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Hartmann von Aue, Leben und Werke

Ausarbeitung 2001 8 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Hartmann von Aue, Leben und Werke

1.Das Leben des mittelhochdeutschen Dichters

Hartmann von Aue gehört zu den bedeutendsten Epikern des Mittelalters. Durch seine klare Sprache und seiner oft leicht kritischen Werke avancierte er zum Vorbild für viele Dichter und Schriftsteller bis in das 20.Jahrhundert hinein. Hauptsächlich im 13.Jahrhundert orientierten sich Epiker wie Heinrich von Türlin oder Rudolf von Ems an ihm. Leider gibt es zu Hartmanns Person nur sehr wenige biographische Angaben, deshalb ist man auf „seine Selbstzeugnisse angewiesen"1. Beispielsweise in seinen Werken „Iwein" oder „der arme Heinrich" macht er einige Angaben über sich selbst. Dort findet man Hinweise dafür, dass er durch den Klerus gebildet wurde, denn er beherrscht deren Schriftwesen. Des weiteren bezeichnet er sich als „Ritter", was auf seine edle geistige Haltung bezogen ist und nicht auf den gleichnamigen Beruf des Ritters. Hartmann von Aue gehört trotz seiner „klerikalen Bildung"2 der Oberschicht der unfreien Dienstleute, den Ministerialien, an, das heißt er nimmt eine Art Zwischenposition zwischen Laienwelt und Klerus ein.

Interessant sind auch die Versuche einzugrenzen aus welchem Gebiet Hartmann von Aue stammt. „Von Ouwe"3 ist ein Ortsname, den es zu dieser Zeit sehr häufig gab, deshalb ist nicht eindeutig feststellbar, welche Aue nun gemeint ist. Allerdings gibt es Spuren eines alemannischen Dialekts in seinen Werken und auch Heinrich von Türlin gibt Hinweise darauf, dass Hartmann aus dem Herzogtum Schwaben stammen könnte. Deshalb vermutet man heute, dass seine Heimat im Süden Baden-Württembergs, Vorarlberger-, Ostschweizer Gebieten, oder im Elsaß gewesen sein könnte.

Auch die Frage nach seinem Mäzen ist bis heute ungeklärt. Ein Wappen, das dem der Herzöge von Zähringen ähnelt, welches bei einigen Liederhandschriften4 gefunden wurde, bringt Hartmann von Aue mit diesem Adelsgeschlecht in Verbindung. Dieser schwäbisch- alemannische Hochadel pflegte auch Beziehungen nach Frankreich, dadurch könnte Hartmann auch in Berührung mit den Werken Chrétien de Troyes gekommen sein, doch das bleibt, genauso wie seine Schaffenszeit nur eine Vermutung. Nimmt man an, dass Hartmann Chrétiens Romane, die um 1180 erschienen sind, kannte und zieht man noch hinzu das Eschenbach Hartmanns Roman "Iwein" in seinem „Parcival" erwähnt, so könnte man seine Schaffensperiode auf den Zeitraum von 1180 - 1200 eingrenzen, aber auch das bleibt nur eine grobe Schätzung.

2. Werke

a) Das Klagebüchlein

Sein wohl erstes Werk ist das Reimpaargedicht „Das Klagebüchlein", bestehend aus 1914 Versen. Inhaltlich handelt es sich um einen Disput zwischen „herze", als Sitz der Seele und dem Geist, und der „lîp", dem handelnden Körper. Der „lîp" glaubt, dass die Minne nur Leid bringt und alles Streben um sie zu erreichen vergeblich ist. Das „herze" hingegen meint, dass der „lîp" nicht genügend Willen zeigt, denn nur gemeinsam können sie ihr Ziel, die „Minne verwirklichen"5. Es konnten zu dem „Klagebüchlein" keine direkten Quellen gefunden werden, vielmehr ist es ein Vorgänger für die darauffolgenden Minnelieder und -reden.

b) Die 17 Minnelieder

Das zentrale Motiv aller 17 Minnelieder ist die unerreichbare Minne, jedoch in verschiedenen Variationen. Mit dem Begriff der „hohen Minne" ist gemeint, dass der Ritter im Dienste seiner unerreichbaren Geliebten steht und für sie Heldentaten vollbringt. Die Erfahrungen dabei werden in den 17 Liedern thematisiert, wie zum Beispiel in den Liedern 1-4, welche hauptsächlich von der Erfolglosigkeit bei der Werbung um die Geliebte handeln. Von den 17 Minneliedern heben sich die drei Kreuzzugslieder (5, 6, 17) ab, sie beinhalten mehr einen Zwiespalt zwischen „Minneheil" und dem „übergeordneten religiösen Heil"6. Die Kreuzzüge sind für den Ritter die eigentliche höchste ethische Norm, die es in jedem Fall zu erfüllen gilt. Abschließend ist zu den 17 Minneliedern zu sagen, dass man trotz vieler Versuche die einzelnen Lieder zyklisch zu ordnen, zu keinem befriedigendem Ergebnis gekommen ist.

c) „Erec" - ein „Artusroman"

„Erec" ist der erste Roman in deutscher Sprache, der um die Artussage rankt. Chrétiens Roman „Erec et Enide" könnte als Vorlage für Hartmanns „Erec" gedient haben, denn sie sind sich inhaltlich ziemlich nahe, wenn auch Hartmann sein Werk an die Leser richtet, die weniger mit der Thematik vertraut sind und er freier mit dem Inhalt umgeht, ist die Ähnlichkeit nicht zu leugnen.

Die Handlung in Hartmanns „Erec" ist klar durchstrukturiert. Er bedient sich vornehmlich des „vierhebigen Reimpaarverses"7. Die äußere Handlung ist gleichzusetzen mit der inneren Entwicklung des Helden Erec: „Aufstieg, Krise und endgültig errungenem Status"8, wie man deutlich im Verlauf erkennen kann. Der Prolog ist nicht mehr erhalten, deshalb muss man den Beginn der Geschichte durch Chrétiens Roman ergänzen.

Erec, ein junger ambitionierter Ritter, scheut sich vor keiner noch so schweren Aufgabe, er meistert jede mit Bravour. Während eines Ausritts mit einer Hofdame, werden sie angegriffen. Der mutige Ritter verfolgt die Angreifer bis nach Tulmein. In Tulmein angekommen, ohne Waffen, muß er sich diese von einem verarmten Ritter leihen, um bei einem Preisturnier teilnehmen zu können. Die Dame des Siegers, welche in Erecs Fall Enite, die Tochter des verarmten Ritters wäre, bekommt einen Sperber, zum Zeichen ihrer unvergleichlichen Schönheit. Erec geht als Sieger aus dem Kampf hervor und seine Dame und er sollen dafür am Artushof ausgezeichnet werden. Auf dem Weg dorthin entdecken Enite und Erec ihre Gefühle füreinander und schon bald darauf kommt es zur Heirat. Erecs Vater,der König ist, übergibt die Regentschaft an seinen Sohn.

Jedoch blind vor Liebe zu Enite bemerkt dieser nicht, wie sehr er seine Aufgaben als Herrscher vernachlässigt. Sein Hof verfällt und diese Vernachlässigung der ritterlichen Pflichten kann nur wieder durch neue Heldentaten Erecs im Beisein seiner Frau gutgemacht werden. Dadurch würde sein Ansehen am Hofe Artus wieder steigen. Sein letztes Abenteuer ist die Befreiung des Ritters Mabonagrin, der denselben Fehler begangen hat wie Erec selbst, denn auch er vernachlässigte seine ritterlichen Aufgaben auf Grund einer Minneliebe. Erec schafft die Befreiung und beweist somit aller Welt, dass er ein Gleichgewicht zwischen der Liebe zu Enite und dem ritterlichen Ethos gefunden hat. Dies ist auch der Kern des Romans, denn der Held muß über Umwege erkennen, dass er eine Koexistenz zwischen Minneehe und des Ritterdaseins erreichen muss. Vernachlässigt er eine Seite, so hat das auch Auswirkungen auf die andere Seite. Ist er jedoch siegreich im Kampf, so festigt sich dadurch auch die Bindung zu Enite.

Der Held lernt während seiner Abenteuer, was es bedeutet verantwortlich zu Handeln und als Individuum sich den Aufgaben der Gesellschaft zu stellen.9

d) „Gregorius", eine „höfisch religiöse Erzählung"

Die Erzählung des „Gregorius" entstand ungefähr 1185/90. Sie geht auf eine „Legende von einem nicht historischen Papst Gregor"10 zurück. In diesem Werk von Hartmann prallen höfische und religiöse Wertvorstellungen aufeinander, deshalb ist die Zuordnung zu einer Gattung nicht einfach. die Geschichte weist sowohl Stellen auf, die dem höfischen Roman zu zuordnen sind, als auch Textpassagen, die legendenhaft sind.

Ein adeliges Geschwisterpaar entdeckt eine verbotene Liebe füreinander. Dieser nicht rechtmäßigen Liebe entspringt ein Sohn, den sie nach der Geburt aussetzen. Der Sohn wird von einem Abt aufgefunden und von da an im Kloster erzogen. Während des Heranwachsens wird der Wunsch des Jungens, der Gregorius genannt wird, Ritter zu werden immer größer. Er verläßt das Kloster und auf seiner Reise muß er schon bald seine erste Heldentat vollbringen, er hilft einer Frau in Not. Diese Frau ist seine Mutter, doch sie erkennen einander nicht. Gregorius heiratet daraufhin unwissentlich seine eigene Mutter und es kommt somit zu einer zweiten Inzest. Als dies herauskommt geht Gregorius als Eremit auf eine Insel, um Buße zu tun. Nach 17 Jahren wird er zum Papst ernannt, er trifft auch wieder auf seine Mutter und beide sind durch die Ernennung von Gregorius zum Papst mit Gott versöhnt. Durch Hartmanns „Gregorius" kamen häufig Diskussionen auf, inwieweit er mit der „Sündentheologie"11 vertraut war und ob er seinen Roman danach ausgerichtet hat. Sicher ist nur, dass Hartmann von Aue damit aufzeigt, das jeder Einzelne sich unbewußt mit Schuld beladen kann, die dann nur durch Gott wieder abgewendet werden kann.12

e) „Der arme Heinrich" - „höfische Mirakelerzählung"

Für dieses Werk Hartmanns wurden keine gesicherten Quellen gefunden. Wahrscheinlich ist, dass er selbst die zwei Erzählarten, die „Heilungs- und Heilsgeschichte"13 mit der „Selbstopfergeschichte"14 verknüpft hat.

Die Erzählung handelt von dem aussätzigen Freiherrn Heinrich, der nur durch das Blut einer geopferten Jungfrau geheilt werden kann. Er zieht zu einem Bauern. Dessen Tochter, die Heinrich pflegt, entschließt sich zu opfern.

Heinrich bringt es nicht über das Herz, das Opfer anzunehmen. Daraufhin erfährt er eine göttliche Heilung. Vor Glück heiratet er, trotz des Standesunterschiedes das Mädchen.

Dadurch zeigt Hartmann, die für das Mittelalter gewagte These auf, dass beide auf Grund der „bestandenen Prüfungen"15 gleich vor Gott und aller Welt sind. Vielleicht wurde die Geschichte aus diesem Grund kaum von dem mittelalterlichen Publikum gelesen.

f) „Iwein" - Ein „Artusroman"

Hartmanns zweiter „Artusroman"16 entstand wahrscheinlich erst um 1200. Bei diesem Roman hielt sich der Autor noch strenger an seine Quelle, dem Roman Chrétiens „Le Chevalier au lion". Allerdings paßt er sein Werk den mittelalterlichen Gegebenheiten an. Die Beziehung des Helden Iwein zu Laudine tritt mehr in den Hintergrund, dafür wird die

„Herrschaftsproblematik"17 mehr hervorgehoben. Es werden in „Iwein" viele Erzählformen gemischt, wie zum Beispiel märchenhafte Elemente oder auch religiöse, dadurch gewinnt der Roman an Frische und Abwechslungsreichtum.

Der Autor beginnt den Roman damit, dass sein Held Iwein einen Stein mit Wasser begießt.

Dadurch wird ein Unwetter ausgelöst und daraufhin kommt es zur Konfrontation mit Askalon, dem Herrn des Brunnenlandes. Iwein tötet ihn im Kampf auf dessen Burg. Dort verliebt er sich in die Frau des Verstorbenen, Laudine. Er findet eine Verbündete in Lunete, der Vertrauten von Laudine. Laudine läßt sich von ihr zu einer Heirat überreden. Schon bald bittet Iwein seine Gemahlin um ein Jahr in dem er auf Turniere gehen kann, damit er seine ritterlichen Pflichten nicht vernachlässigt. Laudine stimmt zu, setzt ihm aber einen Termin für die Rückkehr. Iwein versäumt diesen Termin, woraufhin er von seiner geliebten Frau verstoßen wird. In seiner Verzweiflung verliert er den Verstand, allerdings wird er schon bald durch eine Burgherrin geheilt. Als Gegenleistung hilft er ihr gegen einen Feind. In einem weiteren Abenteuer verteidigt er einen Löwen gegen einen Drachen. Der Löwe folgt ihm von da an aus Dankbarkeit auf all seinen Wegen, deshalb wird Iwein nur noch „Löwenritter" genannt. Lunete soll derweil auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Iwein will sie natürlich verteidigen, zuvor hilft er allerdings noch einem Burgherrn aus der Not. Fast verpaßt er deswegen den Gerichtstermin, dadurch erkennt er, dass „er lernen muß, Fristen einzuhalten"18. Iwein schafft es die Ankläger zu besiegen, somit ist Lunetes Leben gerettet. In noch weiteren Abenteuern beweist Iwein, das er gereift ist und pflichtbewußt genug Fristen einzuhalten. Seine Versöhnung mit Laudine erreicht er durch einen Trick. Er selbst löst nochmals ein Unwetter aus, Laudine wählt den Löwenritter als Beschützer, ohne zu wissen, dass es sich um ihren Ehemann handelt. Letztendlich versöhnen sie sich. „Iwein" avancierte zum Vorbild für viele Artusromane, denn er ist die Verkörperung des „Herrschafts- und Minneideal"19. Iwein gelingt es zum Schluß sein ritterliches Ethos zu erfüllen, aber auch gleichzeitig sein persönliches Glück mit Laudine zu finden.

3. Überlieferungen der Werke und Nachwirkungen

Die Werke Hartmanns wurden unterschiedlich oft aufgefunden. „Das Klagebüchlein" ist nur als eine Überlieferung im Ambraser Heldenbuch erhalten, genauso wie Hartmanns Lieder, die unter seinem Namen in verschiedenen Liederherausgaben erschienen sind, zum Beispiel in einer Heidelberger Liedersammlung.

Hartmanns Artusroman „Erec" ist ebenfalls nur im Ambraser Heldenbuch erhalten, allerdings gibt es noch die Wolfenbütteler Fragmente. Der „Gregorius" liegt in sechs verschiedenen Schriften vor und zusätzlich in fünf Bruchstücken, welche ungefähr vom 13. Bis zum 16.

Jahrhundert entstanden sind. Die höfische Mirakelerzählung „Der arme Heinrich" liegt in drei Aufzeichnungen und drei Fragmenten aus dem 13. Und 14. Jahrhundert vor. Sein letztes Werk „Iwein" wurde am häufigsten niedergeschrieben, ungefähr fünfzehn Handschriften existieren, davon viele auf Pergament. Noch dazu wurden siebzehn Fragmente aufgefunden. Alle Niederschriften von Hartmanns Werken wurden nie zu seinen Lebzeiten hergestellt, oder zumindest sind keine mehr aus dieser Zeit erhalten.

Abschließend bleibt zu sagen, dass Hartmann von Aue durch seine sprachlichen und rhetorischen Fähigkeiten, durch Ironie und „seinem Gespür für soziale und existentielle Probleme der feudalen Gesellschaft"20, Vorbildcharakter erlangt.

Seine Werke wurden bis in die Neuzeit immer wieder bearbeitet wie zum Beispiel der „Gregorius" oder „der arme Heinrich", diese wurden von Gerhard Hauptmann oder auch von Thomas Mann wiederaufgenommen.

4.Literaturverzeichnis

Volker Mertens: Hartmann von Aue In: Deutsche Dichter, Leben und Werk deutschsprachiger Autoren Hg. v. Gunter E. Grimm u. Frank R. Max Stuttgart 1994. Bd. 1: Mittelalter S.164-179

Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearb. Aufl. hg. von Kurt Ruh zusammen mit Gundolf Keil, Werner Schröder, Burghart Wachinger, Franz Josef worstbrock, Berlin- New York 1978ff., (bisher 9 Bde.). Bd.

Bilderverzeichnis:

Manessische Liederhandschrift (Zürich, um 1300) von http://www.manesse.de/img/060.jpg

[...]


1 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994 S.166

2 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994 S.167

3 VL Bd. S. 500

4 Bild der Liederhandschrift siehe Anhang

5 VL Bd. S.503

6 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.170

7 vgl. VL Bd. S.507

8 VL Bd. S.508

9 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.175

10 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.175

11 VL Bd. S.511

12 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.176

13 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.176

14 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.176

15 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.176

16 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.173

17 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.173

18 vgl. Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994. S.174

19 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.174

20 Volker Mertens, Hartmann von Aue 1994, S.177

Details

Seiten
8
Jahr
2001
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99110
Note
Schlagworte
Hartmann Leben Werke Einführungsseminar Germanistik

Autor

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Titel: Hartmann von Aue, Leben und Werke