstellungen, bei der Kommunikation der eigenen Persönlichkeitseigenschaften und bei der Erleichterung der verbalen Kommunikation. Nonverbale Kommunikationsreize spielen auf verschiedene Weisen miteinander zusammen und vermitteln somit eine Unmenge von Informationen. Die nonverbale Kommunikation erfolgt über mehrere Kanäle gleichzeitig, sodass gerade die Beobachtung von verschiedenen nonverbalen Reizen (Blick, Körperhaltung, Stimme, Berührungen, etc.) bei der Dekodierung von nonverbalen Botschaften hilft. Es gibt Menschen, die ein Talent haben, nonverbale Reize richtig zu dekodieren, während anderen (z. B. introvertierten Personen) dies besonders schwerfällt (vgl. Aronson et al., 2004, S. 103-111). Trotzdem herrscht in der wissenschaftlichen Community immer noch eine Unsicherheit hinsichtlich der Deutung von nonverbalen Botschaften vor. Auf dieses Problem wird im Kapitel 2.2 näher eingegangen.

2.2 Bedeutung und Deutung von nonverbalen Botschaften

Die Erforschung der Bedeutung und Deutung von nonverbalen Botschaften befindet sich im Vergleich zu Untersuchungen von Sprachbotschaften noch an deren Anfängen. Die Situation wird dadurch erschwert, dass es fraglich bleibt, ob verschiedene Ausdrucksformen der nonverbalen Kommunikation bzw. des nonverbalen Verhaltens angeboren bzw. universell sind oder sich von Menschen zu Menschen (bzw. von Kultur zu Kultur) unterscheiden. Heutzutage wird davon ausgegangen, dass viele mimische Ausdrucksformen universell gültig sind, wobei allerdings auch kulturspezifische Differenzen vorliegen. Einzelne nonverbale Signale werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich präzisiert bzw. konkretisiert, sodass Menschen lernen, in welchen Situationen und mit welchen Konsequenzen diese Signale verwendet werden können. Das Wissen über die kulturelle und soziale Spezifik der nonverbalen Kommunikation hilft, zahlreiche Missverständnisse zu vermeiden und nonverbale Signale richtig zu deuten. Dies ist umso wichtiger, wenn universale nonverbale Signale ein Erkennen von Ähnlichkeiten erzeugen, aber wegen der kulturellen Unterschiede falsch interpretiert werden. Besonders sensibel in dieser Hinsicht sind folgende nonverbale Bereiche: die physische Erscheinung, die Art der Raumnutzung, die Art der Nutzung von Stimme und die Berührungsintensität (vgl. Broszinsky-Schwabe, 2011, S. 119 f.).

In Bezug auf die Bedeutung und Interpretation von nonverbalen Botschaften wird in der Theorie und Praxis der Kommunikation die 55-38-7-Regel diskutiert. Diese Kommunikationsregel geht auf den amerikanischen Psychologen Albert Mehrabian zurück, der sich mit verschiedenen Kommunikationsformen befasst hat (vgl. Halla-Heißen, 2017, S. 68). Laut Mehrabian beruht die Kommunikation zu 55 Prozent auf Körpersprache (Körperhaltung, Gestik, Mimik und Augenkontakt), zu 38 Prozent auf paraverbalen Elementen (hauptsächlich Stimme: Tonfall, Artikulation und Betonung) und nur zu 7 Prozent auf der verbalen Kommunikation (vgl. Mehrabian und Ferris, 1967, S. 248-252). Die 55-38-7-Regel wird in der Abbildung 1 dargestellt.

Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen von der Redaktion entfernt.

Abbildung 1. 55-38-7-Regel nach Mehrabian (unternehmen-erfolgreich.com)

Laut der 55-38-7-Regel kommt der nonverbalen Kommunikation der höchste Stellenwert zu. Nur wenn verbale und nonverbale Komponenten miteinander übereinstimmen, kann die Botschaft eine ehrliche und nachhaltige Wirkung entfalten. Bei Widersprüchen zwischen verbalen und nonverbalen Komponenten ist die Kommunikationswirkung deutlich geringer (vgl. unternehmen-erfolgreich.com, 2020). Darüber hinaus wurde von Mehrabian und Ferris (1967) festgestellt, dass die Mimik einen stärkeren Einfluss als der Ton auf die subjektive Bewertung eines Menschen hat, ob er gemocht wird oder nicht. Gleichzeitig ist der Ton einflussreicher als der Inhalt einer Botschaft. Wenn jegliche Inkongruenzen zwischen verbalen und nonverbalen Komponenten vorliegen, sind die meisten Menschen imstande, diese sofort zu erkennen (vgl. Mehrabian und Ferris, 1967, S. 248-252).

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Details

Seiten
14
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346354068
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v990748
Institution / Hochschule
Internationale Berufsakademie der F+U Unternehmensgruppe Darmstadt
Note
1,3
Schlagworte
nonverbale kommunikation versorgung menschen

Autor

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