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Die Darstellung des Helden im höfischen Epos

Hausarbeit 1999 24 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Gahmuret
Vorbereitungen für den Zug nach Kanvoleis
Einzug in Kanvoleis
Gahmurets Auftritt

Parzival
Parzivals Jugend
Parzivals Ankunft bei König Arthus
Exkurs: Keye
Wolframs Helden

Erec
Vorgeschichte
Das Turnier zu Tulmein
Der Einfluß Enites
Der Kampf mit Iders

Iwein
Der Kampf mit Askalon
Das Turnier vor Kanvoleis

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einleitung

Auf den folgenden Seiten soll das Auftreten der Helden im höfischen Epos dargestellt werden, welches sich jedoch von Figur zu Figur unterscheidet. Obwohl es in der mittelalterlichen Literatur einen bestimmten Katalog bezüglich Ritterlichkeit der Protagonisten gibt, zeigen diese doch unterschiedliche Aspekte in ihrer Präsentation. Nur König Artus ist unfehlbar, weshalb er in den Epen auch eine Rolle im Hintergrund hat, während die Ritter seiner Tafelrunde durch verschiedene Fehlbarkeiten in ihre Abenteuer verstrickt werden.

Wie sich diese Ritter jedoch innerhalb der Literatur präsentieren ist Brennpunkt des Interesses. Zwar werden sie meist von Anfang an als eindeutige Helden beschrieben und man wird nicht im Zweifel gelassen, daß es sich bei ihnen um die Hauptfigur handelt, doch kann man bei genaueren Hinsehen feststellen, daß ihre Handlungsweise oft gar nicht ritterlich ist. Selbst die noch so perfekt inszenierte Präsentation ihrer Selbst beherbergt einen Mangel, meist aus der Laune des jeweiligen Dichters heraus.

Diese Tatsache ist auf der einen Seite interessant in Bezug auf die Einstellung des Dichters zu dem ihn umgebenden Idealbild an Höfischkeit, auf der anderen Seite in dem Einfallsreichtum, wie jene, welche diese Höfischkeit doch perfekt für das Publikum präsentieren sollten, immer wieder daran scheitern.

Diese Arbeit wurde hauptsächlich auf den Quellen basierend geschrieben und berücksichtigt nur marginal die Bibliotheken füllende Sekundärliteratur zum höfischen Epos. Somit sind alle Aussagen und Meinungen subjektiv und jene des Autors und können mittels profunderen Wissens in Frage gestellt werden. Wo Sekundärliteratur verwendet wurde ist diese auch erwähnt, doch war für den Autor die Frage interessanter, wie man auf diese Texte ohne Hintergrundwissen reagiert, mit jener Vorstellung, welche man sich im Laufe des Studiums vom Rittertum gebildet hat.

Ebenfalls sind hier hauptsächlich Texte mit dem Thema der Artusromane behandelt, da sie ein dichteres Bild abgeben und jeder Dichter die Situation um Artus' Hof unterschiedlich wiedergibt. Ein Vergleich mit anderen Epen, wie der Nibelungensaga, oder den Heldenliedern der Edda, hätte sicher seinen Reiz, würde aber den Umfang dieser Arbeit sprengen und den Autor in dieser kurzen Zeit überfordern. Die Auswahl an Epen mit dem Inhalt der Artussage wurde nach inhaltlichen Gesichtspunkten und am Grade der Bekanntheit der Protagonisten getroffen. Außerdem sollten es typische Âventiurefahrten sein. Tristan, Titurel, Willehalm und all die anderen nicht Berücksichtigten mögen mir verzeihen. Untersucht wurde letztendlich das erste Auftreten eines Helden im jeweiligen Epos (mit Ausnahme Gahmurets), da versucht wurde herauszufinden, ob es für diese Recken gewisse Erkennungsmerkmale gibt. Daß dieses erste Auftreten meist in einem Zweikampf dargestellt wird, spricht für die Bewährungsprobe, welche ein Artusritter ablegen muß.

Gahmuret

Ein vorbildliches Beispiel, wie ein Ritter seinen Rang und sein Auftreten beeindruckend darstellt, ist der Vater Parzivals, Gahmuret.

Nachdem er seine heidnische Gattin Belakane in Zazamanc zurückläßt, um wieder aufâventiure zu ziehen, verschlägt es ihn nach Toledo, wo er seinen Vetter Kaylet besuchen will. Dieser ist jedoch nicht dort, wo Gahmuret ihn vermutet, sondern befindet sich bei einem Turnier, dâ man niht schilde dorfte sparn.1 Für Gahmuret steht es natürlich außer Frage, daß er und seine Gefolgschaft sich sofort auch auf den Weg zu diesem Turnier machen und er trifft alle Vorbereitungen für dieses Unternehmen. Diese Vorbereitungen werden jedoch bereits bewerkstelligt, noch bevor Gahmuret sich auf den Weg nach Kanvoleis macht, damit sie ihm bei seiner dortigen Ankunft einen standesgemäßen Einzug erlauben.

Vorbereitungen für den Zug nach Kanvoleis

Obwohl sie ichn weiz wie lange2 reiten mußten um den König Spaniens zu finden, wurden sämtliche Utensilien, welche man für ein respekteinflößendes Auftreten benötigt, bereits vor der Abfahrt hergestellt. Besonders erwähnt werden die speren, welche ja das am meisten benötigte Gut auf einem Turnier sind. Obwohl es ihr Schicksal ist in der Tjost zerbrochen zu werden, legt Gahmuret viel Wert darauf, daß seine Turnierlanzen so prachtvoll ausgestattet werden, daß alle davon erstaunt waren.3

Die Turnierlanzen spielen in der Literatur überhaupt meist eine wichtige Rolle, welche auch mit einem Hang zum Mythos und zur Sentimentalität behaftet ist. So hebt sich Erec in seiner Tjost mit Iders den Speer seines Schwiegervaters bis zum Schluß auf, um dann mit eben diesen Speer Iders vom Pferd zu stoßen. Hartmann begründet dieses Ende der Tjost zwar damit, daß die Lanze grôz und gedigen was4, doch nicht ohne zuvor auf den sentimentalen Hintergrund für dieses Aufsparen hinzuweisen.

Gahmurets Lanzen sind weniger mit Sentimentalität behaftet, als mit dem Willen Eindruck zu schinden. Einhundert solcher Lanzen wurden vorbereitet, jede einzelne gefärbt und mit Hermelin und grünen Stoffstreifen versehen5.

Diese Anzahl von Lanzen zeigt, daß Gahmuret nicht mehr nur in Spanien ist um Kaylet zu besuchen und er auch gar nicht vorhat, nur zu diesem Turnier zu reiten um Kaylet zu finden, vielmehr will er aktiv daran teilnehmen und zwar als einer der am höchsten angesehenen Ritter. Und wenn ein Ritter hundert Lanzen für ein Turnier anfertigen läßt, so ist er auch im Begriff sich mit allen Gegnern dort zu tjostieren, obwohl diese große Anzahl an Speeren auch wieder eine respekteinflößende Wirkung hat und man vielleicht gar nicht alle Lanzen aufbrauchen muß, da einige schon vor der eigentlichen Tjost klein beigeben werden.6

Auch für Gahmuret werden diese Vorbereitungen ein erster Schritt zum Erfolg sein

Einzug in Kanvoleis

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren und man auch die Gegend gefunden hatte, in welcher sich Kaylet aufhalten sollte, mußte Gahmuret feststellen, daß tatsächlich viele Ritter dem Aufruf zu diesem Turnier gefolgt waren. Bei ihrer Ankunft waren bereits so viele Zelte der anderen Ritter aufgeschlagen, daß Gahmuret den cluogen meisterknappen7 vor schickte um den Platz für das Prunkzelt des Isenhart zu finden, welches Gahmuret an sich bringen konnte. Dieser fand auch tatsächlich einen geeigneten Platz, obwohl schilde waern sîn ander dach, und die wende gar behangen mit spern al umbevangen.8

Somit einigen sich die Kappen darauf das Zelt unterhalb des Palastes aufzuschlagen, so daß die Königin und ihre Damen dem Treiben zusehen können. Während die anderen Ritter in der Anonymität verschwinden, da sie dicht nebeneinander und für die Königin nicht unterscheidbar ihr Lager aufgeschlagen haben, kann Herzeloyde, welche das Turnier ausgerufen hat, jede Tätigkeit von Gahmurets Knappen sehen, wenn sie dabei sind das wahrlich imposante Zelt aufzubauen.

mit arbeit wart ûf geslagen/daz drizec soumaer muosen tragen,/ein gezelt: daz zeigte rîcheit./ouch was der plân wol sôbreit,/daz sich die snüere stracten dran.9

Wie schon die Lanzen präsentieren auch diese Prachtzelte den Ruhm desjenigen der sie besitzt. Je größer und prunkvoller sie sind, desto mehr wird ihr Inhaber geschätzt und desto mehr wird danach getrachtet sie in den eigenen Besitz zu bringen. Man denke in der Geschichte nur an das Zelt des Kara Mustafa, welches die Wiener nach der zweiten Türkenbelagerung erbeuteten. Wie wichtig den jeweiligen Rittern und Königen ihre fahrende Unterkunft ist, zeigt sich bei „Daniel von dem blühenden Tale“, wenn der von Matur geschickte Riesenbote die Unterkunft seines Herren beschreibt.

Mein Herr ist auf vielerlei Art ausgezeichnet: Wohin immer er sich begibt, wie große Tagreisen er auch unternimmt, immer folgt ihm sein Palast. Diese Ehre, daß sein Palast mit ihm gehe, kann kein anderer König beanspruchen. [...] Nun gibt es in dem Land erfahrene Meister, die zwei Elefanten zusammenkoppeln lassen, jedoch so, daß sie einander nicht berühren können. Sie lassen den Wald schlägern und machen aus dem Holz stabile Balken und bauen diese zwischen den Elefanten oberhalb des Bauches und unterhalb der Kruppe zusammen. Was da liegt, hält ewig, denn sie binden es so fest, daß es unter keiner Last nachgeben kann - nichts kann sich dem vergleichen, diese Technik hat sich am besten bewährt - und darüber errichten sie eine Burg aus Marmor und sogar Elfenbein.10

Benötigt Isenharts Prunkzelt dreißig Pferde, so können die Paläste des König Matur nur mittels zweier Elefanten bewegt werden und haben zusätzlich den Vorteil, daß sie nicht immer wieder neu aufgebaut werden müssen. Diese Tatsache bringt dem jeweiligen Besitzer Ehre, wie es der Bote auch extra betont.

Einmal von der maßlosen Übertreibung abgesehen, mit welcher die Standhaftigkeit der Elefanten beschrieben wird, zeigt dieser Vergleich doch, wie schwierig es war in diesem Konkurrenzkampf mithalten zu können.

Der Stricker hat seinen Daniel hundert Jahre nach Gahmurets erstem Auftreten geschrieben und mußte zu Mitteln greifen, welche die bereits erschienene Literatur in den Schatten stellten. Man verlangte nach einem Mehr an Schilderung, nach immer neuen Eindrücken.

Doch mußte vom Schreiber auch berücksichtigt werden, daß jeder König der gegen Artus bestehen wollte sich etwas Außergewöhnliches einfallen lassen mußte, da Artus' Hof selber ja schon außergewöhnlich war. Gleiches galt natürlich für jene, welche nicht in Königswürde standen, sondern welche sich aus der Vielfalt von Figuren herausheben mußten. Somit kann an dieser Stelle schon gesagt werden, daß man als Held im mittelalterlichen Epos sich nicht darauf beschränken konnte höfisch zu sein und Mut im Kampf zu zeigen, man mußte genauso auf die Umstände achten, welche einem umgaben, seien das nun Lanzen oder Zelte. Gahmuret wäre selbst als König von Zazamanc nur einer von vielen Rittern gewesen, welche vor Kanvoleis lagerten, hätte er seine Ankunft nicht spektakulär gestaltet. Er läßt seine Knappen den geeignetsten Platz suchen und dann vor den Augen von Herzeloyde sein Lager errichten.

Dieser entgeht die Ankunft des fremden Ritters natürlich nicht und sofort fragt man sich in Kanvoleis wer er wohl sei. Nachdem sie von einem Pagen erfährt, daß seine Gefolgsleute heidensch und franzoys11 sind, sich höfisch benehmen und ihr Herr wohl der König von Zazamanc sei, wird sie noch einmal auf die Pracht des Zeltes hingewiesen.

>âvoy welh ein poulûn!/iuwer crône und iuwer lant/waern dervür niht halbez pfant.</>dune darft mir mirz sôniht./mîn munt hin wider dir des giht,/ez mac wol sîn eins werden man,/der niht mit armüete kann.<12

Herzeloyde ist sich zwar der Übertreibung ihres Dieners bewußt, trotzdem gewahrt sie, daß hier ein ganz außergewöhnlicher Mann angekommen ist. Dieser hat sich jedoch bis jetzt jedoch noch blicken lassen. So wie Gahmuret noch vor der Weiterreise die Lanzen schmücken ließ, läßt er auch jetzt erst sein Lager aufbauen, bevor er selber in Erscheinung tritt. Wolfram erzählt sogar, daß er noch ein kleines Mahl einnimmt, bevor er seine Person zu erkennen gibt.

Gahmuret hat also alle Trümpfe in der Hand und er hat sogar die Kaltschnäuzigkeit zu frühstücken, bevor er sich auf den Weg in die Stadt macht. Herzeloyde fragt bereits :“w ê wan kumt er et selbe drîn? “ 13 womit Gahmuret sein eigenes Präsentieren beginnen kann. Anstatt selbst in Prunk einzureiten läßt er zuvor die Vorbereitungen dafür treffen, um dadurch die Spannung und die Neugier zu steigern. Bei seinem eigentlichen Einzug geht er jedoch nicht mehr so subtil vor. höfslîchen durch die stat/der helt begunde trecken,/die slâfende wecken./vil schilde sach er schînen./die hellen pusînen/mit crache vor im gâben dôz./von würfen und mit slegen grôz/zwên tambûre gâben schal:/der galm über al die stat erhal./der dôn iedoch gemischet wart/mit vloytieren an der vart:/ein reisenote si bliesen.14

Gahmuret versteht es also die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Jedoch tut er das nicht nur mit akustischen Mitteln, sondern auch mit visuellen.

Gahmurets Auftritt

dôleite der degen wert/ein bein vür sich ûf daz pfert,/zwên stivâl über blôziu bein./sîn munt als ein rubîn schein/von roete als ob er brünne:/der was dicke und niht ze dünne./sîn lîp was allenthalben clâr./lieht reideholt was im sîn hâr,/swâ manz vor dem huote sach:/der was ein tiure houbetdach./grüene samît was der mandel sîn:/ein zobel dâ vor gap swarzen schîn,/ob einem hemde daz was blanc.15

Gahmuret spielt also den Hahn von Kanvoleis und das gleich im doppelten Sinne.

Auf der einen Seite weckt er alle noch Schlafenden auf, damit sie nicht darum gebracht werden seinen Einzug zu Bestaunen, auf der anderen Seite präsentiert er neckisch sein nacktes Bein, um seine Jugend und seine Stärke zu präsentieren. Gahmuret kann zur dieser Zeit nicht sehr viel älter sein als 16 Jahre, da wir erfahren, das sein Gesicht noch bartlos ist und bei dem Turnier noch der Vater von Artus, Utepandragûn mitkämpft. Somit ist er einer der jüngsten prominenten Teilnehmer dieses Turniers und einer der aussichtsreichsten Kandidaten für das Erlangen von Herzeloydes Hand. Er ist auch tatsächlich der Hahn im Korb, den wie man später noch erfahren wird, sind alle Mitkonkurrenten bereits gebunden und eigentlich gar nicht berechtigt sie zu gewinnen. Gahmuret selbst wäre ja auch gebunden, doch ist er entschuldbar gebunden, da Belakane ja doch nur eine Heidin ist.16 Daß sie verzweifelt versucht zum christlichen Glauben überzutreten, um Gahmuret halten zu können, kümmert diesen jedoch recht wenig, ebenso wie der gemeinsam gezeugte Sohn Feirefiz, den ein Wunder der Natur sowohl schwarz als auch weiß von Hautfarbe gestaltet hat.

Gahmuret präsentiert sich bei seinem Einzug in Kanvoleis recht frivol, aber auch recht protzig. Seine Knappen trugen die vorbereiteten Lanzen mit sich, während neben ihm die Fiedler ihren Marsch blasen. Seine Garderobe ist nur von feinsten Stoff. Er spielt jedoch mit seiner Erscheinung, da er nur soviel offenbart, daß man neugierig, aber nicht übersättigt wird. Wie er mit der Entblößung seines Beines seinen Körper zur Schau stellt, jedoch nur ein winzigen Teil, passiert dasselbe mit seiner Lockenpracht, welche unter seinem Hut „hervorquillt“.

Man soll also nicht nur seine Kleider, sondern auch seinen Körper bewundern, jedoch nur im gesitteten Maße. In seiner Präsentation ist nichts dem Zufall überlassen und alle neckischen Anspielungen sind so abgewogen, daß sie sich nicht ins negative Gegenteil wenden, wie dies bei seinem Sohn Parzival geschehen soll. Dazu aber weiter unten.

Und sein Auftritt zeigt Wirkung, den von schouwen wart dâ grôz gedranc.17 Mit welcher Lässigkeit er jedoch die anderen Ritter auch beeindruckt, im Angesicht der Königin wird sich Gahmuret sofort wieder seiner höfischen Art bewußt. Er gibt sein

Bein wieder dorthin, wo es sich eher ziert und ûf rihte sich der degen wert, als ein vederspil, daz gert.18

Gahmuret versteht also sehr wohl was sich gehört und er weiß genau wie weit er gehen darf.

Jene Handlungen, welche wir von ihm erfahren sind alle mit Kalkül geplant, bereits beginnend mit seinem Auszug aus seinem Heimatland Anjou.

In Gegenwart von Königinnen ist er höfisch, in Gegenwart von anderen Rittern, egal welchen Ranges und Ansehen provozierend herablassend. Er gibt seinem Sohn Parzival, welchen er mit Herzeloyde zeugen wird, sehr viel vor, doch Parzival kann dieser Vorgabe schon wegen seiner anderen Erziehung durch Herzeloyde, nicht stand halten.

Parzival

Gahmuret gewinnt das Turnier von Kanvoleis und die Hand von Herzeloyde und führt danach ein erfolgreiches, wenn auch kurzes Leben. Bei der Schlacht um Bagdad fällt er jedoch und Herzeloyde, welche bereits mit Parzival schwanger ist, droht ebenso an zerbrochenen Herzen zu vergehen. Man bringt sie jedoch wieder zur Besinnung und sie gebärt Parzival.

Parzivals Jugend

Immer noch vor lauter Leid über den Tod seines Vaters verbrämt, zieht sie sich mit Parzival und ihrer Gefolgschaft ûz ir lande in einen walt,/zer waste in Soltâne19 zurück, wo Parzival heranwuchs. Ihren Dienern gebot sie aber dem Jungen nichts vom Rittertum zu erzählen.

ê daz sich der versan/ir volc si gar vür sich gewan:/ez wære man oder wîp,/den gebôt si allen an den lîp,/daz si immer ritters wurden lût./>wan vriesche daz mîns herzens trut,/welh ritters leben waere,/daz wurde mir vil swaere./nu habt iuch an der witze craft,/und helt in alle ritterschaft.</der site vuor angestlîche vart.20

Wenn Herzeloyde so krampfhaft versucht ihren Sprößling vom Rittertum abzuhalten, agiert sie verblendet, da sie ja selbst genau wissen müßte, daß Parzival geboren wurde um aufâventiure zu gehen. Sie gesteht sich selbst nicht ein, daß mit ihm ein großer Ritter heranwächst, obwohl sie das immer wieder feststellen muß. Bereits nach ihrem ersten Schock über Gahmurets Tod vergewissert sie sich, daß Parzival ein "rehter degen" werden wird.

dôdiu küngîn sich versan/und ir kindel wider ze ir gewan,/si und ander vrouwen/begunden betalle schouwen/zwischen den beinen sîn visellîn./er muose vil getriutet sîn,/do er hete manlîchiu lit.21

Wenn nun ein Kind mit solchen Attributen ausgestattet ist, so ist klar, daß es nicht als Bauer oder Mönch taugen wird, sondern sein Streben, nach dem Dichter seinem Willen, zur Minne geht. Der Leser wird auch gar nicht in dem Unglauben Herzeloydes gelassen, da Wolfram unzählige Male betont, daß Parzival einer der größten Ritter werden wird. Somit dient Herzeloydes Verfahren mit ihm besonders mir, um Parzival als Gegenbeispiel zu Gahmuret anzuführen.

Nachdem er keine höfische Erziehung genießt und weltfremd aufwächst, ist seine erste Begegnung mit Rittern auch eine für ihn prägende. Er hält sie für Götter, da Herzeloyde es wenigstens nicht unterlassen hat, ihn in den Glauben der katholischen Kirche einzuführen. So sehr angetan von dem Eindruck, den diese Ritter auf ihn hinterlassen haben, beschließt Parzival den Hof des Königs Artus aufzusuchen, welcher in Nantes weilte.

Obwohl Herzeloyde über diesen Beschluß entsetzt ist, kann sie den Wunsch ihres Sohnes nicht verhindern, sie versucht jedoch alles, um ihn wieder zu sich zurückzubekommen. Als ersten Schritt dazu, kleidet sie ihn unstandesgemäß.

diu vrouwe nam ein sactuoch./si sneit im hemde und bruoch,/daz doch an eime stücke erschein,/unz enmitten an sîn blankez bein./daz wart vür tôren cleit erkant. Ein gugel man obene drûfe vant./al vrisch rûch kelberîn/von einer hût zwei ribbalîn/nach sînen beinen wart gesniten.22

Gahmurets nackte Beine wirken erotisierend, bei Parzival zeichnen sie ihn als Narren aus. Die Parallelen zwischen Vater und Sohn sind mit umgekehrten Vorzeichen gegeben. Wenn der Vater genau vorgezeigt hat, wie man als ehrenwerter Ritter Eindruck schindet, so ist sein Sohn anfangs nur eine schlechte Kopie. Parzival erinnert Herzeloyde zwar an Gahmuret, doch versucht sie alles, damit er nicht in seine Fußstapfen treten kann. Somit nimmt sie aber auch in Kauf, daß er sich der Lächerlichkeit preisgibt, wenn er wie ein Narr gekleidet ausreitet. Parzival ist gewissermaßen der Vorgänger von Don Quijote, welcher seinem Traum folgt ein fahrender Ritter zu werden. Zwar wissen wir, daß es Parzival letztendlich gelingt, doch liegt vor ihm ein steiniger Weg.

Parzivals Ankunft bei König Arthus

Wolfram entschuldigt sich schon im vorn hinein für dieses Auftreten von Parzival, mit welchem er ihn zu Artus schickt. Er droht jedoch auch, daß er die Figuren von Hartmann mit Spott bedecken wird, wenn man Parzival zu sehr verhöhnt.23 Somit sichert sich Wolfram gleichzeitig beim Publikum ab, als auch bei seinen Dichterkollegen, wenn er Parzival bewußt als „dummen Jungen“ dastehen läßt, der seine Metamorphose noch vor sich hat. Doch rühmt diese Art von Metamorphose zum edlen Ritter Parzival mehr, als beispielsweise Iwein, welcher wahnsinnig werden muß, oder Erec, welcher seinen ritterlichen Pflichten untreu wird. Parzival trägt immerhin keine Schuld an seinem Benehmen, da er es nicht anders kennt, damit wird ihm auch eher verziehen, als einem Edelmann, welcher in Ungnade fällt und diese wieder aufarbeiten muß. Die Ungnade Parzivals ist natürlich groß, da allen denen, welchen er auf seinem Weg zu Artus begegnet, Schaden zukommt, angefangen mit dem gebrochenen Herzen seiner Mutter, bis zur Ermordung Ithers. Wenn jedoch Iwein, wegen seiner Vergeßlichkeit gegenüber Laudine, tatsächlich wahnsinnig wird, so hält man Parzival aufgrund seiner Verhaltensweise nur für wahnsinnig.

Jeder höfische Ritter , der etwas auf sich hält würde sich nicht so benehmen wie sich Parzival benimmt. Wolfram vergißt auch nicht den Vergleich zu Parzivals Vater zu suchen. Wenn er die Ausrüstung von Parzival beschreibt, als er sich auf den Weg zu Artus macht, meint er in Bezug zu Gahmuret: des site man gein prîse maz,/sîn vater was gecleidet baz/ ûf dem teppich vor Kanvoleiz.24

Wolfram sucht somit Einsehen beim Publikum für Parzivals Verhalten, auf der anderen Seite hält er aber die Vorbildwirkung von Gahmuret aufrecht. Parzival wird absichtlich als Gegenbeispiel gezeichnet und Wolfram vergißt nicht zu betonen, daß er ein Tor ist, den seine Mutter absichtlich im Narrenkostüm in die Welt geschickt hat.

Auf Artus macht dieses Narrenkostüm jedoch keinen Eindruck, als gutmütiger König verspricht er Parzival, ihn als Ritter aufzunehmen, egal was für ein Verhalten er an den Tag legt. Jedoch ist auch die Schilderung von Artus' Hof eine Farce, da sich hier nichts so höfisch und großartig benimmt, wie man es erwarten sollte.25 Vielmehr regiert das Chaos und selbst der tumbe Parzival kann den König in diesem Chaos nicht finden, bis er mit der Nase darauf gestoßen wird. Ebenso seltsam ist der Umstand, daß kein Held der Tafelrunde sich bemüßigt fühlt die Schande Guineveres durch Ither wiedergutzumachen und man den Bauerntölpel Parzival auf ihn ansetzt, nachdem Artus ihm dafür die Rüstung Ithers versprochen hat. Dies geschieht jedoch widerwillig - ein letzter Funken von Größe in Artus' Benehmen - und nur die Provokation Keyes ist dafür verantwortlich, daß Parzival seine standesgemäße Ausrüstung auf so unrühmliche Weise erhält.26

Exkurs: Keye

Keye ist der Provokateur in Artus' Runde, er ist derjenige, den ein künftiger Held in der Tjost besiegen muß, um neuen Abenteuern entgegensehen zu können. Parzival verbindet eine sich durch das ganze Epos hindurch ziehende Fehde mit ihm, doch ist er nicht das einzige Opfer von Keyes Spott.

Als Daniel sich Camelot nähert ist es Keye der ihn als erstes zur Tjost auffordert und er ist auch der erste, der von Daniel besiegt wird. Nur Gawan, Parzival und Iwein können das forsche Auftreten Daniels halbwegs unbeschadet überstehen.27

Doch haben auch diese Drei sich erst dDaniel, doch kommen sie um ihn nicht herum.

Keye ist somit der Numerus Clausus an Artus' Hof, welcher darüber entscheidet ob sich ein Ritter in der Tafelrunde bewährt, beziehungsweise überhaupt aufgenommen wird. Im Fall von Parzival hat er sich jedoch geirrt, wenn er damit rechnet, daß so ein hochgelobter Ritter wie Ither diesem Bauerntölpel schon die Leviten lesen wird.

Wolframs Helden

Mit Gahmuret und Parzival wurden nur exemplarisch zwei Gestalten aus Wolframs Werken herausgenommen, welche sich deswegen sehr gut vergleichen lassen, da sie auf der einen Seite Vater und Sohn sind, auf der anderen Seite in ihrem Auftreten Licht und Schatten darstellen.28 Diese Parallelen in der Verwandtschaft sind von Wolfram durchaus beabsichtigt, genauso wie Gahmurets synchrones Auftreten bei zwei Turnieren beabsichtigt ist.29 Jedoch ist es schwierig ihre Persönlichkeiten fassen zu können, da Wolfram ein sehr eigenes Bild seiner Zeit hat und sich sein Sarkasmus durch seine Werke zieht.

Somit beschreibt er zwar das damalige Denken, doch kann man sich nicht sicher sein, was er davon auch ernst meint. So blumig auch der Einzug Gahmurets in Kanvoleis beschrieben ist, so ironisch sind auch die Andeutungen zu dem ganzen Prunk und Protz. Und wenn Parzival zwar nur ein unerfahrener Junge ist, so fällt er bei einer Attacke Ithers doch auf Blumen und nicht in den Sand30. Damit wird ihm die gleiche Ehre erwiesen wie dem Vater des Artus, der nun doch mehr Ehre und Ruhm haben sollte als der tölpelhafte Parzival.

In den Gahmuret Büchern, wie auch in den ersten Parzival Büchern zeigt Wolfram eine Gesellschaft, welche leicht ihre Höfischkeit verlieren kann, oder bereits verloren hat und mit Parzival einen Protagonisten aufweist, der das genaue Gegenteil des geforderten Benimms repräsentiert.

Somit muß auch Gahmurets Ideal eines Ritters, der sich zu präsentieren weiß, mit kritischen Augen gesehen werden.

Erec

Ein weiterer Held, der wie Parzival seinen ersten Kampf im Turnier mit erbärmlichen Mitteln bestreitet ist Erec. Als Hartmann um 1185 seinen Erec schrieb, war das der erste deutschsprachige Artusroman. Das Thema wurde zwar von Chrestien de Troyes übernommen, doch dichtete Hartmann ziemlich frei und hielt sich nur selten an die französische Vorlage.

Vorgeschichte

Erec wird als Begleiter Guineveres eingeführt, während die übrigen Helden der Tafelrunde sich auf der Jagd nach dem weißen Hirschen befinden. Auf ihrem Spazierritt begegnen sie einem Ritter mit einer Dame und einem Zwerg. Guinevere schickt ein Mädchen aus ihrem Gefolge los, um zu fragen um wen es sich handle. Als Antwort bekommt diese aber nur Gertenschläge. Erec kann diese Schande natürlich nicht ungesehen auf sich ruhen lassen und eilt gleichfalls zu dem Unbekannten, allerdings hat er auch nicht mehr Erfolg. Auf so schmähliche Weise geprügelt, erbittet er von Guinevere Urlaub um den Ritter gegenübertreten zu können. Dieser wird ihm auch gewährt und er folgt, unbewaffnet wie er ist dem fremden Ritter zu einer Burg, wo ein Turnier ausgerufen ist.

Die schönste anwesende Dame soll einen Sperber erhalten und die Dame des Ritters war schon in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich, allerdings nur dank der Waffengewalt des Ritters. Erec hat weder Geld noch Rüstung bei sich, womit er sich genötigt sieht in einer Ruine zu übernachten, in welcher er seine spätere Frau Enite und deren Eltern kennenlernt.

Das Turnier zu Tulmein

Bis hierher hat man von Erec noch nicht mehr erfahren, als das er ein ziemlich junger und unerfahrener Ritter sein dürfte, den seine höfische Art, gekoppelt mit seinem aufbrausenden Temperament auf eineâventiure reiten ließ, welche nun einen Helden konfrontiert, der ihr in keiner Weise gewachsen ist. Für das Turnier um den Sperber fehlt ihm so ziemlich alles, Rüstung, Dame, Erfahrung. Hartmann jedoch will, daß er zumindest Dame und Rüstung bei Koralus bekommt, jenen verarmten Adeligen, welcher in der Ruine seines einstigen Besitzes leben muß.

Nachdem Koralus davon überzeugt ist, daß Erec ihn nicht verspottet, wenn er um die Hand seiner Tochter Enite bittet, verschafft er ihm die Mittel zum Turnierkampf.

Sît irz meinet alsô,/sôhaben wir hie zehant/vil schœnez îsengewant,/beidiu behende unde guot./des kunde mich diu armuot/noch nie betwingen/noch ûf den zwîvel bringen/daz ichs würdeâne,/ichn behieltez nâch wâne,/ob es mînem vriunde würde nôt,/(der selbe wille mirz gebôt/daz ichz im lîhen solde)/[...] er bat im ez zeigen dar,/durch daz er næme war/ob ez im reht wære,/ze enge noch ze swære./dôwas ez behende unde guot./ des gewan er vil rîchen muot, Êrec fil de roi Lac.31

Bei diesen bettelarmen Leuten in der Ruine findet sich also eine Rüstung, welche erstaunlicher Weise Erec so gut paßt, daß sein Herz gleich ganz zuversichtlich für den morgigen Kampf wird. Er muß sich also nicht wie Parzival seine Rüstung durch Mord verdienen, sie wartet mehr oder weniger auf ihn, da Koralus immer damit gerechnet hat, daß einmal ein Held kommen werde, welcher sich ihrer annimmt. Es finden sich also zwei, die Unmögliches erhofft haben. Wenn Gahmuret jeden Schritt für seine Inszenierung im Voraus plant, ist Erec das genaue Gegenteil. Er vertraut auf sein Glück und wird von diesem bestätigt. Diese Bestätigung erlangt er deshalb, weil anscheinend in jedem noch so entlegenen Dorf eine Prinzessin darauf wartet befreit zu werden.

Erecs Prinzessin ist Enite. Was aber macht dieses Mädchen aus, daß Erec ohne zu zweifeln sie zur Frau nimmt und für sie das Leben riskiert, wenn er am nächsten Tag für sie gegen Iders kämpfen soll, dem ja kein guter Ruf vorausgeht?

Der Einfluß Enites

Daß Enite eine wunderschöne Frau ist, an welcher Gott sein ganzes Können bewiesen hat, zeichnet sie noch nicht besonders aus, da das von praktisch jeder Frau gesagt wird, welche mit den Rittern um König Artus erwähnt wird (mit Ausnahme der Gralsbotin Cundrîe, welche aber auch nicht erwähnt wird, um einen Ritter zu freien). Neben ihrer atemberaubenden Schönheit und ihrer adeligen Herkunft, hat Enite aber noch etwas zu bieten, was eine standesgemäße Frau normalerweise nicht offenbart.

der megede lîp was lobelich./der roc was grüener varwe,/gezerret begarwe,/abehære über al./dar under was ir hemde sal/und ouch zebrochen eteswâ:/sôschein diu lîch dâ/durch wîz alsam ein swan.[...] ir lîp schein durch ir salwe wât/alsam diu lilje, dâ si stât/under swarzen dornen wîz.32

Hartmann beschreibt voller Entzücken Enites Körper, welcher unter ihrer verwahrlosten Kleidung durchscheint und er beschreibt ihn so intensiv, daß es fast schon wieder unanständig wirkt. Man fühlt sich in die Rolle eines Voyeurs versetzt, welcher jene Stellen des Gewandes, bei welchen (un)freiwillig die Haut Enites durchscheint, besonders intensiv begutachtet, um den einen oder anderen verbotenen Anblick zu erhaschen.

Dieses dürfte von Hartmann auch beabsichtigt und gefördert sein, da er nicht müde wird darauf hinzuweisen, daz nie kint gewan einen lîp sôgar dem wunsche gelîch.33 Vergleicht man Enites Erscheinung, mit jenen der anderen Frauen, welche die Aufmerksamkeit der Ritter erregen, so nimmt sie sicherlich eine Sonderstellung ein. Von Herzeloyde wissen wir nur, daß sie einen Glanz von Schönheit verstrahlte34.

Jeschute, die erste Frau, welche die Minne Parzivals entzündet, wird da schon lasziver beschrieben, si was geschicket und gesniten,/an ir was künste niht vermiten:/got selbe worhte ir süezen lîp, 35 doch kommen sie nicht an den erotischen Unterton heran, welcher der Beschreibung Enites folgt.

Erec unterläßt es auch ihr neue Kleider zu geben, nachdem er für sie den Sperber gewonnen hat, dies geschieht dann erst durch Guinevere persönlich, nach der Rückkunft an Artus' Hof36. Während dieses Rittes, betrachtet Erec seine erkämpfte Frau genauer und erst hier entflammt sein Herz erst so richtig für sie, welche noch immer ihre zerschlissenen Kleider trägt. Daß Erec seine von Koralus überreichte Rüstung anläßt, zeichnet ihn soweit aus, daß er dadurch seinen Sieg über Iders erhöht, da ihn die Rüstung nicht vollständig bedeckt und manche Stellen bloß läßt. Bei einem späteren Turnier kommt Erec ganz explizit Ehre zu, da er ohne Helm tjostiert, was seinen außergewöhnlichen Mut hervorstreicht37.

Enites Schönheit und partielle Nacktheit, lassen Erec also gegen Iders antreten, gleichsam die Schmach, welche er durch den Zwerg Iders' erfahren hatte.

Der Kampf mit Iders

Erec und Enite müssen einen seltsamen Anblick geboten haben, als sie in Tumlein ankommen. Der Herzog Îmâîn ist auch dementsprechend erstaunt über die beiden und nachdem sie ihm erklärt haben, daß sie Iders den Sieg streitig machen wollen, will er auch sofort Enite bessere Kleidung besorgen.

Êrec der widerredete daz./ er sprach: ,des ensol niht geschehen./ er hæte harte missesehen,/swer ein wîp erkande/niuwan bî dem gewnde./man sol einem wîbe/kiesen bî dem lîbe/ob si ze lobe stât/unde niht bî der wât.38

Hier kommt es zu einem Problem, da Erec Aussagen tätigt, welche so gar nicht in den höfischen Rahmen passen und den Schilderungen Hartmanns widersprechen.

Hartmann erwähnt bei der Beschreibung Enites, daß und wære si gewesen rîch,/sôengebræste niht ir lîbe/ze lobelîchem wîbe.39

Wenn Erec nun meint, daß man eine Frau ihrer Gestalt nach beurteilen soll und nicht wie sie gekleidet ist, so stünde jede attraktive Bäuerin über einer weniger hübschen Dame. Am Hofe Îmâîns weiß keiner von der adeligen Herkunft Enites und auch Erec ist ihnen unbekannt. Erec stellt sich auch nicht weiter vor, womit man die beiden für Bettler halten muß, wie das Iders auch anfangs tut.40 Worin der Zweck für dieses Verhalten Erecs besteht ist unklar. Auf der einen Seite mag er Iders vor seiner wahren Stärke täuschen, indem er ihm als Bettler entgegentritt, auf der anderen Seite fördert er den Exhibitionismus Enites, wenn er wieder ihre Gestalt betont und darauf hinweist, daß man sie danach werten soll. Daß sich die Mehrheit der bei dem Turnier Anwesenden dafür entscheidet, daß Enite die schönere der beiden ist, liegt für mich in ihrer offenkundigen Prostitution.

Doch auch Erec selber zeigt in seiner geborgten Rüstung viel Fleisch.

Bei der tatsächlichen Tjost zwischen Erec und Iders sind die Unterschiede in der Präsentation eindeutig.

zehant schieden si sich dâ/unde wâfenten sich sâ,/der ritter als im wol tohte,/Êrec als er mohte./Îdêrs was wol worden gar:/wan er hete sich gewarnet dar/als man ze ritterschefte sol./sîniu sper wâren geverwet wol./er was gezimieret:/sîn ros was gezieret/mit rîcher kovertiure/(diu was Êrecke tiure)/sîn wâpenroc alsam was,/samît grüene als ein gras,/mit rîchen borten umbestalt./als uns diuâventiure zalt,/sôwas sîn harnasch lobelîch,/er selbe einem guoten ritter gelîch./Êrec ouch dort zuo reit./sîn schilt was alt swære lanc und breit,/sîniu sper unbehende und grôz,/halp er und daz ros blôz,/als imz sîn alter sweher lêch.41

Es kommt hier fast zu einer Tjost zwischen Parzival und Gahmuret, wenn man sich die beiden genauer ansieht. Iders verkörpert den Ritter welcher weiß, was sich bei einem Turnier gehört und der sich dementsprechend darauf vorbereitet hat.

Diese Vorbereitungen traf er, weil er die Erwartung hatte, daß seine Dame wieder konkurrenzlos gewinnen werde, so wie in den zwei Jahren zuvor. Doch konnte sie diesen Sieg nur deshalb einheimsen, weil Iders so eine Macht demonstrierte, daß niemand anderer wagte gegen ihn anzutreten.

Mit einem Halbirren wie Erec hatte er natürlich nicht gerechnet.

Wäre Erec nicht der Held dieses Epos gewesen, so hätte er unter normalen Umständen wohl keine Chance gehabt diesen Kampf zu gewinnen. Seine Ausrüstung ist inadäquat, seine Lanzen veraltet und für seine Hand nicht gemacht und sein Gegner einige Nummern zu groß, da bereits kampferfahrener. Von Erec erfahren wir erst später, daß dies sîn erstiu ritterschaft war, denn wan er begundes vor nie.42

Der Kampf zwischen Iders und Erec währt auch lange und einige Male wird Erec so schwer getroffen, daß man um sein Leben bangen muß.

Nachdem sie sich von vruo unz hin nâ ch mittem tage43 miteinander geschlagen haben, ermatten sie beide und Iders fordert Erec zu einer Verschnaufpause auf, da unser bl œ dez vehten/enzimt niht guoten knehten.44 Iders weiß also wie man sich als Ritter zu benehmen hat und er erwirkt auch den Kampf zu unterbrechen, bevor er dem Geschlecht der Ritter Unehre macht. Auch Erec ist darüber erfreut, aber das Angebot kam von Iders, welcher doch mehr Ritter ist als der unerfahrene Erec.

Als der Kampf schließlich fortgesetzt wird, kann man lange Zeit nicht ersehen, wer letztendlich als Sieger dastehen würde. Erst als sich Erec daran erinnert, daß der Zwerg Iders ihn geschlagen hatte und er die sch œ nen vrouwen Ê nîten45 sah, verdoppelt sich seine Kampfkraft und Iders kann nichts mehr dagegen setzen. Erec gewinnt also aus folgenden Gründen, obwohl er eigentlich der Verlierer sein müßte:

- Er ist der Held der Geschichte
- Er erinnert sich an seine Schmach durch Iders
- Er sieht die Reize Enites, welche er genießen will

Iwein

Ein Spezialist für langanhaltende Turniere ist Iwein. In seiner Geschichte trifft er gleich zweimal auf Gegner, welche ihm ziemlich zu schaffen machen und wo er den Kampf nur mittels unüblichen Taktiken beenden kann. Der eine dieser beiden Gegner ist sein bester Freund Gawan, welcher, ebenso wie Iwein maskiert kämpft. Erst in einer „Verschnaufpause“ erkennen sich die beiden und beenden sofort den Kampf, welcher einen Tag gedauert hat.

Der andere ist Askalon, der Mann von Iweins späterer Frau Laudine, welchen er zum Zweikampf provoziert.

In Askalons Reich befindet sich ein eigentümlicher Brunnen, welcher verheerende Unwetter auslöst, wenn man sein Wasser auf einen bestimmten Stein ergießt. Von Keye provoziert, welcher Kalogreant, den Neffen Iweins, bezüglich seiner Niederlage am Brunnen verspottet, macht sich Iwein vor der Schar um Artus zu diesem Brunnen auf und startet ein Unwetter. Dieses ist jedoch eine Art Alarmanlage, welche Askalon warnt, daß ein Fremder in sein Reich eingedrungen ist und Besitzansprüche stellt. Sofort kommt er gen Brunnen galoppiert um seine Herrschaft zu präsentieren.

Der Kampf mit Askalon

dôdaz weter ende nam,/dôhôrter daz geriten kam/des selben waldes herre./der gruozt in harte verre/als vîent sînen vîent sol:/ouch verstuont sich her Îwein wol/daz er sich weren solde,/ob er niht dulden wolde/beide laster unde leit./ir ietweder was gereit/ûf des anderen schaden:/sî hete beide überladen/grôz ernest unde zorn.46

Das Askalon aufgebracht ist, ist ja verständlich, immerhin wurde sein Wald durch das Unwetter verwüstet und hat sich doch Iwein ohne zu fragen auf sein Territorium begeben. Iwein hingegen ist der Eindringling, welcher dem rechtmäßigen Burgherren sein Land rauben will und damit eigentlich der negativ besetzte Part, denn Askalon hat ihm ja eigentlich nichts getan. Das Kalogreant so schmählich gegen ihn verloren hatte ist sein Kram und zwar rühmlich von Iwein, daß er dessen Ehre verteidigen will, doch wie er das macht ist alles andere als ritterlich.

Wiederum widerspricht sich Hartmann:

sî wâren dâ beide,/und ouch nieman bî in mê/der mir der rede gestê./spræch ich, sît ez nieman sach,/wie dirre sluoc, wie jener stach:/ir einer wart erslagen,/dern mohte niht dâ von gesagen./der aber den sige dâ gewan,/der was ein sôhövesch man,/er hete ungerne geseit/sôvil von sîner manheit/dâ von ich wol gemâzen mege/die mâze ir stiche und ir slege.47

Ist Iwein tatsächlich so höfisch, daß er deshalb den genauen Tathergang verschweigt, oder ist es ihm lieber wenn man gar nichts davon erfährt. Hartmann entschuldigt sich für seine undetailierte Beschreibung damit, daß niemand gesehen hat, was genau passiert ist. Das Ende des Kampfes, welches ja auch niemand außer den beiden gesehen hat, ist jedoch wieder sehr ausführlich beschrieben. Die Passage davor, in welcher Hartmann das höfische Gehabe Iweins lobt, ist als eine Vorwarnung auf das nun Folgende zu verstehen, welches das unrühmliche Verhalten Iweins bestärkt.

Nachdem er Askalon einen tödlichen Schlag versetzt hat, dieser sich jedoch aufrafft um in seine Burg zu fliehen, überlegt Iwein, was er mit seinen zu Tode verwundeten Gegner machen soll.

do gedâht her Îwein, ob er in/niht erslüege od vienge,/daz ez im danne ergienge/als im her Keiî gehiez,/der niemens ungespottet liez:/und waz im sîn arbeit töhte,/sôer mit niemen enmöhte/erziugen diese geschiht/(wan dâne was der liute niht):/sôspræcher im an sîn êre./des begunder im vil sêre/ze slage mite gâhen,/unz sî die burc sâhen.48

Iwein kann den verletzten Askalon noch einholen und erschlägt ihn hinterrücks. Damit ergibt sich für den stolzen Iwein, dem Ritter mit dem Löwen, ein ziemlich jämmerliches Bild. Er kommt mit der gleichen Gesinnung wie ein Räuber in ein fremdes Reich, fordert dort ohne Nennung von Gründen den Hausherrn zum Kampf herauf und erschlägt diesen, als er schwerverletzt flüchtet.

Höfisch gesehen steht Iwein ganz schlecht da und es ist gut, daß niemand außer Hartmann genau wußte, was passiert ist. Seine einzigen Beweggründe in das fremde Reich mit kriegerischen Absichten einzudringen, waren die verlorene Ehre Kalogreants und der Spott Keyes. Wenn jedoch Parzival offen sagt, daß er Ithers Rüstung begehrt und Erec in einem regulären Kampf gegen Iders antritt, so handelt Iwein viel grundloser. Genaugenommen ist er ein Feigling, welcher sich vor den Verhöhnungen Keyes fürchtet und in dieser Furcht eine Kurzschlußhandlung nach der andern begeht.

Von all jenen Rittern, welche bis jetzt vorgestellt wurden, ist Iwein sicher jener, welcher die wenigste Macht ausstrahlt und mehr wie ein Strolch agiert, als wie ein Ritter.

Das Turnier vor Kanvoleis

Bis jetzt wurden nur die Einzelpersonen behandelt, um welche sich die jeweilige Geschichte dreht. Da Artus selber ja unfehlbar ist, muß immer einer der um ihn gescharten Ritter in Unehre fallen und diese durch das Bestehen verschiedener Abenteuer wieder ausbessern. Auf diesem Weg der Besserung treten sie jedoch immer alleine auf und nur selten findet sich ein Freund der ihnen zur Seite steht. Deshalb präsentieren sie auch immer nur als Einzelperson Macht und nicht innerhalb einer Gruppe.49 Diese Macht kann natürlich so groß sein, daß man sie nicht mehr für eine Einzelperson ansieht.

Wenn Kalogreant das Anstürmen von Askalon beschreibt, so meint er in ihm ein ganzes Heer zu sehen und nicht mehr nur einen einzelnen Mann.50 Was passiert aber wirklich, wenn mehrere Ritter aufeinandertreffen, von welchen jeder Einzelne ein Held ist, in der Gruppe jedoch gegenüber den anderen nicht zurückstehen will. Bei Gahmuret konnte schon gesehen werden, daß er sich gegenüber den anderen dadurch abhebt, daß er sein Zelt an einem so expliziten Platz aufstellt, daß Herzeloyde jeden Handgriff beobachten kann. Und Gahmuret ist bei diesem Turnier auf gar keinen Fall der einzige Edle, welchen die Königin besondere Aufmerksamkeit schenken sollte. Durch die Bank handelt es sich bei den Anwesenden um angesehene Persönlichkeiten und wäre Gahmuret nicht der Held der Geschichte, so müßte er gegenüber diesen verblassen.

Da er aber nun mal der Held ist, geben die anderen Ritter nur eine Statistenrolle ab, egal wie gut ihr Name klingen mag.

König Lac, Vater von Erec, geht sang- und klanglos gegen Môrholt von Irland unter, welcher später noch Tristan in Schwierigkeiten bringen sollte. Obwohl man sang- und klanglos gar nicht sagen kann, er wird von Wolfram sogar noch verspottet, wenn er schreibt, daß er dâ vor enpfangen solhen solt, den der vallende an der erde holt: er hete ez dâ vil guot getâ n.51

Utepandragûn, dem Vater des Artus ergeht es nicht viel besser, er wird vom König von Arragonien aus dem Sattel gehoben. Doch all diese Sticheleien sind nichts gegen das Wirken Gahmurets, der schon in der Vesperie fast alle Gegner gefangen nimmt und damit das eigentliche Turnier überflüssig macht.

Wenn also eine Gruppe von Rittern auftritt, so sind ihre Aktionen meist ziemlich erbärmlich, verglichen mit jenen der einzelnen Helden. Wenn das Heer Artus' beim Stricker gegen den Riesenboten Maturs kämpfen muß, so zeichnet es sich vor allem dadurch aus, planlos herumzulaufen. Erst als Daniel kommt und den Riesen mit seinem Zauberschwert erschlägt, kehrt wieder Ruhe ein.52 Dazu kommt noch, daß Daniel diese Tat eher als lästige Pflichtübung ansieht, woran jedoch alle anderen außer ihm gescheitert sind.

Beim Turnier vor Kanvoleis ist die größte Aufgabe der Beteiligten, sich in die Lager der Gegner und der Mitstreiter Gahmurets aufzuteilen. Dies erfolgt hauptsächlich je nach der verwandtschaftlichen Bindung der jeweiligen Helden zu den späteren Gegnern oder Mitstreitern Parzivals.53

Um als Vergleich noch ein anderes Turnier zu einzuführen, sei das Turnier zu Friesach erwähnt, welches von Ulrich von Liechtenstein beschrieben wird. Dieses mit historischen Figuren geschmückte, aber nicht belegte Turnier, unterscheidet sich von dem zu Kanvoleis genauso, wie es Parallelen aufweist. Auch hier teilen sich, nach tagelangen Geplänkel, welches allein durch die Verkleidung Ulrichs aufgelockert wird, die Teilnehmenden in zwei Gruppen. Diese sind die Anhänger des Fürsten Liupoldt von Œsterrîch und des Fürsten von Kärndenlant. Wie sich nun die einzelnen Fürsten, Grafen und Markgrafen zwischen diesen beiden Partien aufteilen, ist historisch gesehen sicherlich von Interesse, sprengt aber diese soundso schon ausgeuferte Arbeit.

In Bezug auf das Thema dieser Arbeit muß aber angeführt werden, daß Ulrich, gleich wie Wolfram nie vergißt zu betonen, wie ritterlich und ehrenhaft, nicht alle Teilnehmenden waren. Aber wie man bereits bei den zuvor behandelten Helden gesehen hat, muß solche Auszeichnung durch einen Dichter nicht unbedingt das sein, was sie vorgibt zu sein.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Hartmann von Aue. Erec. Hg.: Thomas Cramer. Frankfurt/Main 1998.

Hartmann von Aue. Iwein. Aus d. Mittelhochdt. übertr. von Max Wehrli. Zürich 1988.

Daniel von dem blühenden Tal vom Stricker. Herausgegeben und übersetzt: Helmut Birkhan. Kettwig 1992

Ulrich von Liechtenstein. Frauendienst. Hg.: Reinhold Bechstein. Leipzig. 1888

Wolfram von Eschenbach. Parzival. Zweites Buch. Übersetzung: Wolfgang Spiewok. Stuttgart 1981.

Sekundärliteratur

Joachim Bumke. Wolfram von Eschenbach. Stuttgart 1991.S.

Hermann Reichert. Mittelalterliche Literatur als Männerliteratur. Skriptum zur Vorlesungß 1991. Wien 1991.

[...]


1 Wolfram von Eschenbach. Parzival. Zweites Buch. Übersetzung: Wolfgang Spiewok. Stuttgart 1981. S.104 59/1.

2 Parzival. 104 59/21

3 Parzival. 104 59/9

4 Hartmann von Aue. Erec. Hg.: Thomas Cramer. Frankfurt/Main 1998.794

5 Parzival. 104 59/15

6 Zwar schadet es der Ehre eines Ritters bei einem Turnier sich vor manchen Gegnern zu drücken, doch werden in der Literatur auch immer wieder jene Jungritter erwähnt, welche nur wegen der zu erwartenden Beute teilnehmen. Solche niederen Gründe haben die Helden des höfischen Epos natürlich nicht.

7 Parzival. 106 59/30

8 Parzival. 106 60/6-8

9 Parzival. 61/13-17 Mit Mühe wurde das prächtige Zelt aufgeschlagen, das dreißig Saumpferde tragen mußten. Der freie Platz war gerade groß genug, um die Spannschnüre zu verankern. Wolfram. Parzival. 109.

10 Daniel von dem blühenden Tal vom Stricker. Herausgegeben und übersetzt: Helmut Birkhan. Kettwig 1992. 58f

11 Parzival. 62/4

12 Parzival. 62/18-24 >Seht nur was für ein Zelt! Eure Krone, selbst Euer Reich sind nicht halb soviel wert!< >Soviel Lob ist nicht nötig. Ich sehe schon, es muß einem edlen und reichen Ritter gehören!< 111

13 Parzival. 62/26

14 Parzival. 62/28-63/9 Mittlerweile zog unser Held schon durch die Straßen der Stadt mit höfischem Pomp, so daß die Schlafenden vom Lager aufschreckten. Viele Schilde sah Gachmuret blinken. Die hellen Posaunen an der Spitze des Zuges dröhnten mit gewaltigen Schall. Zwei Tamburins, mit voller Kraft geworfen und geschlagen, verursachten solches Getöse, daß die ganze Stadt widerhallte. Darein mischte sich der Klang der Flöten, die ein Marschlied bliesen. 111

15 Parzival. 63/13-20 Nachlässig hatte der edle Recke ein nacktes, nur mit leichtem Stiefel bekleidetes Bein vor sich über den Sattel gelegt. Rot wie ein Rubin, als züngelten Flammen darüber hin, leuchteten seine vollen Lippen. Seine ganze Gestalt war berückend schön. In blonden Locken quoll sein Haar unter der kostbaren Kopfbedeckung hervor. Von grünem Samt, mit schwarzem Zobel verbrämt war sein Umhang über einem schneeweißen Gewand. 113

16 Vgl.: Hermann Reichert. Mittelalterliche Literatur als Männerliteratur. Skriptum zur Vorlesungß 1991. Wien 1991. S.55

17 Parzival. 63/26

18 Parzival. 64/7-8

19 Parzival. 117/8

20 Parzival. 117/19-29. Ehe er verständiger wurde, versammelte sie ihr Gefolge - Männer und Frauen - um sich und verbot ihnen, über Ritter zu sprechen, wenn ihnen ihr Leben lieb wäre. „Erführe nämlich mein Herzensliebling etwas vom Ritterleben, erwüchse mir daraus schweres Leid. Seid also verständig und sagt ihm nichts vom Rittertum.“ Das war allerdings schwer. 203

21 Parzival. 112/21-27. Nachdem die Königin sich erholt und ihr Kindlein wieder zu sich genommen hatte, beschaute sie mit ihren Hofdamen sein Gliedlein zwischen den Beinen. Immer wieder wurde er geherzt und liebkost, da er so recht wie ein Mann gebaut war. 195

22 Parzival. 127/1-10. Die Herrscherin nahm großes Sackleinen und schnitt aus einem Stück Hemd und Hose zurecht; die Hose bedeckte allerdings seine nackten Beine nur zur Hälfte. So kleideten sich jedoch Narren. Oben war noch eine Kapuze. Seinen Füßen wurden Bauernstiefel aus ungegerbter Kalbshaut angepaßt. 219

23 Parzival. 113/21-114/4

24 Parzival. 145/3-5. Sein Vater, dem man höfisches Benehmen nachrühmte, war besser gekleidet, als er vor Kanvoleis auf seinem Teppich saß. 249

25 Vgl.: Joachim Bumke. Wolfram von Eschenbach. Stuttgart 1991.S. 64-65

26 Parzival tötet zur Erlangung der von ihm begehrten Rüstung den König von Kukumerland, Ither, mit einem Wurfspeer , also einer Waffe, welche sich kein Ritter anmaßen würde anzugreifen. Außerdem folgt er dabei nicht den Regeln der Tjost, da er bereits vom Pferd gestürzt ist und sich nicht mit dem Schwert gegen den anreitenden Gegner verteidigt, sondern mit einer Wurfwaffe. Parzival. 150/11-22

27 Daniel. 50-53

28 Dies gilt natürlich nur für Parzivals Anfangszeit als Ritter. Im Laufe des Epos versteht er es sich die höfische Art anzueignen. Obwohl ihm seine beiden Sünden, die Ermordung Ithers und der von ihm verschuldete Tod Herzeloydes, wegen gebrochenen Herzens, ihn sein ganzes Leben lang verfolgen.

29 Bumke. 1991. S.55

30 Parzival. 154/27-29

31 Erec. 589-620. Wenn dies eure Meinung ist, so verfügen wir hier über eine prächtige Rüstung, leicht zu tragen und stark. Die Last der Armut hat mich nie auch nur auf den Gedanken gebracht, sie zu veräußern, ich behielt sie auf die Hoffnung hin, ein Freund würde sie eines Tages brauchen können,- aus eben dem Grunde war ich willens, sie ihm zu borgen. Er [Erec] bat ihn, ihm die Rüstung zu zeigen, damit er sehen könne, ob sie zu ihm paßte und nicht zu eng oder zu schwer sei. Es zeigte sich, daß sie leicht und stark war. Darüberheiteren Sinnes Erec, der Sohn des Königs Lac. 32-33

32 Erec. 323-338. Das Mädchen war schön von Gestalt. Ihr Kleid war grün, ganz und gar zerrissen und überall abgeschabt. Ihr Hemd darunter war schmutzig und an vielen Stellen zerrissen, dort schimmerte ihr Körper schwanenweiß hindurch.[...] Ihr Körper schimmerte durch die schäbige Kleidung wie eine Lilie, wenn sie weiß unter schwarzen Dornen blüht. 21

33 Erec. 331-332.

34 Parzival. 64/4.

35 Parzival. 130/21-23.

36 Erec. 1530-1584.

37 dôdûhte von im vollen grôz/daz er durch sîn houbet blôz/von ungewahrheit niht vermeit/daz er schône in reit/und sôgenendeclîchen/da vîende tet entwîchen. Hartmann. Erec. 2714-2719. Und als größte Tat kam ihnen vor, daß er trotz ungeschützten Kopfes in der kritischen Lage nichts unterlassen hatte, ihnen tapfer zu Hilfe zu kommen und so kühn die Feinde in die Flucht geschlagen hatte. 123

38 Hartmann. Erec. 641-649. Erec aber schlug das aus. Er sagte: “Das soll nicht geschehen. Der hätte eine falsche Einstellung, wer eine Frau nur nach ihrer Kleidung einschätzen wollte. Bei einer Frau soll man nach der Gestalt urteilen, ob sie schön ist, und nicht nach der Kleidung. 34f

39 Hartmann. Erec. 333-335. Und wäre sie reich gewesen, so hätte ihr nichts dazu gefehlt, sie als eine wünschenswerte Partie erscheinen zu lassen. 21

40,lât den sparwære stân! ez ensol iu niht sôwol ergân, ir dürftiginne. War tuot ir iuwer sinne?. Erec. 692-695. „Laßt den Sperber sitzen. So gut soll es Euch nicht gehen, Bettlerin! Wo habt ihr euren Verstand gelassen? 37

41 Erec. 728-750. Alsbald gingen sie auseinander und bewaffneten sich, der Ritter, wie ihm wohl anstand, und Erec, so gut er konnte. Iders war bereit, denn er hatte sich so ausgerüstet, wie es für ein Turnier nötig ist. Seine Lanzen waren schön bemalt, er hatte eine Helmzier, sein Pferd war mit einer prächtigen Schabracke geschmückt -die Erec fehlte -, sein Waffenkleid war eben so prächtig, grasgrüner Samt mit prächtigen Borten eingefaßt. Wie die Quelle uns berichtet, war seine Rüstung rühmenswert, er selbst sah wie ein stattlicher Ritter aus. Erec ritt auch herbei, sein Schild war alt, schwer, lang und breit, seine Lanzen schwer zu handhaben und lang, er und sein Pferd waren zur Hälfte unbedeckt, so wie es ihm sein alter Schwiegervater eben geborgt hatte.

42 Erec. 1266-1269

43 Erec. 883

44 Erec. 902

45 Erec. 936

46 Hartmann von Aue. Iwein. 999-1011. Aus d. Mittelhochdt. übertr. von Max Wehrli. Zürich 1988. Als das

Wetter zu Ende ging, hörte er, wie der Herr dieses Waldes geritten kam. Der rief ihn schon aus großer

Entfernung an, wie ein Feind seinen Feind soll: auch begriff Herr Iwein gut, daß er sich verteidigen mußte, wenn er nicht Schande und Schmerz erleiden wollte. Jeder von ihnen war darauf aus, dem andern zu schaden. Beide erfüllte großer Ernst und Zorn. 70-71

47 Iwein. 1032-1044. Sie zwei waren da, aber sonst niemand mehr bei ihnen, der mir für die Erzählung bürgen könnte. Soll ich nun schildern - obwohl es niemand sah - , wie dieser schlug und jener stach - einer von ihnen wurde jedenfalls erschlagen, und der konnte nichts davon berichten. Der aber den Sieg gewann, der war ein so höfischer Mann, daß er ungern so viel von seiner Tapferkeit erzählte, daß ich daraus das Ausmaß ihrer Stiche und Schläge bestimmen könnte.

48 Iwein. 1062-1074. Da überlegte Herr Iwein, wenn er ihn nicht erschlüge oder gefangennähme, daß es ihm dann erginge, wie ihm Herr Keie, der niemanden mit seinem Hohn verschonte, verheißen hatte, und was ihm seine ganze Mühe nütze, wenn er mit niemanden dieses Geschehen bezeugen könne (denn es waren keine Leute da) - dann würde er ihm seine Ehre angreifen. Deshalb begann er ihm auf der Spur nachzustürmen, bis sie die Burg sahen. 74-75

49 Vgl. Reichert. 28f

50 Iwein. 695-698

51 Parzival. 73/23-25

52 Daniel. 3824-3847

53 Vgl.: Bumke. 55

Details

Seiten
24
Jahr
1999
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99092
Note
1
Schlagworte
Darstellung Helden Epos

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Titel: Die Darstellung des Helden im höfischen Epos